Busfahren und traurige Nachrichten

Ich muss vom naechstgelegenen JR Bahnhof aus einen Stadtbus nehmen, der fahrplanmaessig ca. 15 min bis zu meinem Arbeitsplatz braucht. Da der morgentlichen Berufsverkehr schon so gut wie vorbei ist, braucht er auch wirklich nur diese Zeit. Aber heute hatte ich das Pech, einen Busfahrer zu haben, der wohl dringend aufs Klo musste oder so. Er trat das Gaspedal bis zum Anschlag durch und brauste durch die engen und anscheinend weniger gut als gedachten Strassen der Stadt und war innerhalb von 10 min an meiner Arbeit. Gott, mir ist ja selten so schlecht von einer normalen Busfahrt gewesen. Ich hatte noch gedacht, ich koennte einen kritischen Kommentar beim Aussteigen loslassen, aber mein Magen protestierte. Es dauerte noch ganze 10 min, bis der Brechreiz endlich vorbei war.

Weiterhin ist die Mutter meiner Kollegin zusammengebrochen. Und da Mr. Abe ja eine Gesellschaft schaffen will, wo die Frauen strahlen koennen, bleibt ihr wohl nichts weiter uebrig, als ihre Arbeit aufzugeben und sich der Pflege ihrer Mutter zu widmen. Dann kann sie wie die Sonne in ihrer Kueche scheinen, wahrscheinlich meinte er wohl das. Denn neue Entwuerfe der „verbesserten“ Verfassung wollen auch mehr, wenn nicht sogar alle Verantwortung fuer die Pflege der Alten in die Verantwortung der Familie geben. Ich freue mich nun deutlich weniger auf das Juniende.

Weiterhin hat sowohl die Schule unserer L. vor 2 Jahren und H. vor einem Jahr als auch die Schule bei uns um die Ecke, wo M. eine sehr schoene Zeit hatte, die Aufnahme von ATS abgelehnt. *grummel* Letztere wohl, weil sie schon im April Schueler akzeptiert hatten und jetzt voll sind. Mein Gott, Walther, ihr habt 9-10 Klassen in einem Jahrgang, und das ueber 3 Jahre, ein Schueler mehr oder weniger faellt doch da ueberhaupt nicht ins Gewicht. Naja, ich habe jetzt WYS gebeten, doch mal bei einer Schule nachzufragen, die nicht allzu weit von meinem Arbeitsplatz weg ist und die sich wohl in puncto Aufnahme stark engagiert. Ich habe letztens eine Deutsche getroffen, die dort auf die Schule geht, und sie meinte, die Schule sei toll fuer ATS. Und fuer den Fall der Faelle, dass sie trotzdem nicht will, habe ich gleich noch eine Liste fuer WYS fertiggemacht, wo alle moeglichen Schulen aufgefuehrt sind, die man von unserer Wohnung innerhalb von einer Stunde erreichen kann. Jetzt hoffen wir mal aufs Beste.

Busfahrt mit Karte

Eigentlich ist Toechterle noch nicht wirklich Erstklaessler, weil sie noch nicht eingeschult wurde. Aber nach japanischer Denkweise beginnt das neue Jahr am 1. bzw. bei schulischen Angelegenheiten am 2. April, so ich ihr heute auch schon als Uebung ihre neue Busticketkette schenkte, die sie wuerdig entgegennahm und stolz um ihren Hals haengte. Und erstaunlicherweise rannte nicht nur sie, sondern auch Soehnle regelrecht zum Bus, so dass ich mich richtig beeilen musste, sie zwischendurch einzuholen. Wir hatten auch erstaunliche 5-6 min, bis unser Bus kam.

Toechterle fuehrte auch das erste Mal die Karte in den Leseautomaten ein, etwas, was sie ab Donnerstag dann jeden Tag machen muss. Sie wollte auch selber rechtzeitig druecken, waere ich, die nicht gesehen hatte, dass bei Toechterle unten auch ein Knopf ist, nicht schneller gewesen. Nur beim Aussteigen ging etwas schief, weil der Busfahrer dachte, sie wuerde fuer mich zahlen. (Und das, obwohl ich 2 Sekunden vorher meine eigene Karte durchgeschoben hatte… ) Aber wir sind im Serviceland Japan, und der Busfahrer zahlte die zuviel abgebuchte Summe wieder mit Bargeld zurueck. Und Toechterle konnte lernen, dass sie doch lieber noch einmal „HANGAKU“ (Haelfte der Summe) sagt und das einstellen laesst, bevor sie die Karte einschiebt. Jetzt muss sie nur noch lernen, was sie macht, wenn eine Karte leer geworden ist. Aber dank des Fehlers des Busfahrers darf sie das auch noch diese Woche unter meiner Aufsicht erleben. Man muss halt immer nur das Positive in Dingen suchen.

