Neue Profile

Am Donnerstag bat mich Goettergatte, ein „Paeckchen“ vom Lieferschrank mitzubringen. Das „Paeckchen“ stellte sich als den erwarteten Brief mit den neuen Profilen von WYS dar. Und…

-die Belgierin, aus deren Hintergrundgeschichte ich am Telefon nicht wirklich klug werden konnte

-eine Deutsche (nun gut, Frau N. erwaehnte auch eine Deutsche) und

*grosser Schock*

-eine Thailaenderin.

Ich merkte da zum ersten Mal richtig, wie sehr mir doch das Trauma wegen der Thailaenderin von vor 11 Jahren in den Knochen steckt.

Aber naja, erst einmal lesen. Gut, das Raetsel um die Belgierin ist geklaert: Sie stellte sich als adoptiertes Kind aus Ozeanien heraus, die dann aber zufaelligerweise noch Eltern aus unterschiedlichen europaeischen Laendern und einen Adoptivbruder aus einem asiatischen Land hat. Also Aussehen: Moara, Herz: Maenneken P.ss. Mhm, das ist ja auch mal was Neues. Und fuer Japaner wird die Tatsache, dass eine Europaeerin nicht europaeisch aussieht ueber ihren Verstand gehen.

Die Deutsche wirkte so weit normal, auch wenn da auch ein Familienhintergrund war, der wahrscheinlich nicht wirklich Durchschnitt ist.

Bei der Thai war ich ziemlich nervoes, als ich begann, das Profil zu lesen. Aber so sehr ich auch versuchte, zwischen den Zeilen zu lesen, so konnte ich nicht wirklich was von N. aus Thailand entdecken. Auch mein Magen hatte kein komisches Gefuehl.

Als ich meine Mails durchschaute, fand ich eine Mail der WYS Leiterin, die mir leider mitteilen musste, dass sich die Deutsche wegen ihrer Tierhaarallergie vielleicht doch nicht so mit unseren Rattenmaedchen vertraegt, so dass sie leider aus den Kandidaten rausgenommen werden muss. Sie wird aber anscheinend trotzdem an die gleiche Schule unserer ATS gehen, weil sich eine Frau H. bereit erklaert habe, sie aufzunehmen. Mhm, in der Mail klang es so, als sollte ich sie kennen, aber ich habe nicht die geringste Idee, wer das sein koennte. Aber so lerne ich vielleicht die Deutsche auch mal kennen.

Maennle hatte nicht wirklich ein Problem mit einen von beiden, aber er wollte irgendwie gerne noch mehr Profile zum Vergleichen sehen. Aber als ich ihm mitteilte, dass er das dann bitte selber anfordern soll und dann aber auch 10-14 Tage wegen Nachfragen bei ATS und Schule warten muss, war ihm das aber auch zu viel Aufwand. Und als ich ihn fragte, was er denn jetzt machen will, sagte er ueberraschenderweise zu der Aufnahme der beiden zu.

Nun gut, dann werden wir mal sehen, wie es wird. Die Maedchen sollen um den 1. Oktober kommen, aber so wie ich die Entwicklungen in Japan sehe, glaube ich noch nicht daran. Ich wuerde eher darauf tippen, dass es wohl doch eher nach Neujahr passieren wird, dass wir unsere Familie erheblich vergroessern.

Unsere Neue

Maennle und ich stehen ja mittlerweile auf dem Standpunkt, dass wenn eine ATS kommen sollte, dann ist sie herzlichst willkommen. Wenn nicht, dann waere es auch kein Problem gewesen.

Die Kinder gefragt bekamen wir gesagt, dass sie unbedingt wieder ein grosses Schwesterchen haben wollten, so dass wir uns wieder von WYS Profile schicken liessen. WYS schickte uns das Profil einer Deutschen und eine Franzoesin. Die Kinder, besonders Soehnle, wollten unbedingt die Franzoesin. Auch H. meinte, sie schiene besser zu uns zu passen. Und auch mein Bauchgefuehl sprach sich fuer die Franzoesin aus, so dass wir uns sie „bestellten“. Ich schrieb sie an, und hoerte dann lange nichts, bis ich einen Anruf der Leiterin von WYS bekam.

Die Franzoesin hatte sich beschwert, dass sie eine „richtige japanische Familie“ haben wolle und uns abgelehnt. Das war der Leiterin ueberaus peinlich, so dass sie sich tief entschuldige. Mir war es, ehrlich gesagt, egal. Ich lebe mittlerweile unter dem „Wer nicht will, der hat schon.“ Wenn wir ihr nicht gut genug sind, dann soll sie doch in eine andere Familie gehen. Das ist besser, als wenn WYS sie gezwungen haette, doch die Platzierung bei uns zu akzeptieren, und wir haetten wieder das gleiche Spiel wie vor 3 Jahren, wo sich jemand ueberhaupt nicht freut, zu uns zu kommen, und nur das Negative in allem sieht.

