Volksfest im Knast

Seit 2 Jahren hat sich die Einstellung im oeffentlichen Vollzugssystem wegen des Regierungswechsels etwas geaendert, so dass man begonnen hat, von der ganzen Geheimniskraemerei etwas wegzugehen und Vollzugsanstalten etwas mehr fuer die Allgemeinheit zugaenglich zu machen. Im letzten Jahr gab es das erste Mal Familientage, wo Familienangehoerige exklusive Fuehrungen durch die Oertlichkeiten bekamen und mal Werkstaetten, Besuchsraeume und Dienstzimmer ihrer Maenner, Vaeter und Soehne sehen durften und Vortraege ueber Ablaeufe von Gefaengnisaufenthalten und Selbstorganisation der Anstalt hoeren konnten.

In diesem Jahr hatten sich die Vollzugsanstalt hier im Ort auch entschieden, den 12. und 13. November als einen Tag der offenen Tuer zu gestalten. Zwar gab es keine Fuehrungen, aber es gab Ausstellungen ueber das Gefaengniswesen, die einen guten Einblick gaben. Weiterhin ist es so, dass alle gesunden Insassen ohne Todesstrafe nicht einfach nur in ihren Zellen rumhocken, sondern arbeiten. Entweder in der Gefaengniskueche oder -waescherei etc. oder aber in den Gefaengnisfabriken und -manifakturen, wo sie dann fuer ein zugegeben geringes Entgelt arbeiten.  Das Gefaengnis hier in der Stadt stellt zum Beispiel die Uniformen fuer Kendo her, welche trotz der geringen Personalkosten immer noch komplett um die 300.000 Yen kosten wuerden. Am Wochenende hatten Besucher die Moeglichkeit, Schuhe, Moebel, Taschen und Schmuck etc. preiswert zu erstehen, welche alle von Insassen in Kyuushuuer Gefaengnissen hergestellt wurden. Die Besucher schlugen zu, und man sah so einige, die volle Taschen oder gar kleinere Moebel zum Auto schleppten. Fuer die hungrigen Maegen gab es diverse Essensstaende. Dazu hatten noch Gefaengnisangestellte und andere ein Programm zur Unterhaltung organisiert. Und e voila, damit waere die Formel fuer ein japanisches Volksfest komplett… .

Unser Pfarrer hatte von dem Tag der offenen Tuer gehoert, und vielseitig interessiert, wie er ist, war er sofort Feuer und Flamme. Und er lud alle Interessenten ein, so dass wir letzten Endes zu 8 waren, die sich dann in Richtung Knast begaben. Und der Besuch hatte allen sichtlich viel Spass gemacht und wird bestimmt nicht der letzte Besuch gewesen sein… .

Dramatisch war dann am Ende nur noch die Suche nach Froschkind Meira. Die Beamten des Gefaengnisses halfen richtig toll bei der Suche. Der hilfreichste Tipp kam dann vom Pfarrer selber, der sich wunderte, dass der Knast mit dem gleichen Frosch so gekonnt die Moebelausstellung dekoriert hatte. Und Soehnle sorgte noch fuer den Schocker am Sonntag, als er ploetzlich aus nicht ersichtlichem Grund, wo alle um ihn herum geduldig auf das Zeichen vom diensthabenden Beamten warteten, auf ein vorbeifahrendes Auto loslief. Gluecklicherweise nicht vor, sondern auf die Seite des Autos zu, so dass er anscheinend seinen Fehler bemerkte und umdrehte. *puh* Aber ein Riesenschock war es trotzdem fuer alle Beteiligten…

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3 Kommentare zu “Volksfest im Knast

  1. Hallo,

    ist dir zufällig bekannt (ich hoffe ich darf dich dutzen?)
    wann so ein nächster Tag der offenen Tür geplant ist?

    Freundliche Grüße
    Felix

  2. Der fuer Familienangehoerige ist in Kumamoto-shi am 23.11., aber ich habe keine Ahnung, wann das naechste Mal fuer alle geoeffnet sein wird. Ich nehme stark an, dass das im naechsten Herbst sein wird. Abhaengig von der Stadt, wo du bist, koennte so etwas durchaus noch dieses Jahr anliegen. Ich wuerde mal die Homepage des naechstgelegenen Gefaengnisses nachschlagen und/oder mal dort anrufen, wenn dich so etwas interessiert.

    Wo wohnst du denn?

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