Also das kann eigentlich nur noch klappen

Die Direktorin der Blindenschule hat mir liebenswerterweise einen Brief mit Material geschickt, damit ich auch etwas mehr offizielle Sachen als Mails und Ausdrucke der Homepage habe. Und sie macht sich wirklich riesig Gedanken, wie sie uns helfen kann, damit Schule und Schulamt beruhigt sind und hat begonnen, japanische Freunde von sich in Bereitschaft zu bringen, damit die, wenn es noetig wird, mit helfend einspringen koennen. Mein Mann hatte heute gerade einen Anruf von einem von ihnen auf dem Handy.

Eine dieser Bekannten lebt sogar in der gleichen Stadt wie die Blindenschule, so dass im Fall aller Faelle sogar jemand da waere, der dolmetschen koennte, wenn z.B. ein kleiner blinder Junge wider Erwarten vom Heimweh uebermannt wird und mal jemanden braucht, an dessen Schulter er sich ausweinen kann. Noch ein Pluspunkt mehr, mit dem man punkten kann.

Mein Mann hat eigentlich urspruenglich wegen der Aufnahme der Thailaenderin seinen eigenen kleinen Verein gegruendet, mit dem er ATS helfen will. Damit hatte er auch letztes Jahr den Wochenkurzaustausch unserer L. organisiert bekommen, denn Privatpersonen werden in solchen Punkten nicht echt fuer voll genommen, sondern es wird eher Organisationen vertraut. Und als Vereinsvorsitzender will er sich jetzt auch aktiv fuer den Kleinen stark machen, obwohl er bis jetzt die Sache nicht so ernst genommen hatte und sich hoechstens mal die neuesten Entwicklungen anhoerte und mit Rat einsprang. Er will jetzt auch gerne mal mit der Blindenschule hier vor Ort sprechen, weil in so etwas leider Auslaender doch eher nicht wirklich fuer voll genommen werden.  

Und ich habe, da mich die negative Antwort unseres sonst eigentlich immer kompetenten Reisebueros doch etwas verunsichert hatte, nachgeforscht, wie das funktioniert, wenn Blinde reisen wollen. Und siehe da, seit 2008 sind alle EU-Flughaefen gesetzlich dazu verpflichtet (EU-Verordnung 1107/2006, effektiv ab 26.07.2008), koerperlich oder geistig beeintraechtigten Passagieren KOSTENLOSEN Service beim Ein-, Um- und Aussteigen zu bieten, die man nur einfach mindestens 2 bis 3 Tage (von Flughafen zu Flughafen unterschiedlich) vorher ueber die Airline oder das Reisebuero beantragen muss. Fuer Blinde waere der Buchungskode BLND, falls das jetzt jemanden interessiert. Und zumindest der internationale Flughafen in Osaka (Kansai Airport) bietet genau den gleichen Service an. Ich kann also der Oma und der Schule mit 100%iger Sicherheit sagen, dass man sich um den Jungen kuemmern wird, wenn man den Service also bucht.

Uebrigens hat sich wohl schon das lokale Fernsehen in Deutschland gemeldet, die absolutes Interesse an dem Fall zeigen und ueber ihn einen Beitrag drehen wollen. Wer weiss, vielleicht sehen ja einige von meinen getreuen Mitlesern die Sache dann sogar im Fernsehen.

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2 Kommentare zu “Also das kann eigentlich nur noch klappen

  1. Das sieht ja recht gut aus!

    Mal sehen, ob den älteren Herren in der Schulverwaltung überhaupt noch etwas einfällt, was sie gegen diese konzertierte Aktion vorbringen können. Je länger ich über diesen Jungen nachdenke, von dem Du schon mehrfach berichtet hast, desto mehr frage ich mich, warum er bisher nicht adäquat (oder vllt. sogar teils integriert) gefördert werden konnte. Wenn ich das jetzt alles richtig zusammenbekomme … er ist doch nicht lernbehindert ?! Vielmehr saugt er doch jeden Tropfen auf. In Deutschland habe ich beruflich des öfteren mit Sehbehinderten und deren Selbsthilfe-Organisationen zu tun. Ich empfinde die meisten Protagonisten als sehr selbstbewußt, und das ist auch gut so. Da könnte er ruhig was von entwickeln.

