Gender Disorder

Meine Kinder muessen eindeutig unter „Gender Disorder“ – Geschlechtsverwirrungen leiden, denn sie entsprechen eindeutig nicht den gaengigen Definitionen fuer Maedchen und Jungen in Japan.

Maedchen in Japan

-haben langes Haar und lieben Schleifchen und Gummis
-lieben Puppen und Stofftiere
-lieben Sailor Moon, Pretty Cure und Co.
-lieben Pink und co. und ziehen auch nur niedliche Roecke in den Farben an
-und -Last but not least-  sind ruhig, lieb und leicht erziehbar und gelten als Uebungsobjekt, bevor man sich auf die schwierige Unternehmung namens „Ich erziehe einen Jungen“ stuerzt

Jungen in Japan
-haben kurzes Haar, vorzugsweise kurzgeschoren a la neueingezogener Rekrute
-lieben lebensfrohe Farben wie Grau, Schwarz und Dunkelbraun
-lieben alles Technische
-lieben Kamen Rider und Co.
-sind wild, stuermisch und energetisch und absolut schwer erziehbar

Meine Grosse, offiziell ein Maedchen
-liebt Sailor Moon genau so wie Kamen Rider oder Dragon Ball (Wunsch 1 zu Tanabata: Ich moechte Pretty Cure werden. Wunsch 2 zu Tanabata: Ich moechte Kamen Rider werden.)
-ist ein grosser Fan von Zuegen, Autos und Fahrraedern und hat Stofftiere schon immer links liegen gelassen, ja ist selbst beim Anblick einer Puppe mit 10 Monaten in Traenen ausgebrochen
-hasst jegliche Gummis etc. in ihrem Haar und ist mit dem gezwungenermassen kurzgeschnittenen Haar absolut zufrieden
-ist ein grosser Fan von grossen Jungs und hat eine ziemliche Jungensprache drauf (Hier gibts eine Frauen- und eine Maennersprache)
-ist ein absoluter Wirbelwind mit unendlicher Energie, die mit allem zufrieden ist, nur nicht mit ruhig in der Ecke sitzen und spielen oder gar protestlos zu tun, was man ihr sagt

Mein Soehnle
-murkelt schon seit Babyzeiten gerne mal mit Stofftieren rum und traegt sie gerne durch die Wohnung
-findet Sailor Moon und Pretty Cure absolut toll, tanzt zu der Musik und verwandelt sich gerne mal mit
-sitzt gerne mal auf Mamas oder Papas Schoss und schaut sich mit grosser Geduld ein Buch an (undenkbar bei der Grossen)
-hat Naturlocken, wie man sie sonst nur Maedchen zuspricht
-hat farbige Sachen an (o.k., ich gebe zu, dass das meine Schuld ist, weil ich jede Menge Sachen von der Grossen benutze und nun mal weiss oder gruen oder gelb dunklen Winterfarben vorziehe.)
-ist ruhig, liebevoll und definitiv das, was ich als „von der leicht erziehenden Sorte“ bezeichnen wuerde

Ja, dann fange ich am besten mal an, fuer geschlechtsumwandelnde OPs zu sparen. (^_~)

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6 Kommentare zu “Gender Disorder

  1. Jedes Kind ist eben anders, richtig? Ich habe als Kind Autos geliebt und Puppen nicht beachtet, war ziemlich draufgängerisch, habe Fußball gespielt und nie wirklich für Boybands geschwärmt. Mein Bruder hat lieber mit Puppen gespielt, war ein absoultes Mamakind und auch eine kleine Heulsuse. Und aus uns beiden ist was geworden. 😉

  2. Ein herzliches Hallo nach Oita,

    hier läuft alles weiterhin super, unsere drei Gymnasiastinnen haben wegen Lehrerkonferenzen frei …

    … jetz zu Deinem blog-Eintrag, der es ja nicht frei von Ironie ist … laß Dich bitte so-wie-bisher schlicht-nicht-verrückt machen. Deine Familie ist eben nicht der Standard des japanischen Mittelalters, welches ja angeblich bis zur Wirtschaftskrise und Parlamentswahl 2009 (so in etwa stand es in der Süddeutschen Zeitung) angedauert haben soll 😉

    Ich hätte mich neulich schon fast zu einen Artikel geäußert, in dem Du schriebst, dass in Japan nun immerhin in jedem 30sten Fall (?) eine „Mischehe“ zustandekomme. Aus Deutscher Sicht ist das Vokabular natürlich nicht falsch, hat aber den unsäglichen Mief der Zeit nach 33, und kommt dort ja wortwörtlich in der damals sogenannten Gesetzgebung vor.

    Zum Glück sieht es hier nun ein bischen anders aus, und die Klasse meines jüngsten Kindes ist beispielsweise sehr friedlich, freundlich, lernbereit & farbenfroh.

    In Japan, noch dazu fern von Tokyo, ist der Wunsch nach Gleicherscheinerei und Monokultur wohl noch tief im Herzen vieler Menschen verankert. Da kann man drüber schmunzeln … wichtiger noch ist es natürlich, ein paar gute Verbündete vor Ort zu haben. Es gibt immer und überall Freunde, die wissen, dass Euer leicht zu erkennendes etwas-anders-sein einen grossen Gewinn und eine Bereicherung der verknöcherten Gesellschaft darstellt. Dann kann man sicher gelassen mit denjenigen umgehen, die sich bisher nicht allzuviel eigenständige Gedanken darüber gemacht haben.

