Beginn eines neuen Schuljahres und vieler neuer Sachen

Auch wenn das japanische Kalenderjahr wie in Europa am 1. Januar beginnt, so beginnt das wirkliche Leben in Japan am 1. April. (Und nein, das ist kein verspaeteter Aprilscherz.)

Fangen wir mit dem Kurzen an: Soehnle, mein Kleiner, ist mittlerweile auch schon ein Viertklaessler. D.h. ein Viertel seiner wahrscheinlichen, und ein Drittel seiner Pflichtschulzeit ist vorbei. So schnell geht das. Und da Grundschueler fuer die zweite Haelfte der 6-jaehrigen Grundschule bei uns einen oder mehrere Klubs aussuchen duerfen, hat Soehnle das natuerlich auch gemacht. Eigentlich war es schon seit der 1. Klasse aus irgendeinem Grund sein Wunsch, dem Badmintonklub beizutreten. Auch wenn ich nicht allzu gluecklich darueber war, dass er unbedingt einem Sportklub*) beitreten will, war es mein Zugestaendnis, damit er zum Soroban – japanischen Abakus – unterricht geht und etwas fuer sein Zahlengefuehl macht. Und in den letzten 8 Monaten haben sich seine Rechenkuenste auch schon gewaltig verbessert. Zu meinem grossen Erstaunen beschloss er aber nicht nur, weiterhin zum Sorobanunterricht zu gehen, sondern suchte sich den Musikklub aus. Jetzt bin ich mal gespannt, wie er sich da wohlfuehlt. Unsere Grosse hatte ja ihn nur fuer 4 Monate gemacht, bevor sie genug davon hatte.

*)Sportklubs in Japan, besonders die in Mittel- und Oberschule, sprengen jeglichen Rahmen von dem, was im Maßen waere. Trainingszeiten sind nicht nur sehr oft 7 Tage die Woche bis spaet abends, gerne auch bis 20 Uhr oder laenger, sondern es finden auch sehr oft noch Trainingseinheiten am Morgen vor dem Unterricht statt. Dazu kommen dann noch Wettkaempfe mehrere Male im Monat. Und wenn durch dieses extensive Training die Schule an sich oder selbst Schlaf zu kurz kommt, interessiert das keinen. Dann gibt es eben AKAJI – nicht bestanden – und/oder voellig ausgelaugte Schueler schlafen im regulaeren Unterricht.  

Unsere ATS ist immer noch da und scheint ihren Spass zu haben. Mal sehen, ob sich in den letzten 2 Monaten noch irgendwas an ihrem Japanisch macht.

Bei Maennle ist alles im gruenen Bereich: Nachtschichten sind weitesgehend gesunken, auch wenn die, die trotzdem noch kommen, die bloede Angewohnheit haben, auf die unpassendsten Tage zu fallen. Aber was soll man machen? Aber auf alle Faelle bedeutet es doch mehr Freiheit fuer mich, dass er jetzt fast jeden Abend zuhause ist.

