Ideale Schulen fuer ATS in Japan

In Japan gibt es einen Index namens (GAKURYOKU)HENSACHI (学力)偏差値, der die Schwierigkeit der Aufnahmepruefung und das Niveau der Schule mit einen numerischen Wert auszudruecken versucht. Mal davon abgesehen, ob so eine strikte Bewertung/Rankzuordnung oder wahlweise Abstempelung von Schulen gut oder schlecht ist, so habe ich persoenlich etwas Probleme, mit einer einzigen Zahl bewerten zu wollen, ob eine Schule nun was taugt oder nicht. Selbst in nicht so guten Schulen gibt es ehrgeizige Leute, die weitergehende Ausbildungen anstreben. Und unter Leuten, die „nur“ mal Arbeit nach dem Abi anstreben, kann es schnell passieren, dass sie bei weitem die interessanteren Leute sind als die geistigen Ueberflieger auf den japanischen Kaderschmieden, die seit fruehester Kindheit auf Eliteuni und dann Elitejob geeicht wurden.

Durch meine empirischen Erkenntnisse in den letzten 10 Jahren in Japan, muss ich allerdings doch zugeben, dass sehr wohl eine direkte Beziehung zwischen HENSACHI und Beschaeftigkeitsgrad der Schueler besteht. 50 gilt als Durchschnittswert, fuer Japaner als „gut“ geltende Schulen haben einen HENSACHI im 60er Bereich. Und die Spitzenoberschulen mit einem Grossteil Anwaerter auf 8 Eliteunis in Japan, insbesondere der Tokyo-Universitaet, liegen im 70er Bereich. Die Spitze fuehrt die 開成高校  KAISEI  Jungenoberschule in Tokyo mit 77-78, je nach Quelle.

Der Regen am Sonnabend fuehrte dazu, dass ich wieder mal mit Gastkind Nr. 0 skypte, und J. eine Chance bekam, sich mit ihr auszutauschen. Und erstaunlicherweise klangen J.s Probleme mit oder Kritik ueber die Schule wie direkte Kopien von der von A. Ueber das gleiche Thema habe ich mit einem Freund von mir gesprochen, der gerade auf eine 58er-Schule geht, und die gleichen Beschwerden gehoert. Und als er von dem HENSACHI von L.s Schule hoerte, der nur knapp ueber 40 liegt, sagte er nur: „40?! Was fuer ein Traum fuer ATS!“

Im ersten Augenblick war ich darueber ueberrascht, aber darueber nachgedacht, hat er es klar auf den Punkt gebracht. Der Unterricht mag fuer Japaner noch so gut sein, fuer ATS bringt er absolut nichts. Im Gegenteil, je hoeher das Niveau, um so schneller wird im Stoff vorangeschritten, so dass ATS noch weniger Moeglichkeiten haben, irgendwie mitzumachen. Ein Teufelskreislauf, wie er leibt und lebt!!

Weiterhin muessen japanische Schueler selber viel fuer die Schule an Hausaufgaben, Vor- und Nachbereitungen machen, so dass ATS, die nur einigermassen versuchen, mitzukommen, noch weniger Zeit zum aktiven Japanischlernen haben. Sicher haben auch Schueler an guten Oberschulen mal einen Tag frei, oder sie koennen auch Klubangebote nutzen, aber an Schultagen ist so gut wie nie daran zu denken, dass man mal was anderes macht. Und viel an Wochenenden zu unternehmen wuerde letzten Endes Zurueckfallen im Stoff und grosse Probleme in der Schule bedeuten. Kurz und gut, Schueler der Schule haben so gut wie keine Zeit fuer einen ATS, selbst wenn sie Zeit mit ihr oder ihm verbringen wollten.

Ich musste an L.s Kommentar denken, wie gut sie im SHAKAI (Gesellschaftskunde)-Unterricht mitgekommen war, als sie mal riskiert hatte, eine Stunde dort mitzumachen, anstelle zu ihrem Englischschreibunterricht zu gehen. Und ihr Japanisch war alles andere als gut. Das japanische Niveau vieler Schueler lag oder wahrscheinlich auch jetzt noch liegt weit niedriger als das von J.s Schule, und so mit sind Lehrer gezwungen, in einfacherem Japanisch zu sprechen und Sachen verstaendlicher zu erklaeren, als sie das an „guten Schulen in Japan“ machen muessen. Und das ist natuerlich auch fuer ATS sehr vorteilhaft.

