Familienbesuch

Eigentlich ist es ja auch in Japan so, dass man erst Familienbesuche macht und dann ueber die Eignung entscheidet. Aber durch die oft grosse Entfernung zum Buero der Organisation und/oder Wohnort der Betreuer, scheint es hier durchaus oefters mal zu passieren, dass man dies mit dem Pflichtschulbesuch zusammen verbindet.

Schule und Schueler standen fest, die Verantwortlichen an der Schule hatten sich ueber einen Besuchstermin geeinigt, also kam die Anfrage, ob Frau N. von WYS nicht am 18.1. zum Familienbesuch kommen koenne. Es war genau ein freier Tag meines Mannes, warum also nicht. Frau N. kam gegen 17 Uhr auf dem Flughafen an und hatte sie fuer 18-18.30 Uhr zum Besuch angekuendigt.

Da dass jetzt genau unsere Abendessenzeit ist und wir eher damit rechneten, dass sie eher keine Zeit hatte, davor zu essen, deckten wir zu ihrer grossen Ueberraschung den Tisch fuer 5 ein. Ich fand es sehr erfrischend, dass sie sich zwar mit „SUMIMASEN“ bedankte, aber diese manchmal auch sehr nervigen, sehr oft nicht einmal ernstgemeinten „Das muss doch … .“, „Das brauchen Sie doch nicht zu machen.“ wegliess.

Die Kinder waren aus irgendeinem Grund voellig angetan von Frau N., und Soehnle, der sonst immer erst ein wenig die Situation begutachtet, bevor er sich ins Getuemmel stuerzt, setzte sich sofort und wie selbstverstaendlich auf ihren Schoss und redete auf sie ein. (O_O) Und auch die Grosse musste ihr alles Moegliche erzaehlen und zeigen und konnte gar nicht genug bekommen.

Wir sprachen erst auch ueber die Schule von L., Gastkind Nr. 2, wo WYS ja 2010 fuer ein halbes Jahr eine Deutsche platziert hatte. Ich hatte zwar Frau N. schon so einiges mal erzaehlt, aber als sie jetzt ein besseres Bild davon bekam, war auch sie sichtlich schockiert und ueberrascht. Sowohl von der Problemlehrerin als auch von der Haltung von AYUSA.

Als sie soweit satt war, kam sie zum Geschaeftlichen, sprich den Pflichten und Regeln. Die Aufnahmebedingungen im Allgemeinen unterscheiden sich ja nicht sehr, aber es gibt doch kleine, aber feine Unterschiede zwischen den einzelnen japanischen Orgs. Eine ist zum Beispiel, dass WYS als einzige mir bekannte Organisation ein „Reiseverbot“ in ihren Regeln aufgefuehrt hat. Da ich mir durchaus vorstellen kann, dass J. doch mal von Freunden von mir eingeladen wird oder mal Ausfluege ohne uns machen will, wollte ich schon gerne wissen, ob das denn auch verboten sei. Es zeigte sich jedoch, dass das Verbot weniger streng als gedacht/befuerchtet ist und dass es sich auf Uebernachtungen in Hotels ohne erwachsene Aufsichtsperson bezieht, was ich voellig nachvollziehen und verstehen kann. (Wenn ich daran denke, dass AYUSA selbst minderjaehrige ATS ohne Aufsicht in ein Hotel gesteckt hat… *vor Grauen schuettel*) Und es gibt der GF auch die Moeglichkeit, ueber eine Reise oder Einspruch dagegen aktiv zu entscheiden, da Reisen kein allgemeines Recht von ATS, sondern eine einmalige Ausnahmeregelung darstellt.

Desweiteren erzaehlte ich ihr von dem katastrophalen HOMESTAY von vor knapp 3 Jahren, als Gastkind Nr.4 Klub, Telefon und Computer als ihre natuerlichen Rechte auffasste und jegliche Verletzung und/oder Limitierung  davon sofort als illegale Beschneidung davon auffasste und YFU Japan sogar dahinter stand und als „normal“ betrachtete. Auch diesbezueglich sind die Regeln von WYS so, dass sie den Familienaufenthalt neben der Schule natuerlich als Hauptbestandteil ansehen. Und nur wenn sich damit eine Klubteilnahme, ein Telefonbesitz und/oder die Benutzung selbst des EIGENEN Computers verbinden laesst,  dann wird diesen 3 Dingen auch zugestimmt. Fuer ATS mag das nervig sein und ihnen zu streng vorkommen, aber wenn das hilft, solche verletztenden und lange schmerzenden Erlebnisse vorzubeugen, dann finde ich, dass es so richtig ist und nicht anders geht.

Es ging langsam auf 9 Uhr zu, und da fuer den Folgetag 9 Uhr morgens ein Schulbesuch angesetzt war, riss sie sich doch los und machte sich auf den Weg ins Hotel. Bei der Verabschiedung sagte sie, dass sie die Zeit mit uns echt genossen hatte und gerne wieder einmal vorbeikommen … Da brach sie mitten im Satz ab, weil sie bemerkte, dass es eigentlich Quatsch war, so einen Wunsch zu aeussern. Wir erwarten ein Gastkind fuer 10 Monate von ihrer Organisation, und natuerlich muss sie in dem Jahr auf alle Faelle wieder vorbeikommen. Aber ich verstand schon, was sie meinte, und sagte ihr, dass sie auch gerne ohne Gastkind das machen koenne, wenn es sie wieder hier in die Gegend verschlaegt.

Uebrigens gibt es neben der Tatsache, dass WYS noch viel serioeser als AYUSA ist/wirkt, noch einen grossen Unterschied. Ich hatte nur ungern daran gedacht, wie es sein wird, wenn man wieder aus ca. 1200 km  Entfernung (Tokyo) zentral betreut wird und dass ja wieder bei akuten Sachen nicht wirklich schnell gehandelt werden kann. Aber im Gegensatz zu AYUSA hat WYS auch freiwillige Mitarbeiter vor Ort, die bei kleineren bis mittleren Sachen als Ansprechpartner zur Verfuegung stehen. Allerdings erfolgen wichtige Entscheidungen vom Buero aus, und sollte der am naechsten wohnende Mitarbeiter nicht mehr weiterwissen, so wird die Konfliktschlichtung von Vollzeitmitarbeitern aus dem Buero gemacht. Das System von WYS aehnelt also mehr dem Betreuungssystem von YFU Deutschland als denn dem von AFS Japan oder dem in den USA ueblichen System, wo Betreuer ja relativ autonom sind.

 

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