Ein regnerischer Sonnabend

Am Sonnabend zeigte die Regenzeit mal wieder, warum sie so heisst. Gut, dass J. an dem Tag weder zur Schule noch zum Klub musste, weil sie den Tag definitiv nicht ohne einmal durchgeweicht werden ueberlebt haette. Wir hatten eine Info im Kasten, dass bis zum 30.6. eine Wohnung vorgestellt werden wuerde, und Goettergatte und ich ueberlegten, ob wir nicht mal hingehen und sie uns ansehen sollten. Wenn wir eine Wohnung oder ein Haus kaufen wollen, dann heisst das 35 Jahre abzahlen in Japan. Sprich wenn man wie Maennle 30 wird, dann ist die letzte Rate doch voraussichtlich mit 65 faellig.

So wie es immer ist, wird der Besuch natuerlich immer wieder nach hinten verschoben, und der Sonnabend war der letzte Tag, wo es gehen wuerde. Ich fragte also J., ob sie nicht eventuell Lust haette, mal mitzukommen und zu sehen, wie so etwas ablaeuft. Einfach, um mal neue, nicht ganz alltaegliche Erfahrungen zu sammeln. Sie war begeistert, und so fuhren wir los.

Das Wetter spielte voellig verrueckt, und es war ein konstanter Wechsel zwischen wolkig und Regen Marke „Ich kippe mir 20 l Wassereimer ueber den Kopf“. Nach dem laenger andauernden Beratungsgespraech war es mittlerweile Mittag, so das wird Essen fuhren. Das Wetter hielt, auch wenn es nicht wirklich schoen war. Dann fragte mich J., ob wir nicht kurz zu Softbank ranfahren koennten, weil ihr Telefon nicht mehr funktioniere. Klar, kein Problem, und als wir 5 min spaeter aus dem Laden traten, hatten sich alle Schleusen des Himmels geoeffnet. Schlimmer kann es bei Noah auch nicht gewesen sein, und mit der dazugehoerigen Flut hatten viele Gegenden in Kyuushuu zu kaempfen, die teilweise sogar das Wochenende in Evakuierungszentren verbringen mussten.

Fuer den gleichen Tag war ich auch zu einer Kimonoausstellung in der Nachbarstadt eingeladen gewesen. Meine Kimonolehrerin hatte mir davon abgeraten, weil „wir uns dann in zu viele Kimonos vergucken und mehr kaufen wuerden, als unserem Geldbeutel eigentlich guttun wuerde.“ Nur bis jetzt hatten Kimonos auf solchen Ausstellungen Preise, die ab 300.000 Yen aufwaerts gehen. Das ist ein besseres Monatsgehalt eines Angestellten ausserhalb der extrem grossen Ballungszentren, und somit keine Summe, die man einfach mal sooo aus der Portokasse zahlt. Und bei solchen Preisen vergeht jede (wenn auch eher unwahrscheinliche) Liebe auf den ersten Blick.

Mit J. angekommen schauten wir uns erst einmal die Zubehoerteile fuer Kimonos an. Da der Laden den Kimono nach den Vorschriften einer anderen Schule als unserer anzieht und lehrt, unterschieden sich auch ein nicht unbetraechtlicher Teil der Zubehoerteile. J. wirkte sehr stark daran interessiert und fragte auch einen Teil zur Verwendung. Dann ging es zu den ausgestellten Kimonos, aber eine Angestellte fing uns mehr oder weniger ab und fuehrte uns zu einer Ausstellung von hochwertigem Schmuck mit Edelsteinen. Klitzernde Steine fand ich ja als Kind schon faszinierend, und meine Oma musste immer ziemlich lange warten, bis wir oder zumindest ich durch den Raum mit den Steinen im Museum durchwar. Der Verkaeufer fand anscheinend Gefallen an einer gewissen auslaendischen Oberschuelerin, so dass er eine ziemlich teuer aussehende Kette mit wahrscheinlich Rubinen hervorholte und ihr anbot, dass sie sich diese einmal um den Hals legen und ein Foto machen koennte. So als Erinnerung an diesen Tag. Dazu durfte sich J. noch einen Ring mit aussuchen, der auch um die 175.000 Yen gekostet haette. Nach den Fotos ueberredete er mich auch, das Gleiche zu machen. Und so posierten (Gast-)Mama und -Tochter fuer ein Erinnerungsfoto.

Ich wurde auch gefragt, ob nicht mal Lust haette, einen Kimono anzuziehen. Aber ich hatte es oft genug gemacht, so dass ich dankend ablehnte. Fuer J. war es jedoch das erste Mal, und sie war sichtlich beeindruckt, mit welchen Mittelchen und Tricks man einen noch halbfertigen Kimono anziehen kann, damit der Kunde einen besseren Eindruck davon bekommt, wie ihm es steht. Ich muss sagen, dass ich persoenlich die Farbe des Kimonos nicht umwerfend fand und den Kimono als solches sofort abgelehnt haette. Aber mit dem richtigen Guertel, Einlegekragen und farbigen Guertelschnueren und – tuechern machte er doch einen ganz anderen Eindruck.

Danach schauten wir uns noch verschiedene Guertel an und bewunderten sie. Und den Guertel, den ich persoenlich (und ich meine auch J.) am interessantesten fand, war einer aus Leder. Nicht, dass jetzt das Muster so meine Vorliebe gewesen waere, aber das Gefuehl und die Vorstellung, wie er sich beim Binden verhalten wuerde, faszinierten mich schon gewaltig.

Die Zeit verging so schnell, dass wir uns dann doch ziemlich beeilen mussten, um rechtzeitig die Kinder abzuholen. Um den Stau auf der Hauptstrasse zu entgehen, entschied ich mich, eine Nebenstrasse langzufahren, die an einem grossen Shopping Center vorbeigeht. Und da fiel J. ein grosser Denkfehler von ihr ein. Sie dachte, dass sie sich am naechsten Tag am gleichnamigen, wenn auch viel kleineren Shopping Center in der Naehe unserer Wohnung treffen sollte. Das es noch ein groesseres mit dem gleichen Namen gab, hatte sie voellig vergessen, auch wenn ich es ihr mal gezeigt hatte.  Und als J. etwas von „Kino in der Naehe“ erwaehnte, war mir 100%ig klar, dass welches von beiden Freundinnen meinten. Das haette ja wieder ins Auge gehen koennen, und das, obwohl sie sich soooo lange darauf gefreut hatte.

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