Neue Tueren oeffnen sich…

…richtig weit.

Heute frueh war es so weit, dass ich zum Interview der Oberschule fuhr. Den Weg hatte ich nachgeschlagen, und beim Bus fragte ich dann die Leute dort und wurde in den richtigen reinbuxiert.

In der Schule angekommen wurde ich, anders kann ich es nicht sagen, extrem warm empfangen, wie ich es bis jetzt von keinem zukuenftigen Arbeitgeber bisher erlebt habe. Es stellte sich heraus, dass es weniger ein Interview in Bezug auf meine Faehigkeiten, sondern mehr eines war, ob ich denn wirklich jeden Morgen und Abend den Weg auf mich nehmen wollte.

教頭 先生 Kyouto-sensei (wortwoertlich: Leiter der Lehrer, so etwas wie der stellvertretende Direktor) meinte mehr oder weniger in den ersten  10 min, dass er mich schon nehmen wolle, aber noch das letzte O.k. vom Chef brauche. Und nach einer halben Schulfuehrung mit jeder Menge ueberraschter und freudestrahlender Schueler, die munter aus dem Unterricht winkten, hatte der Chef dann auch Zeit fuer mich, und ich fand Wohlwollen unter seinen Augen.

Er kam dann auch mit ins Schulbuero, wo es dann noch etwas mehr um die Details ging. Und nicht nur, dass sie meinen Unterricht so legen wollen, oder auch eventuelle Klubs, dass ich nicht zu Unzeiten nach Hause komme, nein, als der Direktor hoerte, dass ich mit dem Fahrrad vom Bahnhof zur Schule fahren will, bot er mir an, dass ich beim naechsten Besuch um den 28. ein Fahrrad auf seine Kosten kaufen soll. Mir liefen fast die Traenen, so geruehrt war ich. Insbesondere, weil ich so auf die Schnelle nicht gewusst haette, wo ich so etwas herbekomme und schon fast damit gerechnet hatte, dass ich eines mit dem Auto dorthin nehmen muss.

Der Direktor ist ein aelterer Mann (Der Spitzname ist wohl Jiichan-sensei (Lehrer Opa) in der voellig positiven Bedeutung), den man nur lieb haben kann. Beim Kyouto-sensei und dem Chef der beiden Wirtschaftkurse hatte ich bei beiden ein sehr gutes Gefuehl. Und die Englischlehrerin, mir der ich mich angefreundet habe, erzaehlte auch nur Gutes und ist wohl mit ihrer Schule voll und ganz zufrieden. Das waere das erste Mal, dass nicht irgend jemand kommt und mich mit „Die Arbeit ist dort aber wohl sehr anstrengend.“ oder mit „Die Leute dort haben besondere Persoenlichkeiten. Gib nicht auf!!“ oder aehnlichem vorwarnt. Das ist ja schon mal ein gutes Zeichen!

Und interessant ist auch, dass es neben verhaeltnismaessig vielen Schuelern aus anderen Praefekturen auch relativ viele Auslaender an der Schule gibt. So 100% habe ich bis jetzt das System nicht verstanden, aber die Auslaender dort sind keine Austauschschueler wie unsere Franzoesin. Aber da werde ich schon dahinter kommen.

Ich bin auf jeden Fall voellig begeistert und freue mich auf den 3. April.

 

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Arbeitskrankheit

3 Exkolleginnen treffen sich zum Maedchenabend in der Stadt, und dann beim Yakiniku-essen redet man ueber Gott und die Welt? Und was ist dann das eineindeutigste Zeichen, dass wir an der Arbeitskrankheit und/oder PTSD leiden? Wenn dann eine Unterhaltung wie die folgende losgeht:

„Wenn wuerdest du fragen, wenn du Dickdarmkrebs haettest?“ – „Ja, Dr. S. und M.“-„Genau, finde ich auch! Und Dr. H. ist zwar noch jung, aber sehr talentiert.“ „Und bei Speiseroehrenkrebs?“ – „Also nie Dr. B. oder Dr. I!!!!!! Nicht ueber meine Leiche! Wenn, dann ueberhaupt nur Dr. Y.“ „Fuer Leberkrebs koennte man ja dann die 40 km in die uebernaechste Stadt fahren, wo unser bester Leberexperte hin ist.“

Und die Diskussion zog sich ueber mindestens 15 min hin ueber alle Verdauungsorgane. Ganz ehrlich, ich moechte nicht wissen, was die Leute gedacht haben muessen, die das zufaellig mit ueberhoert hatten. Aber wir hatten unseren Spass!

