Wieder sind 3 Monate vorbei…

… die schoen gewesen sein koennten, wenn nicht so viel Unschoenes passiert waere. Und nein, es hatte absolut nichts mit unserer Daenin zu tun. Es macht auch immer noch mit ihr viel Spass, und jeder ist mehr oder weniger ungluecklich darueber, dass nur noch etwas ueber 4 Wochen sind, bis fuer sie der Flieger zurueck nach Tokyo geht. Aber dafuer ist jetzt schon ein Besuch bei uns mit ihrer Familie im Fruehjahr des naechsten Jahres geplant. Und Toechterle wird sie wahrscheinlich im Dezember besuchen fahren.

Toechterle hatte am 13. Maerz ihre Abschlussfeier von der Grundschule. Und Maennle ist mit Soehnle und ekD dahin gefahren. Fuer sie war es natuerlich ein Erlebnis, denn die wenigsten ATS haben je die Chance dazu. Ich hatte am 8. Maerz gerade eine neue Arbeit angefangen, daher konnte ich nicht 2 Mal fehlen und versprach Toechterle, am 8. April zu ihrer Einschulung auf die Mittelschule zu kommen. Da fuhr ich dann auch mit meinen 2 verbliebenen Kindern hin und wir hatten viel Spass.

In den Fruehlingsferien probierten wir die bestellten Uniformteile an. Toechterle muss als Mittelschuelerin eine Uniform tragen, aber es ist ihr voellig gleichgestellt, welches Design es ist. Es gibt eine Seite fuer sogenannte NANCHATTE Schuluniformen, wo Schueler von uniformslosen Schulen sich ihre Uniformen selber zusammenstellen koennen. Und das machten wir dann auch, so dass Toechterle jetzt 2 Roecke in unterschiedlichen Designs, meistens weisse Blusen in kurz- und langaermlich, aber auch je eine Bluse in Hellblau und Rosa, 3 verschiedene Schleifen, eine Weste und eine Strickjacke. Und wenn es dann kaelter wird, kann sie dann auch die Hose bekommen, die ich ihr versprochen habe. Da die Insel ungeschuetzt vor den kalten Winterwinden ist und Waermeisolierung ein Luxus besonders hier in der Region ist, den die wenigsten Haeuser haben, ist der Winter auf den Insel schweinekalt, wie mir ein kleines Maedchen berichtete. Also warum soll sie in Roecken frieren, wenn kein Schulgesetz Roecke fuer Maedchen vorschreibt? Und ihre eigentlich sehr traditionelle Gastmutter meinte, dass das auch ueberhaupt kein Problem sei.

Weiterhin wuenschte sich Toechterle auch, gemeinsam Sushi essen zu gehen. Und Karaoke wollte sich auch gerne machen, alles Sachen, die wir ihr gerne erfuellten, bevor die viel zu kurzen Fruehlingsferien schon wieder zuende waren.

Fuer das 2. Aprilwochenende hatten ehemalige Schueler von mir ein Mittagessen organisiert. Und am Sonntag wollten eine Freundin und ich ihre und meine Kinder zur „Bambussprossen- und Erdbeerjagd“ mitnehmen. Ich hatte mich schon so darauf gefreut, aber leider sollte alles anders kommen.

Es war schon tragisch, als am 4. April die weisse unserer Ratten ploetzlich verstarb. Mit 1.6 Jahren noch viel zu jung. Selbst fuer eine weisse Ratte mit geringerer Lebenserwartung. Noch schlimmer war aber, als ich 5 Tage spaeter die Nachricht bekam, dass mein Vater ploetzlich verstorben sei.

Das hatte natuerlich die Streichung aller Termine zur Folge. Und trotz allen Schocks hiess es, Fluege buchen, damit ich an seiner Beerdigung teilnehmen kann.

Die Zeit nach der Rueckkehr war ich psychisch und psychisch ziemlich angeschlagen, aber dann begann die Goldene Woche, dieses Jahr ganze 10 Tage lang, weil Japan einen neuen Kaiser bekommen sollte. Die Freude, auch Toecherle wenigstens etwas wieder zuhause zu haben, half da natuerlich auch gewaltig nach. Detective Pikachu war auch ein Film, auf den Soehnle und ich uns schon seit Februar freuten. Und der Besuch am 3. Mai war wirklich ein Lichtpunkt in dieser doch traurigen Zeit.

