Yahoo-dome and Seramyu

Soehnle war von Sailor Moon fasziniert, seitdem er 1,5 Jahre alt war. Als sein Papa seine neue Arbeit angefangen hatte und wir zu dritt alleine wohnten, schauten wir vor dem Schlafengehen immer Sailor Moon, ein allabendliches Ritual, das fuer meine Kinder das Zeichen war, dass es jetzt ins Bett ging. So gehoerte auch SEERAAMUUN zu einem seiner ersten Woerter, die er sagte, und es war auch seine Bezeichnung fuer TSUKI (Mond).

Knapp 7 Jahre spaeter hat sich das auch nicht wesentlich geaendert, auch wenn heutzutage eher Sailor Jupiter das Objekt seiner Liebe geworden ist. Vor 2 Jahren wurde der Manga als Sailor Moon Crystal neu verfilmt, und Soehnle war auch der, der mich jede Woche daran erinnerte, dass wir doch unbedingt die naechste Folge anschauen muessten. Als mir Maennle erzaehlte, dass das naechste Sailor Moon Musical auch nach Kyushu kommen wuerde, beschlossen wir, ihm seinen Wunsch zu erfuellen, einmal Sailor Jupiter zu treffen und schenkten ihm Musicaleintrittskarten zum 8. Geburtstag.

Ich hatte auch unsere Franzoesin gefragt, ob sie mitwolle, so dass wir ihr eine Karte mit kauften. Maennle wollte zwar mit uns nach Fukuoka mitkommen, aber an dem Musical selber hatte er kein Interesse, so dass er die Zeit so irgendwie totschlagen wollte.

Wir fuhren frueh los, da Maennle beschlossen hatte, uns allen das grosse Baseballstadium der Softbank Hawks, genannt Yahoo-dome, zu zeigen. Das Wetter war perfekt fuer einen ausgiebigen Spaziergang. Das riesige Stadium ist selbst von aussen beeindruckend. Und als witzige Besonderheit gibt es die Kopien von Haenden verschiedender japanischer und internationaler Persoenlichkeiten. Eine nicht ganz so kleine Franzoesin und ich waren erstaunt zu sehen, wie klein die Haende von Frank Sinatra waren. Und Michael Jackson hatte irgendwie eine unangenehme Handform. Aber die Haende von Art Garfunkel und Paul Simon fuehlten sich gut an.

Da das Musical um 12 Uhr beginnen sollte, ging es dann leider viel zu schnell zu weiter, auch wenn die Vorfreude besonders von Soehnle gross war. Maennle setzte uns am Canal City Shopping Center ab, wir 4 assen noch schnell unser Mittagessen und gingen dann zum Theater. Dieses Mal war ich ueberrascht, wie viele Erwachsene sich das Musical anschauen wollten. Das letzte Mal 2003 war so sehr von kleinen Kindern umzingelt, dass es mich echt etwas peinlich war, dass ich mir schwor, ich nehme mir das naechste Mal ein Alibikind mit, sollte ich mir noch einmal ein solches Musical anschauen.

Ich war ueberrascht zu sehen, dass dieses Musical Theater mit Kinotechnik verband und so interessante Effekte erzielte. Das erste und auch letzte Mal, dass ich so etwas gesehen hatte, war als ich mir mit einer Freundin zusammen 1988 auf dem Pioniertreffen in Berlin das Musical „Manche moegen’s heiss“ anschaute, dass uns beide wirklich beeindruckte.

Die Handlung des SERAMYUs Amour Eternal basierte auf die Handlung der 4. Geschichte der Sailor Moon (Buch 12 -16 der alten Ausgabe), die neben Träumen Spiegel und Zirkus als Thema hat. So hatte das Musical wirklich beeindruckende, meist akrobatische Einlagen. Toechterle, die 2 Wochen vor dem Musical plötzlich wenig Lust auf das Musical zeigte und nicht mehr mit wollte, war voellig davon begeistert, als sämtliche Lichter gelöscht und mit Reifen getanzt wurde, die dank eingebauten LED-Lichtern in den verschiedenstens Farben in der Dunkelheit leuchteten.

