Gottesdienst

Der lang befuerchtete Tag ist gekommen, wo ich den Gottesdienst organisieren durfte. Ich versuchte zwar, in den 2 Tagen zuvor noch etwas zu ueben, aber mit beiden Kindern zuhause, Besuch und Maennle nach der Nachtschicht war das ein Ding der Unmoeglichkeit. Ich beschloss also, am Sonntagmorgen noch mal ueber die Rede zu gehen und die schwierigsten Woerter zu ueben. Um 5.30 Uhr aufgestanden, Computer an, Kaffee gekocht und los ging’s. Soehnle tat mir natuerlich nicht den Gefallen, wenigstens am Sonntag mal bis kurz vor 8 Uhr zu schlafen, sondern stand natuerlich puenktlich 7.18 Uhr in der Tuer. Die Rede schnell ausgedruckt, alles eingepackt, und dann ging es mit dem Bus zur Kirche.

Unser Pfarrer, noch in legerem T-shirt und Jeans, schaute mich erstaunt an und fragte: „Nande kimashita ka.“ (Warum bist du gekommen?) Worauf ich noch erstaunter war und im ersten Augenblick mit „Ehm, ich halte heute meine Rede.“ antworten wollte, bis mir trotz meiner Nervositaet einfiel, dass ja „Nande“ auch „Nani+de“ heisst und womit bedeutet.

Eine letzte Absprache mit ihm und bitte um die Korrektur einer kleinen Sache, da er die Unterlagen dazu noch nicht ausgedruckt hatte. Seine Frau fragte mich noch, ob es denn unbedingt die von ihrem Mann vorgeschlagene langsame Version des 2. Psalms sein muesse oder ob die normale, etwas schnellere auch ginge. Gerne die schnellere, ueber das langsame Tempo der ersten Version war ich auch ueberrascht. Und zu meinem Erstaunen erfuhr ich auch, dass eine der Mitglieder 3 Jahre lang in Daenemark gelebt und dort als Japanischlehrer in der jetzt leider geschlossenen Schule fuer Auslandsjapanerkinder gearbeitet hatte. In der Kirche sei sie aber nur zwei oder drei Mal gewesen, und Daenisch sei leider zu schwer, um es zu lernen.

Dann kam die durch den Obonstau leicht verspaetete S., die heute durch den Gottesdienst fuehren sollte, und der Augenblick der Wahrheit rueckte immer naeher. Die Einfuehrung, der erste Psalm und „Higanbana“ SHIMAI (Schwester) solle doch bitte ihren Vortrag halten. Zu meinem grossen Erstauen war ich ploetzlich weniger aufgeregt als vorher. Und je weiter die Zeit voranschritt, um so ruhiger schien ich zu werden. Irgendwann hatte ich dann sogar soviel psychische Kraft uebrig, um von meinem Manuskript wegzugehen und wirklich zu zeigen, wo diverse Unterschiede in der Durchfuehrung eines daenischen Folkekirkegottesdienst und dem von dieser Kirche lagen. Viele von ihnen hatten noch nie ein Kanzel gesehen oder an dem formellen Abendmahl einer traditionellen lutherischen Kirche teilgenommen. Und so fanden sie die Erklaerungen ausgesprochen interessant.

Ehe ich es mich versehen hatte, war die Zeit um, und zum Erstaunen aller hatte ich nicht einmal ueberzogen, sondern war puenktlich fertig geworden. Ich dachte, meine Aufgabe sei erledigt, bis mich auf einmal S. und der Pfarrer um ein Gebet baten. Ein Gebet? Jetzt? Davon hoerte ich zum ersten Mal. Ich bin es wirklich nicht gewohnt, so frei zu beten, und dann auch noch vor versammelter Mannschaft ein Gebet auf Japanisch aus dem Stehgreif auszudenken. Irgendwie machte ich es doch, auch wenn ich mich jetzt kaum mehr wirklich erinnern kann, was ich eigentlich gesagt hatte. Nach dem Gottesdienst wurde ich von S. und dem Pfarrer gebeten, unbedingt am Ende eine gewisse Formulierung nicht zu vergessen. Ja, ist ja gut, aber dann sagt mir das bitte vorher, was ihr genau von mir erwartet. Auf alle Faelle entschlossen sich wohl beide, zukuenftig damit zu rechnen, dass Mitglieder, die aus anderen Kirchen kommen, nicht automatisch die Regeln kennen, und sie doch zukuenftig genauer ueber die notwenigen (wenn auch wenigen) Regeln in Kenntnis  zu setzen. Ja, man lernt nie aus… .

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2 Kommentare zu “Gottesdienst

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