Der Rueckreisetag steht fest

Am Donnerstagabend teilte mir P. mit, dass sie eine Email von WYS bekommen haette, wann es fuer sie zurueckgeht. Und das waere der 30. Juni. Irgendwie fuehlte ich mich im ersten Augenblick leicht enttaeuscht, weil ich innerlich gehofft hatte, dass sie doch noch laenger bleiben kann.

Aber die erste Enttaeuschung abgeschuettelt und etwas weniger emotionell darueber nachgedacht, so ist es doch die beste Variante. Am Anfang eines Monats bin ich durch meine Arbeit immer ein wenig sehr beschaeftigt, so dass an einen Tag freimachen nicht zu denken ist. Im schlimmsten Fall koennten mir auch durchaus einige Ueberstunden bluehen. Dagegen ist das Ende eines Monats i.d.R. sehr ruhig. Ich habe meine Chefin gefragt, und ich darf einen Tag freimachen. Und aus Projektgruenden muessen wir alle im Juni einen Tag freimachen, so dass das natuerlich perfekt passt, wenn ich das gleich am 29. mache. Dann koennen wir in Ruhe zum Rathaus oder zur Post fahren und notwenige Erledigungen an dem Tag machen.

P. wird im Gegensatz zu anderen Laendern am Abend abfliegen, was bedeutet, sie kann im Laufe des Vormittags nach Tokyo fliegen. Ich habe WYS wieder gebeten, ihr doch einen Flug von Fukuoka aus zu buchen. Nicht nur, dass es von da aus Billigflieger nach Narita gibt, so dass ihr die Fahrt durch halb Tokyo und Chiba erspart bleiben wuerde. Sie kann wieder mit dem Bus zum Flughafen fahren und muss nicht von uns gefahren werden. Also muessen wir nicht auch freimachen. Und ausserdem wuerde das ihren Freundinnen eine Moeglichkeit geben, sie zu verabschieden und es dann noch puenktlich zur Schule zu schaffen. Bei einem Abflug von oertlichen Flughafen waere das durch die bloede Lage unmoeglich.

Austausch und Corona

Mit Schrecken stelle ich fest, dass ich viel zu lange meinen Blog vernachlaessigt habe. Jetzt ist schon wieder fast ein halbes Jahr um, die Zeit vergeht einfach viel zu schnell.

Um es kurz zu sagen, wir sind immer noch gluecklich mit unserer Franzoesin. Sie hat sich gut angepasst und scheint mit uns genau so viel Spass zu haben wie wir mit ihr. Ihr Japanisch ist immer noch naja, wenn man bedenkt, dass sie schon ueber 7 Monate hier ist. Ich bezweifle, dass sie JLPT N4 bestehen wuerde. Aber man sieht, dass sie sich anstrengt, und so geht es sehr langsam, aber sicher bergauf.

Ja, und Corona hat auch unsere Gegend nicht verschont, auch wenn die Situation NOCH (?) voellig harmlos ist im Vergleich dazu, was so manche Gegenden in Europa durchzumachen scheinen. Unsere Praefektur mit knapp unter 2 Mio. Einwohnern hat wohl um die 20 Kranke, und leider hat es ein aelterer Mann in den 70ern nicht geschafft und ist letzte Woche an Corona-erzeugter Lungenentzuendung gestorben. Aber so was ich gehoert habe, soll er ein starker Raucher gewesen sein und vorher schon nicht unbedingt eine topfitte Lunge gehabt haben.

Aber trotz der noch relativ entspannten Situation will auch unsere Praefektur nicht mehr Russisch Roulette spielen als notwendig und hat seit Anfang Maerz den Schulbetrieb eingestellt. Und das betrifft auch unsere ATS. Erst hiess es, dass mit dem Beginn des neuen Schuljahres der Schulbetrieb wieder aufgenommen wird, aber da in Tokyo und 6 anderen Regionen der Ausnahmezustand erklaert wurde, haben leibliche und Austauschkinder bis Anfang Mai schulfrei. Und auch wenn besonders sich Soehnle ueber die Verlaengerung ziemlich aufgeregt hat, so akzeptieren beide Kinder die Situation recht gut.

Uebrigens ist Toechterle bis zum 22. mit 14 anderen Kindern in Quarantaene in der Hafenstadt, von der die Faehre zu den 3 Inseln ablegt. Man will verhueten, dass die ausserpraefekturellen Kinder Corona auf die Inseln einschleppen. Toechterle war darueber nicht besonders gluecklich, aber sie hat auch die Notwendigkeit eingesehen. Ihr Klassenlehrer hat wohl auch schon mit ihr geskypt und meinte, sie sei gut drauf und gebe sich viel Muehe beim Selbststudium.

WYS hat sich im Gegensatz zu YFU oder AFS entschieden, noch abzuwarten, wie sich das weiter entwickelt. Dazu kommt auch, dass viele der ATS z.Z. nicht frueher nach Hause wollen. Und WYS will das auch respektieren. Dazu kommt, dass unsere Franzoesin Paris haengenbleiben wuerde, weil wohl das Reisen durch Frankreich zur Zeit untersagt ist. Das bleibt P. mit dem Okay ihrer Eltern erst einmal hier.

Ich habe seit Mitte Februar eine neue Arbeit in der Innenstadt, mit der ich sehr gluecklich bin. Allerdings hat auch unser Klient eingesehen, dass man von dem traditionellen Standpunkt abruecken muss, dass die Arbeit aus Sicherheitsgruenden nur im Buero stattfinden kann. Und so blueht auch mir in nicht allzu langer Zeit Heimarbeit.