Und die Veranstalterin unserer jaehrlichen GW Camps entschied sich ploetzlich doch noch, einen Camp zu machen sehr zu der Freude von Soehnle. Ich entschied mich, auf der Hinfahrt einen anderen Weg zu fahren und ekD mit zu einem Dinosauriermuseum mitzunehmen. Soehnle war zwar erst wenig begeistert, weil er fuer die Riesenechsen absolut nichts empfindet. Aber als er bemerkte, dass das Museum eine Sonderverantstaltung fuer Kinder durchfuehrt, dachte er gleich anders ueber die ganze Sache. Weiterhin fuhren wir an dem Schild von einer ueberregional ziemlich beruehmten Bruecke vorbei. Und da ich schon seit 8 Jahren mal die Bruecke sehen wollte, machten wir noch einen kleinen Abstecher. EkD machte viele schoene Fotos, und da verzichtete sie dann auch gerne auf die Horroraktion, sich in der GW mit 100.000 anderen Touristen die Hauptattraktion im Ort meiner Freundin anzuschauen: eine wenn auch sehr schoene Schlucht an einem Fluss.

Ich versprach ihr, dass ich sie zu unserer Haus- und Hofschlucht mitzunehmen und ueberredete Maennle zu einer Fahrt ins Gruene. Aber als sowohl sie als auch unsere neue ATS davon sprachen, dass sie gerne mal das Meer sehen wuerden, entschieden wir uns, nach Norden am Meer entlang zu fahren und dort etwas Sightseeing zu machen. Auch ein schoener Tag fuer alle, der viele Erinnerungsfotos fuer Daenemark bedeutete.

Mal sehen, ob wir es noch bis zur Schlucht schaffen, aber zeitlich duerfte es schwer werden. Am naechsten Wochenende ist Grundschulsporttag, das ist ein Familienfesttag, auch wenn ich mir nicht sicher bin, ob ich unbedingt immer dem -fest-Teil zustimme. Aber einmal muss man es auch mal gemacht haben. Am 15. Juni, dem letzten Wochenende bin ich nach Beppu zu einer Hochzeit eingeladen worden. Und wir haben uns ueberlegt, dass wir alle dorthin gehen koennten und Maennle und die Kinder waehrend der Hochzeitsfeier einfach die Hoellentour machen koennten. Ich habe sie ja nun schon oft genug mit ATS und Gaesten gemacht. Und Maennle wollte gerne das Bueffet im Suginoi-Hotel essen, das richtig gutes Essen anbietet. Das waere eine schoener Abschluss fuer schoene 10 Monate.

Apropos, neue Schuelerin: Wir haben dieses Jahr die Profile von einer Franzoesin und einer Finnin bekommen. Ich war leicht enttaeuscht, weil wir ja beide Laender schon mal hatten. Aber Frankreich und Finnland sind ja auch gross. Und beide Maedchen schienen auch wirklich gut in unsere Familie zu passen. Nach viel Ueberlegen entschieden wir uns fuer die Franzoesin. Jetzt bleibt nur zu hoffen, dass wir bald etwas von der Schule hoeren.

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Ein Kimono und eine Weihnachtsfeier

Das Austauschkonsortium der oertlichen Universitaet plante eine Weihnachtsfeier, zu der unsere kleine Daenin gerne gehen wollte. Ich hatte auch Interesse, aber bekam dann eine Unterrichtsstunde zu der Zeit aufgedrueckt, so dass ich dachte, ich koenne leider nicht gehen. Meine Schueler hoerten das und fragten, ob ich sie dann am Sonntagmorgen unterrichten koenne, wozu ich natuerlich nur zu gerne bereit war.

Eigentlich hatten wir vor, erst um 4 Uhr den Bus zu nehmen. Aber wenn wir schon mal in der Stadt sind, koennten wir doch gleich auch den einen Kimonoladen mit besuchen. Selbst wenn er nichts in ihrer Groesse haben sollte, so ist angucken auch schoen.

