Ein schoenes Jahr 2018 und viele Veraenderungen

Ich habe ja leider meinen kleine Blog lange ignoriert, nicht unbedingt, weil ich keine Lust mehr habe, sondern mehr, weil ich arbeitsmaessig so geschlaucht war, dass ich einfach keinerlei Energie mehr dafuer hatte.

Da mein Arbeitsweg mindestens 70 min Fahrtweg mit der Bahn in eine Richtung plus dem Anfahrtsweg und Wartezeit bedeutet, war oder bin ich seit April letzten Jahres mehr oder weniger dauerausgelaucht. Das darf so nicht weitergehen, wenn ich nicht irgendwann mal umkippen soll. Meine Schule ist gerade dabei, sich in vielem zu aendern, was mich schon sehr interessiert haette zu erleben, aber da auch meine Schule ab dem naechsten Jahr keine Moeglichkeit mehr hat, sich einen Lehrer zu leisten, der nicht wie wie alle anderen 150% Leistung*) bringen kann, haben wir uns einverstaendlich darauf geeinigt, dass ich keinen neuen Vertrag mehr bekomme. Also heisst es wieder Frohes Bewerben.

*) Lehrer in Deutschland moegen es nicht immer leicht haben, aber mit dem, was an japanischen Schulen passiert, ist das gar nicht zu vergleichen. Nicht nur, dass hier i.d.R. die Klassen schnell mal doppelt so gross sind wie in Deutschland, japanische Lehrer muessen unwahrscheinlich viel Verwaltungskram mit erledigen. Und darueber hinaus gibt es das Klubleben. Mein Kollege, der mit mir angefangen hat, hat noch den relativ unaufwaendigen Tischtennisklub zu betreuen, aber selbst er kommt 3 Mal die Woche nicht vor 21 Uhr nach Hause. Und natuerlich ist auch am Wochenende Training. Und Ferien bedeutet nicht, dass die Lehrer Ferien haben. Es ist nur normale Arbeitszeit ohne Unterricht. Und das Klubleben geht natuerlich weiter. Kein Wunder, dass kaum jemand von den juengeren Lehrern einen Partner hat. Und es ist auch kein Wunder, dass immer weniger junge Leute Lehrer als Beruf anstreben. 

Overworked teachers call for change as extracurricular supervision takes toll

Weiterhin hat sich Soehnle wieder ein Haustier gewuenscht. Also gingen Papa, Soehnle und Schwesterle am 23. Dezember zum Einkauf eines Hamsters und kamen hiermit zurueck:

Fubuki

Wie, eine Ratte?! Naja, wenn es denn unbedingt sein muss! Und nachdem so ziemlich jede Seite von „Ratten sind gesellige Tiere und brauchen einen Partner“ spricht, zog eine Woche spaeter diese junge Dame bei uns ein.

Miyuki

Und bis jetzt sind alle 3 Kinder von ihnen voellig begeistert und kuemmern sich um sie. *auf Holz klopf*

Weiterhin werden wir ab April nur noch 4 sein. Nicht, weil unsere ATS weggeht, sondern weil Toechterle „reif fuer die Insel“ ist. In Japan gibt es nationale Austauschprogramme, wo Kinder zwischen Klasse 1 bis 9 auf eine kleine Schule entweder auf einer Insel oder irgendwo in den Bergen gehen und dort ein Jahr oder laenger in einem Wohnheim oder bei Gastfamilien leben. Toechterle hat sich fest entschlossen, die 6. Klasse auf Takeshima zu verbringen, dort auf eine Schule mit gegenwaertig 16 Schuelern (davon 6 ATS) zu gehen und bei einer Gastfamilie zu leben. Gut, vielleicht sollte man eher familiaeres Wohnheim sagen, weil das Ehepaar (um die 60) dort seit fast 20 Jahren (fast?) alle ATS aufnimmt und betreut. Toechterle wird sich dort mit einem ein Jahr aelterem Maedchen aus Hokkaido ein Zimmer teilen, und ihr kleiner Bruder und 3 weitere Jungen wohnen im Nachbarzimmer.

Takeshima

Die Insel ist ungefaehr so gross wie Helgoland, nur dass dort nicht 1.400 Leute, sondern nur etwas ueber 70 wohnen. Die Insel ist, wie der Name schon sagt, fuer ihr Bambus (jp. Take) beruehmt. Und nein, es handelt sich dabei nicht um die 3 oder so Felsen namens Takeshima / Dokdo, wowegen sich Suedkorea und Japan immer noch in den Haaren liegen. Diese befinden sich zumindest nach japanischer Auffassung in der Praefektur Shimane und nicht wie unser Takeshima in Kagoshima.

