Knast, Precure und Totensonntag

Am 10. und 11. war es wieder so weit: Der oertliche Knast lud wieder zum jaehrlichen Markt und das 2. Mal in der Geschichte zum Rundgang durch das Gefaengnis ein. Goettergatte musste am Sonntag leider arbeiten, so dass wir uns den Besuch fuer den Sonnabend fest in den Kalender geschrieben hatten. J. freute sich schon ueber ein halbes Jahr auf den Tag, und die Kinder wollten auch unbedingt Kumamon treffen.

Die diesjaehrige Ausstellung hatte einen etwas schwierigen Start, weil der Speicher mit Verkaufsobjekten auch vom Hochwasser im Juli betroffen war und trotz der Hilfe vieler Angestellter und Beamter im Gefaengnis ein Teil der Produkte Wasserschaeden davon getragen hatte. Das fuehrte dazu, dass am Tag davor fuer die Helfer ein Vorverkauf von Waren mit Wasserschadenrabatt stattfand, so dass auch wir eine huebsche Kommode und einen sehr praktischen, (OTon Soehnle) niedlichen Regenschirmhalter mit etwas verbliebenden Flusssand als Extra erstehen konnten.

Am Sonnabend kamen wir leicht spaeter als gedacht im Gefaengnis an, aber wir hatten doch das Glueck, dass die Kinder Kumamon sehen und selbst J. noch ein Erinnerungsfoto mit dem Baeh-ren machen konnte. Toechterle bekam noch ihre eigene Sicherheit-im-Strassenverkehr-Fahrerlaub, auf die sie richtig stolz war. Und J. durfte mal ausprobieren, wie es ist, wenn man mit 60 km/h auf irgend etwas auffaehrt. Und ich durfte das Foto dazu machen … *hust*

Nach einem Rundgang ueber den Markt kam es dann zum Hoehepunkt fuer J.: die Fuehrung durch den Knast. Aus Sicherheitsgruenden durfte man leider keine Sachen, nicht einmal eine Kamera mitnehmen und musste alles einschliessen. Sehr zu J.s Leidwesen. Aber verstehen kann man das auch. Und ein „illegales“ Foto vom Haupttor und vom Verwaltungsgebaeude hat sie ja sogar.

Die Fuehrung ging an der Innenmauer entlang, unter Erklaerungen zu den Zellen aussen an den Wohnkomplexen vor, ueber den Sport- und Versammlungsplatz durch ein Betriebsgebaeude und wieder zurueck zum Eingang. Fuer mich war es ja das 2. Mal, und irgendwie war ich etwas enttaeuscht, auch wenn ich es verstanden habe, warum es so ist. Die Tour vor 2 Jahren war fuer Familienangehoerige, so dass man z.B. auch die Sperranlagen zwischen Innen- und Aussenknast, das Besuchszimmer, das Zimmer fuer das Leben-ausserhalb-des-Knasts-Training, die Kueche, das Ueberwachungskamerazimmer mit kurzen Einblicken in die Isolierzellen oder auch die Zimmer der Angestellten mal sehen konnte. Und man konnte auch einer detaillierten Praesentation ueber die Gefaengnisverwaltung zuhoeren.

Nach dem Marktbesuch ging es nach Hause zum Essen, und dann wieder ins Auto zum 2. Hoehepunkt des Wochenendes. Wir fuhren ans andere Ende der Stadt, wo im Kino der aktuelle Precure-Kinofilm gezeigt wurde.

Ich haette vielleicht gedacht, dass J. dieses Mal nicht mitmoechte, weil sie Precure nicht wirklich vom Hocker reissen zu scheint und sie gerne mal weit vor Ende des allsoenntaglichen Animes schon wieder was anderes macht. Aber gefreut habe ich mich trotzdem, dass es ihr die 1300 Yen wert war mitzukommen. Und wirklich bereut schien sie ihre Entscheidung nicht zu haben.

Der Film war auch niedlich wie immer, die Kinder hatten wie gebannt auf den Kinoschirm geschaut und zuckten immer wieder zusammen, wenn etwas „Schreckliches“ passierte. Und als Precure kurz vorm Ende war und alle um Energie bat, machten sie auch ihr Licht an, um Precure zu retten.

Alles in allem ein wunderschoener Abschluss zu einem wirklich netten Tag.

Der Sonntag hiess dann alleine Kinderhueten, d.h. moeglichst einen etwas ruhigen schieben, und Haushalt und Kinder unter einen Hut zu bekommen und trotzdem nicht voellig durchzudrehen. Allerdings hatte mich unser Pfarrer eingeladen, zum Totensonntagsgottesdienst zu kommen. Und ich habe immer noch ziemlich mit dem Tod meiner geliebten Gastmutter zu kaempfen.

Zu meinem grossen Erstaunen meinte J. ganz cool, dass sie zwar absolut keine Lust auf Kirche, dafuer aber null Probleme damit haette, wenn ich alleine gehen und sie dafuer auf die Kinder aufpassen wuerde. Ich hatte mich ja so gefreut. Sicher sind meine Kinder auch waehrend des Gottesdienstes willkommen und niemand stoert sich daran, wenn sie mal etwas lauter werden. Aber ich kann da wenig entspannen und wirklich mal in Ruhe zuhoeren, weil doch immer irgendwer kommt und was will oder ein Streit zu schlichten ist. An die Version, die Kinder bei J. zu lassen, hatte ich nicht wirklich gedacht.

Da ich nicht wusste, wann ich zurueckkommen wuerde, habe ich J. erklaert, wie sie Udon kocht und die Bruehe dafuer herstellt. Und J. schien nicht gelogen zu haben, dass das kein Problem fuer sie war. Waren doch bei meiner Rueckkehr alle 3 Kinder froehlich und satt. Zum Kaffee gab es dann Reste Geschenke von der Kirche, auf die sich alle freudig stuerzten. Und zu meinem Erstaunen war der Tag um Welten angenehmer, als ich es wirklich fuer moeglich gehalten haette. Solche Sonntage muesste es haeufiger mal geben… 😉

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2 Kommentare zu “Knast, Precure und Totensonntag

  1. Den BOKEGUMA? (O_O) Falls du je hier in der Gegend sein solltest, wirst du ne gute Wahrscheinlichkeit haben, ihn treffen zu koennen.

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