Der Besitzer des Ladens unterhielt sich gerade mit einem anderen Kunden, so dass ich mir etwas unsicher war, ob ich stoeren koenne. Aber als er hoerte, was wir suchen, fand er einen helllilanen Kimono fuer M., der ihr auch perfekt passte und in Farbe und Stoffmuster gefiel. Und er sollte nur 3000 Yen kosten. Wir suchten dann die Obis durch und fanden zinnoberroten Nagoyaobi dazu. Der Besitzer kombinierte das Set mit einer rosanen Obiage und Obijime, aber der „Kunde“ kommentierte, dass das zu unauffaellig/langweilig waere und gruen eher passen wuerde.

M. war voellig gluecklich mit der Kombination, und da sie noch keine Komono hatte, suchte der Besitzer ihr diese zusammen. Ich war ueberrascht ueber viele der Kommentare des „Kundens“, und auf meine Frage hin erzaehlte er mir, dass er auch einen Kimonoladen besitzen wuerde und heute mal seinen Kumpel besucht haette. Er war voellig begeistert, dass er ersten eine Deutsche traf, die sich ueber Kimonos unterhalten konnte. Und dann eine 16-jaehrige Auslaenderin, die das Kimonoanziehen lernen wollte. Er schenkte ihr 1000 Yen fuer den Kimonokauf.

Der Besitzer hatte mittlerweile alles zusammengetragen, und erstaunlicherweise passte sogar der Nagajuban, der Unterkimono, perfekt. Ich erwartete einen Preis in Richtung 10.000 Yen, immerhin waren die Unterwaesche und die Tabi neu. Dann der Schocker: 4000 Yen. Ich sagte dem Besitzer, er solle keine unmoeglich niedrigen Preise verlangen, aber er meinte nur, es sei fuer die Daenin, damit sie dann anderen Daenen Kimonos zeigen koenne. Nun gut, wenn er so darauf besteht, dann kann man nur dankbar sein.

Eine kleine Daenin strahlte ueber das ganze Gesicht und trug gerne die riesige Tuete die 2 km bis zum Weihnachtsfeierort. Auch dort hatten wir eine schoene Zeit , und ich lernte sogar ihre beste Freundin kennen. Aber sie brannte auch darauf, schnell wieder nach Hause zu kommen. Und wir waren auch keine 5 min zuhause, als sie ihre Familie in Daenemark anrief, um ihnen die freudige Nachricht zu ueberbringen.

Ein kleiner Schock nach 26 Jahren

Auch wenn wir wollen, dass M. moeglichst viel Japanisch hoert, so faellt doch die ein oder andere Minute ab, wo wir ueber Daenemark oder auch Daenisch sprechen. Und im Laufe der Zeit liess es sich nicht umgehen zu bemerken, dass es doch so einige Woerter gibt, die sie als Grosskopenhagenerin anders ausspricht, als ich es gelernt hatte. Irgendwie hatte es mich auch gefreut, dass mein juettlaendischer Einschlag noch nicht tot ist. Aber das hat mir endlich die Frage beantwortet, warum mir mein Daenischlehrer an der Uni Muenster mal sagte, er koenne hoeren, wo mein Daenisch geboren wurde. Der Kommentar geisterte als grosses Fragezeichen all die Jahre in meinem Gehirn rum. Meine Gastmutter hatte mir doch paent dansk – schoenes Reichsdaenisch beigebracht und meinem Gastvater verboten, mit mir weiterhin auf Juettlaendisch zu sprechen.

Wir sprachen auch ueber daenische Lieder. Spurven sidder stumt bag kvist (Der Sperling sitzt stumm hinter dem Zweig) ist anscheinend eines der Lieder, das sie auch kennt und zu Weihnachten immer mit ihrer Familie singt. Als ich sie aber nach einem anderen Lied fragte, das wir ungelogen bei jedem Fest oder Festessen sangen, schuettelte sie zu meiner grossen Ueberraschung nur den Kopf. Jylland mellem tvende have (Juettland zwischen zweier Meere) war ihr unbekannt, auch wenn es ein Gedicht von H.C. Andersen war. Echt, das kann doch nicht sein! Und als ich es fuer sie auf Youtube suchte, stellte ich zu meiner grossen Ueberraschung fest, dass es alle Versionen „falsch“ sangen: Jylland mellem tvende have som en runeSTAV er lagt. Es sagen wirklich alle Versionen STAEV anstelle von STAU. M. wirkte leicht amuesiert, als ich ihr meine Entdeckung etwas entsetzt mitteilte. „Ja, genau das ist Juettlaendisch!!“