Arielle – Das Musical –

Um mich auf etwas zu freuen, hatte ich mir von Maennle eine Eintrittskarte fuer Arielle als verfruehtes Geburtstagsgeschenk fuer den Tag nach dem Ende dieses Austauschjahres gewuenscht. Also fuhr ich bei uebelsten Regen, so in Dimensionen von „Man nehme einen Wassereimer und schuette ihn ueber seinen Kopf“,  nach Fukuoka.

Veranstalter des Musicals waren die Gekidan Shiki, die das wieder in der Canal City verantstalteten, wo wir uns vor 2 Jahren das Sailor Moon Musical gesehen hatten.

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Beim letzten Mal hatte Maennle so unguenstige, aber auch preiswerte Plaetze gekauft, dass wir einen Teil der oberen Buehne nicht sehen konnten. Dieses Mal wollte ich das nicht erleben, ausserdem war es ein Geburtstagsgeschenk, so dass ich mir einen S-Platz leistete. Da hiess, ich sass direkt vor der Buehne. Und es war das Geld wert.

Man hatte sich wirklich viel einfallen lassen, um die Unterwasserwelt und das Schwimmen darzustellen. Das fliegende Haarproblem hatte man damit geloest, dass die Haare unter Wasser spitz aufgesteckt wurden.

Ariel - Musical

Der Fischschwanz war ein langes weiches dreieckiges Tuch, dass die Schauspieler beim Gehen entweder in den Haenden hielten oder beim Schwimmen losliessen und dann durch die Luft flatterte, wenn man die Seemaenner oder – frauen nach oben schwimmen liess.

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Wenn Arielle an die Oberflaeche kam, hatte sie trockenes, welliges Haar in einem natuerlichen rotbraunen Ton und nicht das Knallrot aus dem Trickfilm. Und wenn man schnell wie bei der Verwandlung von Nixe zu Menschenmaedchen bei Ursula einen Wechsel von Meer- auf Landfigur hinlegen musste, benutzte man ein Bodydouble fuer die Meerjungfrau und liess dann Arielles Darstellerin auf dem Land erscheinen.

Und wo wir von Ursula sprechen, sie wurde auch absolut klasse dargestellt. Und auch anscheinend etwas anders als im amerikanischen Original. Im japanischen Theater gibt es sogenannte Kuroko 黒子, woertlich schwarze Kinder. Das sind voellig Schwarz gekleidete Gehilfen, die Sachen auf der Buehne bewegen und die vom japanischen Publikum voellig ignoriert werden. Fuer Ursula wurden keine schwarzen, sondern violette Kinder benutzt. Ursulas Darstellerin stand selber in einer Art Fass, an dem die Arme befestigt waren. Die Kuroko trugen Sachen in der gleichen Farbe und mit den gleichen Saugnaepfen, so dass sie aus einiger Entfernung schwer von den Armen zu unterscheiden waren. Und entsprechend der Gefuehle Ursulas bewegten sie die Arme. Und als der Armen zum Schluss der Garaus gemacht wurde, nahm jeder Kuroko seinen Arm und lief in einer andere Richtung, so dass mit den entsprechenden Licht- und Geraeuscheffekten eine perfekte Explosion dargestellt wurde. Wirklich toll gemacht! Dazu war Ursulas Schauspielerin auch einfach perfekt fuer die Rolle.

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Der Vater Arielles, Koenig Triton, war auch voellig glaubwuerdig als besorgter und liebender Vater dargestellt. Prinz Erik war pures Eye candy, wenn ich mal einen englischen Ausdruck verwenden darf. Und er wirkte ueberzeugend als junger, abenteuerliebender Koenig. Flounders, wie auch immer er auf deutsch hiess, wurde glaubwuerdig als unerfahrener kleiner Fisch dargestellt, obwohl der Schauspieler gar nicht so jung gewesen zu sein scheint. Und Sebastian! Mein Gott, Sebastian, meine Lieblingskrabbe. Der Schauspieler zeigte gut die Wandlung von einem etwas arroganten, um sich selber besorgten Krabberich zu einem guten Freund Arielles, der alles tun wuerde, um ihr zu helfen. Eine absolut geniale Auswahl der Schauspieler!

(Alle Fotos sind vom Gekidan Shiki und gehoeren auch ihnen. )

Das Musical war so klasse, dass man richtig Lust bekommt, es sich doch noch einmal anzusehen. Ich kann es nur jedem empfehlen, wer die Moeglichkeit dazu hat.

