Unsere Neue

Maennle und ich stehen ja mittlerweile auf dem Standpunkt, dass wenn eine ATS kommen sollte, dann ist sie herzlichst willkommen. Wenn nicht, dann waere es auch kein Problem gewesen.

Die Kinder gefragt bekamen wir gesagt, dass sie unbedingt wieder ein grosses Schwesterchen haben wollten, so dass wir uns wieder von WYS Profile schicken liessen. WYS schickte uns das Profil einer Deutschen und eine Franzoesin. Die Kinder, besonders Soehnle, wollten unbedingt die Franzoesin. Auch H. meinte, sie schiene besser zu uns zu passen. Und auch mein Bauchgefuehl sprach sich fuer die Franzoesin aus, so dass wir uns sie „bestellten“. Ich schrieb sie an, und hoerte dann lange nichts, bis ich einen Anruf der Leiterin von WYS bekam.

Die Franzoesin hatte sich beschwert, dass sie eine „richtige japanische Familie“ haben wolle und uns abgelehnt. Das war der Leiterin ueberaus peinlich, so dass sie sich tief entschuldige. Mir war es, ehrlich gesagt, egal. Ich lebe mittlerweile unter dem „Wer nicht will, der hat schon.“ Wenn wir ihr nicht gut genug sind, dann soll sie doch in eine andere Familie gehen. Das ist besser, als wenn WYS sie gezwungen haette, doch die Platzierung bei uns zu akzeptieren, und wir haetten wieder das gleiche Spiel wie vor 3 Jahren, wo sich jemand ueberhaupt nicht freut, zu uns zu kommen, und nur das Negative in allem sieht.

Dieses Mal fragte WYS vorsichtshalber nach, ob die neuen potentiellen Schuelerinnen mit einer Platzierung in einer binationalen Familie zufrieden waeren. Eine Deutsche und eine Wallonin, beide aeusserst nett wirkend, erklaerten sich bereit. Wir sichteten die Papiere, und irgendwie fand jeder, dass die Deutsche einen winzigkleinen Vorsprung vor der Wallonin habe. Also wieder eine Deutsche.

Das Interessante ist, dass sie auch Buchfuehrung in Deutschland gelernt hatte, und Gespraeche mit ihr mir klar gemacht haben, dass sie zwar Buchfuehrung auf Japanisch und Englisch, aber nicht auf Deutsch unterrichten kann. Sie hatte mich an einige Fachwoerter erinnert und mir auch gesagt, dass sie es toll finden wuerde, wenn ich ihr japanische Buchfuehrung beibringen koennte.

Heute morgen kam sie in Japan an, und am Sonntag wird sie zu uns kommen. Ich habe gluecklicherweise den Montag fuer den ganzen Papierkram und Fahrradkauf freibekommen. Am Mittwoch nimmt sie Maennle mit zur Schule. Und dann geht es am 1. September fuer sie los.

Wo wir von der Schule sprechen, leider hatte L.s und H.s Schule abgelehnt, dieses Jahr jemanden aufzunehmen, auch wenn sie gerne naechstes Jahr wieder um Kontakt wegen einer Aufnahme bitten. Daher war es ein bisschen Bangen, ob und wo unsere neue Deutsche zur Schule gehen. Meine Schule waere auch eine gute, vielleicht sogar die beste 2. Wahl nach H.s Schule gewesen, aber WYS entschied sich dann fuer die zweitbeste Schule in der Praefektur. Ich bin jetzt etwas besorgt, ob unsere ATS da mitkommen wird. Aber naja, sie wird bestimmt auch so irgendwie ihren Spass haben.

Und wo wir von ihr sprechen, sie traegt den gleichen Namen wie unsere Finnin vor 2 Jahren. Wir hatten das zwar schon einmal, aber da wurde uns das Problem erspart, weil unsere Deutsche vor 4 Jahren ihren Mittelnamen bevorzugte. Aber unsere L. aus Deutschland hat nicht einmal einen Mittelnamen, den man benutzen koennte. Soehnle hatte aber die Franzoesin immer Lain (Rain) genannt nach einer Figur aus FF BE. Und er hatte beschlossen, dass deshalb L2 auch Fina heissen soll. Und ich denke mal, ich werde den Namen benutzen, da er um Welten besser ist als L2.

Dann hoffe ich mal, dass wir auch dieses Jahr wieder einen traurigen Abschied im Juni haben werden.

