Corona in Japan

Ja, und auch Japan hat angefangen, das kleine Virus etwas ernst zu nehmen. Unser sehr nervoeser Klient hat zugestimmt, dass taegliches Anreisen in die Stadt doch etwas riskanter ist als die potentielle Gefahr, wir koennten irgendwelche Dokumente ausdrucken und irgendwelche Zeitungen verkaufen. Das heisst, auch mein Projekt hat angefangen, von zuhause aus zu arbeiten.

Es ist nicht leicht, die Arbeit gaenzlich ohne Papier an einem superkleinen Bildschirm zu machen. Aber langsam, aber sicher gewoehnen sich selbst meine papierliebenden Kollegen an die neue Art des Arbeiten. Und ich habe auch angefangen, meine Heimarbeitstage schon um 8 Uhr zu beginnen. Das heisst, ich habe mehr Zeit fuer meinen Kleinen. Und so haben wir jetzt jeden Abend einen Spaziergang gemacht.

Ich gewoehne mich auch langsam an diese furchtbaren Masken. Aber trotzdem bin ich doch froh, wenn ich wieder zuhause bin und sie abmachen kann.

Soehnle und unsere Franzoesin sind seit Anfang zuhause. Soehnles Grundschule hatte als speziell ausgewaehlte Grundschule in der Stadt hatte Onlineunterricht zugeteilt bekommen, aber das die Schule nicht annaehend genuegend Pads hatte und in „high tech“ Japan immer noch nicht jede Familie wenigstens einen Computer hat, ging der Unterricht nur ueber 2 Wochen. Dann mussten die Kinder die Pads zurueckgeben, damit die naechten Klassen sie bekommen. Dazu wurde jeden Tag nur eine Stunde unterrichtet. Und das meiste davon war auch Anwesenheitskontrolle. Also nichts Halbes und nichts Ganzes.

P. ist gluecklicherweise immer noch offiziell Schuelerin ihrer Schule, das heisst, sie hat ihr Visum noch nicht aufgeben muessen. Die Schule hat auch auch die Unterrichtspause auf Ende Mai verlaengert. Mal sehen, ob es danach wirklich weiter geht. Aber trotzdem wurden die Maedchen jetzt schon zwei oder drei Mal fuer eine bis zwei Stunden in die Schule gerufen. Mir ist ja nicht wirklich wohl bei der Sache, aber bis jetzt hatten wir anscheinend Glueck.

Wir haben keine Ahnung, wann es fuer P. wieder zurueckgeht. Offiziell muesste sie am 20. Juni nach Tokyo zurueck, aber ich sehe irgendwie noch nicht, dass es zu dieser Zeit klappt. Naja, wir persoenlich haetten kein Problem damit, wenn sie laenger bleibt, weder vom Platz noch von den Nerven her. Und fuer sie geht die Uni in Frankreich erst im Oktober los, als haette sie auch keine grossen Probleme, wenn sie laenger als 10 Monate in Japan bleiben sollte.

Uebrigens gibt es z.Z. eine sehr interessante Diskussion in Japan, naemlich, ob man die Coronaschulpause nicht dazu nutzen sollte, den Schulbeginn auf September zu legen. Die offiziellen Befuerworter bringen meistens ein „Damit waere Austausch von und nach Japan leichter.“ Aber ich sehe darin viel mehr die Loesung des Sommerferienproblems. Die Sommerferien liegen genau zwischen dem ersten und zweiten Trimester. Und als ehemaliger Lehrer kann ich nur aus eigener Erfahrung sprechen, wie sch… unangenehm das fuer den Lehrablauf ist. Da hat man die Schueler gerade so weit, dass sie angefangen haben zu lernen, bevor sie wieder in ein Loch fallen und rumgammeln. Um das etwas zu umgehen, werden den Kindern hier noch und noecher Hausaufgaben aufgedrueckt. Und einige Politiker hatten sogar vorgeschlagen, die Sommerferien ganz zu streichen, da jetzt Klimaanlagen immer normaler werden. Mit dem Verschieben des Schulstarts auf September haette man das Problem der Lehrer geloest und koennte die Kinder ihre Sommerferien geniessen lassen.

