Kinder auf der Arbeit

Am 26. sollte ich meine letzten Unterrichtsstunden mit den Behinderten haben, so dass ich fragte, ob ich meine Kinder mal mitbringen koenne. Meine Schueler wuerden sicherlich viel Spass mit ihnen haben, und fuer sie waere es auch eine sicherlich sehr wertvolle Erfahrung.

Der Leiter fand die Idee gut, und so nahm ich sie mit. Die mehr oder weniger autistischen „Onkel“ fanden sie nicht soooo toll, so dass besonders Soehnle erst wenig Interesse am Besuch bei der 2. Institution hatte. Aber dann trafen sie die teil koerperlich behinderten, teil stark lerneingeschraenkten „grosse Brueder und Schwestern“ und waren voellig begeistert. Ich brachte ihnen weihnachtliche Woerter bei und bat meine 3 dann, diese pantomimisch darzustellen. Die Kinder waren genial. Und ihre Ideen, Rentier oder Geschenk darzustellen waren einfach nur aeusserst kreativ und lustig. Und alle, selbst diejenigen, die wegen anderen Arbeit nur von Weitem zuhoerten, konnten nicht anders, als einfach nur mitzulachen.

Letzten Endes war die Zeit viel zu schnell vorbei, und selbst die Kinder wollten unbedingt wieder einmal vorbei schauen. Die Schueler waren natuerlich absolut begeistert. Und auch der Leiter bat mich, sie mal wieder mitzubringen.

Kagoshima und Toechterle

Da nun unsere Reise mit unserer ATS nicht nur einmal, sondern gleich zweimal wegen Taifune ins Wasser gefallen war, schlug ich vor, dass wir doch Toechterle dieses Mal abholen koennten. Und dann koennten wir auch M. gleich noch die Stadt zeigen.

Toechterle war einverstanden, denn eigentlich sollte sie eine Nacht mit den anderen Kindern im Rathaus des Ortes uebernachten, bevor dann jeder sein Flugzeug oder seinen Zug bestieg. Und das letzte Mal hatte es wohl auch viel Spass gemacht, so dass sich sie darauf gefreut hatte. Aber am naechsten Morgen bei der Weihnachtsfeier in einer oertlichen Englischschule mitzuhelfen war ihr dann doch wichtiger.

Wir fuhren also im wahrsten Sinne mitten in der Nacht noch los, damit wir dann viel vom Tag haben. Nach einem Fruehstueck besuchten wir dann den Terukuni Schrein und das praefekturelle Museum. Ersteres war – naja, es ist ein Schrein wie alle anderen gefuehlten 10.000 in Japan. Letzteres war selbst fuer eine noch nicht sooo lesefitte Daenin interessant.

Nicht weit davon befindet sich auch das Tenmonkan-Gebiet, die oertliche Einkaufspassage. Und im Vergleich zu dem, was ich in anderen Staedten gesehen habe, ist diese doch etwas interessanter als der japanische Durchschnitt.

Den Nachmittag verbrachten wir dann am Shinkansenbahnhof, dass im Gegensatz zu unserer Stadt auch wirklich Stadtzentrum ist und als solches auch ausgebaut it. Es gab dort selbst einen, wenn auch seeeehr japanischen kleinen Weihnachtsmann. Und auch so mal durch die Einkaufszentren zu staeubern war wirklich schoen. Ich kaufe auch zwei Spiele, die war zu Weihnachten dann auch ausprobierten.

Als es langsam Richtung Sonnenuntergang ging, schlug Maennle vor, dass wir doch das Riesenrad mal ausprobieren koennten. Als Besonderheit gab es 2 Pokemonkabinen, die unser Kleiner unbedingt mal ausprobieren wollte.

Kleiner gluecklicher Junge mit ganz vielen grossen Pokemon

Dann bekamen wir Bescheid, dass die Faehre eine Stunde frueher als geplant ankommen wuerde, so dass wir uns zu unserem Auto aufmachten und schnell zum Hafen fahren. Und keine 5 min spaeter fuhr das Schiff schon ein und legte an. Und ein ganz schoen gross gewordenes kleines Maedchen sprang uns froehlich in die Arme.

Sommerferien und ein neues Schwesterchen

Dieses Jahr verging der August schneller, als ich gedacht hatte. Da unser lieber Opa ploetzlich im Dezember verstorben war, fand dieses Jahr zum japanischen Totenfest Obon auch das Hatsubon (wortwoertlich: das erste Obonfest nach dem Tod eines Angehoerigen) statt. Wir hatten daher eine atemberaubend laaaaaaange Woche Sommerferien. Undenkbar in Japan!

Wir mussten auch unsere 2 Ratten mitnehmen, und mit mindestens 1600 km duerften sie jetzt zum Kreis der weitgereisten Ratten gehoeren. Sie hatten gluecklicherweise die Fahrt im Schiff gut ueberstanden dank des Eis, das wir im und um den Kaefig platzierten. So sehr viel komfortabler die Faehren auch in den letzten 15 Jahren geworden sind, so sind sie nicht auf die Mitreise von Haustieren eingerichtet.

Nach unserer Rueckkehr blieb nur noch wenig Zeit fuer die restlichen Hausaufgaben und *hust* das Aufraeumen des Maedchenzimmers, weil Toechterle es natuerlich wieder geschafft hatte, das von mir aufgeraeumte Zimmer erfolgreich in den urspruenglichen Zustand zurueckzuversetzen.