Ranzen – Randoseru

Ich war ueberrascht zu lesen, dass Stiftung Warentest 2009 das Ranzenmodell unserer Tochter, den  M.c.N.e.i.l.l  E.r.g.o L.i.g.h.t C.o.m.p.a.c.t, fuer „Mangelhaft“ erklaert hat, weil deren Meinung nach die Reflektionsflaechen nicht gross genug seien. In Bezug auf Wasserfestigkeit oder Trageeigenschaften dagegen sei der Ranzen o.k. bis sehr gut, je nachdem, auf welche Seiten man schaut. Wenn das der Hauptausschlag fuer „Bestanden“ oder „Durchgefallen“ ist, was in aller Welt waeren dann die einfarbigen Lederranzen aus Japan, die nicht einmal Katzenaugen oder Reflektionsstreifen standardmaessig integriert haben? Von den geforderten Reflektionsflaechen mal ganz zu schweigen. Ja hier in Japan ist es durchaus nicht unueblich, im 100 Yen-Shop fluouriszierendes Klebeband zu kaufen und das dann auf den sehr gerne mal pechschwarzen Randoseru zu kleben. Und wieso erhalten dann die jetzt anscheinend wieder in Mode kommenden Lederranzen in Deutschland kein Mangelhaft, obwohl ich dort absolut nicht Reflektionsflaechenaehnliches sehen kann.

Naja, wie auch immer, sie wird wie alle ihre Mitschueler erst einmal die gelbe Kunststoffhuelle mit Kumamon benutzen, von der ich mal hoffe, dass sie reflektierend wirkt, wie sich das die Stiftung Warentest vorstellt. Und wenn dem nicht so ist, so wird sie leider das Schicksal ALLER ihrer Altersgenossen und aelteren und juengeren Schulkinder teilen, die ohne Reflektionsflaechen ueberleben muessen und ueberlebt haben.

Deutsche Geschichte

In den letzten 15 Monaten habe ich auch irgend einem Grund angefangen, mich wirklich fuer Geschichte zu interessieren. Ur- und Fruehgeschichte hatte mich ja schon als Kind sehr interessiert, Griechen und teilweise auch Roemer waren die Pokemon meiner Kindheit und Jugend, auch wenn ich das Negative nicht sehen wollte oder konnte. Mittelalterliche Geschichte, zumindest in dem Umfang, wie wir es in der Schule gemacht hatten, war o.k., und die Kunst hatte mich auch fruehzeitig interessiert. Nur als es mit der Neuzeit losging, spaetestens dann aber ab der Niederlage von Napoleon hatte mich Geschichte ehrlich gesagt nur noch angekxxt. Sicherlich was das auch ein politisches Problem, aber ich fand sie nach 1990 trotzdem nicht aufregender als vorher.

Durch einen Zufall hatte ich im Netz eine Serie zur deutschen Geschichte „Die Deutschen“ gefunden, wo ich mir mehr skeptisch als alles andere Mal die Teile zu den Ottonenkoenigen anschaute. Und ich war ehrlich gesagt positiv ueberrascht. Da erkennt man nichts von dem langweiligen Bild von ZDF und 3SAT, die einzelnen Teile erzaehlen aehnlich wie Standard beim BBC in Grossbritannien oder auch NHK in Japan spannende Geschichten, wo sie Personen vorstellen, die einen Einfluss auf die deutsche Geschichte gehabt haben. Es werden weder Personen verherrlicht und voellig verdammt, sondern vielschichtige Portraits von Persoenlichkeiten dargestellt. Ich war ja etwas skeptisch, als ich in der Nachfolgeserie auch Namen wie Muentzer, Marx und Luxemburg las. Der Sieger schreibt Geschichte, und ich erwartete negative Darstellungen der Helden aus DDR-Zeiten. Um so ueberraschter war ich zu sehen, dass das nicht getan wurde. Auch hier wurde ein tiefgehendes Bild von Menschen dargestellt, die Kinder ihrer Zeit waren und ihre Vorstellungen zu Loesungen von Problemen hatten, welche aber letztlich an der Wirklichkeit scheiterten.

Selbst Geschichtsmuffeln kann ich diese Serie wirklich von Herzen empfehlen. Ich selber warte warte auf eine hoffentlich kommende 3. Folge, wo ich gerne mal ein Portrait von Thaelmann sehen moechte, wie man ihn jetzt ohne DDR-Propaganda sieht. Und auch in den anderen 900 Jahren gibt es bestimmt noch viele Leute, die es wert sind, vorgestellt zu werden und die einen nicht wegzudenkenden Beitrag fuer Deutschland geleistet haben.

Ich weiss leider nicht, wie lange sie noch offiziell auf der Seite vom ZDR zu sehen sein werden, daher empfehle ich wirklich, sie sich bald anzuschauen.

Die Deutschen

Die Deutschen 2