Besuch in der Schule

Auch wenn ich eigentlich ein halbes Jahr keinen bezahlten Urlaub nehmen darf, so hatten mein Arbeitgeber und mein Chef mir die doch die fuer Japan erstaunliche Nettigkeit gezeigt, doch 5 Tage Sommerferien nehmen zu lassen. 3 Tage muss ich fuer die Quasifeiertage nehmen, weil unser Kindergarten und der Hort ueber die 3 Tage Totenfest geschlossen hat und ich nicht weiss, ob die Kinder nicht doch noch vorher nach Hause kommen und dann hier sind.

Dann blieben aber noch 2 uebrig, wovon ich ueberlegte, dann man einen fuer WYS nehmen koennte. Aber da sich Schule und Org. nicht entscheiden konnten, wann das nun passieren soll, legte ich einen auf 31.7. und den 1.8., um etwas Zeit mit Goettergatten verbringen zu koennen. Dann geschah das Wunder: WYS rief mich an und teilte mir mit, dass die Schule am 31.7. Zeit fuer einen Schulbesuch haette.

Dieses Mal sollte auch unsere eigentliche Betreuerin kommen, beim letzten Besuch war es die Chefin selber, die es sich nicht nehmen liess, den Familien- und Schulbesuch zu machen.

Ich holte sie vom Bahnhof ab, dann zeigte ich ihr unsere neue Wohnung und die Schule und schlug dann vor, zusammen zu essen, weil keiner von uns beiden wirklich Mittag gegessen hatte.

Gegen 14.30 Uhr fuhren wir dann nach Hause, eigentlich wollte Goettergatte auch etwas mit ihr reden, aber die Nachtschicht belastete ihn einfach zu stark, so dass er auf den Schulbesuch dankend verzichtete.

Die Betreuerin und ich fuhren dann zur Schule, wo wir die Klassenleiterin und eine weitere Englischlehrerin trafen. Auch wenn wir damit gerechnet hatten, dass M. in den Englischzweig kommt wie das immer in der Schule passiert, so erfuhren wir zu unserer grossen Ueberraschung, dass die 2. Klasse dieses Zweiges einen ATS von AFS bekommen soll, der ausgerechnet auch noch aus Deutschland ist. Da man vermeiden wollte, 2 Landsleute in dieselbe Klasse zu stecken, passierte eine kleine Revolution fuer die Schule: M. kommt das 2. Jahr des Normalzweigs Mathe-Naturwissenschaft, die als Wahlpflichtfach Physik und Geographie hat. Die beiden Lehrerinnen entschuldigten sich sehr dafuer, aber als ich daran dachte, dass M. ja ihr Abi in der Richtung gemacht hatte, konnte ich die Lehrerinnen beruhigen.

Ausserdem, gerade weil die Klasse nie damit gerechnet hatte, dass sie je das Glueck haben sollte, eine(n) ATS zu bekommen, waren die Schueler wie aus dem Haeuschen, als die Klassenleiterin frage, wie sie selber zu einer Aufnahme stehen wuerden. Daher bekamen sie den Zuschlag, auch wenn die 2. Klasse des Englischzweigs wohl stark dagegen protestierte, weil sie doch kein Problem damit sahen, 2 deutsche ATS in einer Klasse zu haben.

M. wird auch die erste unserer ATS sein, die in einer jungenlastigen Klasse sein wird: Alle anderen davor waren 28-38 Maedchen und 2-5 Jungs. Dieses Mal werden es 34 Jungen und 10 Maedchen, mit ihr dann 11, sein. Und laut Aussage der Klassenleiterin sollen sie zwar noch etwas kindlich, aber um Welten netter als Jungs aus anderen Klassen sein. Ich bin ja mal gespannt, wie das M. dann empfindet.

Die Schule ist zwar fuer deutsche Verhaeltnisse immer noch sehr traditionell, aber im Vergleich dazu, was ich so von der Stadt hier und besonders von J.s Schule her kenne, ist sie erstaunlich liberal. Sie laesst den Schuelern zumindest einige Wahlmoeglichkeiten in Bezug auf Schuhe, Schulsachen oder auch … Schultaschen. Jetzt bleiben M. zumindest die schweren, aber viel zu kleinen aktentaschenaehnlichen Taschen erspart, die anscheinend nicht nur J.s ehemalige Mitschueler, sondern auch ein Teil der anderen Schulen hier vorgeschrieben bekommen. Und auch die Schule sah neuer und weniger schaebig aus als das Gros der oeffentlichen japanischen Schulen, die ich bisher gesehen habe. Sie ist ja auch gerade 30 Jahre geworden im Vergleich zu den anderen Schulen, die stolz auf ihre 100+ Geschichte sind und wo teilweise die Schuluniform fast 3 Mal so alt ist wie die Schule jetzt.

