Soehnle in der Sonntagsschule

Eigentlich hatte GG lange von einer RAKUGO-Vorstellung im Norden unserer Praefektur getraeumt, aber leider hiess es kurzfristig fuer ihn Bereitschaft, was bedeutet, dass er sich fuer diesen Tag nicht grossartig von seiner Wohnung entfernen darf. Also schlug er mir zu meiner Verblueffung vor, dass wir alle 4 zur Kirche gehen koennten.

Nun gut, Toechterle war hellauf begeistert, wieder zu ihren Oniichan – woertlich grosse Brueder – gehen zu duerfen. Nicht dass ihr die Sonntagsschule sonst irgend etwas bedeutet. Soehnle liess sich von ihrer Begeisterung anstecken und echote ihr den ganzen Morgen lang nach, dass er auch dorthin gehen will.

Die Teilnahme von Soehnle war meines Erachtens genau die Katastrophe, die ich erwartet hatte. Das Einzige, was er interessant fand, war die Bastelei und dann das Spielen mit den Jungen des Pfarrerehepaars. Und das unter den lautesten Freudenschreien. Mir war es leicht peinlich, aber als ich mich entschuldigte, wurde nur laechelnd abgewinkt. Keiner habe sich nur im Geringsten davon gestoert gefuehlt, im Gegenteil sei man sehr froh ueber die kleinen Kinder. Und in der evangelischen Kirche von Japan sei es so wieso nicht ueblich, so strenge schulmaessige Gottesdienste zu halten wie in der katholischen oder auch der lutherischen. Die Wurzeln der Kirche begruenden sich auf die unformellen Gottesdienste fuer Arbeiter waehrend der industriellen Revolution, und da sei es auch nicht so steif gewesen.

Ich hatte wirklich ueberlegt, was ich am naechsten Sonntag machen solle, weil ich vor der Qual der Wahl stehe, alleine mit den Kindern zuhause zu bleiben oder BEIDE, auch den Kleinen, mit in die Kirche mitzunehmen. Zu meinem grossen Erstaunen und selbst auf meine Warnung hin, dass es laut werde, wurde ich von allen herzlichst eingeladen zu kommen. Es sei ueberhaupt kein Problem, und waehrend des Gottesdienstes wuerden sich die Jungen liebend gerne auch um die beiden Kleinen kuemmern.

Das war mal wieder so einer der Momente, wo ich wahnsinnig froh bin, dass meine Kinder in Japan aufwachsen. Ich kann mich nicht im Geringsten daran erinnern, dass ich Deutsche je so grossherzig und tolerant kleinen Kindern gegenueber erlebt habe. Eher daran, dass Kinder und natuerlich auch deren Eltern zusammengeschxxxssen wurden, weil sie ja so unfaehig seien, ihre Kinder gebuehrend ruhig zu stellen. Und zumindest aus meinem Erfahrungsbereich heraus kann ich mich nicht erinnern, dass sich Jungen im Grundschul- und Teenageralter freiwillig und auch noch gerne mit Kleinkindern bis zu 10 Jahre juenger abgaben und mit ihnen spielten.

Jetzt freue ich mich erst einmal auf den naechsten Sonntag und bin gespannt, wie das Ganze ablaufen wird.

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