Neues im Leben eines kleinen Jungens

Ich hatte ja schon mal im Juni von meinem kleinen blinden Freund und seine taegliche Diskriminierung in der japanischen Gesellschaft geschrieben. Seit der Zeit hat sich so einiges getan, gluecklicherweise in die positive Richtung. Ich hatte ihn mit zu dem katholischen Kinderhort „Laura“ mitgenommen, wo er mit offenen Armen empfangen wurde. Und auch wenn es mal ein Missverstaendnis gab, als die Schwestern in den Sommerferien meinten, sie haetten keine Zeit fuer ihn, so stellte sich nach Fragen heraus, dass sie nur meinten, sie haetten keine Zeit fuer nichtregulaere Schueler, weil sie fuer die Ferien 120% ausgebucht waren. Also begann Shunpei wieder nach der Schule und sonnabends zu Laura zu gehen und hat da seinen Erzaehlungen nach jede Menge Spass mit den sehenden Kindern dort. Fuer die Neujahrsferien ist er jetzt auch regulaer angemeldet, so dass er auf das Spielen mit seinen Freunden nicht zu verzichten braucht.

Ich kann z.Z. durch die Arbeit meines Mannes so wieso nicht so richtig viel machen, also habe ich ihn eingeladen, mich regulaer einmal die Woche zu besuchen. Und natuerlich haben wir auch viel ueber Deutschland geredet, und so ist es fast natuerlich gewesen, dass ich doch das fuer mich Experiment angefangen habe, einen Blinden Deutsch beizubringen. Es macht Spass, aber man muss auch gewaltig experimentieren, wenn man Woerter und Phrasen ohne Notizen beibringen muss und selber auch nicht die Blindenschrift beherrscht. Aber es geht voran, und wenn er als nicht wirklich fuer voll genommenes Kind eine Fremdsprache lernen kann, dann ist das ein weiterer Punkt, mit dem er sich spaeter mal gegen alle boesen Stimmen durchsetzen kann.

Natuerlich haben wir auch ueber deutsche Schulen gesprochen, und Shunpei war verstaendlicherweise an dem Thema wahnsinnig interessiert. Und irgendwann kam dann auch das unvermeidliche „Wie toll waere das denn mal, auf eine deutsche Schule zu gehen?“ Ich als ehemalige Austauschschuelern, fruehere Aktive und Gastmutter kann diesen Wunsch nur zu gut verstehen, doch selbst wenn z.B. YFU Deutschland mitspielen wuerde, YFU Japan oder andere Orgs. wuerden das NIE machen. Und dann kommt auch noch dazu, dass hier die Auswahltests nicht Gespraeche oder aehnliches sind, wo man die charakterliche Eignung feststellt, sondern schriftliche Englisch- und andere Teste. Wie soll er das als Blinder machen, besonders wo Englisch nicht als regulaeres Fach in Blindenschulenstundenplaene integriert ist?

Da bleibt dann doch nur die Moeglichkeit, mittelfristig das Ganze privat zu organisieren. Also schaute ich mich mal um, was es so an Blindenschulen in Deutschland gibt und schrieb einfach mal 3 an und harrte der Dinge, die dann passieren wuerden. Mehr als die Sache voellig zu ignorieren kann ja nicht passieren. Und ja, zwei der Schulen haben bis jetzt noch nicht geantwortet, es waere nur mal schoen zu wissen, ob das ist, weil sie das Ganze fuer einen Scherz gehalten haben oder aber ob sie wirklich noch am Nachdenken ueber die Moeglichkeit sind.

Zu meiner grossen Ueberraschung schrieb aber die Direktorin der 3. Schule, des Landesbildungszentrums für Blinde und Sehbehinderte Halle „Hermann v. Helmholtz“ fast sofort zurueck, dass sie sehr grosses Interesse habe und die Schulleitung fragen wuerde, ob sie bei der Sache mitmachen wuerden. Und am Dienstag war dann die 2. Mail in meinem Postfach, in der sie schrieb, dass die Schulleitung das Ganze genehmigt habe und jetzt nur noch Details zum Zeitpunkt und Zeitraum etc. geklaert werden muessten. *umkipp* Der Junge koennte theoretisch sofort fahren, wenn er und seine Familie es wollten und seine japanische Schule es genehmigt, ein mir immer noch etwas unverstaendlicher Aspekt, dass selbst fuer Reisen IN den Ferien das O.k. der Schule vorliegen muss.

Also habe ich gestern Brief und die wichtigsten Sachen der Schule fuer die Familie uebersetzt und Shunpei und Oma, die sich hauptsaechlich um den Jungen kuemmert und vieles auch entscheidet, vorgelegt. Und Oma scheint der Sache vom Kurzaustausch in den Sommerferien und selbst vielleicht spaeter mal einem etwas laengerem Austausch sehr, sehr positiv gegenueber zu stehen und fing selber an, ueber Moeglichkeiten der Durchfuehrung nachzudenken und zu fragen. Bei Desinteresse oder Angst wuerden da bei vielen Japanern eher „zurueckhaltende hoefliche Zustimmung und dann eine grosse Menge Abers“ kommen, was i.d.R. doch dann nur ein Nein bedeutet. Sie fing sogar an vorzuschlagen, Shunpei dann mal einen Monat in das hier an die Schule angeschlossene Internat zu geben, damit er ueben und sehen kann, ob er es ohne Mama, ehm ich meine Oma aushalten kann.

Ich hoffe dann mal, dass alles so geht, wie Shunpei sich das vorstellt.

In dem Sinne

Higanbana

Advertisements

2 Kommentare zu “Neues im Leben eines kleinen Jungens

  1. Oh super! Das hoert sich ja mal richtig gut an.
    Schoene Neuigkeiten. Da freut man sich richtig mit. Ich drueck die Daumen, dass alles klappt.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s