    Unsere Gasttochter ist in letzter Zeit übrigens auch sehr damit beschäftigt, ihr Leben, Ihre Identität und Ihren eigenen Willen zu erforschen. Mal sehen, wie die wieder in Ihrer jap. Schule ankommt …

    greetz, Bernd

  3. Mir brauchst du das nicht zu sagen, Japanern aber schon. Mich nervt dieses Kastendenken und Abgeschiebe nicht nur bei Maedchen und Jungen schon gewaltig. Und A. ist doch „otonashii“, gell? Wie nicht? Na dann wird sie sicher bald onna-no-ko-rashii (maedchenhaft). Und M. ist kappatsu (ungestuem, draufgaengerisch)! Echt, er ist ruhig? Dann bildet er eine ungewoehnliche Ausnahme.

    Viele der Leute wollen ja nur freundlich sein, aber wenn man so etwas die Woche zig Mal hoert, dann koennte man doch ab und zu explodieren. Es ist nun mal „SEIbetsu yori SEIkaku“ (Charakter ueber Geschlecht).

  4. Hallo Bernd,

    vielen Dank fuer deinen Kommentar. Noeh, verrueckt machen lasse ich mich nicht, aber ab und zu muss man sich auch mal abreagieren. Und dieses Kastendenken in ALLEM ist so eine Sache, die mich tierisch nervt. Aller Oitaer sind … . Alle Deutsche sind … . Alle Maedchen sind… . Alle Jungs sind … . Und das wirst so in Schultests und Quizprogrammen abgefragt.

    Mit dem „Mischehe“ hast du schon recht, aber wenn ich bedenke, dass ich mal jemanden getroffen habe, der Kinder wie meine als „genverseucht“ bezeichnet hatte, dann finde ich „Mischehe“ noch verhaeltnismaessig harmlos. Besonders, weil sich ja wirklich Kulturen mischen. Ich bin schon lange nicht mehr so deutsch wie vorher, und mein Mann hat auch so einiges Japanisches aufgegeben. Um auch mal was Gutes zu sagen, „Mischehe“ heisst hier KOKUSAI-KEKKON, wortwoertlich International-Ehe.

    Und ich glaube, mit Tokyo oder nicht hat das weniger zu tun. Ja, in manchen Aspekten sind die Leute hier sogar offener, ganz einfach, weil sie wenig mit Auslaendern zu tun haben und daher gar keine der teilweise idiotischen Vorurteile wie „Auslaender wollen und koennen kein Japanisch sprechen.“ oder „Sie sind gefaehrlich.“ haben. Ich habe es im Gegensatz zu Erzaehlungen aus Tokyo schon oft erlebt, dass sich Leute ohne Probleme neben mich gesetzt oder mich Leute von sich aus auf Japanisch (!!!) angesprochen haben. Die Male, wo sie es mit Englisch versuchten, kann ich nach fast 9 Jahren immer noch an 2 Haenden abzaehlen.

    In puncto Kinder und Diskriminierung habe ich es bisher echt so erlebt, dass Kinder wie meine positiv diskriminiert werden, was manchmal genau so nervig sein kann wie der umgekehrte Fall. Boah, Ihre Kinder sind HAAFU (Halblinge), wie toll ist denn das? Die sind bestimmt total niedlich. Wachsen die dann auch mit Englisch auf? – Ehm, ich bin deutsch.

    Und mein Mann ist allein um die Tatsache, dass er sich ne Europaeerin, dazu noch ne Deutsche geangelt hat, zig Mal beneidet worden. Als ob er mich wegen meines Passes geheiratet hat… Und keine Ahnung, woher das kommt, aber laut meines ehemaligen Semiprofs. sollen Deutsche die perfekten Ehefrauen schlechthin sein. Ich denke da jetzt mal nicht weiter darueber nach und nehme das einfach nur mal als Kompliment…

  5. Oh ja das kenne ich auch. Ich fuehle mich dann oft wie ne wahre….

    und zu den Kindern …*augenroll* . Meine Kinder kochen gern und haben sich zu Weihnachten eine Kueche gewuensch muss ich noch mehr sagen ? Ich antworte dann immer : Die besten Koeche der Welt sind meist Maenner 😉

  6. Ja, ich habe mal gehoert, dass Maenner die empfindlicheren Geschmacksnerven (oder eigentlich muesste es ja eher Geruchsnerven sein) haben und daher eigentlich viel bessere Voraussetzungen zum Kochen haben. Und uebrigens hatte ich gerade vor 2 Tagen gesehen, wie in der Tagesstaette meiner Tochter die Spielkueche rausgegeben wurde und ein 5-jaehriger Junge sie ganz stolz wie ne Siegestrophaee davon trug. Es gibt sie also auch hier in der Stadt.

    Und der Sohn eines meiner ehemaligen Japanischlehrer hatte seit Mittelschulzeiten „Krankenschwester“ als Berufswunsch und hat sich den letztes Jahr im April erfuellt, als er Student an der praefekturalen Krankenschwesteruni wurde. Er war uebrigens einer von 4. Ich hoffe, die vier Jungs lassen sich von den gesellschaftlichen Vorstellungen von Richtig und Falsch nicht beirren und ziehen die Sache durch.

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