Meine Schule erklaerte die offizielle Verabschiedungszeremonie am 23. Maerz fuer den letzten Tag. Meine neue Firma wollte aber, dass ich erst am 29. Maerz komme, so dass ich 5 Tage am Stueck frei hatte. Diese wollte ich aber nicht unbedingt zuhause sitzen und mit Waeschefalten verbringen, so dass ich mich ganz spontan entschied, doch mal die Flugangebote nach Kambodscha durchzuschauen, um unser Gastkind No. 0 und ihre Familie zu besuchen. Immerhin ist die Hochzeit dieses Jahr schon 4 Jahre her. Und Baby E. ist jetzt auch schon ein witziger kleiner Dreijaehriger. Eigentlich hatte ich vor, Soehnle dort mithin zu nehmen als Ausgleich zu Toechterles Austausch. Aber da er verweigerte, fragte ich Toechterle, und sie war Feuer und Flamme. So flogen wir am 24. ueber Bangkok nach Phnom Penh und verbrachten dort 3 erlebnisreiche Tage. Wir waren viel leckeres Essen essen, waren mit Gastkind und ihrer Familie baden, sind mit Schwiegervater und Schwiegermutter Moped gefahren, haben das erste Mal Durian gegessen (die Toechterle aber strikt verweigerte), waren mit Schwiegermama einkaufen und haben Souvenirs und einen Reisekoffer fuer Toechterle gekauft, verbrachten einen Nachmittag bei Verwandten und sahen beim Eismachen zu, buchten Gesichtspflege fuer mich und waren zum Schluss sogar noch beim Frisoer, was sich auch als ziemliches Abenteuer herausstellte. Und als Hoehepunkt stellte sich dann auch noch heraus, dass eine wichtige Strasse zum Flughafen mehr oder weniger, o.k. also weniger, gesperrt ist, weil man dort eine Zuglinie zum Bahnhof baut und es natuerlich nicht fuer notwendig haelt, das auszuschildern oder gar eine Umleitung auszuschildern. Umleitungen sind ja so wieso nur fuer Warmduscher! Und so blieb Autos, die dort dann mitten auf der Strasse stecken blieben, nichts weiter uebrig, als neben der Strasse auf einem Feld oder so etwas sein Glueck zu versuchen und zu beten, dass die Reifen groesser sind als die Loecher und Huegel auf der „Strasse“. Mir wurde dann jedenfalls klar, warum der Dienstwagen von Gastkinds Mann eine riesiger Amischlitten war, von dem man regelrecht runterspringen musste. Ja, ja, Kambodscha ist immer wieder fuer Ueberraschungen offen. Ich hoffe, ich kann mal wieder hinfahren und Gastkind No. 0 und ihre total liebe (Schwieger)familie wieder einmal besuchen.

Die Schule endete, und irgendwie war ich auch weniger traurig, als ich befuerchtet hatte. Vielleicht ja, weil ich diese Phase ueber Neujahr hatte und dann mich auf die positiven Aspekte danach zu freuen anfing. Angefangen mit nicht mehr um 5 Uhr morgens aufstehen zu muessen. Meine neue Firma hat nur 7.30 Stunden als Vollzeit, so dass es fuer uns erst ab 9.30 Uhr richtig losgeht. Der morgentliche Stau ist um diese Zeit auch schon Geschichte, so dass ich vom Bahnhof bis zur Firma nur gerade mal 25 min brauche. Und selbst wenn ich die 2km zum Bahnhof laufe, ist das gegen 8 Uhr ein angenehmer Morgenspaziergang und nicht wie um 6 Uhr eine unangenehme Buerde. Ich kann mich frueh um Soehnle kuemmern, jetzt wo er alleine ist. Und das Beste ist, dass die Arbeit Spass macht und selbst mein hohe Ansprueche stellender Chef sehr nett ist und ich mit dem Arbeitswechsel zufrieden bin.

Uebrigens habe ich Glueck, dass ich noch in einem Stueck bin. Am letzten Montag regnete es, und auf dem Weg zur Schule kam mir ploetzlich ein Auto auf meiner Spur entgegen und prallte mit mir zusammen. Mein Fahrrad knallte gegen das Auto, worauf es zur Seite umkippte. Die Autofahrerin rief die Polizei, die dann 90 min im Regen die Details zum Unfall aufnahmen. Und da dann langsam doch besonders meine linke Hand anfing, immer mehr zu schmerzen und die Schuerfwunden nicht aufhoeren wollten zu bluten, wurde ich doch noch mit dem Krankenwagen in die Notaufnahme gebracht. Dort wurden meine Kniee und Haende durchgeroengt. Und da ein kleiner Schatten auf meiner linken Hand war, erhielt diese noch einen CT scan. Waehrend des Wartens unterhielt ich mich dort mit einer jungen Aerztin, die viele von meinen ehemaligen jungen Doktoren auch kannte. Und wir tauschten Meinungen ueber einen gewissen Professor aus. *hust* Langsam ging es mir seelisch wieder besser. Dann kam auch noch der gutaussehende Knochendoktor, mit dem ich mir den CT scan meiner Hand anschaute. Und ich wurde fuer meine (Originalton) wunderschoenen Handknochen gelobt. *haha* Was will man mehr an so einem besch…ssenen Montagmorgen?

