Beziehungen zu Jungen

Vor drei Tagen hatte ich ein laengeres Gespraech mit unserer Franzoesin. Sie fragte mich, ob sie mit „tomodachi“ (friend) ausgehen koennte. Das ist ja nun weiter kein Problem, aber sie teilte mir mit, dass tomodachi ein Junge oder besser junger Mann sei.

Ich wusste nicht genau, wie ich darauf antworten sollte. Auf der einen Seite versteht meine europaeische Seite, warum. Sie geht auf eine Maedchenschule und hat auch maennliche Freunde in Frankreich.

Auf der anderen schrie meine japanische Seite nur „Nein, nein, nein“. Sie hatte es schon fertig gebracht, vor 2 Wochen mit einem 20-Jaehrigen 3 Stunden Hinfahrt zu einer Insel zu fahren und sie zu besuchen. Die Insel ist zwar wunderschoen, aber auch so weit ab, dass eine verletzte oder gar tote ATS ueber Monate hinweg nicht gefunden worden waere. Als sie uns um das O.k. bat, nahmen wir an, dass eine ihrer Schulfreundinnen und ihre Eltern sie eingeladen hatten mitzukommen. Nicht ein junger Mann, den die waehrend der Teilnahme am Volksfest kennen gelernt hatte. Ich waere voellig in Panik verfallen, haette ich die ganze Sache gehoert, bevor sie wieder zuhause war.

Daher nahm ich die Gelegenheit beim Schopf und fragte, warum sie so wild auf Jungen ist und warum sie unbedingt einen festen Freund in Japan will. Sie klaerte mich darueber auf, dass sie keinen festen Freunde wolle, sondern einfach nur AUCH maennliche Freunde. Und die koenne sie ja nun auf einer Maedchenschule nicht finden.

Ich war halb erleichtert, aber sah dann doch mal die Notwendigkeit, sie ueber die unterschiedlichen Beziehungen zwischen Maennlein und Weiblein in Frankreich und Japan aufzuklaeren. So wie „Bis auf Ausnahmen gibt es i.d.R. keine nicht-sexuellen Beziehungen zwischen den Geschlechtern“, „Rede mit einem anderen Oberschueler freundlich, und schon werdet ihr von der ganzen Schule zu einem Paar erklaert. Mache es mit zwei oder mehreren, und du giltst als Nyphomanin.“ „Gehe mit einem Jungen aus, und es wird mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit damit erklaert, dass du was von ihm willst. Und sollte er eine LINE-Freundin haben und das rauskommen, dann bis du die Ehebrecherin.“ Und nicht zuletzt schreiben Oberschulen auch gerne in ihre Schulgesetze, dass „unreine“ Beziehungen zwischen Maennlein und Weiblein verboten sind. Und Uebernachtungen sind selbst bei der besten gleichgeschlechtigen Freundin verboten. So wie das gerne mal im Manga passiert, dass eine 8.-11.-Klaesslerin bei ihrem Freund uebernachtet, … ein Ding der Unmoeglichkeit.

P. war etwas schockiert, aber was soll ich machen? Das ist halt Japan. Ob man es nun gut findet oder nicht. Haette sie in Indien Austausch gemacht, duerfte sie ohne Begleitung nicht einmal alleine Einkaufen gehen. Und mich hatte meine japanische Gastmutter zusammengeschissen, weil ich einmal in der Stadt mit jemandem zu abend essen und dann eben 7:30 wieder zuhause sein wollte. Und ich war 26 und nicht 16. Gluecklicherweise konnte ich es der Franzoesin erklaeren. Und sie nahm es an im Gegensatz zu anderen ATS, die sich mit dem Hintern draufsetzten und dann trotzdem ihr Ding machten.

Aber besonders, nachdem ich mich auch mit einer Freundin darueber unterhalten habe, war ich dankbar, dass zumindest ich auch Englisch spreche. Ihr Japanisch ist noch nicht wirklich erwaehnenswert. Und wahrscheinlich waere ich gezwungen gewesen, die ganze Sache mit einem „Dame“ (Geht nicht! Verboten!) abzuwiegeln, weil fuer eine Erklaerung auf Japanisch ihr Japanischverstaendnis nicht annaehernd ausgereicht haette. Und sie haette das dann nur mit Engstirnigkeit oder Strenge ausgelegt.

Silvester und Neujahr

Maennle musste dieses Jahr wieder arbeiten, daher waren wir nur zu viert ueber den Jahreswechsel. Wir hatten wieder eine Platte bestellt, die ich dann am 31. vormittags abholte. Und als ich 2 Nabesets (so ne Art Fondue) zum halben Preis sah, entschied ich mich, das meinen drei zum Abendbrot zu servieren. Da das Gemuese schon alles geschnitten war, ersparte ich mir auch viel Arbeit.

