Die 3. Woche ist vorbei

… und trotzdem (??) ist es immer noch schoen und angenehm, unsere kleine Finnin bei uns zu haben. Ich habe wirklich langsam das Gefuehl, dass sich selbst ihr gesprochenes Japanisch langsam, aber sicher verbessert. Es fallen die ersten Namen von Schulkameradinnen zuhause. Auch wird sie wohl in die Vorbereitungen des Kulturfestes richtig mit einbezogen und ist gerade dabei, ein Plakat dafuer zu entwerfen. Und als ich sie nach dem Grund fuer ihre Sorge wegen unseres gerade etwas ausbrechenden Vulkans vor der Haustuer fragte, meinte sie, dass sie sich so in alles (sprich Schule, Familie und Stadt) verliebt haette, dass sie wegen einer Naturkatastrophe nicht umziehen moechte.

Nun, ja, zumindest bei dem Vulkan kann ich sie beruhigen. Lavafluesse oder gar pyroklastische Stroeme wuerden uns bei den gegenwaertigen Schluckaufs unseres hauseigenen Supervulkans nicht betreffen, nur Asche koennte es eventuell bei unguenstigem Wind unmoeglich machen, draussen Waesche zu trocknen oder die Fenster zu oeffnen. Aber Leute in Kagoshima leben damit seit Jahren und leben trotzdem. Sollte sich aber der seit 20.000 Jahre leicht ueberfaellige Supervulkan ploetzlich ueberlegen, ausbrechen zu wollen, dann ist nicht nur Kyuushuu im wortwoertlichen Sinne Toast. Der letzte Ausbruch hatte die hier ansaessigen Lebewesen zum Aussterben gebracht und das Land fuer Jahrhunderte, wenn nicht sogar Jahrtausende in eine lebensfeindliche Vulkanwueste verwandelt. Ich glaube, in dem Fall waeren Sorgen ueber Familien- und Schulwechsel das Letzte, worueber man nachdenken muesste.

Fuer den Beginn der sogenannten Silver Week (Wochenende+3 freie Arbeitstage) hatte ich geplant, mit den Kindern, der Finnin und einer Kollegin von mir nach Kikuchi, in den Norden der Praefektur Kumamoto zu fahren. Da wir ein volles Programm hatten und auch ein Stueck fahren mussten, kam meine Kollegin am Freitag mit zu uns zum Uebernachten, sehr zur Freude meiner Kinder, die in ihr eine willige neue Spielgefaehrtin fanden.

Am Sonnabend frueh ging es dann los, erst zum rekonstruierten Kikuchi Castle, einer ehemaligen Befestigungsanlage aus wahrscheinlich der 1. Haelfte des 8. Jahrhunderts. Nach einem ausgedehnten Spaziergang bei schoenstem japanischen Herbstwetter wurde dann dort auch gleich das kleine Restaurant genutzt, hungrige Maegen zu fuellen. Danach ging es zum Ryuumon-Damm, der sich bei dem schoenen Wetter in all seiner Schoenheit zeigte. Da trotz aller Fotos doch noch recht viel Zeit war, ging es das zur Kikuchi Schlucht, die durch ihre Wildheit und Schoenheit einfach nur atemberaubend ist und einen der hundert schoensten Wasserfaelle von Japan ihr eigen nennen darf.

Und wenn man schon den weiten Weg bis Kikuchi gemacht hat, sollte man natuerlich auch einen Besuch im Onsen nicht auslassen. Wir besuchten also wieder mal unser Haus- und Hofonsen, wo schon Klein-Toechterle mit knapp 3 Monaten ihr HATSU-ONSEN erlebt hatte. Wir mieteten ein Familienonsen, weil das auch fuer L. etwas leichter sein duerfte. Eine kleine Finnin war sichtlich nervoes, aber abenteuerlustig. Aber als sie den Fuss in das heisse Wasser hielt, konnte ich trotzdem ueber ihre Reaktion nur schmunzeln. Ihr „Hot!“ ueberraschte selbst meine Kinder, die sich dann aber sofort anboten, kaltes Wasser fuer sie einzulassen, was sie dann mit Hilfe meiner Kollegin auch durchfuehrten. Alles in allem schien es ihr gefallen zu haben, auch wenn sie meinte, dass man es absolut nicht mit einem Saunagefuehl vergleichen koenne.

Dann war es aber schon Nachhausefahrzeit, und nach einem kurzen Abstecher in eine Verkaufstelle fuer Gemuese und anderes aus der Gegend und einem gemeinsamen Fussbad mit 2 Studentinnen, was (= die Existenz des Fussbads) eine kleine Finnin sehr verwunderte, ging es wieder den langen Weg zurueck nach Hause.

Zuhause angekommen brauchte ich unsere Finnin nicht einmal doll ins Bett zu schicken, weil sie selber einsah, dass sie fuer den morgigen Tag Kraft brauchte. Ich stand also um 4.45 Uhr auf, um die fertig angezogene Taenzerin zum Haus meiner Sensei zu fahren, nur um festzustellen, dass sie sich noch tief im Reich der Traeume befand. Ich weckte sie also und schmierte ihr eine Stulle, waehrend sie sich schnell in ihre Volksfest“uniform“ stuetzte. Puenktlich um 4.15 Uhr konnte ich sie dann auch bei meiner Sensei abliefern, worauf ich nach Hause fuhr und mir noch etwas Schoenheitsschlaft leistete.

Den Tag verbrachte ich dann mit dem Beseitigen des Chaos der Woche, was dann aber dazu fuehrte, dass ich so fertig war, dass ich schweren Herzens darauf verzichtete, mit den Kindern und Maennle zum Anfeuern in die Stadt zu fahren. Die Kinder kamen mit ihrem sehr fertigen Papa kurz nach 6 Uhr wieder nach Hause, wo mir Soehnle halb stolz, halb aengstlich erzaehlte, dass ihn ein Pferd getreten haette. Erschrocken schaute ich mir Soehnles Stirn an, aber dort war nicht einmal ein blauer Fleck zu sehen. Das Pferd scheint ihn also nicht wirklich getroffen, sondern „nur“ in seine Richtung getreten zu haben, was ja auch schon bei Kaltbluetern angsteinfloessend sein kann.

Kurz nach 7 Uhr kam dann auch unsere kleine Finnin voellig muede, aber gluecklich und zufrieden nach Hause. Sie erzaehlte, dass sie sich am Anfang etwas verloren vorkam, weil sie niemanden kannte. Als ich sie fragte, ob sie die Teilnahme bedauert, schuettelte sie den Kopf und meinte, dass es grossen Spass gemacht habe. Sie hatte sie wohl auch mit 2 Maedchen angefreundet und genoss das Spektakel noch mehr. Und auch meine Kinder bezeugten, dass sich ihr Oneechan richtig gut geschlagen hatte. Aber dann siegte die Muedigkeit und eine kleine Finnin war gluecklich, dass ich sie ins Bett schickte.

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2 Kommentare zu “Die 3. Woche ist vorbei

  1. Ich freue mich so sehr für Euch, dass Eure Austauschtochter so lieb scheint 🙂 Zumindest strahlen Deine Posts ja quasi Enthusiasmus aus – schön, dass Du so viel bloggst! Liebe Grüße aus dem Norden, Vera

  2. Hallo Vera,

    auch wenn man den Tag nicht vor dem Abend loben sollte, so denke ich schon, dass ich sagen kann, dass wir dieses Jahr sehr viel Glueck hatten. Die Schule ist mir ihr auch sehr zufrieden, was will man mehr?

    Liebe Gruesse

    Higanbana

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