Das erste Musical

Am Donnerstag kam das lange angekuendigte Purikyua (Pretty Cure)-Musical erstaunlicherweise auch in unsere Stadt, und selbst auf die Gefahr hin, dass mein Mann an diesem Tag eventuell arbeiten muss, entschlossen wir uns, Karten fuer unsere zwei hauseigenen Purikyua-Fans zu kaufen. Ja, natuerlich hatte Goettergatte an dem Tag Arbeit, und leider sogar Nachtschicht. Also suchte ich mir am Vortage schon Busverbindungen und Zeiten raus und packte den Notfallrucksack.

Durch den Hinweis auf Purikyua liess sich sogar Soehnle erstaunlich schnell dazu zu bewegen, die Schuhe anzuziehen und loszugehen. Im ersten Bus war er noch voller Begeisterung, die aber leider nur 15 min anhielt, bis wir naemlich aussteigen und auf den naechsten Bus warten mussten. Und dann dann kam es: „Mama, kaerouuuuu yo.“ (Komm, Mama, lass uns nach Hause gehen!) Die gefuehlte halbe Stunde Warten (o.k., es waren vielleicht 10-15 min) war eine Ewigkeit. Dann kam gluecklicherweise zu meiner und aller Erleichterung der richtige Bus. Aber die „Kaerou“-Rufe gingen auch dort weiter.

Ich musste dringend vorher noch mal zur Post, und genuegend Wartezeit zum Totschlagen hatten wir auch, also liefen wir vielleicht 10 min, bis wir die Post fanden. Zwischendurch fing ein kleines Maedchen an zu maulen, dass sie ja Hunger und Durst haette, als sie ihr bekannte KOMBINI (24-Stunden-Laeden) sah und sich ploetzlich seeeehr gut daran erinnerte, dass es da auch Saft und Snacks gibt. Irgendwie schaffte ich es doch, die Kinder heil an in einem Pool mit plantschenden Kindern vorbeizuchauffieren, erledigte meine Sache auf der Post und … hoerte einen lauten Weinanfall eines kleinen Maedchens. Was ist denn nun passiert? Die anderen Kinder vermuteten, dass ihre Haende in der automatischen Tuer eingeklemmt wurden. Aber auf ihren Handflaechen gab es merkwuerdige kleine Dellen, die mich eher darauf tippen liessen, dass diese mit Wucht auf die Erde, sprich auf die kleinen Steinchen da geknallt sind. Und spaeter erzaehlte mir ein kleines Maedchen auch, dass es „KURURIN“ (Rollgeraeusch, sprich Turnen) am fuer kleine Haende viel zu dicken Gelaenderrohren machen wollte. Und klar ist sie dann abgerutscht und hatte sich mit beiden Haenden abgestuetzt. Gluecklicherweise war nichts gebrochen oder anderes, auch wenn sie den Tag hindurch leichte Schmerzen gehabt hat.

Auf dem Rueckweg ging es wieder an den KOMBINIS vorbei, aber wohl wissend, dass hungrige Kinder richtig nervig sind, hatte ich so wie so eingeplant, dass wir im KOMBINI direkt vorm Theater doch irgend eine Kleinigkeit zum Essen und Trinken kaufen. Nach dem Essen ihres Brotes war es dann auch 11.10 Uhr, also genau die richtige Zeit, um sich am Theater einzufinden.

Im Theater drinnen kam die naechste Falle fuer Eltern: Wenn es schon ein Animemusical gibt, dann kann man ja natuerlich auch jede Menge Produkte an die Leute verkaufen. Und die Augen eines kleinen Maedchens fingen dann auch sofort an zu leuchten. Nicht, dass ich meinen Kindern nichts goenne, aber die Sachen sind so etwas von unverschaemt teuer, dass man sich wirklich gut ueberlegen muss, ob man so etwas fuer ein Jahr kauft. (Im naechsten Jahr gibt es den naechsten Anime mit neuen Artikeln.)  Fuer das obligatorische Knuffelviech von 2011, eine weisse Katze namens Hummy, will man eben mal 50 Euro fuer ein Tier made in China sehen. Die Kostueme zum Verwandeln kosten 70 Euro, und da sind nicht einmal die Verwandlungs- oder Attackengegenstaende mit bei, die auch so je um die 30-40 Euro kosten. Und mittlerweile gibt es dieses Jahr 3 Purikyua-Kaempferin, wovon jedes meiner Kinder eine andere anhimmelt.

Irgendwie hatte ich es doch geschafft, die Kinder zu unseren Plaetzen zu buchsieren, als Toechterle einen Blick durch die Gegend warf und gefuehlte 10.000 Kinder mit irgendwelchen neu gekauft bekommenen Purikyuasachen spielen sah. Und dann ging die Betteltirade erst richtig los. Meine Rettung war die Mutter neben mir, deren Vater fuer sein Enkelkind alle moeglichen Sachen gekauft hatte, die sie meinen Kindern lieh, bevor das Musical losging.

