Austausch und Corona

Mit Schrecken stelle ich fest, dass ich viel zu lange meinen Blog vernachlaessigt habe. Jetzt ist schon wieder fast ein halbes Jahr um, die Zeit vergeht einfach viel zu schnell.

Um es kurz zu sagen, wir sind immer noch gluecklich mit unserer Franzoesin. Sie hat sich gut angepasst und scheint mit uns genau so viel Spass zu haben wie wir mit ihr. Ihr Japanisch ist immer noch naja, wenn man bedenkt, dass sie schon ueber 7 Monate hier ist. Ich bezweifle, dass sie JLPT N4 bestehen wuerde. Aber man sieht, dass sie sich anstrengt, und so geht es sehr langsam, aber sicher bergauf.

Ja, und Corona hat auch unsere Gegend nicht verschont, auch wenn die Situation NOCH (?) voellig harmlos ist im Vergleich dazu, was so manche Gegenden in Europa durchzumachen scheinen. Unsere Praefektur mit knapp unter 2 Mio. Einwohnern hat wohl um die 20 Kranke, und leider hat es ein aelterer Mann in den 70ern nicht geschafft und ist letzte Woche an Corona-erzeugter Lungenentzuendung gestorben. Aber so was ich gehoert habe, soll er ein starker Raucher gewesen sein und vorher schon nicht unbedingt eine topfitte Lunge gehabt haben.

Aber trotz der noch relativ entspannten Situation will auch unsere Praefektur nicht mehr Russisch Roulette spielen als notwendig und hat seit Anfang Maerz den Schulbetrieb eingestellt. Und das betrifft auch unsere ATS. Erst hiess es, dass mit dem Beginn des neuen Schuljahres der Schulbetrieb wieder aufgenommen wird, aber da in Tokyo und 6 anderen Regionen der Ausnahmezustand erklaert wurde, haben leibliche und Austauschkinder bis Anfang Mai schulfrei. Und auch wenn besonders sich Soehnle ueber die Verlaengerung ziemlich aufgeregt hat, so akzeptieren beide Kinder die Situation recht gut.

Uebrigens ist Toechterle bis zum 22. mit 14 anderen Kindern in Quarantaene in der Hafenstadt, von der die Faehre zu den 3 Inseln ablegt. Man will verhueten, dass die ausserpraefekturellen Kinder Corona auf die Inseln einschleppen. Toechterle war darueber nicht besonders gluecklich, aber sie hat auch die Notwendigkeit eingesehen. Ihr Klassenlehrer hat wohl auch schon mit ihr geskypt und meinte, sie sei gut drauf und gebe sich viel Muehe beim Selbststudium.

WYS hat sich im Gegensatz zu YFU oder AFS entschieden, noch abzuwarten, wie sich das weiter entwickelt. Dazu kommt auch, dass viele der ATS z.Z. nicht frueher nach Hause wollen. Und WYS will das auch respektieren. Dazu kommt, dass unsere Franzoesin Paris haengenbleiben wuerde, weil wohl das Reisen durch Frankreich zur Zeit untersagt ist. Das bleibt P. mit dem Okay ihrer Eltern erst einmal hier.

Ich habe seit Mitte Februar eine neue Arbeit in der Innenstadt, mit der ich sehr gluecklich bin. Allerdings hat auch unser Klient eingesehen, dass man von dem traditionellen Standpunkt abruecken muss, dass die Arbeit aus Sicherheitsgruenden nur im Buero stattfinden kann. Und so blueht auch mir in nicht allzu langer Zeit Heimarbeit.

Weiterhin ist der Berufsverkehr so weit zurueckgegangen, dass mein Bus am Morgen und Abend nicht nur ohne Verspaetung ankommt, sondern zwischendurch auch mal warten muss, weil er zu schnell ist. Leute weichen einander aus, und selbst Gespraeche im Bus sind jetzt unerwuenscht. Schade, aber nicht zu aendern.

Der Schritt in Richtung mehr Heimarbeit und weniger Ausdrucken, und ueberhaupt mehr Flexibilitaet bei der Arbeit ist etwas Positives fuer Japan. Aber trotzdem hoffe ich, dass Corona schnell Geschichte ist.