Schade ist etwas, dass M. wahrscheinlich nicht auf die Klassenfahrt mitdarf, weil diese hier regulaer in der ersten Klasse stattfindet und es anscheinend nicht selbstverstaendlich ist, dass man als ATS dann einfach mit der Klasse darunter mitfaehrt. Es ist auch etwas schade, dass sie natuerlich auch nicht an der Orientierung im April fuer die Erstklaessler mitdarf, so wie J. die Erlaubnis bekam. Und es ist wahrscheinlich, dass sie auch nicht wie unsere L. vor 6 Jahren einfach dann 3 Monate 3.-Jaehrler wird, sondern wahrscheinlich dann in die neue 2. Klasse darunter kommt.

Aber es gibt Schlimmeres: Die Klassenleiterin scheint sehr engagiert zu sein, die Schule scheint ihre ATS ehrlich unterstuetzen zu wollen und sieht nicht nur kostenlose Englischlehrer in ihnen, die sie dann nicht einmal benutzt. Das ist wichtiger als eine Schulreise oder ein Aufsteigen mit seiner Klasse. Ausserdem hat die Schule eine interessante Aktivitaet, wo alle Schueler 30 Kilometer bis nach Hause laufen muessen, und zwar durch wunderschoene Herbstlandschaften hindurch. Und der Herbst ist hier neben dem Fruehling definitiv die schoenste Jahreszeit.

Alles in allem denke ich nach den ersten Erfahrungen, dass unsere ATS ziemlich viel Glueck mit ihrer Schule hat. Jetzt liegt es eigentlich nur noch an ihr, was sie aus dem Jahr macht.

 

 

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3 Kommentare zu “Besuch in der Schule

  1. Jahaa, 強歩大会, das gab’s an meiner Schule auch, nur im Hochsommer und dann wird mitten in der Nacht gestartet. Wir sind dann schön hoch und runter durch die ganzen Berge und Reisfelder gelaufen, ich hatte noch nie so Fußschmerzen danach und konnte 2-3 Tage nicht richtig gehen. Aber gut wenn man’s geschafft hat, dann ist es ein ganz nettes Gefühl.

  2. Im Hochsommer? Oh my …! Dabei kann man bei euch auch nicht gerade sagen, dass es dort kalt war bzw. ist. Hier ist es im November, wenn ich mich richtig daran erinnere. Bei 30 km wuerde ich mich 8-10 Stunden rechnen, da denke ich mal, dass es fuer die Schueler auch frueh losgehen wird, damit sie noch im Hellen nach Hause kommen.

    Und ja, das mit dem tollen Gefuehl verstehe ich. Ich war mal in Norwegen 23 km laufen, und auf den letzten 3 Kilometern war ich dann doch so muede, dass ich wirklich mit mir kaempfte, ob ich nicht doch lieber noch die 50 Kronen fuer das Ticket ausgebe. Aber es war dann doch ein tolles Gefuehl, wieder an der Jugendherberge anzukommen.

  3. Also ich hab glaube ich 6h xxmin gebraucht und bin ca. 10 km gelaufen. Meine Empfehlung ist ein paar km laufen und den Rest gehen, weil ich nach den 10km Berg hoch runter nur ins Ziel gehumpelt bin und Leute, die so gut wie alles gegangen sind schneller waren :D. Ich lag glaube ich im letzten Drittel, die Leute, die zu langsam waren wurden bei uns mit’m Bus eingesammelt und die schnellsten sind alles gelaufen, in 3h xxmin glaube ich.

    Hatte übrigens vor dem Lauf noch ne Rede in einer Turnhalle, unsere Strecke war glaube ich um die 33km lang und der alte Mann, der die Rede gehalten hat ist noch bei der ersten mitgelaufen, die noch um die 100km hatte. Ging wohl bis irgendwo nach Aomori hoch.

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