Um auf den Austausch zurueckzukommen, WYS hat jetzt auch ziemliche Kopfschmerzen, wie es nun weitergehen soll. Die meisten Schueler haben anscheinend auf Nicht nach Hause fahren optiert, so dass sie weiterhin bei ihren Gastfamilien bleiben. Im Gegensatz zu YFU haben sie gluecklicherweise relativ wenige Fruehlingsanreisende, so dass nicht das gesamte Programm gestrichen oder mit einem Herbststart auf 5 Monate zusammengestrichen werden muss. Aber jetzt, wo man eigentlich die Familien- und Schuleinteilungen machen muesste, sind natuerlich die so wieso schon so relativ unwilligen Schulen in Japan noch unwilliger, Auslaender zu akzeptieren, die dann vielleicht auf ihre Lerninstitute noch Corona einschleppen und die Schueler krank machen.

Aus dem Grund hat sich WYS entschieden, das Programm von Oktober bis Anfang Juli laufen zu lassen, so dass sie im schlimmsten Fall noch den September fuer das Ueberreden der Schulen haben, dass ATS keine Massenaussterben in der Schule ausloesen werden.

Ich habe WYS auch etwas Geld gespendet, was sie sehr ueberrascht hat, weil sie absolut nicht damit gerechnet haetten. In Japan wird zwar an Tempel gespendet, aber so im allgemeinen gibt es keine Spendenkultur. Und es ist auch nicht so wie in Deutschland von der Steuer absetzbar.

Unsere Stadt und Region ist in puncto Corona relativ entspannt. Wir hatten zumindest offiziell jetzt schon ueber 14 Tage keine Neufaelle. Die Schule, wo unsere Maedchen die letzten zwei Jahre hingegangen sind, kennen uns und haben uns anscheinend schaetzen gelernt. Da es eine gute Chance gibt, dass die Schule eventuell auch zwei Maedchen aufnehmen wuerde, hatte ich angeboten, eventuell auch einmal eine Doppelplatzierung zu machen. WYS war sehr erfreut und fand es zu meinem Erstaunen eine gute Idee. Erstaunen, weil Doppelplatzierungen in Japan einfach dicht an undenkbar sind. Ja, wir werden mal sehen, wie es in Japan weitergeht.

Weg mit dem Geb

Ich hatte schon mehrmals von deutschen Frauen in Japan gehoert, wieviel Aerger sie mit dem Geb. im Reisepass haben, weil japanische Behoerden das staendig als Teil des Namens mit auffassen und als ゲップ xyz in ihre Akten mit aufnehmen wollen. Das Schlimmste dabei ist, das GEPPU Ruelpser bedeutet, was ein Grund mehr ist, das nicht mit im Namen haben zu wollen.

Ich hatte 2005 geheiratet und aus Einfachheitsgruenden den Namen meines Mannes ohne Bindestrich oder aehnliches angenommen. Und noch nie hatte irgend jemand was dagegen sagt. Selbst im Stammbuch meines Mannes stehe ich mit meinem japanischen Familiennamen drinnen, was auch problemlos von meinem Maedchennamen auf meinen jetzigen geaendert wurden.

15 Jahre vorgespult. Meine Auslaenderkarte muss nach 7 Jahren erneuert werden. Ich fuelle das Dokument aus, lege Foto, alte Karte und den Reisepass dazu und warte, dass das Okay zum Nachhausegehen kommt. Dann begann das Drama: Hier stehe aber auch geb xyz.
Ja, das mag ja sein, aber das ist mein vorhochzeitlicher Maedchenname, der nicht zu meinem Namen gehoert. Sie sehen auch, was auf meiner alten Karte steht.
Ja, mal einen Augenblick bitte.

Dann begab sich die junge Frau zum Boss, sie waelzten ein riesiges Handbuch zusammen. Und er kam auch an: Ja, hier steht aber auch geb. xyz.
Ja, wie ich gerade der jungen Frau erklaert habe, das ist nicht mein Name, sondern wird nur aus verwaltungstechnischen Gruenden auf dem deutschen Pass aufgefuehrt. Ausserdem laeuft z.Z. selbst eine Petition „Weg mit dem geb“, dass man das nicht mehr oder zumindest nicht mehr so in der Form auf deutschen Paessen auffuehrt.

Es wurde hin und her ueberlegt. Dann entschied man sich, mir meinen Namen zu lassen. Aber dafuer musste ich eine Seite Aufsatz schreiben, warum ich das geb. xyz nicht mit auf meinem Ausweis haben will. *Seufz* Aber lieber jetzt mal das machen, als dann staendig spaeter in Erklaerungsnot zu geraten, warum denn der Name auf meiner Auslaenderkarte ein anderer ist als auf allen anderen Sachen.