Dieses Mal fragte WYS vorsichtshalber nach, ob die neuen potentiellen Schuelerinnen mit einer Platzierung in einer binationalen Familie zufrieden waeren. Eine Deutsche und eine Wallonin, beide aeusserst nett wirkend, erklaerten sich bereit. Wir sichteten die Papiere, und irgendwie fand jeder, dass die Deutsche einen winzigkleinen Vorsprung vor der Wallonin habe. Also wieder eine Deutsche.

Das Interessante ist, dass sie auch Buchfuehrung in Deutschland gelernt hatte, und Gespraeche mit ihr mir klar gemacht haben, dass sie zwar Buchfuehrung auf Japanisch und Englisch, aber nicht auf Deutsch unterrichten kann. Sie hatte mich an einige Fachwoerter erinnert und mir auch gesagt, dass sie es toll finden wuerde, wenn ich ihr japanische Buchfuehrung beibringen koennte.

Heute morgen kam sie in Japan an, und am Sonntag wird sie zu uns kommen. Ich habe gluecklicherweise den Montag fuer den ganzen Papierkram und Fahrradkauf freibekommen. Am Mittwoch nimmt sie Maennle mit zur Schule. Und dann geht es am 1. September fuer sie los.

Wo wir von der Schule sprechen, leider hatte L.s und H.s Schule abgelehnt, dieses Jahr jemanden aufzunehmen, auch wenn sie gerne naechstes Jahr wieder um Kontakt wegen einer Aufnahme bitten. Daher war es ein bisschen Bangen, ob und wo unsere neue Deutsche zur Schule gehen. Meine Schule waere auch eine gute, vielleicht sogar die beste 2. Wahl nach H.s Schule gewesen, aber WYS entschied sich dann fuer die zweitbeste Schule in der Praefektur. Ich bin jetzt etwas besorgt, ob unsere ATS da mitkommen wird. Aber naja, sie wird bestimmt auch so irgendwie ihren Spass haben.

Und wo wir von ihr sprechen, sie traegt den gleichen Namen wie unsere Finnin vor 2 Jahren. Wir hatten das zwar schon einmal, aber da wurde uns das Problem erspart, weil unsere Deutsche vor 4 Jahren ihren Mittelnamen bevorzugte. Aber unsere L. aus Deutschland hat nicht einmal einen Mittelnamen, den man benutzen koennte. Soehnle hatte aber die Franzoesin immer Lain (Rain) genannt nach einer Figur aus FF BE. Und er hatte beschlossen, dass deshalb L2 auch Fina heissen soll. Und ich denke mal, ich werde den Namen benutzen, da er um Welten besser ist als L2.

Dann hoffe ich mal, dass wir auch dieses Jahr wieder einen traurigen Abschied im Juni haben werden.

Ranzen – Randoseru

Ich war ueberrascht zu lesen, dass Stiftung Warentest 2009 das Ranzenmodell unserer Tochter, den  M.c.N.e.i.l.l  E.r.g.o L.i.g.h.t C.o.m.p.a.c.t, fuer „Mangelhaft“ erklaert hat, weil deren Meinung nach die Reflektionsflaechen nicht gross genug seien. In Bezug auf Wasserfestigkeit oder Trageeigenschaften dagegen sei der Ranzen o.k. bis sehr gut, je nachdem, auf welche Seiten man schaut. Wenn das der Hauptausschlag fuer „Bestanden“ oder „Durchgefallen“ ist, was in aller Welt waeren dann die einfarbigen Lederranzen aus Japan, die nicht einmal Katzenaugen oder Reflektionsstreifen standardmaessig integriert haben? Von den geforderten Reflektionsflaechen mal ganz zu schweigen. Ja hier in Japan ist es durchaus nicht unueblich, im 100 Yen-Shop fluouriszierendes Klebeband zu kaufen und das dann auf den sehr gerne mal pechschwarzen Randoseru zu kleben. Und wieso erhalten dann die jetzt anscheinend wieder in Mode kommenden Lederranzen in Deutschland kein Mangelhaft, obwohl ich dort absolut nicht Reflektionsflaechenaehnliches sehen kann.

Naja, wie auch immer, sie wird wie alle ihre Mitschueler erst einmal die gelbe Kunststoffhuelle mit Kumamon benutzen, von der ich mal hoffe, dass sie reflektierend wirkt, wie sich das die Stiftung Warentest vorstellt. Und wenn dem nicht so ist, so wird sie leider das Schicksal ALLER ihrer Altersgenossen und aelteren und juengeren Schulkinder teilen, die ohne Reflektionsflaechen ueberleben muessen und ueberlebt haben.