Toechterle sollte am Sonnabend frueh wieder in den Zug in Richtung ihrer Lieblingsinsel zu setzen, aber je dichter der Tag rueckte, um so bedrueckter wirkte sie. Da heiterte sie auch ein Karaokebesuch und Spielen mit der Tochter einer Freundin nicht wirklich auf. Nach dem Grund befragt erzaehlte sie, dass mit ihrem Bruder zusammen Geburtstag feiern wollte. Und es bedrueckte sie auch, dass unsere neue ATS nicht treffen sollte.

Wir fragten sie also, was ihr wichtiger war: das Camp oder der Geburtstag und etwas Zeit mit ihrer neuen grossen Schwester. Sie waehlte ohne gross nachzudenken das letztere. Also sagten wir zu ihrer grossen Freude das Camp ab.

Am naechsten Morgen hiess es dann, um 11.40 Uhr eine kleine Daenin abzuholen. Sie war etwas ueberrascht, weil ich ihr gesagt hatte, dass unsere Kleine leider nicht da sein wuerde. Um so groesser war die Freude, sie doch zu treffen.

Die Maedchen schienen sich gut zu verstehen. Toechterle versuchte, ihre Englischkenntnisse zu benutzen. Beachtlich, wenn man bedenkt, dass sie noch kein Englisch gelernt hat. Aber ab und zu baute sie Deutsch mit ein wie „Das… my brother’s bike.“ Eine kleine Daenin fand das sehr witzig.

Nach dem Mittagessen im nahegelegenen Familienrestaurant richtete sich eine kleine Daenin in ihrem neuen Zimmer ein. Da wir noch einmal einkaufen fahren mussten, nahmen wir sie auch gleich mit. Unser Kleiner wollte unbedingt auch ein Spiel machen, so dass wir 10 min totschlagen mussten. Als wir uns den Kimonoladen in der Naehe anschauten, wurde sie eingeladen, doch mal eine Furisode ihrer Wahl anzuprobieren. Sie waehlte etwas zu meiner Ueberraschung eine relativ unscheinbare Furisode in Schwarz mit gruenem und goldfarbenen Mustern. Juunin-toiro 十人十色. Geschmaecker sind wirklich verschieden! Aber das ist auch gut so.

Am naechsten Tag hiess es dann, am Vormittag den administrativen Teil zu machen. Wir fuhren also zur Stadtverwaltung und machten die Anmeldung fuer sie. Ich hatte erst ueberlegt, wie wir am Nachmittag zur Schule fahren sollten. Theoretisch hatte ich das Auto, aber so konnte ich ihr auch die beiden Moeglichkeiten bis zur Schule zeigen. Wir liefen also zum Bahnhof und nahmen den Zug. Da konnte ich sie auch gleich einer Freundin vorstellen, die dort am Bahnhof arbeitet.

In der Schule wartete auch gleich noch Frau N. auf uns, die sich nicht wie gedacht als Klassenleiterin, sondern als Koordinatorin fuer die Austauschschuelerinnen herausstellte. Sie erzaehlte uns so einiges, was wir ueber die Schule wissen muessen. Die Schule hatte unserer Daenin auch die Uniform herausgesucht, die auch sehr gut passte. Ich schenkte der Schule auch die Schuhe, die unsere Finnin hinterlassen hatte. Sie sind relativ teuer, und dort duerfte sich schneller mal jemand finden, der ueber etwas Geldsparen dankbar sein sollte. Wir kauften auch noch Sachen wie Struempfe und Schulschuhe, so dass sie dann am Freitag ohne Probleme mit ihren Klassenkameradinnen die Schulbank druecken kann.

Bevor wir nach Hause fuhren, kaufte ich noch schnell ein Geschenk fuer Soehnle, das wir fuer ihn ausgesucht hatten. Ich zeigte ihr dann, wie man hier Bus faehrt. Auch wenn der Bus so einige Vorteile hat, so entschied sich M. doch dafuer, mit dem Zug zu fahren. So kann sie auch mehr Gleichaltrige auch von anderen Schulen kennenlernen. Und Geld spart sie auch. Und darueber hinaus kann sie die Monatstickets auch an jedem Bahnhof kaufen und muss nicht jedes Mal zur Busfirma hin.

Am Abend nahm ich sie schnell noch zu meiner Kimonolehrerin mit, wo sie sich fuer das Volksfest am 16. September anmelden konnte. Sie bekommt auch die Sachen geborgt, die L. letztes Jahr benutzt hatte. Leider erfuhr ich, dass meine Sensei auch dieses Jahr keine Kimonoshow machen wird, weil leider ihre Mutter ploetzlich verstorben sind. 2 traurige Nachrichten auf einen Schlag. Gluecklicherweise war das letzte Jahr erfreulicher. Ihr Enkelkind war 3 Monate im Krankenhaus, der Grund fuer die Absage der Show im letzten Jahr. Gluecklicherweise ist der kleine Knuffel geheilt entlassen worden. Aber wir werden unsere Daenin doch mindestens einmal schoen anziehen, damit sie ein paar schoene Fotos mit nach Hause nehmen kann.

Heute veranstaltet Soehnles Musikklub ein kleineres Schulfest fuer die Mitglieder und ihrer Geschwister. Und Toechterle schleppte ihre neue grosse Schwester gleich dort mit hin. Ich hoffe, sie, meine Kinder und die anderen Grundschueler werden eine schoene Zeit beim Essen von Eiscreme und Kakigoori haben.