Und noch ein Beweisfoto, dass ich wirklich da war. Und eigentlich strahle ich auch uebers ganze Gesicht…

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Das erste Musical

Am Donnerstag kam das lange angekuendigte Purikyua (Pretty Cure)-Musical erstaunlicherweise auch in unsere Stadt, und selbst auf die Gefahr hin, dass mein Mann an diesem Tag eventuell arbeiten muss, entschlossen wir uns, Karten fuer unsere zwei hauseigenen Purikyua-Fans zu kaufen. Ja, natuerlich hatte Goettergatte an dem Tag Arbeit, und leider sogar Nachtschicht. Also suchte ich mir am Vortage schon Busverbindungen und Zeiten raus und packte den Notfallrucksack.

Durch den Hinweis auf Purikyua liess sich sogar Soehnle erstaunlich schnell dazu zu bewegen, die Schuhe anzuziehen und loszugehen. Im ersten Bus war er noch voller Begeisterung, die aber leider nur 15 min anhielt, bis wir naemlich aussteigen und auf den naechsten Bus warten mussten. Und dann dann kam es: „Mama, kaerouuuuu yo.“ (Komm, Mama, lass uns nach Hause gehen!) Die gefuehlte halbe Stunde Warten (o.k., es waren vielleicht 10-15 min) war eine Ewigkeit. Dann kam gluecklicherweise zu meiner und aller Erleichterung der richtige Bus. Aber die „Kaerou“-Rufe gingen auch dort weiter.

Ich musste dringend vorher noch mal zur Post, und genuegend Wartezeit zum Totschlagen hatten wir auch, also liefen wir vielleicht 10 min, bis wir die Post fanden. Zwischendurch fing ein kleines Maedchen an zu maulen, dass sie ja Hunger und Durst haette, als sie ihr bekannte KOMBINI (24-Stunden-Laeden) sah und sich ploetzlich seeeehr gut daran erinnerte, dass es da auch Saft und Snacks gibt. Irgendwie schaffte ich es doch, die Kinder heil an in einem Pool mit plantschenden Kindern vorbeizuchauffieren, erledigte meine Sache auf der Post und … hoerte einen lauten Weinanfall eines kleinen Maedchens. Was ist denn nun passiert? Die anderen Kinder vermuteten, dass ihre Haende in der automatischen Tuer eingeklemmt wurden. Aber auf ihren Handflaechen gab es merkwuerdige kleine Dellen, die mich eher darauf tippen liessen, dass diese mit Wucht auf die Erde, sprich auf die kleinen Steinchen da geknallt sind. Und spaeter erzaehlte mir ein kleines Maedchen auch, dass es „KURURIN“ (Rollgeraeusch, sprich Turnen) am fuer kleine Haende viel zu dicken Gelaenderrohren machen wollte. Und klar ist sie dann abgerutscht und hatte sich mit beiden Haenden abgestuetzt. Gluecklicherweise war nichts gebrochen oder anderes, auch wenn sie den Tag hindurch leichte Schmerzen gehabt hat.

Auf dem Rueckweg ging es wieder an den KOMBINIS vorbei, aber wohl wissend, dass hungrige Kinder richtig nervig sind, hatte ich so wie so eingeplant, dass wir im KOMBINI direkt vorm Theater doch irgend eine Kleinigkeit zum Essen und Trinken kaufen. Nach dem Essen ihres Brotes war es dann auch 11.10 Uhr, also genau die richtige Zeit, um sich am Theater einzufinden.

Im Theater drinnen kam die naechste Falle fuer Eltern: Wenn es schon ein Animemusical gibt, dann kann man ja natuerlich auch jede Menge Produkte an die Leute verkaufen. Und die Augen eines kleinen Maedchens fingen dann auch sofort an zu leuchten. Nicht, dass ich meinen Kindern nichts goenne, aber die Sachen sind so etwas von unverschaemt teuer, dass man sich wirklich gut ueberlegen muss, ob man so etwas fuer ein Jahr kauft. (Im naechsten Jahr gibt es den naechsten Anime mit neuen Artikeln.)  Fuer das obligatorische Knuffelviech von 2011, eine weisse Katze namens Hummy, will man eben mal 50 Euro fuer ein Tier made in China sehen. Die Kostueme zum Verwandeln kosten 70 Euro, und da sind nicht einmal die Verwandlungs- oder Attackengegenstaende mit bei, die auch so je um die 30-40 Euro kosten. Und mittlerweile gibt es dieses Jahr 3 Purikyua-Kaempferin, wovon jedes meiner Kinder eine andere anhimmelt.

Irgendwie hatte ich es doch geschafft, die Kinder zu unseren Plaetzen zu buchsieren, als Toechterle einen Blick durch die Gegend warf und gefuehlte 10.000 Kinder mit irgendwelchen neu gekauft bekommenen Purikyuasachen spielen sah. Und dann ging die Betteltirade erst richtig los. Meine Rettung war die Mutter neben mir, deren Vater fuer sein Enkelkind alle moeglichen Sachen gekauft hatte, die sie meinen Kindern lieh, bevor das Musical losging.

