Das Ende und ein Neuanfang

Ich musste im Juni einen Urlaubstag nehmen, so dass ich das gleich dazu genutzt hatte, das ganze Organisatorische fuer die Rueckreise am 1. zu machen. Wir waren also heute beim Amt und meldeten sie ab. Und dann waren wir bei unserer Haus- und Hofkleidungsreinigung, und der Besitzer hatte sogar versprochen, ihre Schuluniform bis morgen frueh extra fuer sie sauber zu machen.

Morgen abend muessen wir dann den Koffer vorschicken. Sie wird direkt nach Narita fliegen und muss dann da nur auf die anderen warten. Den Flug wird sie uebrigens mit einer anderen Franzoesin zusammen verbringen, so dass sie da nicht ganz alleine sein wird und jemanden hat, mit dem sie weinen und ueber ihre Erlebnisse sprechen kann.

Am Montag wird sie dann noch einmal so in die Schule gehen, um ihre Uniform zurueckzugeben. Und der Dienstag wird dann mit der Reinigung des Zimmers und anderem verbracht werden. Es ist schade, dass ich die beiden Tage keine Heimarbeit machen kann, weil ich an beiden Tagen Aktionen in meiner Firma habe, woran ich unbedingt teilnehmen muss.

Am Mittwoch werden wir uns dann von Maennle zur Bushaltestelle mitnehmen lassen. Ihre Vertrauenslehrerin hat mir schon geschrieben, dass sie auch kommen will. Und ein paar ihrer Freundinnen wollen wohl auch zum Abschied kommen. Und dann wird wohl erst einmal die ATS-lose Zeit losgehen.

WYS scheint sich aber nicht kleinkriegen zu wollen und versucht, doch einen neuen Austauschjahrgang durchfuehren zu wollen. Die Leiterin rief mich heute an und sagte mir, dass sie ein Maedchen fuer uns haetten, dass wohl perfekt zu uns passen wuerde. Sie kommt … tattataraaa… aus Belgien, auch wenn ich noch nicht weiss, aus welchem Teil. Und sie hat wohl auch irgendeinen ozeanischen Hintergrund, wenn ich das richtig verstanden habe, und wird wohl nicht wie sonst mitteleuropaeisch weiss sein. Und das Maedchen haette wohl auch gar nichts gegen eine nichtjapanische Gastmutter.

Weiterhin wurde ich auch gefragt, ob ich immer noch bereit sei, dieses Jahr mal zwei Maedchen aufzunehmen. Es fielen Laender wie Deutschland, Daenemark und … cool… Norwegen. Aber wichtiger als die Paesse ist das Gefuehl, dass wir miteinander gluecklich werden koennten. Also haette ich auch kein Problem damit, wenn es wieder eine Deutsche werden sollte, auch wenn ich mich auch mal ueber andere Laender freuen wuerde. Das einzige Land, was es nicht werden wird, ist Italien, weil die Schule von P. sich dann zu viele Sorgen ueber Corona machen wuerde. Und ich glaube, Thailand wird es eher auch nicht, weil mir das letzte Thaierlebnis doch noch ziemlich in den Knochen steckt.

Mal sehen! Auf jeden Fall sieht es so aus, als ob wir wirklich wieder jemanden bekommen.

Das Einzige, was dem Ganzen jetzt doch noch einen Strich durch die Rechnung machen koennte, waere die Sturkoepfigkeit unserer Regierung, die Grenzen weiterhin fuer saemtliche Auslaender, selbst solche, die hier regulaer wohnen, zu sperren. Japaner duerfen ja rein, aber selbst ich mit einer permanenten Aufenthaltsgenehmigung duerfte nicht wieder zu meiner Familie, meinem Zuhause und meiner Arbeit, sollte ich Japan aus irgendwelchen Gruenden verlassen muessen. (Gut, es wurde leicht gelockert, aber die Ausnahmen waeren Tod oder bevorstehender Tod von Familie, eine Operation, eine Geburt oder Zeuge werden bei einer auslaendischen Gerichtsverhandlung. )

Der Rueckreisetag steht fest

Am Donnerstagabend teilte mir P. mit, dass sie eine Email von WYS bekommen haette, wann es fuer sie zurueckgeht. Und das waere der 30. Juni. Irgendwie fuehlte ich mich im ersten Augenblick leicht enttaeuscht, weil ich innerlich gehofft hatte, dass sie doch noch laenger bleiben kann.

Aber die erste Enttaeuschung abgeschuettelt und etwas weniger emotionell darueber nachgedacht, so ist es doch die beste Variante. Am Anfang eines Monats bin ich durch meine Arbeit immer ein wenig sehr beschaeftigt, so dass an einen Tag freimachen nicht zu denken ist. Im schlimmsten Fall koennten mir auch durchaus einige Ueberstunden bluehen. Dagegen ist das Ende eines Monats i.d.R. sehr ruhig. Ich habe meine Chefin gefragt, und ich darf einen Tag freimachen. Und aus Projektgruenden muessen wir alle im Juni einen Tag freimachen, so dass das natuerlich perfekt passt, wenn ich das gleich am 29. mache. Dann koennen wir in Ruhe zum Rathaus oder zur Post fahren und notwenige Erledigungen an dem Tag machen.

