Und schon wieder sind 3 Monate um

Ach ja, die Zeit fliegt. Ehe man es sich versieht ist Wochenende, faellt man am Ende eines Wochenendes totmuede ins Bett, kaempft sich durch die naechste Woche, um dann am naechsten Wochenende wieder das gleiche Spielchen durchzumachen. Und so vergehen ruckzuck 3 Monate, in denen sich viel getan hat.

Die groesste Sache war vielleicht, dass wir wieder einen Homestaygast (?) fuer fast 2 Monate gehabt hatten. Gastkind Nr. 0’s Mann sollte 2 Monate lang in Japan einen Kurs belegen, und von allen moeglichen Kursorten hier wurde es zufaelligerweise der, der nur gerade mal 2,5 h mit dem Bus entfernt war. Es haette durchaus auch einer 2 h mit dem Flugzeug entfernt werden koennen.

Die frisch gebackene Mutter eines knuffigen kleinen Jungens sah es verstaendlicherweise nicht sehr gerne, so lange ihren Herzallerliebsten und Vater ihres Sprosses getrennt zu sein, so dass sie uns fragte, ob sie uns nicht 2 Wochen besuchen koenne, um dann zwischendurch auch ihren Mann sehen zu koennen. Da, nehme ich mal an, unser Lebensrhythmus durch Maennles und meine Arbeit doch weniger gestoert wurde, als wenn ich immer noch zuhause gewesen waere, wurden letzten Endes aus den 2 Wochen fast 2 Monate, in dem wir wieder die Freuden und Leiden junger Eltern erleben durften. So schoen es war, Kleentje bei uns zu haben und so sehr wir geknickt waren, dass er wieder nach Hause musste, so sehr waren sich Maennle und ich aber auch sicher, dass wir kein 3. Kind brauchen. Die Enkelkinder „zur linken Hand“, wie sie meine daenische Gastmutter nannte, von denen wir ja jetzt schon 2 haben, reichen da voellig aus.

Aber das war auch so einer der Punkte, wo ich dann persoenlich richtig froh war, dass wir dieses Jahr ATS-frei geworden sind. Sicher waere es auch so irgendwie gegangen, aber es waere mit Sicherheit anstrengender gewesen, besonders, wenn es eine ATS gewesen waere, mit der es nicht 100%ig klappen will. Und ich bezweifle, dass es irgendwann zu einem Aufwachen von J.s Seite gekommen waere, da sie ja die 2. naechsten Chancen genau so wenig genutzt hatte.

Persoenlich fand ich das ATS-freie halbe Jahr auch sehr entspannend und schoen, so dass ich eigentlich schon mit dem Gedanken gespielt hatte, dieses Erlebnis unser letztes werden zu lassen. Aber die Kinder wollten unbedingt noch einmal eine grosse Schwester haben, so dass wir uns doch noch einmal bereit stellten.

Nicht nur wegen J., auch wegen dem „Ja, natuerlich! Es ist ne Deutsche, weil Sie auch aus Deutschland kommen.“-Denken vieler Japaner hatte ich nicht wirklich Lust auf ein 4. deutsches Erlebnis am Stueck. Irgendwie koennte es auch im Weltbild von Soehnle mal mehr Laender als Japan, „Amerika“ und Deutschland geben. WYS schickte uns das Profil einer Finnin und einer Schwedin und legte auch noch das Profil einer Deutschen bei. Allerdings stellte sich bei ihr heraus, dass sie selber aus einer deutsch-japanischen Familie kommt und seit dem Kindergarten auf die japanische Sonnabendschule geht, so dass ich echt bezweifelt hatte, dass sie so gluecklich darueber waere, wenn sie ploetzlich in Japan wieder das Gleiche in Gruen haette. Und wie gesagt, wenn es irgendwie geht, dann nicht unbedingt schon wieder eine Deutsche.

Die Finnin und die Schwedin fuehrten einen heissen Kampf, und die Vote gingen von 150 % fuer Finnland ueber 60:40 fuer Finnland zu 50:50 bis zu 100% die Schwedin. Nicht das es wirklich die Entscheidung beeinflusste, aber beim Loseziehen zog jeder die Finnin, so dass ich schon des Lotteriefaelschens verdaechtigt wurde. Nach einer Nacht schlafen ging der Zeiger doch mehr in Richtung Finnland, irgendwie meinte mein Magen doch, dass sie vielleicht doch hier gluecklicher werden koennte, auch wenn ich zugegebenerweise das Land Schweden mit „hatte Deutsch als Schulfach“ doch sehr verfuehrerisch fand.

