Neue Tueren oeffnen sich

Ich hatte letztes Jahr die Arbeitsstelle gewechselt in Aussicht auf Arbeit in einem offenen, internationalen Umfeld, wo ich Englisch benutzen koenne, und mir mehr oder weniger gesagt wurde, ich solle doch so lange dableiben, bis die Kinder gross sind. (Was ja selbst bei der Grossen noch 8 Jahre gewesen waeren.) Letzten Endes war es aber auch nur fast dieselbe Art von Arbeitsplatz wie vorher, nur mit ein paar mehr Auslaendern im Haus, die ich aber auch so gut wie nie traf. Arbeitinhaltsmaessig war es auch nicht wirklich prickelnd, das einzige Positive war, dass ich durch die monatelangen Uebersetzungen betraechtlich an meinen Japanischlesekenntnissen arbeiten konnte und durch die unterschiedlichen Themen viel lernen konnte, da die Texte alles von allgemeinen Bekanntmachungen, juristischen Texten bis hin zu den internen Forschungsthemen alles umfasste. Aber trotzdem war es nicht wirklich eine Arbeit, auf die ich mich Montag morgen freute.

Desweiteren hatte mir die ehemalige Teamleiterin in ihrer letzten Mail erzaehlt (oder gewarnt), dass die Leute „speziell“ seien und ich mich nicht unterkriegen lassen solle. Sie hatte nicht gelogen, wenn ueberhaupt, eher gewaltig untertrieben. Daher machte es menschlich auch keinen Spass. Der einzige Pluspunkt waren meine beste Freundin dort und die neue Teamleiterin. Als Erstere aber ihre Kuendigung einreichte und uns verliess, und ich auch gesagt bekam, dass ich nicht noch (OT) viele Jahre, sondern nur noch ein Jahr dort arbeiten koenne, weil alle Vertragsarbeiter nach spaetestens 5 Jahren gehen muessen, da verlor jeglicher weiterer Kampf in einer unangenehmen, langweiligen Arbeit ohne irgendwelche Sicherheiten und saumaessige Bezahlung an Bedeutung. Und ich sprach mit meiner Teamleiterin, dass ich keinen Wert auf einen neuen Vertrag lege, sondern lieber mein Glueck auf dem Arbeitsmarkt versuchen wolle.

Mein Lieblingsbeamter bei Hello Work, dem japanischen Gegenstueck des deutschen Arbeitsamts, hatte wieder Zeit fuer mich und stellte mich auch 2 Firmen vor, deren Arbeitsinhalte sehr interessant klangen. Letztes Wochenende schaute ich die Datenbank von zuhause durch und mich traf bald der Schlag, als ich die folgende Ausschreibung sah:

Oberschule sucht Volllehrer fuer Japanisch, Haushalt und  …  Wirtschaft.

Oh mein Gott! Wirtschaft! Ich habe die japanische Lizenz fuer Wirtschaft, fuer die ich ueber 2 Jahre hinweg im Schweisse meines Angesichts geschuftet hatte, aber dann – so wie mir gesagt wurde – als erster Auslaender dort in der Praefektur bekommen habe. Und es ist eine private Oberschule, so dass ich auch kein Problem mit der Staatsbuergerschaft habe, weil Lehrer an oeffentlichen Schulen Beamte sind und nur Japaner Staatsdiener werden duerfen.

Allerdings hatte ich aufgegeben zu hoffen, dass ich je die Moeglichkeit haben koennte, sie wirklich benutzen zu koennen. Schulen mit Wirtschaftszweigen sind insbesondere in groesseren Staedten relativ selten, davon fallen alle oeffentlichen raus. Und die privaten waehlen in der Regel ihre Lehrer aus ihren ehemaligen Absolventen aus, weil sie so keine Katze im Sack kaufen muessen. Daher selbst in oft vorkommenden Faechern als Fremder eine Stelle an einer Privatschule zu landen ist ungefaehr so selten wie das Knacken eines Jackpots. Dazu kommt, dass Privatschullehrer nicht routieren, so dass dann eine Stelle besetzt bleibt, bis der gegenwaertige Lehrer kuendigt, rausfliegt, in Rente geht oder stirbt. Selbst wenn meine Lehrerpraktikumsschule begeistert von mir war, so war es es unmoeglich fuer mich, dort zu arbeiten, weil die Stellen voll waren. Oder ich haette die Yakuza … aber nein, sooo ein Mensch bin ich ja dann auch nicht.

In der Praefektur vor unserem Umzug haette es keine Oberschule im moeglichen Umkreis gegeben, wo ich theoretisch haette anfangen koennen. Und unsere neue Stadt sieht in dem Punkt auch nicht vieeel besser aus, so dass ich die Sache mehr oder weniger als wilder Fantasie abstempelte und nach realistischeren Arbeitsmoeglichkeiten ausschaute.

So mag der werte Leser meine Aufregung verstehen, als ich die Ausschreibung sah. Es war einfach so schoen, um wahr zu sein.

Am naechsten Tag ging es sofort zu meinem Lieblingsbeamten, und er rief auch gleich in der Schule an. Diese war, milde gesagt, extrem erstaunt, eine Bewerberin zu haben, die als Auslaenderin nicht nur fliessend Japanisch spricht, sondern auch lesen und schreiben kann. Und obendrauf noch die echte japanische, und nicht irgendeine komische auslaendische Lehrerlizenz hat, die in Japan nicht anerkannt ist. Ich hatte immer noch erwartet, dass es irgendwelche Ausreden oder aehnliches gibt, aber nein. Ich solle doch bitte schoen gerne meine Papiere hinschicken.

Ich erwartete dann trotzdem immer noch irgendwelche Probleme oder hoefliche Ausreden. Dann Freitag frueh im Bus: Mein Telefon klingelte. Kritisch beaeugt von allen nahm ich es an und hatte den Vizedirektor in der Leitung, der mich bat, ich solle doch bitte schoen am 2. Maerz zum Interview kommen.

Sicherlich, das alles ist noch nicht die kleinste Garantie, dass ich die Stelle bekomme. Aber haette ich nicht den Sprung ins kalte Wasser gewagt und mich jetzt dazu entschlossen, meine Arbeit zu verlassen, dann haette ich nie davon gehoert und ich nicht einmal die kleinste Chance gehabt, meinen Traum von vor 15 Jahren zu verwirklichen.

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2 Kommentare zu “Neue Tueren oeffnen sich

  1. Ich glaube ich habe noch nie bei dir kommentiert, habe mich aber Ende des Jahres durch große Teile deines Blogs gelesen. 🙂 Es freut mich unglaublich für dich, dass du so eine tolle Chance erhalten hast und drücke dir ganz fest die Daumen, dass es klappt!

  2. Vielen Dank fuer dein Interesse. Ich hoffe, es hat dir etwas Spass gemacht.

    Ja, ich bin schon ganz aufgeregt.Wahrscheinlich kann ich am Mittwoch bestimmt nicht schlafen.Haha.

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