Die Autofahrerin stellte sich uebrigens als die Mutter heraus, die oft mit ihrer kleinen Tochter Badminton spielte, waehrend ich zum Bahnhof radelte. Ich hatte bedauert, dass ich sie jetzt nicht mehr treffen wuerde, aber durch diesen Unfall hatten wir die Chance, uns richtig anzufreunden. Mein Fahrrad wurde durch den Unfall unbrauchbar, so dass ich mir Sorgen machte, wie ich die letzten 3.5 Arbeitstage zur Schule und nach Hause komme. Und wie ich das am letzten Tag mit dem Gepaeck machen sollte. Aber da sie mich als Wiedergutmachung vom Bahnhof abholten und wieder zurueckbrachten, hatte sich das Problem besonders mit dem Gepaeck auf unerwartete Weise erledigt. Ich habe auch ein kleines Souvenir in Kambodscha fuer sie gekauft und werde sie moeglichst schnell mal wieder besuchen.

Und die letzten Absaetze sind meiner Lieblingstochter gewidmet. Fuer sie ging ihr grosses Abenteuer am 5. April los. Am 1. April wurde in ihrer geliebten Kirche nicht nur Ostern gefeiert, sondern auch ihre Abschiedsfeier durchgefuehrt. Und das ganze Wochenende war mit dem letzten Kistenpacken voll ausgefuellt. 5 Kisten, 3 grosse und kleine Koffer und ein Einrad wurden dann am Donnerstag morgen ins Auto gepackt, und es ging los in Richtung Hafen. Dort waren auch viele der anderen Kinder, die vom Heimaturlaub wieder auf ihre Insel fuhren. Wir trafen auch ihre Zimmergenossin aus Hokkaido und lernten auch ihre Mutti kennen, mit der ich mich anfreundete. Bei schoenstem Wetter fuhren wir die 3 h uebers Meer, bis wir dann mit Musik und einer kleineren Zeremonie auf der Insel willkommen geheissen wurden. Mit Toechterle zusammen kam noch ein Junge neu auf die Insel, der einen amerikanischen Vater hat. Somit hat sich Toechterles Sorge, dass sie die einzige Schuelerin mit internationalem Hintergrund auf der Insel sein und sie deswegen gemoppt werden koennte, erledigt.

Toechterle Sachen wurden zum Shiokazehaus, dem Wohnheim der 6 Austauschschueler, gefahren. Ich dachte, ich muesste helfen, aber dann wurde ich mehr oder weniger aus dem Zimmer geworfen. Man koenne es alleine! Gut, dann geniesse ich die Ruhe und unterhalte mich eben mit der Herbergsmutter und der Mama ihrer Mitbewohnerin. Und Toechterle strengte sich wirklich an und machte 3 Kisten leer, solange wir dort waren.

Wieder in der Pension hoerten wir beim Abendessen beunruhigende Nachrichten: Das Wetter haette sich so verschlechtert, dass die Faehre am Sonnabend hoechstwahrscheinlich nicht ausfahren koenne und dass man darueber nachdenke, am Freitag eine Tagesfaehre fahren zu lassen, so dass wir eben einen Tag frueher wieder auf dem „Festland“ waeren. Das waere ja alles nicht so schlimm, nur als ich am naechsten Morgen um 6 Uhr aufwachte und das Wetter sah, dachte ich mit Grauen an die 5 Stunden auf einer aufgewuehlten offenen See, die fuer das Inselhoppen der Tagesfaehre notwendig waren. Ich war fast erleichtert, als die Faehre abgesagt wurde und man auf das Beste fuer den naechsten Tag hoffen solle.

