Die Welt ist klein

Heute rief mich ein ziemlich verzweifelter kleiner blinder Junge an, und nachdem ich ihn etwas beruhigen konnte, erzaehlte er mir von seiner Englischlehrerin. Und, ja, ja, die Welt ist klein. Es handelt sich dabei um die stellvertretende Klassenleiterin unserer ATS aus Deutschland, die sie waehrend der ersten 7 Monate hatte. Wer haette sich je denken koennen, dass sie von all den vielen Schulen hier in der Praefektur ausgerechnet an diese Schule versetzt wird?

Jedenfalls hat sie ihm auch von dem internationalen Kurs an L.s alter Schule erzaehlt und ihm ihn empfohlen, und je laenger ich darueber nachdenke, umso besser finde ich die Idee, die Schule anzupeilen. Die Schueler sind aufgeschlossen und doch eher bereit, auf „komische Fremde“ zuzugehen. Die Schule ist nicht soo weit von seinem Zuhause weg. Es gibt 2 regulaere und zwei ausserordentliche auslaendische Sprachlehrer. Man kann sogar Deutsch an der Schule belegen, obwohl das Niveau natuerlich nicht wirklich erwaehnenswert ist. Die Schule ist aufgrund ihrer Lage nicht so populaer (sie liegt halt extrem j.w.d.), d.h. sie haben jedes Jahr Probleme, die 40 Plaetze fuer die Sprachenklasse vollzubekommen. Sollte sich ein kleiner Blinder auf einen der Plaetze bewerben, ist die Abneigung doch geringer, ihn erst einmal von vornherein abzulehnen, weil man ja genug normale Bewerber hat. Und auch die Aufnahmepruefung ist nicht soooo extrem schwer wie auf einem Teil der anderen Schulen. Das Gros der Faecher ist Englisch, selbst wenn doch ein grosser Anteil in Japan aus Schreiben und (teilweise wirklich stupiden) Lueckenfuellen besteht, so ist Englisch doch mehr ein Kommunikationsfach als -was weiss ich – Mathe, so dass seine Blindheit weniger zum Problem werden koennte. Und vor allem kann jetzt eine Lehrerin, die jahrelang an der Schule gearbeitet hat, auch ihren Exkollegen von ihrem Schueler und seinen Faehigkeiten erzaehlen, so dass eventuelle Beruehrungsaengste wie „Ich weiss doch nicht, wie ich einen Blinden unterrichten soll.“ ausgeloescht oder zumindest sehr verringert werden koennen.

Sollte Sh. sich fuer diese Schule entscheiden, wird er nur eine grosse Entscheidung faellen muessen: Er entscheidet sich in diesem Augenblick GEGEN eine Karriere in Richtung Musik. Denn nur mit einer Stunde Musik in der Woche wird er nie die Aufnahmepruefung einer Musikhochschule schaffen. Aber wenn ihm das egal ist, dann ist das bestimmt keine schlechte Entscheidung fuer ihn.

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Ein Kommentar zu “Die Welt ist klein

  1. Was ich mal noch sagen wollte:
    Danke für den Einblick in die Blindenwelt in Japan. Find ich außerordentlich spannend.

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