25. Juli

Dieser Tag ist schon ein merkwuerdiger Tag. Er wartete mit einem Unfall auf, er war ein Tag, an dem ich mich Hals ueber Kopf verliebte. Und er ist der Tag, wo mein Abenteuer Daenemark begann. Vor genau 20 Jahren. Soviel Zeit ist vergangen, in der so viel Schlimmes, aber gluecklicherweise noch mehr Gutes passiert ist. Und trotzdem erinnere ich mich an diesen Tag im Jahre 1991 noch am Besten.

Wir hatten uns bis gegen 15 Uhr in Kiel auf dem Hauptbahnhof einzufinden, wo wir dann die Faehre nach Langeland in Daenemark nehmen sollten. YFU hatte mir eine Zugverbindung geschickt, die wohl jemand ohne irgendwelche Kenntnisse in puncto Zugverkehr und Geographie ausgesucht hatte. Frueh um 5 Uhr in meiner Heimatstadt losfahren, 1,5 Stunden auf dem naechsten groesseren Provinzbahnhof warten, in den Zug einsteigen, in einen anderen Zug nach Luebeck umsteigen, dort dann in einen Regionalzug nach Kiel umsteigen. Aufgrund der Wartezeit am fruehen Morgen schlug mir YFU vor, dass mich doch moeglichst jemand die 60 km bis zum ersten Umsteigebahnhof bringen sollte. Dort angekommen stellten wir zu unserer grossen Ueberraschung fest, dass mein erster Zug bis Kiel durchfuhr. Ich kaempfte lange mit mir, aber mir war es dann doch nicht wert, mich an die Verbindung von YFU zu halten, auch wenn ich dann vielleicht nicht mit den anderen zusammen von Luebeck nach Kiel reisen kann. Durch diesen Zug hatte ich dann ca. 1,5 Stunden Wartezeit am Kieler Bahnhof, in der ich dann eine andere noch erstaunlichere Feststellung machen musste. Der Zug von Luebeck nach Kiel fuhr in Lueneburg los, wovon es bis zu meiner Heimatstadt nur 80 km sind. Ich haette an diesem Tag nicht um 4 Uhr morgens aufstehen muessen, um 9-10 Uhr haette voellig gereicht. Naja, vielleicht haette ich ja so wieso vor Aufregung nicht so lange schlafen koennen.

Ich als absolute „Faehrenliebhaberin“ hatte nicht unbedingt angenehme 2,5 Stunden auf der Faehre und war ehrlich gesagt mehr als froh, dass wir endlich ankamen. Dort wurden wir dann von YFU Danmark mit Minibussen abgeholt und zum Schulungsort hingebracht. Zu dem Zeitpunkt waren von den 83 ATS noch mehr als die Haelfte aus den USA, Australien und Neuseeland, so dass man immer eine englischsprachigen ATS mit einem anderen zusammenpackte. Und ich weiss noch, wie enttaeuscht ich war, dieses Maedchen aus Wisconsin zu bekommen, das nicht einmal selber probierte, irgendwas zu sagen.  Keine Ahnung, ob das bei ihr nun Frustration oder Charakter war, aber auf jeden Fall war ich schon ganz heimlich im Herzen traurig und enttaeuscht, so viel Pech zu haben, wenn ich so sah, wie toll die anderen drauf waren und sich miteinander verstanden.

Die naechsten 5 Tage hatten wir 6 Deutsche, 6 Niederlaender, eine Belgierin und 2 Schweizerinnen zusammen Daenischunterricht, wo wir zusammen das von YFU erstellte Lehrbuch auch wirklich bis zum Ende durcharbeiteten und eine Menge wirklich brauchbares Daenisch lernten. Dazwischen gab es noch einen Besuch in Odense, einen Besuch in der daenischen Volkskirche (folkekirke), eine Abschlussfeier und andere Aktivitaeten.

1998 hatte ich die Moeglichkeit, die deutschen Schueler nach Daenemark zu begleiten und an dem Vorbereitungscamp teilzunehmen. Und ehrlich gesagt war ich von der neuen Konzeption enttaeuscht. Sicherlich muessen jetzt nicht mehr alle Daenisch auf Englisch lernen, aber vom Umfang her wurde gewaltig runtergefahren, was man mit den Schuelern macht. Und die Frage ist, ob man bei so wenig ueberhaupt extra Sprachunterricht braucht, denn Zaehlen und Ich heisse koennen doch die meisten ATS vor ihrer Ankunft in Daenemark sagen. Das wusste ich sogar, obwohl ich keinerlei Moeglichkeiten zum Sprachkurs hatte und es lange vor der Erfindung des Internettes und seinen Moeglichkeiten war.

Ich meine, dass es am 1. August dann mit dem Bus zu meinen Gasteltern ging. Und dort im Bus war ich so aufgeregt wie nie zuvor. Ich bin an der Haltestelle aus dem Bus raus und landete in den Armen von einem Gastvater, worauf wir uns beide musterten und feststellten, dass wir nicht zueinander gehoeren. Und dann sah ich meine Gasteltern, die mich anlaechelten.

Bis nach Hause dauerte es eine Stunde. Wir fuhren durch den Ort meiner Schule, und meine Gasteltern zeigten mir meine Schule. Ich war ja voellig aus dem Haeuschen, weil ich noch nie so eine Schule gesehen hatte, gross, sauber, hell in einem mir voellig unbekannten Baustil. Und dann 8 km spaeter den Hof, wo ich ein knappes Jahr leben sollte.

Sie machten ein Foto von mir und liessen mich durch die sonst geschlossene Haupteingangstuer rein, zeigten mir den Schuhschrank, die Gardrobe und dann im Obergeschoss meine beiden Dachkammerzimmer, in die ich mich auf den ersten Blick verliebte.. Und ich denke immer noch gerne daran, wie sie sich damals entschuldigten, dass es so weit weg war.

Und waehrend meine Gastmutter den Kaffee vorbereitete, zeigte mir mein Gastvater den Hof und brachte mir so das wichtigste Daenisch bei: Hof, Kuh, Stall, Fahrrad, Pferd, Moehre, Garten… und  SVALE. Aber ehrlich gesagt hatte ich keine Ahnung, was er damit meinte, bis mir spaeter mal klar wurde, dass er die Schwalben meinte. Und er machte den ersten daenischen Witz, dass seine Frau keine MORGENFRUE sei. (Eigentlich der Name einer Blume, aber wortwoertlich eben Morgenfrau.) Und ja, meine Gastmama war frueh wirklich nicht die Gespraechigste. *haha*

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