Hausaufgaben, die Fortsetzung und PTA

Am Freitag war fuer den Nachmittag das allgemeine PTA-Treffen unserer Schule angesetzt, wo sich die Muetter Eltern mal kennenlernen konnten und dann die waehrend des Jahres anfallenden Arbeiten auf alle Haushalte der Klasse verteilt wurde. Die Durchfuehrung dieser Sache scheint von Schule zu Schule anders organisiert zu sein. Fuer einen Grossteil der Schulen wird es anscheinend so gemacht, dass einige wenige ein Jahr lang die gesamte Arbeit alleine machen. Unsere Schule hat die Regel, dass jeder Haushalt eine Sache uebernehmen soll.

Nach einer interessanten Vorstellung der Unterrichtssituation durch den Lehrer wurden die 13-15 Funktionen vorgestellt. Goettergatte, der seinen freien Tag hatte und der einzige Vater war, meldete sich fuer die Einsammlung des PTA-Beitrags 2 Mal im Jahr, womit dann unsere Arbeit erledigt waere.

Bevor das relativ kurze allgemeine PTA-Treffen der Schule begann, hatten wir etwas Zeit, die ich nutzte, um mal nach den Hausaufgaben zu fragen. Ich fand es doch etwas irritierend, dass Hausaufgaben nirgendwo aufgeschrieben wurden. Als der Klassenleiter das hoerte, konnte er nicht anders und lachte etwas. Es stellte sich heraus, dass die Hausaufgaben keine normalen Hausaufgaben waren, sondern nur normale Stundenaufgaben. Toechterle war es wohl wegen des offenen Fensters zu kalt, aber anstelle sich zu melden und es zu sagen, verfiel sie in ihren „Ich-sage-gar-nichts-und-sehe-nur-aus-als-ob-ich-bocke-Zustand“ und machte gar nichts. Da sie am Ende der Stunde es nicht geschafft hatte, sagte ihr der Klassenleiter, dass sie die Aufgabe zuhause fertig machen solle. Und daher gab es auch keinerlei Informationen darueber, was jetzt genau als Hausaufgaben gemacht werden muesse. Nur fuer die Akten, es gibt in Japan kein Hausaufgabenheft wie in Deutschland. Hausaufgaben werden entweder von den Kindern in das allgemeine Kontaktheft zwischen Schule und Eltern von den Kindern geschrieben. Oder aber sie sind auf dem woechentlichen Infobrief fuer die Familie aufgefuehrt, die die Kinder am Freitag mit nach Hause nehmen.

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5 Kommentare zu “Hausaufgaben, die Fortsetzung und PTA

  1. „Kein Hausaufgabenheft wie in Deutschland“ — bei meinen Geschwistern und mir hieß „Hausaufgabenheft“ auch nur, dass wir ein Heft haben sollten, in das wir schreiben, was wir als Hausaufgaben auf hatten; offiziell gab’s da nix … Könnte höchstens sein, dass das am Gymnasium nachher im Klassenbuch (*) vermerkt wurde, aber selbst das halte ich für unwahrscheinlich.


    Klassenbuch: Buch, dass für eine Klasse zu Störvorfällen, Verspätungen, Fehlstunden etc geführt wird, von Schülern von Klassenraum zu Klassenraum transportiert– und von jedem Lehrer im Laufe der Stunde mit Kommentaren versehen wird.

  2. Da kann ich „Billie“ nicht zustimmen. Mein kleiner Bruder geht momentan in die 2. Klasse und besitzt ein Hausaufgabenheft. Und auch ich hatte eines, als ich vor rund 20 Jahren in die Grundschule ging. Ich finde das eine gute Hilfe für die Eltern, denn es ist ja nunmal oft so, dass kleine Kinder Dinge schnell mal vergessen. Allerdings gibt es dann zuhause immer das große Raten, was denn da steht. Besonders in der 1.Klasse, wo zumindest in Deutschland die meisten Kinder erstmal das Schreiben lernen müssen, war das ziemlich abenteuerlich. Da wurde einfach „nachgemalt“ was auf der Tafel stand.

    Ich frage mich, ob es so sinnvoll ist, die HA schon die Woche vorher festzulegen. Ich denke nicht, dass die Lehrer so genügend auf die Schüler eingehen können.

    Aber was ich für eine gute Regelung finde, ist dass jeder Haushalt was zu den organisatorischen Aufgaben beiträgt.

