Sommerferien – die Sechste

Da Goettergatte und ich zwar schon oft auf Shikoku waren, aber eigentlich nur die Gegend um die Autobahn zwischen Ehime und Tokushima kennen, ueberlegten wir, ob wir nicht einfach mal die Landstrasse durch die Praefektur Kouchi oder einfach Kochi hindurch zur Faehre nehmen koennten. An einem Tag war daran natuerlich nicht zu denken, aber i.d.R. wollten unsere Verwandten so wieso, dass wir aus Sicherheitsgruenden immer irgendwo zwischendurch uebernachten.

Zu meiner grossen Ueberraschung und Freude musste ich feststellen, dass die Praefektur einen Teil der geschlossenen Schulen in Uebernachtungs- und Begegnungszentren umgewandelt hatte. Was fuer eine geniale Idee! Anstelle die Gebaeude verrotten zu lassen, werden sie instandgehalten, ermoeglichen Besuchern preiswert in der Natur zu uebernachten und bringen fuer die Stadt sogar noch etwas Geld ein.

Unsere erste Nacht verbrachten wir in Nahari in der Nahari-chou Yonegaoka Seikatsu Taiken Gakkou 奈半利町米ケ岡生活体験学校, die sich 400 m ueber und gute 20 min Autominuten von der Stadt entfernt befindet.

Die Schule selber befindet sich in einer kleinen Ansiedlung (BURAKU) mitten im Gruenen, wo echt Kaefer und Spinne einen froehlich am Morgen begruessen. In der Naehe gab es einen Teich und einen Bach, der von den Kindern bestaunt wurde und zum Spaziergang einlud. Und als grosses Extra haelt sich ein Bewohner dort auch Strausse und Ziegen, die man sich natuerlich auch nicht entgehen lassen durfte.

Der Zustaendige des Schulamtes erzaehlte uns, dass die Schule gerne fuer Schulausfluege benutzt wird. Ja, anscheinend haben Grundschueler aus dem Staedtchen sogar die Moeglichkeit, dort fuer eine Woche am Stueck zu wohnen und von dort aus zur Schule zu gehen, um so einfach ihre Selbstaendigkeit weiter zu verbessern. Sie koennen dann frei durch das gesamte Tal laufen, ohne dass sie staendig von irgendwelchen Erwachsenen ueber echte oder auch nur eingebildete Gefahren hingewiesen werden. Als ich die Gegend um die Schule sah, konnte ich erahnen, wie toll das fuer Kinder sein muss.

Wo man schon in Japan und in einer voellig fremden Gegend ist, muss man natuerlich auch gleich mal die Spezialitaeten der Stadt ausprobieren. Als wir nach einer Empfehlung fragten, wurde uns … *umkipp* ein italienisches Restaurant sehr, sehr ans Herz gelegt. Da faehrt man bis ans Ende der Welt, um Italienisch zu essen. Allerdings nahm sich der Beamte echt noch die Zeit, uns bis dahin zu begleiten, dass man auch nicht noch wirklich protestieren konnte.

Allerdings muss ich sagen, dass wir alle von dem Tonno gleich neben dem Bahnhof in Nahari absolut begeistert waren. Es war wirklich lecker, und der Chef hatte es sich nicht nehmen lassen, auch lokale Spezialitaeten wie Bonito (Fischart) oder Schweinefleisch in seine Kreationen mit einzubinden. Und als er hoerte, dass wir von Kyuushuu gekommen waren, spendierte er uns sogar ein Gericht.

Der Sommer in Nahari ist auch heiss und schwuel wie in vielen Teilen von Japan, aber dank der Tatsache, dass die Schule so hoch lag, war das Klima dort im Sommer erstaunlich ertraeglich. Wir verbrachten einen schoenen Abend und schliefen wirklich gut.

Die Schule dort hatte zwar eine grosse Kueche, aber auch als besondere Erfahrung fuer die Besucher dort wartete sie nicht mit den ueblichen elektrischen Reiskochern, sondern mit traditionen Reisoefen auf.

Allerdings hatte keiner wirklich viel Lust auf so viel Arbeit am fruehen Morgen, ausserdem gab es die verfuehrerische Aussicht auf Grillen, so dass sich Goettergatte und J. daran machten, den Grill anzuwerfen, waehrend ich die Zimmer aufraeumte und Taschen abfahrtsbereit machte. Allerdings machte ihnen die Kohle einen Strich durch die Rechnung, egal, was sie versuchten, wollte die Kohle nicht gluehen, so dass sie eine gute Stunde spaeter den Grill immer noch nicht bereit hatten. Irgendwann platzte selbst dem sonst so geduldigen GG der Kragen, und er setzte auf die Schummelversion. „Brate die Kohlen so lange auf dem Gasherd, bis sie nicht anders koennen als zu gluehen.“ Und siehe da, in 15 min war dann auch der Herd so weit an, dass die Wuerstchen gebraten und das Brot getoastet werden konnte. Der Aufwand hatte sich aber echt gelohnt, das Fruehstueck war das Beste, was ich seit Unzeiten je gegessen hatte. Oder vielleicht war das ja auch nur ein Fall von „Hunger ist der beste Koch“, nach 1,5 h Warten hing uns naemlich allen der Magen in den Kniekehlen.

Und dann hiess es leider auch schon Aufraeumen, Auto einpacken und wieder losfahren. Das einzige, was wir wirklich bedauert haben, ist, dass wir nicht mehr Zeit hier verbringen konnten. Eine Nacht ist einfach zu wenig. Aber durch die abgelegende Lage ist es leider eher unwahrscheinlich, dass wir dazu noch einmal die Moeglichkeit haben.

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