Sonntagsrede

Also besondere Aktivitaet waehrend der Sommerferien scheint es in unserer Kirche die Tradition zu geben, dass Mitglieder dann das Schreiben einer Predigt oder Rede uebernehmen. Und … wie man sich denken kann, so fragte mich unser Pfarrer natuerlich auch, wo ich Idiot natuerlich auch zusagte, ohne mir wirklich bewusst zu sein, was das dann bedeutet.

Ich entschloss mich nach reiflicher Ueberlegung, die daenische Folkekirke (Volkskirche) vorzustellen. Das Thema nachzuschlagen, interessante Themen und Aspekte zu finden und eine Rede zu entwickeln ist ja noch ein relatives Kinderspiel. Aber leider muss das ja auf Japanisch erfolgen. Und mein Japanisch mag ja auf vielen Gebieten nicht schlecht sein, aber in puncto Kirchenlatein Kirchenjapanisch hapert es noch gewaltig. Und ehrlich gesagt kann ich mich nicht erinnern, Woerter wie Absolutismus oder Reformation je mal auf Japanisch gehoert zu haben. Da ich dachte, dass es fuer meine Kirchenfreunde interessant sein koennte, hatte ich mich auch dummerweise mal an eine Uebersetzung der daenischen Gottesdienstliturgie gewagt. Aber dann die richtigen Woerter zu finden oder die gaengigen Uebersetzungen fuer Sachen wie „Der Herr sei mit euch!“ oder das Glaubensbekenntnis aus den Tiefen des Internets zu fischen dauerte nicht nur Stunden, sondern Tage, so dass ich gestern entnervt aufgab und mich auf die Teile beschraenkte, die wirklich daenische Besonderheiten sind und es nur dort gibt.

Goettergatte war so lieb, zumindest mal einen Blick auf den ersten Teil der Rede zu werfen und zeigte einige Sachen, die etwas umgeschrieben leichter verstaendlich werden. Bei der Liturgie warf er mit dem Grund „Er habe keinerlei Ahnung von so etwas.“ entgeistert das Handtuch. Ich schnappte heute also Computer und 2 Kopien und fuhr zur Kirche, weil ich es einfach nicht wagte, meine Uebersetzung so zu verwenden.

Der Pfarrer nahm sich die Zeit, nicht nur meine Vorschlaege zu Psalmen und fuer das Wort zum Sonntag zu diskutieren, sondern auch einen guten Blick auf besonders die Liturgie zu werfen, die ihn in vielem ueberraschte und beeindruckte. Der Gottesdienst in der United Church in Japan hat relativ viel Gestaltungsfreiraum, wogegen bei der Folkekirke selbst die Gebete bis aufs letzte Wort festgelegt sind.

Desweiteren mussten wir wegen der Uebersetzung mehr als sonst ueber die Bedeutung der Woerter und Saetze nachdenken. Ich dachte bis heute immer, dass mir klar gewesen ist, was ich gesagt hatte. Aber ich wusste es nur so ungefaehr und nie so, dass ich es sofort in eine andere Sprache haette uebertragen koennen. „Und mit deinem Geist.“ Was ist „Geist“? Was soll der Vater mit dem Heiligen Geist jetzt genau machen? Wer verbessert was in einem guten Lebensstil? Gott oder ich? Und dass Japaner nicht wirklich ein Bild vom Teufel vor Augen haben, wenn sie AKUMA hoeren, wusste ich bis jetzt auch nicht. Hier ist es weniger der Boese, sonders mehr DAS Boese, wovor uns Gott beschuetzen soll. Kein Wunder, dass es in jedem 2. Anime irgendeinen AKUMA gibt, ohne dass irgendeiner schlecht darueber denkt.

Je tiefer wir darueber nachdachten, um so mehr fuehlte ich mich von der Tiefe und Schoenheit der Worte und Aussagen bewegt. Meinem Pfarrer ging es nicht anders zu gehen. Auf alle Faelle freue ich mich auf Sonntag, auch wenn ich richtig nervoes bin.

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