    Ich finde die Unterschiede zwischen deutschen und japanischen Schulen sehr interessant und freue mich über eventuelle weitere Beiträge.
    Und vielleicht noch eins: Bringen die Namensaufleber wirlich etwas? Bei meinem Bruder istauch alles beschriftet. Trotzdem kommen wöchentlich iwelche stifte und vor allem Radiergummis in der Schule weg (ebenso wie eine Strumpfhose nach dem Sportunterricht). Ich bin jedesmal erstaunt. Denn wenigstens den Eltern, deren Kinder diese Sachen mit nach hause bringen, sollten den falschen Namen bemerken. Sind die japanischen Eltern ehrlicher? (mal ganz plump gefragt)

  3. Also wir hatten so etwas als Hausaufgabenheft. In die linken kleinen Kaestchen wurde das Kuerzel fuer das Fach geschrieben. Und dahinter kam die Hausaufgabe(n) fuer den Tag. Ich weiss gar nicht mehr, bis wann wir so etwas benutzten. In den oberen Jahren ist das jedenfalls nicht mehr so gefordert worden, zumindest in den letzten 2 Jahren hatte ich einfach einen normalen Tagesplaner dafuer.

    Hausaufgabenheft

    Ich weiss nicht, wie es genau aussah, aber Gastkind Nr. 0 hatte auch erzaehlt, dass sie auch ein Hausaufgabenheft hatte, das sie auch bei Toechterle erwartete. Allerdings weiss ich nicht, wie das aussah. Ich kann sie ja mal fragen, wenn ich daran denke. Vielleicht ist das Kein-Hausaufgabenheft eine Besonderheit aus Billies Bundesland oder zumindest ihrer Schule.

    Also Hausaufgaben auf Zetteln wird es mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit fuer die Ferien geben. Hier in Japan ist das naemlich nur unterrichtsfreie Zeit und nicht mehr. Ansonsten meinte der Lehrer, dass die Hausaufgaben fuer die naechste Stunde in das Kontaktheft geschrieben werden. Und selbst wenn es fuer eine Woche spaeter waere, waere das nicht so das Problem, weil Lehrer auch in Deutschland Monats- und Wochenplaene schreiben duerften und ungefaehr wissen muessten, was fuer ein Thema wann dran ist. Und dann weiss man natuerlich auch, was zu dem Thema an Hausaufgaben gibt, wenn man nicht so wieso schon jedes Jahr die gleichen aufgibt.

    Also zumindest tendentiell wuerde ich das schon bejahen wollen. Ich habe auch saubere oder gewaschene Sachen 1-2 Tage spaeterzurueckbekommen, die andere Kindergartenkinder mit nach Hause genommen hatten. Von der Schule kann ich das noch nicht sagen, wenn es also stimmt, dass Toechterle ihre Lunchmatte und die schulinternen Schuhe wirklich nun einfach in der Schule gelassen hat.

    Ja, es wird sich wohl nicht wirklich umgehen lassen, dass ich noch mehr ueber die Schule schreiben werde, da wir jetzt ein hauseigenes Schulkind haben. (^_~)

    Uebrigens, wenn du vor 20 Jahren in der Grundschule warst und dein Bruder jetzt in der 2. Klasse ist, dann seid ihr ja ganz schoen auseinander. (O_O) Und klar, mache doch ruhig dein WH in Japan. Japan ist so langgestreckt, die Nordspitze von Hokkaidou und die Suedspitze von Kyuushuu haben die gleiche Entfernung wie Oslo und Rom. Du musst dich ja nun nicht in Fukushima niederlassen, es gibt auch noch genuegend andere Gegenden in Japan, du zumindest kein Verstrahlungsproblem haben.

    @Billie
    Wir hatten ein Klassenbuch, aber da standen neben den Daten wie Geburtstag und Adresse auch die konkreten Unterrichtsinhalte und die Zensuren drinnen, das dann vom woechentlichen (meine ich) Klassenbuchverantwortlichen zur naechsten Stunde mitgenommen wurde und dem Lehrer uebergeben hatte. Im Nachhinein finde ich schon erstaunlich, dass niemand (zumindest in meiner Klasse und wahrscheinlich auch meiner Schule) je daran dachte, seine Zensuren zu faelschen.

    Liebe Gruesse

    Higanbana

  4. @ „Rina“, Higanbana:
    Ich seh grad den Unterschied zu dem, was Rina und du sagt, dass ihr hattet, und dem, was ich gesagt hab, nicht? Das sind doch auch einfach Hefte, in die die Kinder selbsttätig ihre Hausaufgaben schreiben sollen … und wenn’s nichts gibt, schreibt man eben nichts auf. Sowas hatten wir schon auch, das hat nur eben a.) niemand kontrolliert … zumindest nicht auf Schulseite.