Der naechste Tag brachte auch keine besseren Zustaende, so dass auch die Faehre gestrichen wurde. Wir hatten ja kein groesseres Problem, wenn wir am Sonntag erst fahren wuerden. Aber die Mama der Hokkaidoerin und die Eltern des neuen Schuelers mussten teilweise sogar internationale Fluege bekommen, so dass sie vor einem relativ grossen Problem standen, was denn zu tun sei. Das Dorf versuchte sein Bestes, ihnen zu helfen, schliesslich bot man ihnen an, sie auf ein Fischerboot zu verfrachten und damit nach Kagoshima Stadt zu fahren. Die See war zwar nicht mehr so wild wie die 2 Tage davor, aber sie als ruhig zu bezeichnen waere eine voellige Uebertreibung gewesen. Das Boot hopste die erste der zwei Stunden regelrecht ueber die Wellen, und auch wenn der „Wasserfeldweg“ der Hokkaidoerin am Anfang richtig toll gefiel, so verfaerbte sich ihr Gesicht langsam immer weiter, bis sie „zurueckfruehstueckte“. Maennle und Soehnle ging es auch immer schlechter, auch wenn Maennle gerade noch im gelben Bereich blieb. Die Eltern des neuen Schuelers waren schon oft auf Booten und daran gewoehnt, ebenso der stellvertretenden Buergermeister. Mir ging es auch den Umstaenden entsprechend sehr gut. Entweder wirken Reisekrankheitstabletten geradezu mirakuloes, oder aber ich bin staerker, als ich es selber fuer moeglich gehalten hatte.

Toechterle strahlte in den 3 Tagen auf der Insel geradezu vor Freude. Und ihr ging es sichtlich besser als im gesamten 5. Schuljahr davor zusammen. Heute am Sonnabend rief sie uns an, um noch um ein paar Dinge zu bitten, die sie noch brauche. Und sie war einfach nur gluecklich und begeistert von allem. Ich hoffe mal, dass sich das Gefuehl nicht grossartig aendern wird. Und mit etwas Glueck bekommt sich uns auch in der goldenen Woche besuchen, wo auswaertige Kinder die 2 Schultage zwischen den Feiertagen freinehmen koennen, damit sie ihre Familien besuchen fahren koennen.

Uebrigens gibt es in Japan ein Reiseprogramm, wo Schauspieler und andere bekannte Leute irgendwie in weit entfernte Gegenden von Japan fahren und dort im Freien uebernachten. Und es passierte das kleine Wunder, dass sich ausgerechnet Jinpo Satoshi sich ausgerechnet Takeshima ausgesucht hatte. Zu seinem grossen Erstauen waren alle, die er ansprach, in uebelster Eile, weil, so das 2. kleine Wunder, er sich genau den Tag der Abschlussfeier der oertlichen Schule ausgesucht hatte und so gut wie jeder dorthin ging, auch wenn sie keine Kinder haben. Er tat das natuerlich auch, und so passierte das 3. kleine Wunder, dass die Abschlussfeier von 2018 von Fernsehkameras gefilmt und im ganzen Land ausgestrahlt wurde. Fuer Toechterles Mitbewohnerin (Grundschulabschluss) und ihren Bruder (Mittelschulabschluss) war das natuerlich ein unvergessliches Erlebnis. Und mein Gott, es war nicht irgendeiner, sondern Jinpo Satoshi! Wie bin ich neidisch! Aber da die Faehre am Sonntag fuhr, konnten die Hokkaidoerin und ich uns zusammen den Grossteil des Programms anschauen, bevor wir zum Hafen mussten. Das ist doch auch was!

