Das Schulamt will mitmischen

Diese Woche hat die Familie meines kleinen blinden Freundes nun die Unterlagen, die ich von der Schule habe (uebersetzte Mails und Ausdrucke der Schulhomepage), in der Schule zur Sichtung eingereicht, damit sie die Reise pruefen und offiziell auch abnicken koennen. Und laut der Erzaehlungen war das wohl ein kleinerer Skandal, und es kamen wieder diese typisch japanischen Bedenken, die so absolut nervig sind: Ja, er kann doch die Sprache nicht. – Ehm, ja, dafuer lernt er sie jetzt auch. Und die Brailleschrift ist doch anders. – Ehm, nein, zumindest die lateinischen Buchstaben sind standardisiert, auch wenn es z.B. fuer AU oder ST noch extra Zeichen im Deutschen gibt, damit das Lesen schneller geht. Und es gibt auch eine Kurzschrift, damit Romane nicht ganz so grosse Umfaenge annehmen. Aber ich bezweifle sehr, dass der Kleine in die Lage kommt, „Effi Briest“ oder aehnliches in dem Monat lesen zu muessen.

Jedenfalls habe ich gestern fuer die Schule eine Uebersicht ausgedruckt, wo man sehen kann, wie die deutsche Vollschrift verwendet wird. Und wenn die Schule bis zu den Sommerferien richtig die lateinische Umschrift fuers Japanische unterrichtet, was so wieso im Unterrichtsinhalt der Mittelschule enthalten ist, dann werden dem Kleinen auch einfache deutsche Texte nicht mehr so schwer fallen.

Das mit der Schule und deren O.k. wird schon. Was mich aber richtig beunruhigt, ist die Tatsache, dass sich die Schule aufgrund der Tatsache, dass es keine reine Reise ist, sondern auch ein Schulbesuch mit eingeschlossen ist, gezwungen sah, die ganze Sache dem oertlichen KYOUIKU-IIN-KAI zur Genehmigung melden zu muessen. Und das ist wirklich beunruhigend. Das Schulamt, so wie ich das immer uebersetze, ist hier ne Ansammlung von erzkonservativen, alten Herren, die hier das Schicksal der Schulen und z.B. auch die Einstellung von Lehrern etc. bestimmen. Und bei irgendwelchen Austauschaktionen mit Schulkindern welcher Art auch immer ihren Stempel unter die Sache setzen muessen. Die Beamten entscheiden hier Angelegenheiten in der Schulwelt nach dem exakten Wortlaut des Gesetzes und tiefster Tradition oder wahlweise nach der Kuerze der Roecke der Bewerberinnen (wie ein Bekannter, der englischsprachiger Besitzer bei den Bewerbungsgespraechen war, von mir mal erzaehlte), und alles Neue wird erst einmal misstrauisch beaeugt und gerne vorsichtshalber auch erst mal abgelehnt. Und im Juni 2008 kam genau auch das Schulamt in die landesweiten Medien, weil sie so intelligent waren, die gaengige Korruption, die in Japan doch weiter verbreitet als gedacht ist, bei der Lehrereinstellung auffliegen zu lassen. Da wurde dann bekannt, was so wieso die meisten vorher schon ahnten: Naemlich, dass man die richtigen und vor allem zahlungsfreudigen Goenner haben muss, wenn man als Lehrer eingestellt werden moechte. Gegen kleinere Summen im Millionen-Yen-Bereich wurden dann eben mal die Benotungen der einzelnen Bewerber etwas hoch- und runtergewertet. Da man so wieso nur die Endpunktzahl und Bestanden/Nichtbestanden gesagt bekam, wie das hier in Japan die gaengige Methode ist, kann man auch irgendwelche Manipulation nicht nachvollziehen, und das System funktionierte ueber Jahrzehnte.

Und genau dieses Schulamt will jetzt auch darueber entscheiden, ob ein kleiner Blinder sich seinen Wunsch erfuellen kann oder nicht. Ich habe laenger mit Goettergatten ueber die Sache geredet, was es denn fuer Gruende dagegen geben koennte, die das Schulamt anbringen koennte. Und auch er meinte, dass „Das gab’s noch nie.“ der einzige moegliche sein koennte. Na und,  wenn das das einzige Problem ist, dann waere ein Nein einfach nur unakzeptabel. In dem Fall bin ich entschlossen, ein paar alten Maennern mal gehoerig meine Meinung zu dem Thema zu sagen. Dann bin ich mehr als bereit, das Kriegsbeil auszugraben… Lasst uns trotzdem hoffen, dass das nicht noetig sein wird.

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Ein Kommentar zu “Das Schulamt will mitmischen

  1. Ich drücke ganz ganz fest die daumen, dass der kleine Junge das bewilligt bekommt. Wenn es an solch alten Gesellen scheitern sollte, wäre das doch wohl die Höhe. Da würden die mich sicher auch mal kennenlernen.

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