Weiterhin ist der Berufsverkehr so weit zurueckgegangen, dass mein Bus am Morgen und Abend nicht nur ohne Verspaetung ankommt, sondern zwischendurch auch mal warten muss, weil er zu schnell ist. Leute weichen einander aus, und selbst Gespraeche im Bus sind jetzt unerwuenscht. Schade, aber nicht zu aendern.

Der Schritt in Richtung mehr Heimarbeit und weniger Ausdrucken, und ueberhaupt mehr Flexibilitaet bei der Arbeit ist etwas Positives fuer Japan. Aber trotzdem hoffe ich, dass Corona schnell Geschichte ist.

Ein kleines Maedchen will nach Daenemark

M. aus Daenemark hatte Toechterle eingeladen, sie besuchen zu kommen. Da Toechterle auch darueber nachdenken muss oder will, ob sie nun ihre Oberschule in Japan oder in Europa machen will, waere eine englischsprachige Schule so wie die, auf die unsere Daenin jetzt geht, durchaus etwas, worueber man nachdenken sollte. Sie koennte also mal sich mal eine solche Schule anschauen und dann entscheiden, ob ihr die Unterrichtsmethodik in Daenemark besser zusagt als in Japan. Also wurde im Familienrat beschlossen, dass Toechterle im Dezember nach Daenemark reisen solle.

So weit, so gut. In meiner ueberwaeltigenden Ignoranz dachte ich, dass ich einfach nur ein Flugticket im Netz kaufe, buche ihr den Umsteigeservice dazu, bringe sie nach Fukuoka und fertig. Das war auch mehr oder weniger, was mir Muetter mit aelteren Kindern erzaehlten. Aber Pustekuchen! Seit der Zeit, als sie ihre Kinder in die britische Provinz schickten, haben sich die Vorschriften ganz schoen veraendert. Und nicht unbedingt zum Guten!

Wir reden von Japan, falls jetzt Leser Einwaende haben sollten:
Fuer Miss 13 ist es fuer die naechsten 3 Jahre noch nicht moeglich, Tickets ueber das Internet zu kaufen. Auch nicht, wenn man versucht, extra ein Profil fuer sie anzulegen. Vor 16 laeuft hier nichts.

Um den Flug nicht unnoetig lang werden zu lassen, kommen leider nur europaeische oder ostasiatische Fluggesellschaften in Frage. Eine Freundin hatte ihren Sohn mit KLM geschickt und gute Erfahrungen gemacht. Dort nachgefragt: Ja, wir koennten sie nach Kopenhagen schicken. Aber nur von Osaka oder Tokyo. Und selbst mit dem Service muss sie jemand zum Flugzeug bringen und abholen. Sie koennte also nicht einfach einen fruehen Flieger von Fukuoka dahin nehmen und dann von da den Service in Anspruch nehmen.

Gut, ja, dann koennte man ja mal Korean Airlines fragen. Ja, sie wuerden das von Fukuoka aus machen, aber nur bis Amsterdam. Da muesste sie dann von jemandem abgeholt werden. *umkipp*

Zurueck zur Option von Osaka. Meine Bekannten und Freunde in Osaka mal durchgefragt, und nach 10 Tagen hatte ich zwei Muetter gefunden, die sich bereit erklaerten, Toechterle am Flughafen abzuliefern und abzuholen.

Psychisch gewappnet und gut vorbereitet auf die Buchung rief ich also wieder bei KLM an, wir gingen die Buchung durch bis … mir mitgeteilt wurde, dass der Service bei ihnen ueber 500 Euro kosten wuerde. Dafuer koenne ich aber 4 Kinder schicken. Ehm, ich habe aber nur ein Kind. Etwas schockiert liess ich das Ganze erst einmal auf Halt setzen und legte auf.

Mit Toechterle geredet meinte sie, sie wisse von Kambodscha und Hongkong, wie es funktioniere. Und sie brauche den Service nicht. Aber sie wolle auf alle Faelle fliegen und freue sich auf das Ganze. Der Service ist laut Homepage eine Option und keine Pflicht, also rief ich am naechsten Tag wieder KLM an und teilte ihnen mit, dass ich zwar den Flug buchen moechte, aber ohne den Service. Gut, das ist o.k. Aber halt? Wie alt ist die Kleine? 13? Nee, dann ist das keine Option, sondern Pflicht. Es sei denn, ein Erwachsener wuerde sich auf der Reise die ganze Zeit um sie kuemmern.

Wir waren wieder beim Punkt Null. Aber als ich meine Frustration ueber den teuren Begleitservice verlauten liess, schlug die Dame vor, anstelle dessen doch die Partnergesellschaft Air France zu nehmen. Da wuerde der Service „nur“ 100 Euro pro Strecke kosten. Das ist zwar auch nicht wenig Geld, aber weniger als die Haelfte, was KLM gekostet haette.

Der kleine Nachteil der Strecke ist, dass Toechterle leider 6 Stunden Wartezeit in Paris haben wird. Das bedeutet auch, die Ankunftszeit in Kopenhagen ist 11.30 nachts. Und auf dem Weg zurueck muss sie leider schon den Flieger um kurz nach 6 Uhr morgens nehmen, weil der Service eine Mindestumsteigezeit von 90 min verlangt, aber bei dem Flugzeug 3 Stunden spaeter nur 80 min haette. Gluecklicherweise hatte M. Familie kein Problem damit. Und das Gute an den Zeiten ist, dass die Strassen wahrscheinlich frei sein duerften.

Dann hoffe ich mal, dass Toechterle eine schoene Advents- und Weihnachtszeit in Daenemark verbringen wird.