Andere Laender, andere Sitten

Hier in Japan gibt es ein Wort fuer eine Heirat, wenn sich Frau zu sehr mit Mann amuesiert hat und das aber nicht ohne Folgen fuer sie blieb: 出来ちゃった (dekichatta – es ist leider entstanden. ) Hier fuehrt das entweder zur Abtreibung, und Japan hat eine schoene hohe Quote dafuer, oder zu schnellen Dekichatta(kek)kon , wobei (kek)kon Hochzeit bedeutet.

Freigabe zur Adoption ist hier so gut wie nicht existent, und selbst Kinderabgabestellen, wo verzweifelte Muetter erst einmal oder fuer immer ihr Kind abgeben koennen, bevor sie vielleicht eine Toetung oder Aussetzen als Ausweg waehlen, gibt es hier nur ganz wenige. Und diese sind sehr umstrittig und werden hart kritisiert, weil besonders konservative Kreise befuerchten, „faule“ Eltern wuerden so einfach nur ihre Kinder abschieben.

Auf jeden Fall liebe ich es doch, an dem leider oft wirklich sehr festgefahrenen Weltbild von Japanern zu ruetteln und sie zu schockieren. Wenn sie hoeren, dass mein unverheirateter Bruder von seiner Lebensgefaehrtin Papa wird bzw. wurde oder jetzt auch Gastkind Nr. 2 von ihrem Partner schwanger ist, dann kommt immer die Frage, wann sie denn heiraten wuerden. Ich muesste mal die Gesichter fotographieren, wenn ich erzaehle, dass die Schwangerschaft meiner „Schwaegerin“ fuer meinen Bruder der Grund war, die geplante Hochzeit abzusagen. „Es gibt jetzt Wichtigeres als das.“ Und auch meine Schwiegertante war voellig entsetzt, ja ausser sich zu hoeren, dass ihre geliebte L. schwanger sei und nicht vorhabe, ihren Freund zu heiraten.

Solche Zustaende sind uebrigens genau der Grund, warum die konservative Lobby die absolute Gleichstellung von ehelich und nichtehelich geborenen Kindern in Japan nicht wuenschen und die endlich durchgedrueckte Gleichstellung beim Erbe am liebsten wieder rueckgaengig machen wuerden: Sonst wird doch Japan bald vor Single Mothers einfach so wimmeln und Familie, der Grundstein der Gesellschaft, wird aussterben. Dabei vergessen sie aber doch, dass das Gros der ausserehelich geborenen Kinder in z.B. dem unzuechtigen Schweden schon 2 Eltern hat und in eheaehnliche Beziehungen reingeboren wird. Und selbst wenn jetzt die Erwartung der Gesellschaft und gegenwaertige gesetzliche Lage in Japan ungewollte Eltern dazu zwingt, vor den Traualtar zu treten, so heisst das bei weitem nicht, dass das daraus resultierende Kind die Eltern zu einer gluecklichen Einheit zusammenschweisst und ein glueckliches Paar entsteht, das erst der Tod trennt. Scheidungsquoten sind hier naemlich mittlerweile auch sehr hoch. Und Scheidung bedeutet hier i.d.R., dass der Partner ohne 親権 SHINKEN – Erziehungsrecht –  jeglichen Kontakt zum Kind verliert und es u.U. nie wieder sieht, weil seine Ex (meist ist es doch die Mutter, die das Kind behaelt)  i.d.R. nicht das Gefuehl hat, dass ihr Kind den ihr verhasst gewordenen Ex auch braucht. Dagegen wird das ausserehelich geborenen Kindern in Europa eher nicht passieren, weil im schlimmsten Fall das Gesetz Mindestbesuche pro Monat oder Jahr garantiert und man es bei sehr widerspenstigen Exen gerichtlich einfordern kann.

Da frage ich, wo der Schutz von Familien besser ist.

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7 Kommentare zu “Andere Laender, andere Sitten

  1. Klingt alles sehr, sehr konservativ.
    Ich kann mir gut vorstellen, wie groß die Augen werden, wenn du von so „unschicklichen“ Dingen in Europa berichtest 😉

  2. Von WYS, das ist die japanische Partnerorganisation von dfsr. Und sie betreut auch den Grossteil der GLS-Fahrer, die das „staatliche“ Schulprogramm gewaehlt haben. Vor 2 Jahren was es eine dfsr-ATS, dieses Jahr ist es ne GLSlerin, und das naechste Maedchen wird wieder eine von dfsr.