Wieder sind 3 Monate vorbei…

… die schoen gewesen sein koennten, wenn nicht so viel Unschoenes passiert waere. Und nein, es hatte absolut nichts mit unserer Daenin zu tun. Es macht auch immer noch mit ihr viel Spass, und jeder ist mehr oder weniger ungluecklich darueber, dass nur noch etwas ueber 4 Wochen sind, bis fuer sie der Flieger zurueck nach Tokyo geht. Aber dafuer ist jetzt schon ein Besuch bei uns mit ihrer Familie im Fruehjahr des naechsten Jahres geplant. Und Toechterle wird sie wahrscheinlich im Dezember besuchen fahren.

Toechterle hatte am 13. Maerz ihre Abschlussfeier von der Grundschule. Und Maennle ist mit Soehnle und ekD dahin gefahren. Fuer sie war es natuerlich ein Erlebnis, denn die wenigsten ATS haben je die Chance dazu. Ich hatte am 8. Maerz gerade eine neue Arbeit angefangen, daher konnte ich nicht 2 Mal fehlen und versprach Toechterle, am 8. April zu ihrer Einschulung auf die Mittelschule zu kommen. Da fuhr ich dann auch mit meinen 2 verbliebenen Kindern hin und wir hatten viel Spass.

In den Fruehlingsferien probierten wir die bestellten Uniformteile an. Toechterle muss als Mittelschuelerin eine Uniform tragen, aber es ist ihr voellig gleichgestellt, welches Design es ist. Es gibt eine Seite fuer sogenannte NANCHATTE Schuluniformen, wo Schueler von uniformslosen Schulen sich ihre Uniformen selber zusammenstellen koennen. Und das machten wir dann auch, so dass Toechterle jetzt 2 Roecke in unterschiedlichen Designs, meistens weisse Blusen in kurz- und langaermlich, aber auch je eine Bluse in Hellblau und Rosa, 3 verschiedene Schleifen, eine Weste und eine Strickjacke. Und wenn es dann kaelter wird, kann sie dann auch die Hose bekommen, die ich ihr versprochen habe. Da die Insel ungeschuetzt vor den kalten Winterwinden ist und Waermeisolierung ein Luxus besonders hier in der Region ist, den die wenigsten Haeuser haben, ist der Winter auf den Insel schweinekalt, wie mir ein kleines Maedchen berichtete. Also warum soll sie in Roecken frieren, wenn kein Schulgesetz Roecke fuer Maedchen vorschreibt? Und ihre eigentlich sehr traditionelle Gastmutter meinte, dass das auch ueberhaupt kein Problem sei.

Weiterhin wuenschte sich Toechterle auch, gemeinsam Sushi essen zu gehen. Und Karaoke wollte sich auch gerne machen, alles Sachen, die wir ihr gerne erfuellten, bevor die viel zu kurzen Fruehlingsferien schon wieder zuende waren.

Fuer das 2. Aprilwochenende hatten ehemalige Schueler von mir ein Mittagessen organisiert. Und am Sonntag wollten eine Freundin und ich ihre und meine Kinder zur „Bambussprossen- und Erdbeerjagd“ mitnehmen. Ich hatte mich schon so darauf gefreut, aber leider sollte alles anders kommen.

Es war schon tragisch, als am 4. April die weisse unserer Ratten ploetzlich verstarb. Mit 1.6 Jahren noch viel zu jung. Selbst fuer eine weisse Ratte mit geringerer Lebenserwartung. Noch schlimmer war aber, als ich 5 Tage spaeter die Nachricht bekam, dass mein Vater ploetzlich verstorben sei.

Das hatte natuerlich die Streichung aller Termine zur Folge. Und trotz allen Schocks hiess es, Fluege buchen, damit ich an seiner Beerdigung teilnehmen kann.

Die Zeit nach der Rueckkehr war ich psychisch und psychisch ziemlich angeschlagen, aber dann begann die Goldene Woche, dieses Jahr ganze 10 Tage lang, weil Japan einen neuen Kaiser bekommen sollte. Die Freude, auch Toecherle wenigstens etwas wieder zuhause zu haben, half da natuerlich auch gewaltig nach. Detective Pikachu war auch ein Film, auf den Soehnle und ich uns schon seit Februar freuten. Und der Besuch am 3. Mai war wirklich ein Lichtpunkt in dieser doch traurigen Zeit.

