Schneeballverkaufen

Der Kindergarten hatte 4 Tage Obonferien angekuendigt, die Sonne machte das auch, so dass die tropischen Temperaturen 34 Grad 60-70% Luftfeuchtigkeit auf noch unertraegliche 32 Grad mit Dauerregen Marke Ich-schuette-mir-20l-Wassereimer-ueber-den-Kopf wechselten. Also ein Wetter, bei dem man noch weniger die sichere Wohnung verlassen moechte.

Fuer den Freitag hatte sich die Mutter einer Freundin, die ich sehr mag, angemeldet. Allerdings war ich ueber den Grund weniger begeistert, weil sie mir unbedingt einmal A.M.W.A.Y vorstellen wollte. Fuer Leute, die es nicht kennen, dass ist eine amerikanische Firma, die nur ueber Mundpropaganda ihre Kosmetikartikel und anderes loswerden will, auch wenn man gegen 30-40% Aufschlag mittlerweile die Produkte auch uebers Internet kaufen darf kann. Fuer die Mundpropagandaleute gibt es je nach Umsatz niedrigere oder hoehere Prozentsaetze auf den Umsatz, die dann als Belohnung Gehalt an die Mitarbeiter zurueckgehen. Da die geworbenen Mitglieder ja unabhaengig von einem bestellen, wird so geworben, haette man staendiges Einkommen, ohne im Geringsten den Finger ruehren zu muessen. Die Mutter meiner Freundin und deren Begleiterin zeigten mir eine tolle Broschuere, wo irgendwelche Leute es geschafft haetten, z.B. die Haelfte des Jahres irgendwo in Deutschland auf einem Gestuet zu verbringen, weil sie sich ja wegen des staendig fliessenden Einkommens ueber Geld keine Sorgen machen muessten. Und das, obwohl die Firma bei 30.000 Punkten nur 3% zahlt. Und selbst wenn es auf einen Yen einen Punkt gibt, dann sind 30.000 Yen pro Monat nur fuer Seife und Spuelmittel ganz schoen viel Geld.

Um die ueberlegene Qualitaet der Produktkette zu beweisen, hat die Firma anscheinend diverse Experimente angeordnet. Meine Besucher hatten wohl nur eines vorbereitet, um mir die Fettloesekraft des Geschirrspuelmittels zu beweisen. Auf einen Loeffel mit rotem RAAYU 辣油 (ein rotes scharfes Oel in der ostasiatischen Kueche) wurde ein halber Loeffel nullachtfufzehn Spuelmittel und das hauseigene gekippt, wonach mit beiden Loeffeln dann ein Wasserglas umgeruehrt wurde. Das handelsuebliche faerbte sich milchweiss, etwas, von dem ich unbedingt mal wissen moechte, wie sie das gemacht haben. Egal, wieviel ich bis jetzt abgewaschen habe, so nahm mein Spuelwasser alle moeglichen Farben an, nur nicht die. Das von A.M.W.A.Y blieb dagegen glasklar, worauf sich oben die Troepfchen vom RAAYU ansammelten. Wie ich das von anderen Spuelmitteln und selbst Suppe her auch kenne.

Die Firma nutze wohl die Ersparnisse aus den fehlenden Zwischenhaendlern fuer alle moegliche Umwelt- und Erziehungsprojekte. Klingt alles schoen, aber trotzdem moechte ich mal echte Zahlen dafuer sehen und nicht nur einzelne Beispiele.

So eine Verkaufsmethode durfte ich leider schon frueher kennen lernen. Als ich mit meiner Tochter schwanger war, wollte mich eine Frau 2 Stunden lang davon ueberzeugen, dass meine Tochter definitiv Atopie und anderes bekommen wuerde und auch den wirklichen Geschmack von Gemuese und Tofu nicht kennen lernen wuerde, wenn ich denn nicht immer alles schon 2 Stunden lang in Ozonwasser baden lassen wuerde. Sie liessen mich damals alles moegliche vergleichen und den Geschmack austesten, und dass, obwohl ich ihnen mehrmals sagte, dass ich „dank“ meiner Nasennebenhoehlenentzuendung keinerlei Geruchssinn habe. Und eine andere Frau wollte uns davon ueberzeugen, dass man doch fuer 300.000 Yen (2700 Euro) einen besonderen Stein oder Magnet kaufen solle muesse, der alle alle boesen Ionen aus dem Wasser magisch entferne und die Gesundheit beschuetze. Und wenn man nur 2 Kunden gewinnen wuerde, wuerde man sein Magnetgeld wieder bekommen.   

Im Vergleich dazu ist ja A.m.w.ay. direkt ein weisses Schaf, weil die Firma zumindest keine Forderungen an zu erfuellende Mindestabnahmemengen oder Mindestinvestitionen legt. Aber ich glaube ehrlich gesagt nicht, dass sich die oft mindestens doppelt so hohen Preise wirklich durch so eine tolle Produktqualitaet ausgleichen. Sicherlich, an Hausfrauen gedacht, die kein festen Angestelltenverhaeltnis haben, wirkt die Geschaeftsidee erst einmal verfuehrerisch. Arbeiten, wenn und soviel mal selber will. Aber ehrlich gesagt, bis sich das finanziell wirklich mal rechnet, muss man schon ganz schoen viele Neukunden gewinnen. Und ich habe bei meinem Vater gesehen, wie schwer das wird, wenn der Markt gedeckt ist, auch wenn es bei ihm ein anderes Produkt war. Und die Rueckseite der Medaille ist, dass man die Firma und das Anpreisen der Produkte nicht mehr aus seinem Kopf bekommt, und einfach nur noch anfaengt, bei jeder Gelegenheit darueber zu reden, bis die Leute angenervt nichts mehr mit einem zu tun haben wollen. Und allein schon das waere mir das Ganze nicht wert.

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