Die Insel ist mit der Stadt Kagoshima durch einer Faehre verbunden, die fuer die Strecke 3 Stunden braucht und dann danach die anderen beiden, oestlich gelegenen Inseln des Dorfes Mishima (jp. Drei-Inseln) anfaehrt. Wer Lust und Interesse hat, kann sich gerne mal das Video von Takeshima anschauen.

Wir sollten eigentlich am 15. Dezember zum Interview nach Kagoshima kommen und am naechsten Morgen fuer einen Tag auf die Insel fahren. Leider machte uns das Winterwetter einen Strich durch die Rechnung, so dass wir nur den Gastvater am Morgen trafen. Toechterle und er schienen einander zu moegen, und Herr H. versprach ihr, sie zum Angeln mitzunehmen. Und er erzaehlte auch von vielen anderen Dingen, so dass Toechterle jetzt kaum noch die Zeit abwarten kann, bis es endlich losgeht. Wir nutzten dann das restliche Wochenende, um Kagoshima unsicher zu machen. Eine schoene Stadt, ich kann sie Touristen nur empfehlen.

Das letzte, was passiert ist, war, dass unser lieber japanischer Opa (Jii-chan), der Uropa der Kinder ploetzlich am 7. Dezember gestorben ist. Er schien es laut den Erzaehlungen selbst gefuehlt zu haben, weil er sich die Woche vor seinem Tod ploetzlich von allen moeglichen Leuten verabschiedete. Er brach dann am Dienstag abend zusammen, wurde bewusstlos eingeliefert und verstarb dann am Donnerstagmorgen. Ich versuchte mich, mental darauf vorzubereiten, aber es ging einfach nicht. Mir liefen einfach nur die Traenen runter, als ich die Nachricht erhielt.

Meine Schule schickte mich nach Hause. Aber auch auf dem Weg zum Bahnhof hoerte der Traenenfluss nicht auf. Ich sass im Zug und versuchte, es so weit es geht zu unterdruecken. Dann passierte es, dass eine putzmuntere 80-jaehrige Dame sich neben mich sitzte. Sie erzaehlte mir von dem Ausflug mit ihren 4 Freundinnen, und als ich merkte, dass das einen positiven Einfluss auf mich hatte, flehte ich sie nahezu an, weiter zu erzaehlen. Und sie machte es. Und als ich mich etwas beruhigt hatte, erzaehlte ich ihr von Jii-chan. Darauf fing sie an, mich zu troesten und erzaehlte mich, dass wenn sie nach ihrem Tod so beweint werden wuerde, der ja auch nicht mehr zu weit entfernt liegt, sie sehr gluecklich sein wuerde. Aber sie wuerde genau wie Jii-chan nicht wollen, dass man ueber den Tod hinweg sein eigenes Leben vergisst und sich nur wuenscht, dass sie immer in den Herzen der Trauernden verbleiben wird.

Die Frau war ein Engel. Sie war genau, was ich in der Minute brauchte. Als wir uns verabschiedeten, weil wir an der Endhaltestelle in verschiedene Zuege steigen mussten, ging es mir um Welten besser. Die Verzweiflung hatte sich etwas abgeflaut. Ich werde sie niemals vergessen.

Ich wuensche meinen Lesern noch ein schoenes Jahr 2018. Moege es besser werden als das letzte und uns grosse Katastrophen ersparen!

 

 

 

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Neue Tueren oeffnen sich…

…richtig weit.

Heute frueh war es so weit, dass ich zum Interview der Oberschule fuhr. Den Weg hatte ich nachgeschlagen, und beim Bus fragte ich dann die Leute dort und wurde in den richtigen reinbuxiert.

In der Schule angekommen wurde ich, anders kann ich es nicht sagen, extrem warm empfangen, wie ich es bis jetzt von keinem zukuenftigen Arbeitgeber bisher erlebt habe. Es stellte sich heraus, dass es weniger ein Interview in Bezug auf meine Faehigkeiten, sondern mehr eines war, ob ich denn wirklich jeden Morgen und Abend den Weg auf mich nehmen wollte.