Und die Veranstalterin unserer jaehrlichen GW Camps entschied sich ploetzlich doch noch, einen Camp zu machen sehr zu der Freude von Soehnle. Ich entschied mich, auf der Hinfahrt einen anderen Weg zu fahren und ekD mit zu einem Dinosauriermuseum mitzunehmen. Soehnle war zwar erst wenig begeistert, weil er fuer die Riesenechsen absolut nichts empfindet. Aber als er bemerkte, dass das Museum eine Sonderverantstaltung fuer Kinder durchfuehrt, dachte er gleich anders ueber die ganze Sache. Weiterhin fuhren wir an dem Schild von einer ueberregional ziemlich beruehmten Bruecke vorbei. Und da ich schon seit 8 Jahren mal die Bruecke sehen wollte, machten wir noch einen kleinen Abstecher. EkD machte viele schoene Fotos, und da verzichtete sie dann auch gerne auf die Horroraktion, sich in der GW mit 100.000 anderen Touristen die Hauptattraktion im Ort meiner Freundin anzuschauen: eine wenn auch sehr schoene Schlucht an einem Fluss.

Ich versprach ihr, dass ich sie zu unserer Haus- und Hofschlucht mitzunehmen und ueberredete Maennle zu einer Fahrt ins Gruene. Aber als sowohl sie als auch unsere neue ATS davon sprachen, dass sie gerne mal das Meer sehen wuerden, entschieden wir uns, nach Norden am Meer entlang zu fahren und dort etwas Sightseeing zu machen. Auch ein schoener Tag fuer alle, der viele Erinnerungsfotos fuer Daenemark bedeutete.

Mal sehen, ob wir es noch bis zur Schlucht schaffen, aber zeitlich duerfte es schwer werden. Am naechsten Wochenende ist Grundschulsporttag, das ist ein Familienfesttag, auch wenn ich mir nicht sicher bin, ob ich unbedingt immer dem -fest-Teil zustimme. Aber einmal muss man es auch mal gemacht haben. Am 15. Juni, dem letzten Wochenende bin ich nach Beppu zu einer Hochzeit eingeladen worden. Und wir haben uns ueberlegt, dass wir alle dorthin gehen koennten und Maennle und die Kinder waehrend der Hochzeitsfeier einfach die Hoellentour machen koennten. Ich habe sie ja nun schon oft genug mit ATS und Gaesten gemacht. Und Maennle wollte gerne das Bueffet im Suginoi-Hotel essen, das richtig gutes Essen anbietet. Das waere eine schoener Abschluss fuer schoene 10 Monate.

Apropos, neue Schuelerin: Wir haben dieses Jahr die Profile von einer Franzoesin und einer Finnin bekommen. Ich war leicht enttaeuscht, weil wir ja beide Laender schon mal hatten. Aber Frankreich und Finnland sind ja auch gross. Und beide Maedchen schienen auch wirklich gut in unsere Familie zu passen. Nach viel Ueberlegen entschieden wir uns fuer die Franzoesin. Jetzt bleibt nur zu hoffen, dass wir bald etwas von der Schule hoeren.

Kinder auf der Arbeit

Am 26. sollte ich meine letzten Unterrichtsstunden mit den Behinderten haben, so dass ich fragte, ob ich meine Kinder mal mitbringen koenne. Meine Schueler wuerden sicherlich viel Spass mit ihnen haben, und fuer sie waere es auch eine sicherlich sehr wertvolle Erfahrung.

Der Leiter fand die Idee gut, und so nahm ich sie mit. Die mehr oder weniger autistischen „Onkel“ fanden sie nicht soooo toll, so dass besonders Soehnle erst wenig Interesse am Besuch bei der 2. Institution hatte. Aber dann trafen sie die teil koerperlich behinderten, teil stark lerneingeschraenkten „grosse Brueder und Schwestern“ und waren voellig begeistert. Ich brachte ihnen weihnachtliche Woerter bei und bat meine 3 dann, diese pantomimisch darzustellen. Die Kinder waren genial. Und ihre Ideen, Rentier oder Geschenk darzustellen waren einfach nur aeusserst kreativ und lustig. Und alle, selbst diejenigen, die wegen anderen Arbeit nur von Weitem zuhoerten, konnten nicht anders, als einfach nur mitzulachen.

Letzten Endes war die Zeit viel zu schnell vorbei, und selbst die Kinder wollten unbedingt wieder einmal vorbei schauen. Die Schueler waren natuerlich absolut begeistert. Und auch der Leiter bat mich, sie mal wieder mitzubringen.