Neujahr

Das Wetter zeigte mal wieder, wie richtig schoen kalt es auch hier im sogenannten warmen Sueden werden kann. Draussen sieht man seinen eigenen Atem, frueh im Wohnzimmer liegen die Temperaturen im einstelligen Bereich. Aber das muss einen ja nicht davon abhalten, doch etwas Neujahresmaessiges zu tun.

Wir waren uns lange nicht klar, ob wir nicht auf HATSUMOUDE, den traditionellen Schreinbesuch zu Neujahr verzichten sollten. Aber GG meinte doch, dass wir mal die Gelegenheit zu einem kleinen Winterspaziergang benutzen sollten. Und auch wenn ich die einmalige Chance einer kinderfreien Wohnung zum Saubermachen und Aufraeumen benutzen wollte, so wurde ich im letzten Augenblick doch noch ueberredet mitzugehen. Die Strasse vor dem Schrein, einem relativ bekannten und beliebten fuer 7-5-3 (Fest fuer 7, 5 und 3-jaehrige Kinder) oder Hatsumoude, war ein einziger Dauerstau dank der vielen Besucher. So das japanische Gegenstueck zur Kirche am 24.12. in Deutschland. Es gab eine riesige Schlange, in der die Besucher geduldig in der Kaelte darauf warteten, dem Schreingott ihre Neujahrsgruesse auszurichten und um ein gutes neues Jahr zu bitten. Selbst GG verging da jegliches Gefuehl fuer Religion, so dass er gerne darauf verzichtete und nur neue Amulette und Prophezeiungen fuers neue Jahr kaufte.

Wenn man schon am Schrein ist, dann muss man doch auch gleich mal zur grossen Freude der Kinder bei WAGASHIYA-SAN (jp. Suessigkeitenladen) vorbei, wo die Kinder fuer jeden einen DAIFUKU (mit verschiedenen Sachen gefuellten Reiskuechlein) kauften. Da die OSECHI-RYOURI zum grossen Teil schon aufgegessen war, optierten wie auf O-NABE, eine Art warmer Eintopf oder Fondue, das auf dem Tisch zubereitet wird und an so kalten Tagen genau das Richtige ist.

Fuer den 2. und 3. Januar hatte sich GG ueberlegt, die Kinder zu einer GOKAIJAA-Show und einer Ausstellung von TOMICA-Autos (so ne Art Matchbox-autos-Hersteller) mitzunehmen. Im Shopping Center der Show angekommen stellte er fest, dass er sich im Datum geirrt hatte und die Show erst am Folgetag sein sollte. Also mussten kurzfristig die Plaene umgeworfen werden und wir gingen nur einkaufen, wo fuer die Kinder FUKUBUKURO (Glueckstueten) mit Schlafanzuegen ihrer Lieblingshelden abfielen (o.k., wir wollten so wieso neue Schlafanzuege kaufen) und Toechterle sich auch noch eine neue Winterjacke und Schuhe aussuchen konnte (die sie auch brauchte, aber ueber die sie sich wie ueber ein Weihnachtsgeschenk tierischst freute). Und nach dem Mittagessen ging es dann zu der fuer den naechsten Tag geplanten TOMICA-Ausstellung. Ich ging nur mal schnell mit Anne „Nase pudern“, wie das ein ehemaliger Kollege von mir ausdrueckte. Und wieder bei Maennle angekommen, meinte er bloss: „Schaue dich mal um!“ Und ich dachte bald, mich trifft der Schlag. Standen da doch gute Freunde aus Oita vor uns, an die ich am Tag zuvor noch eine Neujahrskarte mit der Bitte abgeschickt hatte, dass sie uns doch moeglichst bald mal ihr neues Familienmitglied vorstellen sollten. Und da waren sie. Toechterle und der fast zur gleichen Zeit geborene Sohn waren gleich Feuer und Flamme fuer einander und fassten sich an den Haenden und liefen freudestrahlend zusammen los. Und spaeter erzaehlte mir Toechterle auch, dass sie spaeter diesen Jungen heiraten wolle, sprich ihre Liebe aus dem Kindergarten wurde knallhart fallen gelassen. Wir Eltern mussten nur laecheln, falls sie in 15 Jahren wider Erwarten noch so denken sollte, und das Objekt ihrer Zuneigung auch, dann hat sie unseren Segen. Wir 8 verbrachten eine tolle Zeit auf der Ausstellung, und es war auch wieder mal schoen, ein so kleines Baby zu halten. Nach der Ausstellung ging es zum „Kaffeetrinken“ in ein Familienrestaurant, aber wie erwartet wurde das Ganze dann doch ein vorgezogenes Abendessen. Leider trennt eine kleinere Bergkette unsere beiden Wohnorte, und sobald hier im „warmen“ Kyuushuu Verdacht auf Unfallgefahr durch Eis und Schnee aufkommen sollte, werden hier Strassen gesperrt. Und die nach Hause gehoert gerne mal dazu, wie mein Mann am eigenen Leib bestaetigen kann. Also fuhren sie so schnell wie moeglich wieder nach Hause, bevor das Wasser auf der Strasse wieder eine Chance hat zu gefrieren. So war wieder ein schoener Tag zuende.

Die ganzen Aktionen waren aber auch so anstrengend, dass wir beide freiwillig auf einen ruhigen Tag zuhause optierten, und den 3. mit Spielen mit den Kindern und anderem verbrachten.

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