Kaum ging die Musik in einer auch fuer mich leicht zu lauten Lautstaerke los, als ich einen Blick auf meine Tochter war, die voller Panik ihre Finger in den Ohren hatte und nur „Urusai, urusai“ (zu laut, zu laut) schrie. Oh, Mann, das kann ja noch EITER heiter werden. Kaum waren aber die allgemeinen Ankuendigungen der ONEESAN vom Theater vorbei und die Handlung begann, war Toechterle zumindest von der Handlung so fasziniert, dass sie aufhoerte, sich zu beschweren, auch wenn die Finger weiterhin in den Ohren blieben. Soehnle sass auf meinem Schoss und schaute gluecklicherweise nur gebannt auf die Handlung.

Die Handlung selber war nicht schlecht, Hibiki und Kanade erzaehlten der 3. neuen Kaempferin Elen, wie toll sie die Geschichten „Momotaro“, „Schneewittchen“ und „der Wolf und Hirte, der immer Luegen erzaehlte“ in einem Kinderbuch fanden. Das gegnerische Team verwandelte genau dieses Kinderbuch in das Monster des Tages, das dann die 3 Maedchen in je eine der Geschichten saugte, wo sie dann so allerhand erlebten, bis sie wieder aus dem Buch herauskamen. Im Gegensatz zu frueheren Sailormoon-Musicaln der gleichen Art haben die Schauspieler Masken auf, die aber designmaessig gut gemacht waren. Und durch diese Tatsache konnte man bei Verwandlungen einfach eine andere Schauspielerin nehmen, so dass die „Verwandlungen“ innerhalb eines Augenblicks passierten und nicht nur bei meinen beiden Fans grosse Verwunderung und Begeisterung hervorriefen. Die Oh- und Ah-Rufe der Kinder und teilweise auch der Erwachsenen waren schon genial.

In der Pause wurde zur Unterhaltung der sitzenden Zuschauer Musik aus der Serie gespielt, natuerlich in der Lautstaerke, die zu viel fuer Toechterle war. Und sie erinnerte sich auch daran, dass ja „Alle Kinder ein Spielzeug haben“, wie sie mir zu zeigen versuchte. Innerlich betete ich nur, dass die Pause doch bitte schoen schnell vorbei gehe.

Mit dem Beginn der 2. Haelfte beruhigte sich Toechterle wieder etwas und schien das Ganze zu geniessen, auch mit den Fingern in den Ohren. Soehnle war im Vergleich dazu relativ pflegeleicht, auch wenn er ab und zu unbedingt zur gluecklicherweise fuer ihn viel zu hohen Balustrade gehen und sich vergewissern musste, dass man doch von Mamas Schoss aus mehr sieht als im Stehen.

Mit dem Ende des Musicals sah ich, dass Soehnle doch langsam muede wurde und draengte darauf, doch schnell nach Hause zu gehen. Ich hatte aber die Rechnung ohne den Wirt gemacht, weil sich ein kleines Maedchen unbedingt in den Kopf gesetzt hatte, dass sie ohne Spielzeug nicht nach Hause geht. Den anstehenden Machtkampf hatte ich dann doch gluecklicherweise ohne notwendige Entschaedigungskaeufe gewonnen. Zu meinem Glueck fehlte mir leider nur doch, dass Anne ausgerechnet 2 min, bevor der letzte Bus fuer die naechsten 40 min kam, auf die Toilette musste. Der Bus war schon abgefahren, aber im Gegensatz zu Deutschland hatte mir der japanische Fahrer doch noch seine Tueren aufgemacht und uns reingelassen. Die Verbindung nach dem Aussteigen war etwas besser, auch wenn Soehnle sichtbar muede war und anfing rumzuquengeln. Und er schlief auch im Bus ein, so dass ich mir das schlafende Kind schnappen und es tragen musste. Auf dem Rueckweg kamen wir dann noch an dem absolut genialen WAGASHIYA (Laden, der japanische Suessigkeiten herstellt) bei uns um die Ecke vorbei, wo Toechterle und das mittlerweile aufgewachte Soehnle einen CHIIZU-DAIFUKU (ein mit Kaese und Bohnenpaste gefuelltes Baellchen mit einer Huelle aus Reismehl) essen mussten. Warum nicht! Endlich sicher zuhause angekommen, war ich dann doch am fertigsten und entschloss mich, etwas Mittagschlaf zu machen, wobei mir ein etwas sehr mueder fast Dreijaehriger dann auch Gesellschaft leistete.

Fazit: Hartes Programm fuer die Mama, aber trotzdem ein Erlebnis fuer die Kinder, an das sie noch lange denken werden.