Die Zeit vergeht viel zu schnell

Hallo,

seit meinem letzten Eintrag sind schon wieder ueber 2 Monate vergangen. Ich hoffe, meine Leser haben einen guten Rutsch ins neue Jahr gehabt.

Uns geht es gut! Wir sind immer noch gluecklich zu fuenft. EkF geniesst auch ihre Zeit in Japan, auch wenn mich doch ab und zu mal braucht, um ihren Frust ueber z.B. den Englischunterricht in Japan loszubekommen. In vielem, wenn auch nicht nicht allem, kann ich ihr zustimmen, auch wenn ich persoenlich auch merke, an wie viel ich mich gewoehnt habe bzw. bei wie vielem ich einfach nur resigniert habe, weil es sich doch nicht aendert bzw. es ueberhaupt nichts bringt, sich aufzuregen, weil es nichts als Nerven kostet. Der Englischunterricht ist da eine Sache. Die Stellung der Frau eine zweite.

Das Jahr 2016 wird grosse Aenderungen fuer uns bringen. Oder am meisten noch fuer mich. Ich hatte das Gros von 2015 ueberlegt, ob ich mir wirklich noch meine jetzige Arbeit antun moechte, und als der sprichwoertliche Tropfen das Fass zum Ueberlaufen gebracht hat, hatte ich mich doch entschieden, meinen naechsten Vertrag abzulehnen. Ich hatte so Momente, wo ich Zweifel an der Entscheidung hatte, weil ich meine Kollegen wirklich mag, aber dann gab es immer wieder Ereignisse, die bestaetigten, dass das die richtige Entscheidung war.

Ich habe ueber Hello Work eine Arbeit vorgestellt bekommen, die fuer Japan unmoeglich hohe Vorbedingungen erwartete: fliessend Japanisch, TOEIC 800 Punkte oder mehr, mindestens 3 Jahre Auslandserfahrung. Die Bedingungen hatte ich erfuellt, so dass ich zu den 2 Pruefungen eingeladen wurde: eine jp-eng. Uebersetzungen eines Businesstexts, Erstellung eines Budgets nach japanischen Anweisungen, ein japanisches Interview, das dann anstelle von 15 min 45 min lang wurde, und fuer die 2. Pruefung Schreiben eines kleinen Aufsatzes auf Japanisch zu einem vorgegebenen Thema und Halten einer Praesentation auf Englisch, worauf ich dann noch ein groesstenteils englisch gehaltenes Interview ueber mich ergehen lassen durfte. Und dann wurde ich am 20. noch einmal gerufen und … mir wurde mitgeteilt, dass sie mich wollen. *umkipp*

Es ist zwar erst einmal nur ein Vertrag fuer ein halbes Jahr, weil sie sehen wollen, wie gut ich arbeiten kann und was ich drauf habe, aber sie sind sehr interessiert, mich weiterhin zu behalten. Auch wenn ich auch erst einmal nur auf Teilzeit dort arbeiten werde, so bin ich aber auch nicht wirklich ungluecklich darueber, weil ich nicht nur 30 min anfangen und dadurch auch eine Stunde frueher zuhause sein kann. Nein, selbst finanziell werde ich selbst unter den Anfangsbedingungen noch 20% mehr in der Tasche haben als bis jetzt. Das Beste ist noch, dass mein neuer Chef absolut nichts dagegen hat, wenn ich mit den Kindern z.B. 14 Tage nach Deutschland fliegen will, so ich nur genuegend Urlaubstage habe und rechtzeitig Bescheid gebe, so dass meine Arbeit auf meine neuen Kollegen verteilt werden kann. Es sind dort so viele Auslaender, so dass die Leute dort daran gewoehnt sind, dass die Nichtjapaner ab und zu zu ihren Familien und Freunden nach Hause fliegen koennten. *umkipp* Was fuer ein Unterschied zu meiner jetzigen Arbeitsstelle!

Toechterle hat gleich auch die neue Aussicht auf Mamas Anschlussarbeit genutzt, sich zu wuenschen, doch dann wieder ab September eine neue grosse Schwester zu bekommen. Naja, mal sehen.

Weiterhin werde ich den Arbeitswechsel nutzen, um mit meinen Kindern fuer 2 Wochen nach Deutschland zu fliegen und dort mein erstes Enkelkind und seine Mama und Papa, meine Hortnerin und meine Familie zu besuchen (Reihenfolge ist rein temporaer und nicht nach Wichtigkeit).

Alles in allem hat das Affenjahr so einiges interessantes in petto, ich hoffe mal, dass es bis Silvester so bleibt.