Ein kleiner Schock nach 26 Jahren

Auch wenn wir wollen, dass M. moeglichst viel Japanisch hoert, so faellt doch die ein oder andere Minute ab, wo wir ueber Daenemark oder auch Daenisch sprechen. Und im Laufe der Zeit liess es sich nicht umgehen zu bemerken, dass es doch so einige Woerter gibt, die sie als Grosskopenhagenerin anders ausspricht, als ich es gelernt hatte. Irgendwie hatte es mich auch gefreut, dass mein juettlaendischer Einschlag noch nicht tot ist. Aber das hat mir endlich die Frage beantwortet, warum mir mein Daenischlehrer an der Uni Muenster mal sagte, er koenne hoeren, wo mein Daenisch geboren wurde. Der Kommentar geisterte als grosses Fragezeichen all die Jahre in meinem Gehirn rum. Meine Gastmutter hatte mir doch paent dansk – schoenes Reichsdaenisch beigebracht und meinem Gastvater verboten, mit mir weiterhin auf Juettlaendisch zu sprechen.

Wir sprachen auch ueber daenische Lieder. Spurven sidder stumt bag kvist (Der Sperling sitzt stumm hinter dem Zweig) ist anscheinend eines der Lieder, das sie auch kennt und zu Weihnachten immer mit ihrer Familie singt. Als ich sie aber nach einem anderen Lied fragte, das wir ungelogen bei jedem Fest oder Festessen sangen, schuettelte sie zu meiner grossen Ueberraschung nur den Kopf. Jylland mellem tvende have (Juettland zwischen zweier Meere) war ihr unbekannt, auch wenn es ein Gedicht von H.C. Andersen war. Echt, das kann doch nicht sein! Und als ich es fuer sie auf Youtube suchte, stellte ich zu meiner grossen Ueberraschung fest, dass es alle Versionen „falsch“ sangen: Jylland mellem tvende have som en runeSTAV er lagt. Es sagen wirklich alle Versionen STAEV anstelle von STAU. M. wirkte leicht amuesiert, als ich ihr meine Entdeckung etwas entsetzt mitteilte. „Ja, genau das ist Juettlaendisch!!“

2 Monate sind vorbei

Zwei Monate sind vorbei, und sie waren schoene Monate. Nach der Katastrophe mit der Deutschen hatte mich unsere kleine Daenin daran erinnert, warum wir uns das doch jedes Jahr „antun“. Gluecklicherweise nehme ich mir das nicht mehr so wie bei der Deutschen von vor 4 Jahren oder gar bei der Thailaenderin vor 10 Jahren zu Herzen, sondern kann nur ueber die Idiotie dieses Maedchens den Kopf unglaeublich schuetteln oder bitter lachen.

M. ist dem Kimonoklub beigetreten. Der Sonnabendunterricht ist auch weniger schlimm, als wir befuerchtet hatten, vor allem, weil wir im Fall der Faelle doch um einen freien Tag bitten duerfen. Das hatten wir gemacht, als wir vorhatten, Toechterle auf ihrer Insel zu besuchen. Leider machte uns ein Taifun einen Strich durch die Rechnung. Unsere M. aus Deutschland (2013/14) wollte uns eigentlich nach der Reise besuchen kommen, bis wir sie darauf aufmerksam machten, dass da leider ein Taifun uebers Land hinwegzieht und sie wohl irgendwo festhaengen wird. Sie kam daher schon am Freitagmorgen (27. September), was wirklich eine gute Entscheidung war, weil sich der Taifun am Sonntag darauf richtig ueber Kansai (Region Osaka) ausmistete. Wir ueberlegten uns daher, was denn eigentlich dagegen sprechen wuerde, am naechsten Wochenende Toechterle besuchen zu fahren. Nichts, ausser … ja, genau… ein Taifun wuerde ueber Japan hinwegziehen. Was dann auch leider glatt passierte. Es war schade, dass wir sie daher nicht besuchen fahren konnten. Aber zumindest hatten zwei M.s viel Spass miteinander und vertrugen sich super.

Ich fing auch wieder an, als Sprachenlehrer zu arbeiten. Meistens abends bin ich fuer 3-4 h aus dem Haus, aber es hat sich eine gute Routine gebildet, so dass das alles weniger schlimm ist, als es klingt. Zwei Tage lang war ich auch Lektor in einem Camp, und es hatte Schuelern wie Lehrern viel Spass gemacht.

Ansonstens waren wir mit unserer Daenin einkaufen, Sushi und Ramen essen, haben Rosen angeschaut, haben am irischem Tanzunterricht und nachschliessendem Potluck teilgenommen, waren zumindest fast auf dem Vulkan drauf. Sie selber ist mit ihrer Schule zum Saubermachen nach Aso gefahren, war mit Freunden zum Okonomiyakiessen und hatte eine Praesentation vom Obibinden. Ihr aktives Japanisch entwickelt sich nicht ganz so gut wie bei M. aus Deutschland oder unserer H. aus Frankreich. Aber sie lernt in der letzten Zeit mehr, so dass es bestimmt schnell besser wird.

Töchterle ist wieder zuhause

Die Sommerferien haben angefangen, und für Töchterle bedeutete das, für 5 Wochen Abschied von ihrer Insel zu nehmen. Die Austauschschüler und anscheinend auch einige Lehrer nahmen die Tagestripfähre, und fuhren knapp 8 Stunden ueber das Sommermeer, bis sie dann sicher in Kagoshima ankamen. Da es mittlerweile schon für die meisten Schüler zu spät war, um doch noch am gleichen Tag nach Hause zu fahren oder zu fliegen, übernachteten sie im Rathaus des Dorfes und verstreuten sich dann am nächsten Morgen in alle 4 Himmelsrichtungen.

Söhnle war schon die ganze Zeit völlig aufgeregt, dass sein geliebtes Schwesterle wieder nach Hause kommen sollte. Und so fuhren wir dann zum Hauptbahnhof, um sie dort vom Shinkansen abzuholen.

Und ich bin begeistert von den Veränderungen. Körperlich ist unsere Grosse jetzt schon ganz schön junge Dame geworden. Und hübsch dazu. Aber am besten ist ihr konstantes Lächeln auf dem Gesicht, das der beste Beweis ist, wie sehr sie auf dem besten Weg ist, mit sich ins Reine zu kommen. Ich weiss gar nicht, wann ich sie das letzte Mal so glücklich gesehen hatte. Sie ist jetzt auch viel mehr verantwortungsbewusst als vorher. Ich erlitt ja fast einen Herzinfarkt, als sie mich fragte, ob sie mir mit irgend etwas helfen soll.

Der Inselaustausch ist wirklich das Beste, was ihr hätte passieren können. Ich freue mich wirklich zu sehen, wie sie sich weiterentwickelt.

Das einzige Traurige ist, dass sie die Fähre am 25. August zurücknehmen muss, weil sie in der letzten Ferienwoche ein Camp mit den anderen 3 Inselschulen. Unsere neue ATS kommt am 26., und im schlimmsten Fall werden sich die beiden Maedchen nicht vor Weihnachten kennen lernen.