Der Premier wirft das Handtuch

Vor einer Woche hatte ich erst bei Tonari gelesen, dass der deutsche Bundespraesident nicht mehr wollte/konnte/durfte und von seinem Amt zuruecktrat. Gestern machte es der japanische Premierminister Yukio Hatoyama ihm die Aktion nach und trat zurueck.

Mich hat die Sache schon sehr schockiert und mitgenommen, denn bei ihm hatte ich das erste Mal seit langem wieder das Gefuehl, er wolle wirklich etwas erreichen. Der Koizuminachfolger Abe brachte mehr Nationalismus als denn Loesungsmethoden auf den Tisch a la „Lasst uns ein WUNDERSCHOENES JAPAN schaffen!!!“ und „Kinder brauchen mehr Patriotismusunterricht!“. Der Herr Fukuda danach war einfach viel zu lieb, als dass er gegen das Etablissement der Buerokraten nur die kleinste Chance gehabt haette. Und der Herr Aso nach ihm hatte zwar gute Ansaetze, aber absolut keinerlei Gefuehl fuer das, was jetzt wirklich wichtig ist. Und nicht nur, dass er staendig irgendwelchen Leuten wie Aertzen, Chinesen etc. auf den Schlips trat, nein, als es aussah, dass doch mit einer ersten Niederlage der JIMIN-Partei zu rechnen ist, versuchte er, mit Geldausteilen die Gunst des Volkes zu gewinnen. Und das, obwohl viele Experten vor der Sinnlosigkeit der Zahlung warnten und z.B. vorschlugen, die Summe lieber fuer die Erbbebensicherheit von oeffentlichen Schulen zu verwenden. Es wurde so ueber China gelaestert, als dort waehrend des grossen Erdbebens von Sichuan 2008 Schulen zusammenbrachen und hunderte Schueler unter sich begruben. Wie typisch das fuer China sei! Aber wenn ich Zahlen von 50-70% nichterdbebensicherer Schulen in Japan hoere, dass sollte man hier lieber nicht mit Steinen werfen, wenn man im Glashaus sitzt. Jedenfalls brachte die Aktion keinerlei sichtbaren Antrieb fuer die Wirtschaft und sorgte nur dafuer, dass die jetzige MINSHU-Partei mit einer Schuldenlast zu kaempfen hat, die summenmaessig ueber dem Bruttosozialprodukt liegt. Als normale Firma koennte man in solchen Fall nur noch den Bankrott anmelden. Aber nach mir die Sinflut….

In so einer Situation kam Herr Hatoyama und musste sich als erster MINSHU-Premier nicht nur mit den faktisch bis dahin Japan regierenden und abmelkenden Buerokraten auseinandersetzen (z.B. das Amakudari-Problem), die alles andere als freundlich eingestellt waren und sind. Nein, er musste auch die ganze Misere, die die JIMIN hinterlassen hatte, aufkehren. Eine Sache, die ihm gross angekreidet wurde, ist die Loesung des amerikanischen Futenma-Lager-Problems. Auf Okinawa befindet sich mitten in der Stadt ein riesiges Lager der Marines, und Laermbelaestigungen sind da noch das kleinste Problem. Was den Kessel zum Ueberlaufen gebracht hatte, war die Tatsache, dass 3 Amis ein Maedchen vergewaltigten und dass 2004 ein Hubschrauber auf dem Gelaende einer Universitaet abgestuerzt war. Man moege sich vorstellen, was passiert waere, wenn nicht gluecklicherweise gerade Sommerferien gewesen waeren.

Es war der Wunsch von Herrn Hatoyama, die Leute wirklich von dem Problem zu befreien und die Last von Okinawa zu erleichtern. Aber egal, wie er sich drehte und wendete, zwar stimmen die meisten Japaner zu, dass Lager von Okinawa weg sollen, aber niemand will sie vor seiner Haustuer haben. Es gab z.B. wueste Proteste, als die Umlegung auf Tokunoshima im Gespraech war, ein Insel in Kagoshima, der es auch wirtschaftlich nicht wirklich gut geht und die vielleicht trotz allen Nachteilen auch sehr, sehr viel Positives aus dem Lager haette ziehen koennen. Und er ist war dann auch nicht so wie Herr Koizumi, der dann mehr oder weniger nach der Methode „Friss oder stirb!“ ging und mehr oder weniger mit sanfter oder weniger sanfter Gewalt die Durchsetzung seiner Plaene zu Ende fuehrte. Herr Hatoyama ist dann doch mehr jemand, der durch allgemeinen Konsens regieren wollte. An sich eine positive Sache, aber leider gehen die Meinungen zu weit auseinander, so dass es letzten Endes egal war, was er machte. Er war immer der Suendenbock und hat jetzt die Konsequenzen gezogen.

Ich sehe ja auch die positiven Aspekte, wenn die Meinung des Volkes besser beruecksichtigt wird und katastrophale Staatsoberhaeupter oder Regierungschefs gehen muessen. Aber ich finde mittlerweile, dass Japan seinen Leuten nicht einmal eine Chance laesst und Wunder fordert. Hier laufen staendig Zusammenfassungen, was jemand nach einem Monat, 2 Monaten , 3 Monaten geleistet hat. Aber wenn man die MINSHU staendig so nur gegen Mauern rennen laesst, dann muss man als Volk auch mal etwas mehr Geduld zeigen und die Arbeit von Leuten nach der mindestens 10-fachen Monatsanzahl bewerten.

Jetzt bleibt zu warten, wer der Nachfolger wird. Als ein wahrscheinlicher Kandidat wird der jetzige Finanzminister Kan gehandelt. Ich hoffe, er hat die Kraft, gegen die Widrigkeiten des Premier-jobs anzukaempfen. Und ich hoffe auch, dass bei der naechsten anstehenden Wahl in diesem Sommer der Zeiger nicht wieder umschlaegt und die JIMIN wieder die Mehrheit im Oberhaus bekommt. Gut kann das nicht fuer Japan sein! Die Partei braucht auch noch etwas Zeit, ihre Niederlage zu verkraften, ueber ihre negativen Aspekte nachzudenken und sich zu reformieren, bevor sie wieder was zu sagen bekommt.

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