Kaum ging die Musik in einer auch fuer mich leicht zu lauten Lautstaerke los, als ich einen Blick auf meine Tochter war, die voller Panik ihre Finger in den Ohren hatte und nur „Urusai, urusai“ (zu laut, zu laut) schrie. Oh, Mann, das kann ja noch EITER heiter werden. Kaum waren aber die allgemeinen Ankuendigungen der ONEESAN vom Theater vorbei und die Handlung begann, war Toechterle zumindest von der Handlung so fasziniert, dass sie aufhoerte, sich zu beschweren, auch wenn die Finger weiterhin in den Ohren blieben. Soehnle sass auf meinem Schoss und schaute gluecklicherweise nur gebannt auf die Handlung.

Die Handlung selber war nicht schlecht, Hibiki und Kanade erzaehlten der 3. neuen Kaempferin Elen, wie toll sie die Geschichten „Momotaro“, „Schneewittchen“ und „der Wolf und Hirte, der immer Luegen erzaehlte“ in einem Kinderbuch fanden. Das gegnerische Team verwandelte genau dieses Kinderbuch in das Monster des Tages, das dann die 3 Maedchen in je eine der Geschichten saugte, wo sie dann so allerhand erlebten, bis sie wieder aus dem Buch herauskamen. Im Gegensatz zu frueheren Sailormoon-Musicaln der gleichen Art haben die Schauspieler Masken auf, die aber designmaessig gut gemacht waren. Und durch diese Tatsache konnte man bei Verwandlungen einfach eine andere Schauspielerin nehmen, so dass die „Verwandlungen“ innerhalb eines Augenblicks passierten und nicht nur bei meinen beiden Fans grosse Verwunderung und Begeisterung hervorriefen. Die Oh- und Ah-Rufe der Kinder und teilweise auch der Erwachsenen waren schon genial.

In der Pause wurde zur Unterhaltung der sitzenden Zuschauer Musik aus der Serie gespielt, natuerlich in der Lautstaerke, die zu viel fuer Toechterle war. Und sie erinnerte sich auch daran, dass ja „Alle Kinder ein Spielzeug haben“, wie sie mir zu zeigen versuchte. Innerlich betete ich nur, dass die Pause doch bitte schoen schnell vorbei gehe.

Mit dem Beginn der 2. Haelfte beruhigte sich Toechterle wieder etwas und schien das Ganze zu geniessen, auch mit den Fingern in den Ohren. Soehnle war im Vergleich dazu relativ pflegeleicht, auch wenn er ab und zu unbedingt zur gluecklicherweise fuer ihn viel zu hohen Balustrade gehen und sich vergewissern musste, dass man doch von Mamas Schoss aus mehr sieht als im Stehen.

Mit dem Ende des Musicals sah ich, dass Soehnle doch langsam muede wurde und draengte darauf, doch schnell nach Hause zu gehen. Ich hatte aber die Rechnung ohne den Wirt gemacht, weil sich ein kleines Maedchen unbedingt in den Kopf gesetzt hatte, dass sie ohne Spielzeug nicht nach Hause geht. Den anstehenden Machtkampf hatte ich dann doch gluecklicherweise ohne notwendige Entschaedigungskaeufe gewonnen. Zu meinem Glueck fehlte mir leider nur doch, dass Anne ausgerechnet 2 min, bevor der letzte Bus fuer die naechsten 40 min kam, auf die Toilette musste. Der Bus war schon abgefahren, aber im Gegensatz zu Deutschland hatte mir der japanische Fahrer doch noch seine Tueren aufgemacht und uns reingelassen. Die Verbindung nach dem Aussteigen war etwas besser, auch wenn Soehnle sichtbar muede war und anfing rumzuquengeln. Und er schlief auch im Bus ein, so dass ich mir das schlafende Kind schnappen und es tragen musste. Auf dem Rueckweg kamen wir dann noch an dem absolut genialen WAGASHIYA (Laden, der japanische Suessigkeiten herstellt) bei uns um die Ecke vorbei, wo Toechterle und das mittlerweile aufgewachte Soehnle einen CHIIZU-DAIFUKU (ein mit Kaese und Bohnenpaste gefuelltes Baellchen mit einer Huelle aus Reismehl) essen mussten. Warum nicht! Endlich sicher zuhause angekommen, war ich dann doch am fertigsten und entschloss mich, etwas Mittagschlaf zu machen, wobei mir ein etwas sehr mueder fast Dreijaehriger dann auch Gesellschaft leistete.

Fazit: Hartes Programm fuer die Mama, aber trotzdem ein Erlebnis fuer die Kinder, an das sie noch lange denken werden.