    Ich frage mich, ob es so sinnvoll ist, die HA schon die Woche vorher festzulegen. Ich denke nicht, dass die Lehrer so genügend auf die Schüler eingehen können.

    Seh ich genauso! Das hab ich auch nie verstanden — Hausaufgaben sind doch dazu da, alle Lehrinhalte ausreichend zu üben bzw. einzubringen, d.h. wenn eine Klasse langsamer ist, kann und sollte das in mehr Hausaufgaben ausarten — oder gab’s bei euch nie Fälle, in denen Dinge, die in eigentlich in der Stunde hätten gemacht werden sollen, aus irgendeinem Grund nicht geschafft und daher als Hausaufgaben aufgegeben wurden?

  5. @Billie

    Ich bin mir nicht ganz sicher, was du da gerade falsch verstehst, wahrscheinlich, weil du so etwas nie hattest. Es ist eben kein einfaches Heft, sondern mehr ein Kalender fuer die Schule (siehe das Bild oben), wo man fuer das leichtere Verstaendnis und die bessere Zeitplanung auch oder gerade bei Grundschuelern in die entsprechenden Wochentage den Stundenplan und dann an diesem Tag fuer – was weiss ich – Mathe in der 3. Stunde am Donnerstag das Loesen der Aufgaben 1-4 auf Seite 12 eintraegt. Daher ist es auch fuer kleine Kinder leichter verstaendlich, dass man Mathe eben zuerst machen muss, auch wenn man die Hausaufgaben fuer Deutsch vielleicht schon am Montag erfahren hat, aber fuer die bis zum Freitag Zeit hat.

    RENRAKUCHOU

    RENRAKUCHOU in Japan ist dagegen nur ein besseres Vokabelheft, nur dass es traditionell von oben bis unten geschrieben wird und hauptsaechlich der Kommunikation zwischen Klassenleiter und Eltern dient (Anfragen, Absprachen, Bitten etc.). Fuer ne vernuenftige Uebersicht ueber Termine, die selbst kleine Kinder auf Anhieb verstehen, ist das relativ schlecht geeignet.

    Ich will nicht bezweifeln, dass es auch ohne geht, in Japan macht man ja es auch, aber ein Kalender ist fuer Kinder auf alle Faelle um Welten leichter zu verstehen. In Japan erwartet man ja, dass Mama zuhause alle Ueberpruefungen macht, wann was gemacht werden muss. Oder wahlweise der Lehrer in der naechsten Nachbarschaftsjuku oder im Schulhort. Ich kann mich nicht erinnern, dass meine Eltern das je noetig hatten. Auf den jeweiligen Tag schauen und gemachte Hausaufgaben durchstreichen ist ja nun wirklich nicht soooo schwer zu verstehen. Ist alles durchgestrichen oder abgehakt, dann ist alles fuer Donnerstag fertig.

    Was die Hausaufgaben betrifft, so ist doch gerade Japan gerade dafuer praedestiniert, dass es vorausgeplante Wochenaufgaben oder gar Monatsaufgaben gibt. Wo hat das viel mit dem Verstaendnisgrad der Klasse zu tun, wenn man den Schuelern aufgibt, innerhalb von einer Woche die Kanji von 1 bis 5 zu lernen? Das kann man sehr wohl gut am Anfang des Jahres planen. Und wie gesagt, dann gibt es noch die Sommerferienhausaufgaben, die x Seiten Kanjischreibuebungen, eine Wiederholung von Mathe, oft ein Bildertagebuch von Ferienerlebnissen, ein freies Forschungsprojekt und das Lesen von 2-5 Buechern und sehr oft dem Schreiben von einem Aufsatz zu einem oder mehreren der Buecher mit einschliessen.

    Die von euch erwaehnten Stundenaufgaben werden ja auch von Stunde zu Stunde aufgeschrieben. Und ausserdem bezweifle ich, dass es unter dem japanischen System sooo viel Nichteinhalten des Plans der einzelnen Stunde gibt. Waehrend des Lehrerkurses an der japanischen Uni ist staendig gepredigt worden, dass die groesste Suende, die gemacht werden kann, eben genau das nicht konsequent an den Plan halten ist. KYOUSHI-SHIKKAKU 教師失格 Nicht, dass es mal passiert, aber wer das oefters mal macht, der gilt als schlechter Lehrer.

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