Sturmfreie Bude

Ende Februar hatten Goettergatte und ich unser 10-jaehriges, und wir hatten lange mal geplant, mal nett zusammen essen zu gehen und es zu zweit zu feiern. Aber ohne Grosseltern in der Naehe ist das in Japan alles nicht soo leicht, wie man gerne mal moechte. Unser Kindergarten setzte nun genau einen der Events eines Jahres auf den Montag: Uebernachten der grossen Kinder im Kindergarten. Toechterle hatte das ja letztes Jahr schon mit grossem Erfolg gemacht, und selbst das Jahr davor auf ihren Wunsch hin bei ihrer geliebten Grosstante alleine uebernachtet. Aber Soehnle ist so eine Sache, ohne Mama schlaeft er so gut wie nie, und selbst Papa akzeptiert er nur selten als Ersatz. Er durfte auch mal eine Nacht bei seiner geliebten J. Oneechan schlafen, aber selbst da buexte er aus und kam wieder zurueck. Daher hatten Goettergatte und ich doch unsere Bedenken und bereiteten uns seelisch (und koerperlich => Kein Alkohol) darauf vor, ihn dann abzuholen.

Sonntag abend hatte ich leider weniger an Vorbereitungen geschafft, als ich erhofft hatte, so dass ich mir fuer 5.30 Uhr den Wecker stellte, um die ruhigen Stunden vor dem Aufwachen der Kinder dafuer zu benutzen. Aber meine stillen Gebete in Bezug aufs Spaetaufwachen der Kinder wurden nicht erhoert: Kurz nach 6 Uhr kam Toechterle ins Wohnzimmer, und keine Viertelstunde spaeter kam Soehnle hinterher. Und meine Stressfaehigkeit wurde auf ihre Grenzen ausgetestet, als noch muede Kinder versorgt werden wollten und ich gleichzeitig auch die seitenlange Wunschliste der mitzubringenden Dinge abarbeiten musste.

Goettergatte hatte seinen Schlaftag, und nachdem er gegen 16.30 Uhr endlich wieder fit war, ging es langsam an die entgueltige Entscheidung, was wir machen koennten. Er hatte ein Hawaiisches Restaurant gefunden, und auch ich fand die Idee interessant, mal was voellig anderes zu essen. Dort angekommen mussten wir feststellen, dass seine Recherce leider etwas in die Hose gegangen war, weil es sich bei dem „Restaurant“ um ein Love Hotel handelte, das als einen Teil des Essens dort hawaiische Drinks und Snacks anbot. Nur das keine Missverstaendnisse auftreten, ein Love Hotel ist kein Puff oder aehnliches, sondern ein Stundenhotel fuer die Zeiten, wenn man dem superengen Zusammenleben mit Eltern oder Kindern mal entgegehen will oder einfach so mal Lust auf eine andere Umgebung als das eigene Schlafzimmer hat. Viele Love Hotels bieten naemlich Zimmer zu den unterschiedlichsten Themen an, und eines der Themen von dem von GG angepeilten schien anscheinend Hawaii zu sein.

Goettergatte war genau so ueberrascht wie ich, aber da wir schon lange mal richtig nett essen gehen geplant hatten, entschlossen wir uns, doch einmal dem Restaurant in der Naehe davon einen Versuch zu geben. Es stellte sich als ein Yakiniku (jp. Barbecue) Restaurant heraus, dass neben vorzueglichem Fleisch auch richtig leckere Vor- und Nachspeisen anbot. Und da wir relativ frueh an einem Werktag dort waren, hatten wir das gesamte Restaurant auch fuer den groessten Teil der Zeit nur fuer uns alleine. Eine richtig tolle Atmosphaere!

Nach dem Durchgehen von mehreren alternativen Plaenen entschlossen wir uns doch, zusammen zu Karaoke zu gehen. GG ist in Bezug aufs Singen ungefaehr so gut wie ich beim Malen, so dass er i.d.R. eher kein grosser Karaokegaenger ist, auch wenn er mit Kollegen doch schon mal gerne wegen der Atmosphaere hingeht. Aber dafuer, dass er keinen Spass am Selbersingen hat, wurden es immer mehr Lieder, die er aussuchte. Und eher wir uns versahen, waren 3 nette Stunden rum, wo wir viel rumgealbert und Spass hatten. Und … kein Anruf vom Kindergarten!

Wir trauten trotzdem dem ganzen Frieden nicht und fuhren einen laengeren Weg am Kindergarten lang, aber dort war alles schon dunkel. Das kann doch gar nicht sein, oder?  Dann gingen wir selber schlafen, ein komisches Gefuehl, nicht wenigsten einen der Beiden bei sich zu haben. Aber trotzdem konnten wir nicht ganz glauben, dass wir nicht doch noch aus dem Bett geklingelt werden.

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Ein Kommentar zu “Sturmfreie Bude

  1. Das ist manchmal so, wenn man nach langer Zeit sein erwaxchsenes, vernünftiges, aufopferungsvolles leben routiniert durchgezogen hat, ewig mit minimal schlaf ausgekommen ist und dann zum ersten Mal allein in der Wohnung hockt, dann weiss man oft nicht, wie man reagieren soll. Ist mir auch mal passiert. Kleiner Tip: Mal das Bücherregal ansteuern 🙂

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