 

 

Weltreise durch die Insel

Fuer den Abend des 30. hatte eine Freundin zu ihrer 20 Jahre Japan Feier eingeladen. Leider ist ihr Zuhause nicht gerade in was ich als Naehe bezeichnen wuerde. Mit Glueck handelt es sich um eine 3 h Fahrt, mit Pech aber auch um mehr.

Fuer den 30. wurde ein 25 km Stau vorausgesagt, und i.d.R. stimmt auch die Voraussage, so dass ich hoffte und betete, dass wir kein zu kaltes Wetter und vor allem keinen Schnee haben wuerden. Wir moegen hier auf dem Breitengrad von Tunis sein, aber wir haben hier schnell mal mehr Schnee als in Wintern in meiner 20 Grad weiter noerdlichen Heimatstadt. Und bei einer Fahrt ueber die Landstrasse bei Schnee gehoeren Schneeketten zur Standardausruestung.

Freundlicherweise zeigte sich der Wettergott gnaedig, so dass selbst im Wald die Tagestemperaturen betraechtlich ueber 0℃ lagen. Und das bei trockenem Wetter unter wunderschoenem blauen Winterhimmel.

Wir kamen gut voran, ja, wir waren viel zu frueh da, so dass ich erst eine Pause an einem Reise“bahnhof“ in Yabakei machte und wir uns dann die Burg Nakatsu und das Elternhaus von Fukuzawa Yukichi anschauten.

Nach einem Spaziergang bei schoenen, aber doch kaltem Winterwetter und dem Einchecken im Hotel ging es zum Haus meiner Freundin, die fuer ihre Gaeste erst Kaffee und Kuchen und dann spaeter ein absolut geniales Bueffet mit viel Kaese auftischte. Und ich betone den Kaese, weil dieser in Japan absolut eine teure Raritaet ist. In normalen Kaufhallen gibt es meistens nur geschnetzelten Pizzakaese oder diese geschmacklosen Weichkaesescheiben in individuellen Plastiktueten. Aller anderer Kaese kostet, wenn man ihn den ueberhaupt bekommt, das 3-7fache von dem, was ich als Preise von Deutschland her kannte.

Meine Drei waren gluecklich wieder mit ihren Freunden aus dem jaehrlichen Camp vereint und freundeten sich schnell mit den neuen Freunden an. Und dann wurde gemeinsam gegessen und das Jinrou-Spiel gespielt, nur dass es sich dabei um kein Brettspiel handelt, sondern um ein Programm auf einem Smartphone, das nach den gleichen Regeln gespielt wird. Ich hatte nicht gedacht, dass ich mich dafuer begeistern koennte, aber nachdem ich es ein bis zwei Mal mitspielte, war ich ganz darin aufgegangen. Der schoene Abend ging mit Spielen mit den Kindern und Reden mit alten und neuen Freuden viel zu schnell zuende, so dass wir uns verabschiedeten und auf dem Weg zum Hotel machten.

Am naechsten Tag ueberlegte ich erst, ob wir nicht den gleichen Weg zurueckfahren sollten, aber da Maennle Ruhe brauchte, entschied ich mich, einen Abstecher zum grossen Tempel-Schrein-Komplex in USA zu machen. Da der gleiche Weg langweilig ist, fuhren wir eine andere Strasse zurueck und konnten uns in einem Strassen-Bahnhof sogar noch einen Oosanchouuo anschauen, dem zweitgroessten lebenden Amphibium der Welt. Noch etwas weitergefahren stellte ich fest, dass wir in Machu Picchu gelandet waren, etwas, was ich vor Jahren mal gehoert, aber voellig vergessen hatte. Ob das dem besser bekannten in Peru wirklich aehnlich sieht oder nicht, mag jeder selber entscheiden. Der Ort war nett, mitnehmen sollte man ihn schon, wenn man in der Naehe ist, aber unbedingt das als Ziel einer Reise haben lohnt sich nicht wirklich, obwohl die Gegend wahrscheinlich im Fruehjahr bis Herbst noch schoener ist.