    Unser letzter Humboldt-Stipendiat aus Havanna hat sich immer gegrinst, wenn er die vielen Hinweise für Behinderte in Deutschland gesehen hat. Er meinte jedenfalls, Behinderung, egal in welcher Form, sei sehr viel sichtbarer ein anerkannter Teil der Gesellschaft, als in Havanna oder Spanien , USA oder wo er noch gewesen war. Ich finde, egal wo auf der Welt, da ist noch Luft nach oben.

    Anderes Thema – Lokalfernsehen in Deutschland ist vllt. sogar ein bischen inflationär geworden. AFS wurde aktuell auch hier im Rheinland gebeten, mal vier verschiedene Interviewpartner fürs lokale TV vorzuschlagen, die man gut nebeneinander auf ein talk-sofa setzen kann. Nach einigen Debatten im AFS-Komittee ist dann der Vorsitzende (Ostasien 2007) mit einer aktuellen retournee (Lateinamerika), sowie meine Gasttochter und eine Gastmutter (Göttergattin) ins Fernsehstudio gefahren. Es wurde ein 9 Minutenfilmchen aufgezeichnet. Wir haben ja kein TV, die sollen uns mal ne Platte brennen 😉

    lg aus dem Abendland,
    Bernd

  2. Noeh, der Junge hat nur das klitzekleine Augenproblem und kann wohl auch nicht oder nur sehr schlecht riechen. Ansonsten ist er durchschnittlich begabt und um Welten offener fuer neue Dinge als so viele seiner Altersgenossen auf normalen Schulen.

    Theoretisch waere man als Eltern nicht gezwungen, sein blindes oder sehschwaches Kind auf die Blindenschule zu schicken, wenn man denn nur eine Schule finden wuerde, die bereit waere, ihn aufzunehmen. Aber die meisten Schulen haben dazu weder den Mut noch die finanziellen oder personellen Moeglichkeiten, ein solches Kind zu integrieren. Klassenstaerken in japanischen Grundschulen liegen, meine ich um die 30, wenn fuer sie nicht sogar das gleiche Gesetz wie fuer Mittelschule und Oberschule gueltig ist. Dann waere naemlich die Hoechstanzahl auch 40 Leute pro Klasse. Und selbst bei „nur“ 30 Leuten wuerden Kinder mit solchen besonderen Beduerfnissen einfach nur untergehen, weil die allermeisten Lehrer damit einfach nur zeitlich ueberfordert waeren. Von Extraunterricht ganz zu schweigen, du waerst ueberrascht zu sehen, wieviel Papierkrieg die nebenbei noch machen muessen. Bei den regulaer zu schiebenden Ueberstunden ist Familienleben unmoeglich, ja selbst offiziell anerkannter Tod durch Ueberarbeitung (KAROUSHI) ist schon passiert.

    Wenn man die Anzahl der blinden Schueler und die notwendige Verwaltung der Schule sieht, wuerde es mehr als Sinn machen, entweder Blindenschulen ueber mehrere Praefekturen hinweg zu vereinen, so dass man richtige Klassen haette, oder aber mindestens Grund- und Mittelschule in normale Schulen zu integrieren und dann lieber einen Lehrer als besonderen Ansprechpartner zu entsenden und den Rest durch normale Lehrer abdecken zu lassen. Aber das Gesetz schreibt ausfuehrlich Blindenschulen vor, und die werden nun mal praefektural verwaltet. Das japanische Schulsystem ist in der Beziehung absolut verknoechert und unflexibel. Und das wird dann noch mit der oft konservativen Einstellung der Verwaltung und Buerokratie gepaart.

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