Der sogenannte „Dream Arc“ hat eine in einen Spiegel eingesperrte Koenigin, und durch Spiegel werden den Sailorkriegerinnen auch ihre tiefsten Wuensche und dunkelsten Gedanken und Gefühle gezeigt. Im Gegensatz zu vorher, wo dann mehr oder weniger eine Person hinter einen Spiegelrahmen gestellt wurde, wurde in diesem Musical duenne Bildschirme und Wandschirme mit halbdurchsichtigen Vorhaengen davor verwendet, die das Ganze unwirklich wirklich erschienen ließen.

Eine der Hauptpersonen ist Helios, der Priester von Elysium, der dort die Träume der Menschen reinigt und die Erde beschützt. Wenn er auf der Flucht vor der bösen Königin Nehelenia ist, nimmt er die Form von Pegasus an, einem geflügelten Pferd mit einem Horn auf der Stirn. Anstelle jetzt der Darstellerin Flügel in die Hand zu drücken, hatte man die Flügel filmisch angebracht mit dem entsprechenden Geräusch dazu, so dass es wirklich wirkte, als ob er seine eleganten Flügel ausbreiten würde. Ähnliches wurde gemacht, als Helios von Nehelenia gefangen genommen und mit einem Schnipp ihres Fingers in Ketten gelegt wurde.

Und selbst Licht wurde m.E. besser genutzt als vorher in dem 2003 Musical. Dort wurde jegliche Attacke nur mit einem Lichtstrahl in der entsprechenden Farbe dargestellt. Dieses Mal wurde z.B. bei einer Wasserattacke wirklich gezeigt, wie Wellen immer weiter auf den Feind zurollen.

Auch wenn Geschmäcker unterschiedlich sind und ich auch die gegenteilige Meinung gelesen habe, so finde ich persoenlich, dass sich die Kostüme und Perücken im Vergleich zu den alten Musicals sehr verbessert haben. Die alten Kostüme hatten aus irgendwelchen Gründen extrem hoch angesetzte Röcke mit viel zu aufgebauschten Unterröcken und extrem viel Glitter als Verzierung. Das hatte  man im jetzigen Musical geändert. Und die Haare sahen aus, als ob Wolle zum Stricken zu einer Perücke geformt und dann nicht nur einmal damit geschlafen hatte, so verfilzt wie sie aussah. Dieses Mal hatte man duenne Fäden genommen, so dass das Ganze mehr wie echtes Haar mit Farbe wirkte.

Ich war auch ziemlich vom Kostüm von Tuxedo Mask beeindruckt. Eine Frau in dem Kostüm zu sehen war zwar anfänglich etwas gewöhnungsbedürftig, aber die Schauspielerin hatte die Aura von Maennerdarstellern der Takarazuka-Truppe, die einen wirklich fangirlen lassen könnte. Und ich war erstaunlicherweise sehr von dem Material des Umhangs beeindruckt, der genau die richtige Steifheit und Flexibilität hatte, dass es ungelogen cool aussah, wenn sie er ihn herumschwang oder fallen ließ.

Auch wenn die Geschichte fuer Leser der Manga bekannt war, so wurde eine ueberraschende Wendung eingebaut. Ich war etwas sehr irritiert, als Nehelenia Helios in seiner Menschenform sagte, sie warte nur darauf, dass er seine wahre Gestalt annehme. Das Ganze löste sich dann 20 min später sehr interessant auf.

Jedenfalls war das Musical nach etwas über 2 Stunden viel zu schnell zuende. Toechterle war zu dickköpfig zuzugeben, dass es ihr gefallen hatte, auch wenn ich sie während der 2 Stunden nicht nur einmal wie gebannt auf die Bühne hatte starren sehen. Unserer Französin gefiel es auch. Und Söhnle war einfach nur begeistert, und ich musste ihm versprechen, dass wir uns das nächste Musical auch anschauen fahren würden. Etwas, was ich doch gerne mit ihm machen werde.

 

 

 

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