Da wir immer noch viel Zeit hatten, entschied ich mich, einen Ausflug zur laengsten Fussgaengerhaengebruecke in Japan zu machen. Die Bruecke ist schon gewaltig, und selbst unserer 17-jaehrigen Franzoesin war nicht wirklich wohl bei dem Ueberqueren. Fuer den Schwachnervigen ist die Bruecke echt nichts. Und auch nicht wirklich fuer Leute mit Tendenz zur Autoreisekrankheit. Die Wege bis da hoch auf den Berg sind echt nicht ohne.

Danach hatte ich aber auch selber ein starkes Beduerfnis, in die Zivilisation zurueckzukehren, so dass ich mich auf den Weg nach Hause machte. Puenktlich kurz vor 5 Uhr waren wir an der Wohnungstuer, wo Maennle auf uns wartete. Gegen 6 Uhr wurde gegessen, und dann sollte der Rest des Abends eigentlich mit den „traditionellen“ Fernsehprogrammen verbracht werden. Leider warf mich die Erkaeltung, die sich schon laenger angekuendigt hatte, um, so dass ich frueh ins Bett ging und den Jahreswechsel im warmen Bett verschlief.

 

Obon, Love Hotels und Dazaifu

Die allgemeine vorgeschriebene (?) Urlaubssaison hat begonnen, und ganz Japan muss oder darf 3-4 Tage freinehmen. Maennle hatte auch 2 Tage frei, die sogar mal auf meine eigenen Freitage fielen, so dass wir beschlossen, waehrend der Tage nach Fukuoka zu fahren und Dazaifu und Fukuoka Stadt unsicher zu machen. Nun bleibt die Frage,  wie man einigermassen guenstig doch noch irgendwie an ein Bett fuer die Nacht kommt. Die Wahl fiel auf ein oertliches Love Hotel.

Auch wenn das im Allgemeinen mit Stundenhotel uebersetzt wird, so hatten wir schon vorher mal gehoert, dass es sich dabei i.d.R. um saubere regulare Hotelzimmer mit Zimmerpreisen (!!!) anstelle von Personenpreisen handelt, die nur neben dem Kondom im Nachtschraenkchen und ein paar Pornokanaelen neben den regulaeren TV-programmen manchmal auch noch Themenzimmer und/oder besondere „Spielzeuge“ anboten.

Fuer uns war es beide das erste Mal, so dass zumindest bei mir etwas Nervoesitaet da war, was sich aber als voellig unnoetig herausstellte. Um die Privatssphaere der Kunden zu schuetzen, wurde allerhand Aufwand getrieben, den es in regulaeren Hotels in Japan so nicht gibt. Dazu gehoerte, dass jeder Parkplatz halb von Vorhaengen verdeckt ist, damit man die dort drinnen sitzenden Personen nicht sieht. Weiterhin gab es keinen „FURONTO“, einen Eincheckschalter, sondern man musste sich ein Zimmer auswaehlen, den entsprechenden Knopf auf einer Schalttafel druecken und dann wurden eventuell noch vom Personal notwendige Sachen abgeklaert. Wer seine Privatsphaere schuetzen will und aufs laestige Ausfuellen von zig Papieren verzichten will, dem kann ich so ein Hotel nur empfehlen.

Die Zimmertueren dort im Hotel waren aus Metall und hatten eine Klappe in der Mitte, die mich etwas an Knasttueren denken liessen. Mir war der Sinn dieser Oeffnungen nicht ganz klar, bis es an die Bezahlung ging, die vorneweg ueber diese Oeffnung erledigt wurde.