P. wird im Gegensatz zu anderen Laendern am Abend abfliegen, was bedeutet, sie kann im Laufe des Vormittags nach Tokyo fliegen. Ich habe WYS wieder gebeten, ihr doch einen Flug von Fukuoka aus zu buchen. Nicht nur, dass es von da aus Billigflieger nach Narita gibt, so dass ihr die Fahrt durch halb Tokyo und Chiba erspart bleiben wuerde. Sie kann wieder mit dem Bus zum Flughafen fahren und muss nicht von uns gefahren werden. Also muessen wir nicht auch freimachen. Und ausserdem wuerde das ihren Freundinnen eine Moeglichkeit geben, sie zu verabschieden und es dann noch puenktlich zur Schule zu schaffen. Bei einem Abflug von oertlichen Flughafen waere das durch die bloede Lage unmoeglich.

Austausch und Corona

Mit Schrecken stelle ich fest, dass ich viel zu lange meinen Blog vernachlaessigt habe. Jetzt ist schon wieder fast ein halbes Jahr um, die Zeit vergeht einfach viel zu schnell.

Um es kurz zu sagen, wir sind immer noch gluecklich mit unserer Franzoesin. Sie hat sich gut angepasst und scheint mit uns genau so viel Spass zu haben wie wir mit ihr. Ihr Japanisch ist immer noch naja, wenn man bedenkt, dass sie schon ueber 7 Monate hier ist. Ich bezweifle, dass sie JLPT N4 bestehen wuerde. Aber man sieht, dass sie sich anstrengt, und so geht es sehr langsam, aber sicher bergauf.

Ja, und Corona hat auch unsere Gegend nicht verschont, auch wenn die Situation NOCH (?) voellig harmlos ist im Vergleich dazu, was so manche Gegenden in Europa durchzumachen scheinen. Unsere Praefektur mit knapp unter 2 Mio. Einwohnern hat wohl um die 20 Kranke, und leider hat es ein aelterer Mann in den 70ern nicht geschafft und ist letzte Woche an Corona-erzeugter Lungenentzuendung gestorben. Aber so was ich gehoert habe, soll er ein starker Raucher gewesen sein und vorher schon nicht unbedingt eine topfitte Lunge gehabt haben.

Aber trotz der noch relativ entspannten Situation will auch unsere Praefektur nicht mehr Russisch Roulette spielen als notwendig und hat seit Anfang Maerz den Schulbetrieb eingestellt. Und das betrifft auch unsere ATS. Erst hiess es, dass mit dem Beginn des neuen Schuljahres der Schulbetrieb wieder aufgenommen wird, aber da in Tokyo und 6 anderen Regionen der Ausnahmezustand erklaert wurde, haben leibliche und Austauschkinder bis Anfang Mai schulfrei. Und auch wenn besonders sich Soehnle ueber die Verlaengerung ziemlich aufgeregt hat, so akzeptieren beide Kinder die Situation recht gut.

Uebrigens ist Toechterle bis zum 22. mit 14 anderen Kindern in Quarantaene in der Hafenstadt, von der die Faehre zu den 3 Inseln ablegt. Man will verhueten, dass die ausserpraefekturellen Kinder Corona auf die Inseln einschleppen. Toechterle war darueber nicht besonders gluecklich, aber sie hat auch die Notwendigkeit eingesehen. Ihr Klassenlehrer hat wohl auch schon mit ihr geskypt und meinte, sie sei gut drauf und gebe sich viel Muehe beim Selbststudium.

WYS hat sich im Gegensatz zu YFU oder AFS entschieden, noch abzuwarten, wie sich das weiter entwickelt. Dazu kommt auch, dass viele der ATS z.Z. nicht frueher nach Hause wollen. Und WYS will das auch respektieren. Dazu kommt, dass unsere Franzoesin Paris haengenbleiben wuerde, weil wohl das Reisen durch Frankreich zur Zeit untersagt ist. Das bleibt P. mit dem Okay ihrer Eltern erst einmal hier.

Ich habe seit Mitte Februar eine neue Arbeit in der Innenstadt, mit der ich sehr gluecklich bin. Allerdings hat auch unser Klient eingesehen, dass man von dem traditionellen Standpunkt abruecken muss, dass die Arbeit aus Sicherheitsgruenden nur im Buero stattfinden kann. Und so blueht auch mir in nicht allzu langer Zeit Heimarbeit.

Weiterhin ist der Berufsverkehr so weit zurueckgegangen, dass mein Bus am Morgen und Abend nicht nur ohne Verspaetung ankommt, sondern zwischendurch auch mal warten muss, weil er zu schnell ist. Leute weichen einander aus, und selbst Gespraeche im Bus sind jetzt unerwuenscht. Schade, aber nicht zu aendern.

Der Schritt in Richtung mehr Heimarbeit und weniger Ausdrucken, und ueberhaupt mehr Flexibilitaet bei der Arbeit ist etwas Positives fuer Japan. Aber trotzdem hoffe ich, dass Corona schnell Geschichte ist.