Austausch und Corona

Mit Schrecken stelle ich fest, dass ich viel zu lange meinen Blog vernachlaessigt habe. Jetzt ist schon wieder fast ein halbes Jahr um, die Zeit vergeht einfach viel zu schnell.

Um es kurz zu sagen, wir sind immer noch gluecklich mit unserer Franzoesin. Sie hat sich gut angepasst und scheint mit uns genau so viel Spass zu haben wie wir mit ihr. Ihr Japanisch ist immer noch naja, wenn man bedenkt, dass sie schon ueber 7 Monate hier ist. Ich bezweifle, dass sie JLPT N4 bestehen wuerde. Aber man sieht, dass sie sich anstrengt, und so geht es sehr langsam, aber sicher bergauf.

Ja, und Corona hat auch unsere Gegend nicht verschont, auch wenn die Situation NOCH (?) voellig harmlos ist im Vergleich dazu, was so manche Gegenden in Europa durchzumachen scheinen. Unsere Praefektur mit knapp unter 2 Mio. Einwohnern hat wohl um die 20 Kranke, und leider hat es ein aelterer Mann in den 70ern nicht geschafft und ist letzte Woche an Corona-erzeugter Lungenentzuendung gestorben. Aber so was ich gehoert habe, soll er ein starker Raucher gewesen sein und vorher schon nicht unbedingt eine topfitte Lunge gehabt haben.

Aber trotz der noch relativ entspannten Situation will auch unsere Praefektur nicht mehr Russisch Roulette spielen als notwendig und hat seit Anfang Maerz den Schulbetrieb eingestellt. Und das betrifft auch unsere ATS. Erst hiess es, dass mit dem Beginn des neuen Schuljahres der Schulbetrieb wieder aufgenommen wird, aber da in Tokyo und 6 anderen Regionen der Ausnahmezustand erklaert wurde, haben leibliche und Austauschkinder bis Anfang Mai schulfrei. Und auch wenn besonders sich Soehnle ueber die Verlaengerung ziemlich aufgeregt hat, so akzeptieren beide Kinder die Situation recht gut.

Uebrigens ist Toechterle bis zum 22. mit 14 anderen Kindern in Quarantaene in der Hafenstadt, von der die Faehre zu den 3 Inseln ablegt. Man will verhueten, dass die ausserpraefekturellen Kinder Corona auf die Inseln einschleppen. Toechterle war darueber nicht besonders gluecklich, aber sie hat auch die Notwendigkeit eingesehen. Ihr Klassenlehrer hat wohl auch schon mit ihr geskypt und meinte, sie sei gut drauf und gebe sich viel Muehe beim Selbststudium.

WYS hat sich im Gegensatz zu YFU oder AFS entschieden, noch abzuwarten, wie sich das weiter entwickelt. Dazu kommt auch, dass viele der ATS z.Z. nicht frueher nach Hause wollen. Und WYS will das auch respektieren. Dazu kommt, dass unsere Franzoesin Paris haengenbleiben wuerde, weil wohl das Reisen durch Frankreich zur Zeit untersagt ist. Das bleibt P. mit dem Okay ihrer Eltern erst einmal hier.

Ich habe seit Mitte Februar eine neue Arbeit in der Innenstadt, mit der ich sehr gluecklich bin. Allerdings hat auch unser Klient eingesehen, dass man von dem traditionellen Standpunkt abruecken muss, dass die Arbeit aus Sicherheitsgruenden nur im Buero stattfinden kann. Und so blueht auch mir in nicht allzu langer Zeit Heimarbeit.

Weiterhin ist der Berufsverkehr so weit zurueckgegangen, dass mein Bus am Morgen und Abend nicht nur ohne Verspaetung ankommt, sondern zwischendurch auch mal warten muss, weil er zu schnell ist. Leute weichen einander aus, und selbst Gespraeche im Bus sind jetzt unerwuenscht. Schade, aber nicht zu aendern.

Der Schritt in Richtung mehr Heimarbeit und weniger Ausdrucken, und ueberhaupt mehr Flexibilitaet bei der Arbeit ist etwas Positives fuer Japan. Aber trotzdem hoffe ich, dass Corona schnell Geschichte ist.