Am Nachmittag schauten wir Kamen Rider Ghost zusammen. Und nach dem Abendessen verbrachten wir den Abend mit Spielen, bis ein gewisses Programm losging, das wir immer zum Jahreswechsel anschauen. Es hatte wirklich viel Spass gemacht.

Die Kinder waren gegen 0.30 Uhr im Bett oder sogar schon im Reich der Traeume, aber da ich nicht genau wusste oder weiss, ob das austauschschueler.de Forum nun nur auf unaktiv gestellt wird oder ganz verschwindet, nutzte ich die Zeit, mich doch mal durch die ersten 60 Seiten der ueber 400 des Japanfadens durchzukaempfen. Wenn ich ueberlege, dass das schon ueber 15 Jahre, so merke ich, wie doch die Zeit vergeht. Ich weiss, dass alles ein Ende hat, aber die Entscheidung, das Forum jetzt doch in die ewigen Jagdgruende zu schicken, macht mich etwas traurig.

Am 1. morgens war ich dank nur etwas ueber 4 Stunden Schlaf etwas muede, aber auch nicht so, dass ich nicht funktionieren wuerde. Ich weckte also meine 3, damit sie sich fertigmachten und wir ins Kino konnten. Meine Tochter entschied sich fuer Yo-kai Watch, so eine Art Pokemon-anime mit japanischen Gespenstern. Soehnle, eine kleine Daenin und ich entschieden uns fuer Kamen Rider, den letzten Film in der Heisei-Periode. Er war schoen gemacht. Und wir haben es nicht bereut.

Nach dem Mittagessen und einen kurzen Spaziergang durch das Shopping Centre entschieden wir uns doch, dieses Jahr mal eine Fukubukuro eines Stein- und Accessoirshops zu kaufen. Die Kinder wollten sich aktiv am Kauf
beteiligen, so dass wir doch die Tuete fuer 5000 Yen kauften.

Nach Hause gekommen, stuerzten sich eine kleine Daenin und ich auf unsere Kanji. Immerhin haben wir nur noch 33 Tage bis zum Kanjiexamen, und wir wollen schon die Ehre der Auslaender waren und den Text auch bestehen. M. versucht sich am 9. Niveau, das sind alle Kanji von Klasse 1 und 2. Ich will Niveau 5 versuchen, das sind alle 1000+ Kanji, die japanische
Kinder in der Grundschule schreiben lernen. Da mag jetzt nicht sehr beeindruckend wirken, aber aus 4 Antworten die richtige Antwort raussuchen und einen Bleistift nehmen und eine Aussprache in moeglichst die richtige Kanjischreibweise zu korrigieren sind zwei voellig verschiedene Paar Schuhe.

Waehrend des Essens und danach schauten wir Ultraman Dash an. Und da besonders Toechterle es unbedingt machen wollte, machen Maennle und die beiden Kleinen jetzt gerade eine Lifesendung auf Spoon. Ich wuerde das als das Kind von traditionellem Radio mit Facebook beschreiben. Auf jeden Fall haben die Drei hoerbar viel Spass.

Ich wuensche allen Lesern ein schoenes Jahr 2019.

Kinder auf der Arbeit

Am 26. sollte ich meine letzten Unterrichtsstunden mit den Behinderten haben, so dass ich fragte, ob ich meine Kinder mal mitbringen koenne. Meine Schueler wuerden sicherlich viel Spass mit ihnen haben, und fuer sie waere es auch eine sicherlich sehr wertvolle Erfahrung.

Der Leiter fand die Idee gut, und so nahm ich sie mit. Die mehr oder weniger autistischen „Onkel“ fanden sie nicht soooo toll, so dass besonders Soehnle erst wenig Interesse am Besuch bei der 2. Institution hatte. Aber dann trafen sie die teil koerperlich behinderten, teil stark lerneingeschraenkten „grosse Brueder und Schwestern“ und waren voellig begeistert. Ich brachte ihnen weihnachtliche Woerter bei und bat meine 3 dann, diese pantomimisch darzustellen. Die Kinder waren genial. Und ihre Ideen, Rentier oder Geschenk darzustellen waren einfach nur aeusserst kreativ und lustig. Und alle, selbst diejenigen, die wegen anderen Arbeit nur von Weitem zuhoerten, konnten nicht anders, als einfach nur mitzulachen.

Letzten Endes war die Zeit viel zu schnell vorbei, und selbst die Kinder wollten unbedingt wieder einmal vorbei schauen. Die Schueler waren natuerlich absolut begeistert. Und auch der Leiter bat mich, sie mal wieder mitzubringen.