Ausgeloest durch diese Gespraeche und den Beitrag einer Teilnehmerin in einem Austauschschuelerforum habe ich mir mal angeschaut, auf welche Schule hier in der Stadt ich J. haette schicken koennen, wenn ich so eine IDEALE 40er Schule frei haette waehlen koennen. Und zu meiner grossen Ueberraschung musste ich feststellen, dass hier selbst die Technische Oberschule, auf deren Oitaer Aequivalent die Thailaenderin ging und mit der sie gluecklich war, noch weit ueber dem Durchschnitt von 50 liegt. Ich haette sie also entweder auf eine von 4  vom Stadtmittelpunkt  weit entfernte Schulen (so wie eben L.s Schule es war) oder auf einige Privatschulen schicken koennen, die wirklich jeden nehmen muessen, um zu ueberleben und die auch nicht immer wirklich toll liegen. 40er „normale“ Schulen gibt es hier hier sonst nur „auf dem platten Lande“.

Interessiert hatte ich mal andere Praefekturen angeschaut, und es sieht da im Grossen und Ganzen nicht anders aus. 40er Schulen, die keine Ansammlung von Problemkindern wie Schulschwaenzern oder anderem sind, findet man so gut wie nur INAKA, sprich ausserhalb der grossen Ballungszentren. Platziert wird aber hauptsaechlich in Ballungsgebieten, und da nimmt man dann meistens auch „das Beste, was man Gaesten so bieten kann.“

Wenn sich ATS wie die oben erwaehnte Bewerberin wirklich eine Platzierung in Tokyo wuenschen, dann haben sie eine ueberdurchschnittliche Chance, auf Schulen zu kommen, wo die Schueler kaum extra Zeit fuer ATS haben. Auch wenn der Wunsch nachvollziehbar ist und sicherlich in vielen Laendern auch berechtigt sein mag, so sollte man bei Japan wirklich auf eine J.W.D.-Platzierung mit dazugehoeriger J.W.D.-Schule hoffen und eine solche Platzierung nicht als Strafe, sondern einen Fuenfer im Lotto betrachten.

 

 

Advertisements

2 Kommentare zu “Ideale Schulen fuer ATS in Japan

  1. INAKA ist doch gar nicht so schlimm. Ich habe durch die gemeinsame Fahrradfahrt zur Schule direkt neue Leute kennen gelernt und ein super Sportprogramm war es auch 🙂

  2. Schatzel, mir brauchst du das nicht zu sagen. Das waere eher etwas fuer Japaner. Ich haette J. auch lieber auf die Schule in Ozu geschickt, oder wahlweise auch an die eine Privatschule 3 km von hier, auch wenn auch sie im 50er Bereich ist. Aber Ozu fuehlte sich „nicht wuerdig/gut genug fuer einen ATS“, und die Privatschule hat keinen Internationalen Kurs mehr und sieht keinen Sinn mehr in einer Aufnahme.

    Naja, aber sagen wir so, man muss auch die Vorteile sehen, bei der in Ozu haette sie 13 km zur Schule gehabt und haette Bus oder Zug fahren muessen. (Oder eine Stunde mit dem Rad!) Und bei der jetzigen hat sie nur 6 km, eine Strecke, die man gut schaffen kann. Und da sie Sport machen will, haette das durchaus auch bedeuten koennen, dass sie an beiden Schulen auch taeglich bis 21 oder 22 Uhr Training gehabt haette. Die Tochter einer Bekannten, die auf die Schule ging, ist deshalb jeden Tag Rad gefahren, weil sie nach dem Ende des Trainings wohl keinen Zug mehr hatte, mit dem sie nach Hause haette fahren koennen. Und die Privatschule ist im Sportbereich stark und hat sogar einen Sportkurs. An der jetzigen „guten Schule“ enden die Sporttrainings gegen 19 Uhr, und alle haben bis 19.30 Uhr das Schulgelaende zu verlassen.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s