Sommerferien – die Zweite

Nach einem netten Abend und einer einigermassen ausreichend langen Nacht kamen wir dann am 23. 7. frueh um 6 Uhr in Izumiotsu an. Da wir keinerlei Grund hatten, gegen 8 Uhr schon in Nara anzukommen und Autobahnmautgebuehren in Japan schon laecherlich hoch sind, beschlossen wir, die kostenlose Landstrasse zu nehmen. Allerdings war mir nicht klar, dass die oft parallel verlaufenden Strassen teilweise wirklich die gleichen Einfahrten und/oder Bruecken benutzen und sich dann teilen, so dass wir die ganze Zeit hindurch ziemlich damit kaempften, die Einfahrt zu der Strasse zu finden, die wir nehmen wollten. Desweiteren ist die Ausschilderung der Strassen in Kansai eine Katastrophe. Ohne Japanischlesekenntnisse oder zumindest ein gutes Strassennavigationssystem ist der gemeine autofahrende Auslaender in Kansai ziemlich aufgeschmissen.

Mit mehreren Stops an Toiletten und Getraenkeautomaten kamen wir dann gluecklich und sicher in Nara an und fuhren zu unserer Herberge. Nara Stadt bietet einen Teil sehr preiswerte Herbergen, die teilweise sogar vom Ausland her buchbar sind. Wir gaben dem Takama Guesthouse einen Versuch und wurden nicht enttaeuscht. Nettes familiaeres Haeuschen in guter Lage mit einem wirklich netten jungen Herbergsleiter. Das Haeuschen hat leider keinen Autoparkplatz, aber der Besitzer arrangierte fuer uns, dass wir das Auto fuer die Nacht bei seinen Nachbarn vors Haus stellen durften. Und von dort ging es dann ans Erkunden der Stadt.

Ich muss zugeben, dass ich persoenlich Nara um Welten schoener und angenehmer empfinde als das weit besser bekannte Kyoto . Ich habe selten eine Stadt gesehen, die so unangenehm auf Touristen zugeschnitten  ist wie Kyoto. Und selbst an Tagen mit schlechtem Wetter wird man von Touristen nahezu totgetreten.

Nara dagegen hat nur einen Bruchteil von den Touristen, die nach Kyoto reisen, so dass selbst in den Sommerferien noch Platz zum Atmen war. Und es gibt auch so gewaltig viel, was man in Nara selber und in der Umgebung anschauen kann. Das und auch die Tatsache, dass unsere ATS mit ihre Stufe im November nach Kyoto faehrt, war das ausschlaggebende Argument gegen Kyoto und fuer Nara.

Eine Freundin von mir arbeitet auch in Nara, und da sie zufaellig an dem Tag Zeit hatte, verabredeten wir uns auch mit ihr. Sie zeigte uns ihre Uni und deren Kantine, in der wir gleich auch die lecker aussehenden Speisen ausprobierten. Und dann ging es zum Narapark.

Dieser Park ist dafuer beruehmt, dass dort zig hunderte Sikahirsche leben, die so hoeflich sein sollen, dass sie sich verbeugen, wenn sie um die SHIKA-SEMBEI (die Hirschkekse) betteln. Allerdings konnte ich dem nicht wirklich zustimmen: Beim letzten Besuch mit Austauschkind Nr.2 kam eines der Tiere und stiess meine damals 20-monatige Tochter einfach um. Und das ohne jegliche Provokation oder aehnliches von unserer Seite her. Gluecklicherweise gibt es im Oktober eine Zeremonie, wo allen Hirschen die Hoerner abgeschnitten werden, so dass Toechterle das Ganze ohne groessere Verletzungen ueberlebt hatte und mit dem Schrecken davon kam.

Ich war gespannt, wie meine jetzt 6-jaehrige Tochter auf die Tiere reagieren wuerde. Da beide Kinder um Kekse bettelten, kaufte ich ihnen welche. Allerdings stellte sich das als richtig grosser Fehler heraus. Die diesmal noch behoernten Hirsche gingen auf meine Kinder los, und selbst wir Erwachsene hatten Muehe, die Tiere von uns weg zu halten. Ein besonders freches Maennchen konnte ich nur noch an den Hoernern greifen und regelrecht von mir wegschieben, weil es mich wirklich angriff und mir selber angst und bange wurde. Ich frage mich, wo die Tiere „hoeflich und lieb“ sein sollen. Ganz ehrlich, ich wuerde jedem davon abraten, Hirschkekse zu kaufen. Und ich wuerde langsam mal auf eine Editierung von anscheinend saemtlichen Reisefuehrer plaedieren, die anscheinend alle voneinander abgeschrieben haben…

Wir hatten ein bisschen Pech mit der Wahl des Tages, aber  es ging nicht anders. Am Montag sind selbst in Nara fast alle Museen zu. Gluecklicherweise konnten wir trotzdem noch einige nette Fotos von dem wieder aufgebauten Burgteil und dem Suzakutor  und einigen anderen Sehenswuerdigkeiten machen. Und vielleicht waeren die Kinder auch noch nicht sooo von laengeren Besuchen im Museum begeistert gewesen. Viel interessanter schien fuer sie das geraspelte Eis mit Sirup zu sein, und fuer Toechterle war das schon ein wichtiger Grund, sich das Kanji dafuer zu merken.

So ging ein schoener Tag viel zu schnell vorbei, und auch unserem ATSle schien es gefallen zu haben, wenn man nach den 27.000 Fotos gehen soll, die sie gemacht hatte.

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2 Kommentare zu “Sommerferien – die Zweite

  1. Das Kekserlebnis hatten wir in Nara auch. Also nicht wir persönlich, weil unser Füttertrieb unterentwickelt ist. Aber eine Mitreisende hat sich von den Warnungen des Guides nicht abschrecken lassen. was soll ich schreiben? Schlussendlich schmiss sie die Packung mit den Keksen in hohem Bogen und voller Panik von sich und weit weg. Zumindest wir sind zu tollen Fotos gekommen 😆

  2. Naja, mit Kleinkindern ist das was anderes. Und wenn die ersten Enkelkinder da sind, werdet ihr wohl wieder das Vergnuegen haben. Also geniesst die fuetterungsfreie Zeit bitte! *haha*

    Das Gaestehaus hatte einen Teil Reisebuecher ueber Japan liegen, und erstaunlicherweise priesen alle das tolle Fuetterungserlebnis und die lieben, hoeflichen Hirsche an. Ich glaube, die Teile sollten dringendst mal ueberarbeitet werden.

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