教頭 先生 Kyouto-sensei (wortwoertlich: Leiter der Lehrer, so etwas wie der stellvertretende Direktor) meinte mehr oder weniger in den ersten  10 min, dass er mich schon nehmen wolle, aber noch das letzte O.k. vom Chef brauche. Und nach einer halben Schulfuehrung mit jeder Menge ueberraschter und freudestrahlender Schueler, die munter aus dem Unterricht winkten, hatte der Chef dann auch Zeit fuer mich, und ich fand Wohlwollen unter seinen Augen.

Er kam dann auch mit ins Schulbuero, wo es dann noch etwas mehr um die Details ging. Und nicht nur, dass sie meinen Unterricht so legen wollen, oder auch eventuelle Klubs, dass ich nicht zu Unzeiten nach Hause komme, nein, als der Direktor hoerte, dass ich mit dem Fahrrad vom Bahnhof zur Schule fahren will, bot er mir an, dass ich beim naechsten Besuch um den 28. ein Fahrrad auf seine Kosten kaufen soll. Mir liefen fast die Traenen, so geruehrt war ich. Insbesondere, weil ich so auf die Schnelle nicht gewusst haette, wo ich so etwas herbekomme und schon fast damit gerechnet hatte, dass ich eines mit dem Auto dorthin nehmen muss.

Der Direktor ist ein aelterer Mann (Der Spitzname ist wohl Jiichan-sensei (Lehrer Opa) in der voellig positiven Bedeutung), den man nur lieb haben kann. Beim Kyouto-sensei und dem Chef der beiden Wirtschaftkurse hatte ich bei beiden ein sehr gutes Gefuehl. Und die Englischlehrerin, mir der ich mich angefreundet habe, erzaehlte auch nur Gutes und ist wohl mit ihrer Schule voll und ganz zufrieden. Das waere das erste Mal, dass nicht irgend jemand kommt und mich mit „Die Arbeit ist dort aber wohl sehr anstrengend.“ oder mit „Die Leute dort haben besondere Persoenlichkeiten. Gib nicht auf!!“ oder aehnlichem vorwarnt. Das ist ja schon mal ein gutes Zeichen!

Und interessant ist auch, dass es neben verhaeltnismaessig vielen Schuelern aus anderen Praefekturen auch relativ viele Auslaender an der Schule gibt. So 100% habe ich bis jetzt das System nicht verstanden, aber die Auslaender dort sind keine Austauschschueler wie unsere Franzoesin. Aber da werde ich schon dahinter kommen.

Ich bin auf jeden Fall voellig begeistert und freue mich auf den 3. April.

 

Vor fast genau 25 Jahren …

…ueberredete mich eine Freundin, mir der ich oefters zusammen zur Schule in Daenemark fuhr, doch mit in den Schulchor einzutreten, weil sie dort gerade Jesus bleibet meine Freude auf Deutsch singen wuerden. Es war zwar nicht der einzige Grund, aber mit Sicherheit der Ausloeser. Und der Chor war einer der besten und un Aspekte an meinem Austauschjahr. Und auch laesst mich die Musik „natsukashii“ (Erinnerungen weckend) werden.

Auch wenn ich unserer 4.Klaesslerin im Fruehjahr vor geschlagen hatte,  doch in den Musikklub einzutreten, so wehrte sie das vehement ab. Kein Interesse! Und warum sollte ich? Dann vor ca. 3 Wochen kam sie ploetzlich und eroeffnete uns, dass sie gerne in dem Musikklub eintreten will und auch z.B. an den Schwimmschultagen frueher gehen darf. Sie wolle so gerne Akkordion lernen, daher moegen wir doch bitten zustimmen, dass sie dort Mitglied wird.

Sie bat mich auch, doch mal bei der Probe vorbeizuschauen, weil ich heute zur Elternsprechstunde gehen wollte oder musste. Nach dem Gespraech mit der Klassenleiterin war es leider schon so spaet, dass sie schon weg war. Aber ihr koennt vielleicht meine Ueberraschung verstehen, als ich an dem Probenzimmer ankam: Sie uebten gerade Jesus bleibet meine Freude.

***

Samybee, wenn ich so deine Erzaehlungen von der Schule lese, werde ich immer ein bisschen neidisch. Hier gibt es nur Ansatz A zum Unterrichten, und fuer wen der nicht besonders geeignet ist, der hat eben Pech gehabt.