Ein Dock fuer Menschen

Am Donnerstag war der Tag, wo ich mich im Dock einschiffern konnte. Ich habe keine Ahnung, warum, aber Japaner haben allgemeine Gesundheitsueberpruefungen NINGEN-DOKKU 人間ドック, als Menschen-Dock, genannt. Aber Japaner sind ja auch ziemlich beruehmt fuer ihre *hust* kreativen Wortbildungen, vorzugsweise mit der SEEEEEHR freien Verwendung von englischen Woertern.

Unsere Krankenkasse bietet mehrere „KURSE“ an, die entweder einen Tag lang  oder auch mit Uebernachtungen im Krankenhaus sind. Da es riskant war zu hoffen, dass Goettergatte einen passenden Rhythmus hat, so dass er die Kinder abholen und sich um sie kuemmern kann, optierte ich doch lieber auf den Tageskurs. Innerhalb des Tageskurses konnte man dann einen Untersuchungsschwerpunkt festlegen wie z.B. Gehirnuntersuchung auf Tumore oder Veraenderungen in Adern oder auch Darmuntersuchungen. Da ich in den letzen Jahren doch ab und zu Magenschmerzen hatte und bei meiner nicht unbedingt sehr viel aelteren Mitschuelerin vom Kimonokurs auch Krebs gefunden wurde, optierte ich auf eine Untersuchung mit einer Magensonde. Neben dem Kurs kam man auch diverse extra Optionen waehlen, und da man ja nie weiss, ob nicht vielleicht doch …, und mein Frauenarzt mir das auch empfohlen hatte, waehlte ich zusaetzlich noch eine Mammographie.

Ich war alles andere als erfreut, als Goettergatte einen Blick auf die auszufuellenden Papiere warf und mir eroeffnete, dass das Krankenhaus keine Urin-, wie ich beim Anblick der Flaeschchen dachte, sondern Stuhlproben sehen will. Das ist schon ein ziemlich grosses Abenteuer…

Aber geschafft hatte ich es trotzdem, und zusammen mit den Flaeschen und den Papieren stand ich dann auch kurz nach 8 Uhr auf der Krankenhausmatte. Das Erste, was zu tun war, war erst einmal umziehen. Umziehen? Aber naja, warum nicht. Gluecklicherweise war das Krankenhaus warm genug fuer die kurzaermlichen japanisch geschnittenen Schlafanzuege.

Dann kamen die Untersuchungen, wie sie sicher die meisten kennen: Urinprobe nehmen, Blutdruck/Puls, Gewicht-, Groesse- und Koerperfettmessung, Sehkraftmessung und Augenhintergrundsueberpruefung,  Gehoerueberpruefung, Blutabnehmen, Lungeroentgen (o.k., das ist nur normal in Japan). Neu fuer mich waren die Herzrhythmusueberpruefung und der Lungenfunktionstest, wo die Staerke des Luftstroms beim Ein- und Ausatmen gemessen wurde.

Zwischendurch wurde ich noch zur Mammographie geschickt, wo mir mindestens 3 Leute erzaehlten, wie weh denn das tun wuerde. Aber ehrlich gesagt scheint hier Uebertreiben in Bezug auf Schmerzen oder zu tragende Gewichte oder Schwierigkeiten ein echter Volkssport zu sein, und so nahm ich den Hinweis dankend, aber mit einer gesunden Prise Skepsis auf. Nun gut, ein angenehmes Gefuehl ist es nicht gerade, wenn die Brust auf ein Drittel der Groesse zusammengedrueckt wird. Aber erstens dauert das 10 Sekunden oder so, und zweitens gibt es echt Schlimmeres. Uebrigens hatte ich die Schwestern dort etwas verwirren muessen, als sie mich nach dem Ende der Stillzeit befragten. Nun gut, sie konnten ja nicht ahnen, dass Soehnle sehr brustverliebt ist und ich daher als Ende den Vormonat angab. Und prompt liess mich mein Koerper wissen, dass er doch noch kann, wenn er will, und die Krankenschwester gab mir lachend Taschentuecher, um die Bescherung wegzuwischen.

Ich wurde auch in Bezug auf eine Brustabtastung geschult und durfte auch mal am Model mit eingebauten Problemen ueben. Aber ganz ehrlich bezweifle ich irgendwie, dass ich Krebs bei mir ertasten koennte. Die Modelbrust musste man so extrem druecken, bis man irgendwo 4 cm tiefer minimetergrosse Knoetchen ertasten konnte. Ein Grund mehr, die Empfehlung, alle 2 Jahre eine Mammographie machen zu lassen, doch viel, viel ernster als bis jetzt zu nehmen und gegen die angeborene Faulheit, „es doch bestimmt das naechste Mal zu machen“, besser als bis jetzt anzukaempfen.

Die letzte Untersuchung, vor der es mir auch am meisten graulte, war die Magensonde. Auf die Empfehlung des Krankenhauses hin aenderte ich mein Papier auf „mit Betaeubung“. Ich bekam ein Mundstueck in den Mund gesetzt, dass dann fachfraulich mit Klebeband am Mund befestigt wurde. Das allein war schon unangenehm, aber dann die Sonde durch den Hals geschoben zu bekommen ueberschritt doch alles, was ich mir vorgestellt hatte. Gluecklicherweise wirkte dann die Betaeubung, so dass ich fuer den Rest der Zeit ins Reich der Traeume geschickt wurde. Nach einer Stunde weckte man mich wieder und schickte mich wieder mit den Papieren in der Hand zum allgemeinen Untersuchungszentrum. Die Leute dort hatten nicht gelogen, als sie sagten, wie sollten nicht die Treppe nehmen, weil wir schwach auf den Beinen sein wuerden. Ich gab die Papiere ab und warf noch einmal einen schnellen Blick auf meine Speiseroehre, meinen Magen und Zwoelffingerdarm. Irgendwie ist das doch mal faszinierend, Dinge von sich zu sehen, die man sonst nie zu Gesicht bekommt. Und bevor ich mich dort fuer eine weitere Stunde zum Schlafen hinlegte, wurde mir noch zu meiner Erleichterung gesagt, dass nichts Verdaechtiges im Magenbereich gefunden wurde. Die restlichen Ergebnisse kommen dann ca. 2 Wochen spaeter per Post.

Gegen 2 Uhr weckte man mich dann doch wieder, und ich fuehlte mich auch besser, auch wenn ich noch kein Vertrauen in meine Fahrkuenste hatte. Daher nahm ich mir die Zeit, diesen ereignisreichen Tag doch mal im Shopping-Centre nebenan abzuschliessen.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s