Ich hatte irgendwie dieses Jahr auch mal Lust, eine andere Schule auszuprobieren, und die Schule der letzten 2 ATS war dieses Jahr auch nicht wirklich willig, sofort ihre Bereitschaft fuer eine ATS-Aufnahme zu geben, wie sie es nach M. im letzten Jahr gemacht hatte, obwohl WYS nicht wirklich klang, als ob die Sache hoffnungslos waere.

Da L., die Finnin, auf eine Kunstoberschule geht, waere es fuer sie ja interessant gewesen, hier vielleicht auch auf einen Kunstzweig zu gehen. WYS fragte die Schulen, aber sie zoegerten so, dass es sehr nach dann noch Absage nach 2-3 Wochen aussah, dass sie das nicht weiter riskieren wollten. Weil die Schulsuche in unserer Stadt so ein Problem ist, hatte die Leiterin mal prophylaktisch Schulen angerufen, um nach einer generellen Aufnahmebereitschaft zu fragen. Und zu auch meinem grossen Erstaunen gab eine Privatschule Interesse an, die bis jetzt noch nie einen ATS aufgenommen hatten und mit einer Staerke im Bereich Wirtschaft/Handel auch nicht die klassische Aufnahmeschule in Japan ist. Die Schule fand ich schon vor Jahren interessant, aber irgendwie haette ich nie geglaubt, dass es mal in dieser Richtung klappen koennte. Ja, sage nie nie!

Die Privatschule sagte auch nach einer Woche der Aufnahme zu, und jetzt hat L. eine grosse Chance und eine grosse Verantwortung, weil sie mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit eine Sensation an der Schule wird und sicher schnell viele Freunde finden wird. Aber ihr Verhalten wird auch entscheiden, wie die Schule je mal wieder ueber die Aufnahme von ATS nachdenken wird.

Ich bin mindestens genauso gespannt auf die Schule wie L. selber, da es unsere erste Privatschule sein wird. Ich warte auch sehnlichst auf naehere Infos zur Schule. Es kann dieses Jahr durchaus sein, dass die Finnin auch 2 Mal im Monat am Sonnabend in die Schule muss. Zumindest hatten das 2 andere Privatschulen hier, auch wenn es sich bei ihnen um auf die Unieintrittspruefung vorbereitende Schulen handelte. Unsere hat zwar auch einen Allgemeinkurs, davon einen „Besonderen“ fuer das weitere Studium, aber die Staerke der Schule liegt im wirtschaftlichen Bereich, wo die Schueler interessante Projekte wie Produktentwicklung und eigene Vermarktung und selbst Praktika in Laeden und Betrieben machen. Ich wuensche der Finnin fast, dass sie doch in den Wirtschaftszweig kommt, aber an das Image (Das Beste fuer die Gaeste.) und die Tatsache, dass die Schule mit „kleinen Klassenstaerken“ (wahrscheinlich nicht 40+, sondern nur 30 Mann) wirbt, denkend, bin ich mir fast sicher, dass L. in die Sonderunivorbereitungsklasse kommt, die als beste Klasse mit dem hoechsten Niveau gilt.

Ich stehe jetzt seit ca. einem Monat mit der ATS und ihrer Mutter in Verbindung. Und auch wenn L. am Anfang extremst nervoes war und sich nicht wirklich traute, mir zu schreiben, so scheinen diese Gefuehle jetzt wie vom Wind verweht zu sein. Sie freut sich sehr auf uns und wir auf sie, jetzt bleibt zu hoffen, dass es auch so bleiben wird.

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2 Kommentare zu “Und schon wieder sind 3 Monate um

  1. Oh das klingt ja interessant. Ich wünsche euch ein gutes Jahr mit der Finnin. Wir hatten selber einmal eine ATS von dort. Allerdings war sie für unseren Geschmack nicht sehr familiär. Aber das muss ja bei euch nicht so sein.

  2. Hallo Sabine,

    ja, wo du das erwaehnst, ich hatte mal einen Finnensprachkurs in Deutschland organisiert, und da erzaehlte mir die Lehrerin, die ATS in Finnland war, dass bei vielen Finnen sich Familienleben auf „Jeder zieht sich in sein eigenes Zimmer zurueck bis zur Schlafenszeit“ begrenzt sei. Bei der Finnin bei uns hatte ich das ansatzweise auch gesehen. Aber bei den anderen 6 Finninnen waren auch genuegend, denen es schon wichtig war, Zeit mit der Familie zu verbringen. Ich kann jetzt nur auf das Beste hoffen, auch wenn ich bis jetzt eher ein gutes Gefuehl habe. Aber man kann ja nie wissen und sollte den Tag nicht vor dem Abend loben. Zumindest freut sich L. auch auf uns und hat nicht irgendwelche irren Fantasien, dass wir uns nicht auf sie freuen oder lieber jemand anderen haetten oder aehnlichen Mist.

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