Besuch bei Behinderten und Phantastische Tierwesen

Zumindest fuer Austauschschueler haben die staendigen Testserien in japanischen Oberschulen einen grossen Vorteil: Da sie in der Regel die Teste nicht mitschreiben brauchen, heisst das fuer die meisten, dass sie so alle 6 Wochen zwischen 2-4 Tage frei haben. Und da der durchschnittliche Japaner in der Provinz nie je mal einen wildlebenden Daenen zu Gesicht bekommt, fragte ich also, ob ich unsere kleine Daenin zum Unterricht mitnehmen koenne.

Sie bereitete also eine Praesentation ueber Daenemark vor, die sie dann vor meiner ersten Klasse hielt. Dann fuhren wir zu meiner 2., einer Gruppe von meistens Geistigbehinderten, die ein kleines Restaurant betrieben. Diese Schueler freuten sich so sehr, uns zu sehen. Wir liessen sie Daenemark auf einer Karte suchen und erzaehlten ihnen zusammen von unseren Erfahrungen mit den unterschiedlichen Teilen in Daenemark. Die Gruppe war voellig fasziniert, und ehe man es sich versah, war die Stunde schon vorbei. 

Kino in Japan ist mit 1800 Yen unwahrscheinlich teuer. Je nach Kurs sind das zwischen 15 und 18 Euro. Aber auf die Loehne hier umgerechnet sollte man sich eher 18-20 Euro vorstellen. Daher ist es schon angebracht, Rabatte oder Billigtage anzupeilen, wo man dann fuer 1000-1100 Yen einen Film sehen kann. 

Mittwochs ist bei uns in der Stadt Frauentag, so dass alle Frauen preiswerter ins Kino kommen. Allerdings ist das auch der Tag, an dem ich bis abends etwas zu tun habe und erst kurz nach 8 Uhr zuhause bin. Auf den Plan geschaut sahen wir, dass aber ab 21 Uhr die englische Version der Fantastischen Tierwesen kommen sollte. Ja, wollen wir mal was Verruecktes machen?! Ja, gerne!!!

Ich hatte erst ueberlegt, ob sich unsere Daenin in ihre Schuluniform umziehen sollte, um die Schuelerrabatt zu bekommen. Aber das war ihr dann doch zu aufwaendig, so dass sie lieber bereit war, 100 Yen mehr zu zahlen. 

Und das war auch gut so, denn anscheinend gibt es in der Praefektur ein lokales Gesetz, dass sich Minderjaehrige auch in Begleitung eines Erwachsenen nicht nach 23 Uhr in Kinos und aehnlichen Orten aufhalten duerfen. Ups! Gluecklicherweise kann man bei Auslaendern eher selten das Alter richtig einschaetzen, so dass wir doch dann problemlos ins Kino kamen. 

Und, ja, es war schoen! Der Film selber war gut gemacht und ist empfehlenswert. Und die etwas verrueckte Aktion, nein, der ganze Tag, ist zu einer schoenen Erinnerung geworden. 

Ein kleiner Schock nach 26 Jahren

Auch wenn wir wollen, dass M. moeglichst viel Japanisch hoert, so faellt doch die ein oder andere Minute ab, wo wir ueber Daenemark oder auch Daenisch sprechen. Und im Laufe der Zeit liess es sich nicht umgehen zu bemerken, dass es doch so einige Woerter gibt, die sie als Grosskopenhagenerin anders ausspricht, als ich es gelernt hatte. Irgendwie hatte es mich auch gefreut, dass mein juettlaendischer Einschlag noch nicht tot ist. Aber das hat mir endlich die Frage beantwortet, warum mir mein Daenischlehrer an der Uni Muenster mal sagte, er koenne hoeren, wo mein Daenisch geboren wurde. Der Kommentar geisterte als grosses Fragezeichen all die Jahre in meinem Gehirn rum. Meine Gastmutter hatte mir doch paent dansk – schoenes Reichsdaenisch beigebracht und meinem Gastvater verboten, mit mir weiterhin auf Juettlaendisch zu sprechen.

