Japan wird interessant

Aufgrund des Fukushimaproblems, der angestrebten Schliessung des AKW Hamaokas und wer weiss nicht anderer noch nicht voraussehbarer Aenderungen auf dem Energiemarkt wird mindestens in Kanto (Grossraum Tokyo) und in Chubu (Grossraum Nagoya) mit einem Stromdefizit zu rechnen sein. Und allem ist Japan, obwohl es noch das 1. Drittel vom Mai ist, schon so heiss wie sonst nur im Sommer. Und es wird offiziell davon ausgegangen, dass es von jetzt ab nur noch heisser und heisser wird und durchaus Zustaende wie letztes Jahr, sprich einen superheissen Sommer geben wird.

Jetzt bleibt die Frage, was man macht. Haushalte und Firmen in den betroffenen Betrieben sind angehalten, zwischen 15-20% Energie zu sparen. Und ein grosses Potential waere die Klimaanlage.

Heute ist nun vorgestellt worden, dass viele Firmen angefangen haben, das sogenannte „Coolbiz“ zu starten, sprich, Schlipstraegern Angestellten wird erlaubt, auf den Schlips zu verzichten oder gar schon kurzaermlige Hemden anzuziehen. Selbst in der so konservativen Boerse. Ja, eine Firma hat sogar angefangen, Tanktops „anzuordnen“.

Fuer Mitteleuropaeer mag das jetzt nicht besonders beeindruckend klingen, aber Japan ist ein Land, dass in Bezug auf die Betriebskleidung sehr konservativ ist und selbst bei Aussentemperaturen von 35-40 Grad langaermlige Anzuege die Regel als denn die verrueckte Ausnahme waren. Es ist mehrmals versucht worden, Sommerkleidung fuer Angestellte einzufuehren (Coolbiz), aber erst mit dem ehemaligen Staatschef Koizumi sind ein Teil (!!) der Firmen dazu uebergegangen.

Weiterhin gab es traditionell kalendermaessig festgelegte Wechsel der Kimono, vom doppellagen Winterkimono auf den einlagigen Uebergangskimono zum oft fast durchsichtig erscheinenden Sommerkimono. Der Brauch hat sich erhalten, so dass z.B. Schuluniformen zu einem festgelegten Termin von der Winteruniform auf die Uebergangsuniform wechseln, egal, ob es nun noch kalt ist oder nicht. Dito beim Wechsel auf die Sommeruniform. Es mag ja sein, dass frueher die Maimonate wirklich echter „Fruehling“ waren, aber in den 10 Jahren hier gab es so einige, die wirklich schon unangenehm heiss waren. Aber nach Vorschrift heisst das nicht, dass man dann auf die langaermlige Bluse oder den Wollpullunder verzichten kann. Nein, warum denn auch!

Und unter diesen Umstaenden fangen Firmen an, im Mai schon echte Sommersachen zuzulassen. Ich kann es wirklich nicht glauben! Ich habe ueberhaupt nicht gegen Uniformen, aber diese Striktheit bei den Tragevorschriften, ohne im geringsten Ruecksicht auf das Wetter oder persoenliche gefuehlte Temperaturen halte ich fuer sehr, sehr fraglich.

Weiterhin scheinen immer mehr Japaner aktiv ueber den Stromverbrauch und andere Resourcen nachzudenken. Nicht nur mich, sondern auch andere auslaendische Freunde hat schon nicht selten schockiert, dass hier Licht oder andere elektrische Geraete nicht einfach ausgeschalten werden oder Wassersparen ein absolut unvorstellbares Konzept zu sein scheint. Und dank (?) der Tragoedie vom 11.3. scheint sich ein Umdenken schneller einzustellen als ich persoenlich es mir je haette vorstellen koennen. Ich bin gespannt auf die Entwicklungen der Zukunft.

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