Unser Zimmer oder ueberhaupt das ganze Hotel wirkte vom Stil her etwas altmodisch, auch wenn ich nicht sagen kann, dass es heruntergekommen war. Das Zimmer selber hatte ein 2×2 m Doppelbett, vielleicht das erste, das ich je in Japan gesehen habe, da alle bisherigen „Doppelbettzimmer“ nur welcher von 1,4 m x 2 m hatten. Weiterhin bot es zu unserer Freude einen Massagesessel, den Maennle auch gut arbeiten liess und Schultern, Ruecken und Huefte durchmassiert bekam.

Das Hotel selber bietet kein Fruehstueck, verstaendlicherweise, aber im Gegensatz zum Gros der anderen Hotels, die wir bis jetzt mal ausprobiert hatten, konnten wir uns mit dem Auschecken bis 11 Uhr morgens Zeit lassen. Wer mal laenger schlafen will, dem kann ich so ein Hotel echt nur empfehlen.

Eigentlich hatten wir vor, an dem Tag den grossen Schrein in Dazaifu und das Nationale Museum in Kyushu anzuschauen, um dann am Abend nach Fukuoka Stadt reinzufahren, aber der Sonntag war sooo unertraeglich heiss und schwuel und das Shopping Center wirkte soo angenehm kuehl, dass wir kurzfristig unsere Plaene aenderten, das Shopping Center unsicher machten und am Abend die Verfilmung von Himitsu – The top secret anschauten. „Dank“ der Kinopreise hier sind Kinobesuche so wieso eher Luxus, und nach den Erdbeben ist das Gros der Kinos noch bis auf Weiteres geschlossen, so dass wir beide den ersten Kinobesuch seit Jahren richtig genossen.

Unsere Wahl des Bettes fiel wieder auf das Love Hotel vom Vortag: sauber, dichtbei, einigermassen preiswert und … wir hatten ja da noch den Rabattschein vom Vortag. Der verwirrte die Bedienstete leicht, wieso wir denn einen vom gleichen Tag haben, bis sie begriff, dass wir ihn am Vortag bekommen hatten. Leider war das Zimmer mit dem Massagestuhl belegt, unser neues bot neben der Mikrowelle und einem grossen Schminkspiegel im Schlafzimmer exklusives Schwarzlicht fuers Badezimmer. Das mag ja bei Spielchen zu zweit aufregend sein, aber leider hatte sich da wohl jemand voellig in den Dimensionen das Bades verrechnet, was man bei aller „Liebe“ nicht zu zweit benutzen koennte. Dumm jelaufen!

Am 2. Morgen ging es dann frueher los, weil der Besuch des grossen Schreins in Dazaifu und das Nationale Museum auf dem Plan stand. Der Schrein ist ueber dem Grab von Sugawara no Michizane gebaut wurden, der spaeter dort als Gott des Lernens verehrt wurde. Wir schauten uns auch die Ausstellung ueber sein Leben an, und irgendwie kamen bei mir Gefuehle wie beim Denken an den glorreichen General von Nordkorea hoch: Michizane mag ja viel Gutes gemacht haben und ein relativ gelehrter Kopf seiner Zeit gewesen sein, aber diese Hyperglorifizierung liess mich echt sauer aufstossen.

Danach ging es zum nationalen Museum. Es war schoen gemacht, auch wenn ich, ehrlich gesagt, hoehere Erwartungen an das Museum hatte nach dem Tratra, der um das Museum und seine Eroeffnung gemacht wurde. Aber fuer nur 430 Yen fuer die Hauptausstellung ist es wirklich bezahlbar und hat ein gutes Preis-Leistungs-Verhaeltnis. Es hat auch eine sehr schoene kostenlose Ausstellung ueber Spielzeuge und Kunst und Kunst anderer Laender, wo Kinder sehr viel ausprobieren koennen, so dass wir uns als Plan auf den Kalender geschrieben haben, unsere 2 eigenen Kinder und unser neues Gastkind doch mal dort mit hinzunehmen. Hoffentlich klappt es, wenn im Herbst die Sonderausstellung ueber Manga stattfindet.