Japanisches Arbeitsamt und Bewerbung

Der 24. war ein freier Tag von Goettergatten, so dass wir uns entschieden, am fruehen Nachmittag zusammen zu „Hello Work“, dem japanischen Gegenstueck zum deutschen Arbeitsamt, zu fahren. Toechterle scheint sich in das Schulleben eingefunden zu haben, und auch Soehnle scheint jetzt doch ohne seine geliebte grosse Schwester zurecht zukommen, auch wenn er natuerlich immer erzaehlt, wie einsam es ohne sie sei.

Durch meine permanente Aufenthaltsgenehmigung habe ich auch eine Arbeitserlaubnis, so dass ich zumindest fuer potentielle Arbeitsgeber interessanter als ein normaler Auslaender sein duerfte, fuer den man garantieren und ein Arbeitsvisum beantragen muss. Allerdings habe ich den „kleineren“ Nachteil, dass ich 1.) eine Frau 2.) eine Mutter 3.) eine Auslaenderin und 4.) ohne Oma um die Ecke bin, die dann mehr oder weniger an meiner Stelle die Kinder erziehen koennte. Aber Versuch macht kluchg!

Waehrend sich die Angestellte fuer auslaendische Bewerber und ich uns durch die 100.000 Anmeldefragen kaempfen, surfte Maennle fuer mich durchs Netz und legte mir mehrere potentiell interessante Sachen vor, wovon mir eine gleich ins Auge fiel: Koordination von in- und auslaendischen Angestellten plus Computerarbeit. Die freien Tage liegen am Wochenende, was absolut keine Garantie in Japan ist. Und die Arbeitsstunden liessen sich mit Toechterles Schule (kombiniert mit dem Hort) und Soehnles Kindergarten vereinen, was auch absolut keine Garantie in Japan ist. So manche interessante Arbeit kommt einfach fuer mich nicht in Frage, weil die Arbeit gerne mal um 19 oder 20 Uhr endet. Und ich habe bei Goettergatten keine Garantie, dass er sich am Abend um die Kinder kuemmern kann.

Die geforderten (Mindest-)Qualifikationen haette ich auch:  Englisch auf hohem Niveau und Computerkenntnisse. Und dort angerufen haette der Arbeitgeber erst einmal kein Problem mit einem arbeitsberechtigtem Auslaender, was ja in Japan auch alles andere als selbstverstaendlich ist. Die ganze Sache hatte nur einen kleinen Haken: Bis zum Folgetag Punkt 12 Uhr muss ich die Bewerbung persoenlich abgeliefert haben, sonst wird sie nicht mehr beruecksichtigt. 

Was in Deutschland mittlerweile undenkbar ist, ist in Japan der Standard: Bewerbungen muessen mit der Hand geschrieben werden. Ich hatte noch Glueck, zumindest musste ich das „nur“ mit dem tabellarischen 2-seitigen „DIN“-zertifizierten Lebenslauf (RIREKISHO) machen, aber leider lassen sich auslaendische Schulen und Unis nicht sooo leicht und relativ kurz schreiben wie inlaendische. Dazu kommt noch langsameres Schreibtempo gepaart mit Aufregung und fehlender Erfahrung, und schon fliegt wieder ein nicht mehr zu benutzendes Blatt durch das Zimmer. Gegen 19 Uhr hatte ich dann trotz aller Verschreiber einen Lebenslauf fertig, den Goettergatte als „o.k.“ einstufte, so dass ich mich dann auf den 2-seitigen SHOKUMU-RIREKISHO stuerzen konnte, der so eine Art tabellarisch geordnetes Bewerbungschreiben darstellt, wo man in Stickpunkte geordnet angibt, warum gerade man selber am besten fuer die Arbeit geeignet waere. Um 22.30 Uhr hatte Goettergatte darueber geschaut, so dass ich mich dann auf das Layout stuerzen konnte, dass ich ja keine Fehler darinnen habe, wo ja die Arbeit mit Word wohl auch einen Teil meiner Arbeit mit einschliessen soll. Nach letzten dreifachen Ueberpruefungen konnte ich dann gegen 23.30 Uhr auch beide Schreiben als auch das Vorstellungsschreiben von Hello Work in je einen Umschlag packen, was dann zusammen in einen extra Umschlag legte, den ich dann auch rechtzeitig am naechsten Morgen um 9.30 Uhr beim potentiellen Arbeitgeber abgab. Ich hoffe, ihn beeindruckt jetzt erst mal, dass ich die Unterlagen innerhalb von einem halben Tag fertig gemacht hatte. Zumindest hatte ich dann am Tag darauf einen Anruf auf dem Telefon, wo ich zum Vorstellungsgespraech am 1. Mai eingeladen wurde.

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2 Kommentare zu “Japanisches Arbeitsamt und Bewerbung

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