  3. Das war bei meinen auch nicht anders, obwohl sie zumindest mal fuer 4 Wochen aufgenommen jemanden hatten.

    Du kannst ja dann selber Gastmutter werden, so wie ich es gemacht habe. Mein Mann war selber mit 24 Jahren das erste Mal „Gastvater“. „“, weil er selber nur 5 Jahre aelter als der erste ATS war. Wenn du es aber machst, dann waehle bitte eine Organisation, die eine gute Betreuung in deiner Umgebung hat. Das macht schon einen riesigen Unterschied.

  4. Hallo,
    ich hatte Dich schon einmal angeschrieben und Dir erzählt, dass ich Dein Blog sehr spannend finde. Heute habe ich mal wieder etwas darin gestöbert und die tollen Artikel gelesen. Ich freue mich, dass ihr so eine tolle Zeit mit Eurer ATS hattet!
    Diesen Eintrag fand ich auch total spannend, deswegen habe ich ihn für den Kommentar erwählt. 😉 Ich habe ja keine Ahnung von Japan und seiner Kultur, was aber nicht bedeutet, dass ich pe se nichts darüber erfahren will. Solche Einblicke aus erster Hand, wie ich sie hier bekomme, sind echt interessant. Ich wusste nicht, dass es so konservative Kräfte gibt in Japan. Ich bin zwar in einer konservativen Gegend in Deutschland aufgewachsen, wo ab und zu immer noch abfällig über uneheliche Kinder gesprochen wird, aber die Idee, dass da heute noch irgendwo rechtliche Unterschiede gemacht werden könnten, war weit hinten in meinem Kopf vergraben. 😉 Ich habe mal gelesen, dass es in Japan kein so großes Bewusstsein für BürgerInnenbewegungen gibt – regen sich denn gegen die Schlechterstellung von unehelichen Kindern oder dagegen, dass der Partner nach der Scheidung das Kind nie mehr sieht, irgendwelche Proteste?
    Viele Grüße!

  5. Das Problem ist einfach, dass es hier kein Bewusstsein dafuer gibt, dass ein Kind beide Eltern braucht. Die Einstellung, dass die Mutter hauptsaechlich fuer die Kindererziehung zustaendig ist und dass ein guter Vater dafuer sorgt, dass eine Familie genuegend Geld hat, auch wenn das heisst, dass Frau und Kinder nie was von ihm haben, lebt hier noch immer, auch wenn es genuegend junge Eltern gibt, die das nicht leben koennen und wollen, selbst wenn sie vielleicht wollten. Japan aendert sich langsam und die Gesetzeswelt noch viel langsamer. Das Sorgerecht geht nur an ein Elternteil, heutzutage meist die Frau, das verbliebende Elternteil verliert jedes Anrecht auf sein Kind. Wenn jetzt die oder vielleicht der Ex nicht einsehen, dass die Kinder auch den Vater bzw. die Mutter brauchen, selbst wenn man selber den Kerl und seine Ex erschlagen koennte, dann gibt es so gut wie keinerlei Moeglichkeiten, ein Recht auf regelmaessiges Sehen des Kindes zu bekommen. So wie das vielleicht in Deutschland geht, jedes 2. Wochenende beim weggezogenen Elternteil uebernachten und vielleicht ueber die Sommerferien ganz dahin zu siehen ist im jetzigen Japan undenkbar. Vielleicht ist ja die Angst zu gross, dass es der/die Ex nur darauf abzielt, die Kinder zu ueberreden, das Elternteil mit dem Sorgerecht zu verlassen und zum anderen zu ziehen.

    Und genau das ist z.B. das Problem bei Ehen zwischen Japanerinnen und meist westlichen Auslaendern, die dann vom urspruenglich toll aussehenden Leben in den Staaten etc. genug haben, ihre Kinder schnappen, die Scheidung einreichen und in Japan abtauchen. Die Maenner haben oft Jahre darum gekaempft, weiterhin Kontakt zu ihren Kindern zu haben. Jetzt ist zwar die „Hague Convention on the Civil Aspects of International Child Abduction“ endlich unterschrieben worden, aber da das mit den generellen Zustaenden in Japan kollidiert, wird es wohl Jahre dauern, bis die Betroffenen was davon haben.

    Naja, es kann ja nur besser werden. *mal positiv zu denken versuch*

    LG

    Higanbana

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