Wir sprachen auch ueber daenische Lieder. Spurven sidder stumt bag kvist (Der Sperling sitzt stumm hinter dem Zweig) ist anscheinend eines der Lieder, das sie auch kennt und zu Weihnachten immer mit ihrer Familie singt. Als ich sie aber nach einem anderen Lied fragte, das wir ungelogen bei jedem Fest oder Festessen sangen, schuettelte sie zu meiner grossen Ueberraschung nur den Kopf. Jylland mellem tvende have (Juettland zwischen zweier Meere) war ihr unbekannt, auch wenn es ein Gedicht von H.C. Andersen war. Echt, das kann doch nicht sein! Und als ich es fuer sie auf Youtube suchte, stellte ich zu meiner grossen Ueberraschung fest, dass es alle Versionen „falsch“ sangen: Jylland mellem tvende have som en runeSTAV er lagt. Es sagen wirklich alle Versionen STAEV anstelle von STAU. M. wirkte leicht amuesiert, als ich ihr meine Entdeckung etwas entsetzt mitteilte. „Ja, genau das ist Juettlaendisch!!“

Zoobesuch und ein Loeffel

Eine Freundin fragte mich, ob wir uns nicht mal wieder treffen koennten, was auch ich absolut toll fand. Ich schlug den Zoo vor, weil es gerade ein paar Tage zuvor eine Sendung gegeben hatte, wo berichtet wurde, dass die Raubtiere aus ihrem Asyl in anderen Zoos wieder nach Hause kommen.

Mich erschuetterte schon etwas zu sehen, wieviel im Zoo noch von der Zerstoerung von vor 2,5 Jahren zu sehen war. Aber im Bau sind Arbeitskraefte knapp, so knapp, dass sich selbst die japanische Regierung entschlossen hat, ein gewisses Kontingent an Arbeitskraeften aus dem Ausland zuzulassen. Und das Gros der japanischen ist nach Tokyo abgezogen, um dort fuer die 14 Tage Olympiade im Sommer 2020 zig hunderte Hotels aufzubauen. Und wer kann es den Arbeitern oder Firmen verdenken, wenn sie in Tokyo ein Vielfaches an dem verdienen, was sie in der japanischen Provinz bekommen wuerden?

Die 4 Kinder hatten alle ihren Spass, und trotz Kinderhueten hatten wir trotzdem etwas Zeit, wieder einmal etwas ausfuehrlicher miteinander zu reden. Aber ruckzuck war es 16.30 Uhr, was fuer die Tiere hiess, in ihre Staelle zurueck zu kehren. Ausserdem draengte Soehnle darauf, nach Hause zu fahren, weil heute sein grosses Debut im Spoon sein sollte. Spoon ist so das Kind zwischen Radio und Facebook. Man kann sich dort anmelden und sein eigenes Radio machen. Im Gegensatz zum traditionellen Radio koennen Zuhoerer und Fans Loeffel vergeben und ueber geschriebene Kommentare mit an dem Programm mit teilnehmen. Bis jetzt hatte Soehnle immer nur als Gast in Papas Kanal oder dem eines mehr oder weniger beruehmten DJ’s teilgenommen. Aber die Beiden hatten sich geeinigt, Soehnle die Chance zu geben, sein eigenes Programm zu gestalten. Und darauf freute sich Soehnle schon die ganze Woche. Die Beiden wirkten als Manager mit, das heisst, sie begruessten eingetragene Fans und haetten notfalls eingegriffen, falls irgend etwas weniger Schoenes passiert waere. Aber erstaunlicherweise war das ueberhaupt nicht notwendig. Soehnle redete gut 75 min, bis ihm etwas die Themen auszugehen schienen. Da arrangierten die beiden Manager ein Gespraech mit einer 15-jaehrigen DJ, die Soehnle sich auch gerne anhoerte. Und die Beiden fuehrten ein witziges Gespraech zusammen. Und eher man es sich versehen hatte, waren die 2 Stunden vorueber. Viele Fans baten um eine Wiederholung. Und auch Soehnle bedraengte seinen Papa, ihn das bald mal wieder machen zu lassen. Und wer weiss, vielleicht wird ja bald auch mal eine kleine Daenin als Gast mit auftreten.