Menschenrechte

Heute war wieder Kinderenglischklub, wo ich etwas verspaetet und 100%igem Versagen der Stimme trotzdem den Kindern einen guten Eindruck vom Osterfest geben konnte. Die Suessigkeiten wurden nach leichteren Schuechternheitsanfaellen mit grossen Freuden gesucht. Und auch wenn einige Kinder nicht ganz glauben wollten, dass man Ostereier wirklich essen kann und erst sehen mussten, wie ich echt eines vertilge, so waren doch trotzdem alle voellig begeistert davon. Ein Junge meinte sogar, er wolle es aufheben, weil es viel zu schade zum Essen sei. Wie lange halten sich eigentlich gekochte Eier? *sich fragend am Kopf kratz*

So weit, so gut. Da ich die Einstellung des Kulturhausleiters zwar nicht gut finde, aber auch nicht nicht nachvollziehen kann, habe ich natuerlich das Thema meines blinden kleinen Freundes nicht mehr angerissen. Es bringt so wieso nichts, und ich als Auslaender bin da leider nicht in der Situation, dass ich in so einer Beziehung irgendwie fuer voll genommen werde. Und Deutschland ist ja in puncto versicherungstechnische Absicherung und deshalb teilweise echt sinnlose Folgen auch nicht gerade ein Unschuldslamm. Aber dann passierte etwas, dass mich doch ziemlich schockierte und innerlich auch aufgeregt hat. Die Verantwortliche des Englischklubs, die eigentlich ja eher dem Ganzen positiv gegenueber eingestellt sein sollte, sprach mich darauf an und wollte wissen, WARUM ich das machen wolle. Ehm, ja, um Kindern auch das Konzept Toleranz beizubringen. Davon mal abgesehen, dass sie das Wort erst ueberhaupt nicht verstanden hatte, kam dann ein „Ja, aber das sei aber ein Englischklub und die Eltern haetten was dagegen.“ Ich hatte noch das Gefuehl, dass sie voellig befuerchtete, dass ich dann an dem Tag keinen vernuenftigen Englischunterricht durchziehen wuerde und versuchte sie zu beruhigen. Aber sinnlos, sie sagte mir nur, dass ja hier alles ehemalige Grund- und Mittelschullehrer und -direktoren arbeiten wuerden und die ja Verantwortung den Eltern gegenueberhaetten, die sich ja dann beschweren wuerden, wenn ploetzlich ein Blinder mit kommen wuerde. Und ueberhaupt ist das fuer die Erst- bis Drittklaessler viiiiiel zu schwer zu verstehen. Und wenn er kommen wuerde, dann muesste man das ja beim staedtischen Schulamt beantragen, weil das ja die Menschenrechte betrifft. Das kann ja nicht einfach so entschieden werden.

Ich wusste ehrlich gesagt nicht mehr, was ich denken und fuehlen sollte. Da wird von Menschenrechten geredet und im gleichen Augenblick ein japanischer Mitmensch mit einem klitzekleinen Augenproblem so extrem diskriminiert. Wir reden hier noch nicht von Schwerverbrechern oder aehnlichem, was dem Wohl der uns anvertrauten Kindern schaden wuerde. Und schlimmer noch, die Frau war immerhin nicht Baujahr Vorkriegszeit, sondern ist schaetzungsweise Ende 30, Anfang 40. Die Sache mit dem Kleinen hat sich erledigt, ich werde dem Kulturhaus gegenueber jedenfalls nicht mehr das Thema ansprechen. So Wasser-predigende-und-Wein-trinkende-Leute habe ich schon lange nicht mehr getroffen. Also habe ich das Thema gewechselt und vorsichtshalber nur einmal wegen einer Austauschschuelerin gefragt, die uns in den Sommerferien besuchen kommt und gerne mal so einen Kinderkurs erleben moechte. Wenn jetzt so wegen der negativen Reaktion der Eltern Angst besteht, dann ist es vielleicht besser, wenn sie nicht mitkommt. Und dann passierte der Hoehepunkt: Ja, die Verantwortliche will wegen dem letzten O.k. des Kulturhausleiters noch mal nachfragen, aber es muesste in Ordnung sein. Dann moechte ich ehrlich gesagt mal wissen, was eine ATS hat, was ein japanische Staatsbuerger mit Sehdefiziten nicht hat. Boah, also wie mich das aufregt. Und es gibt nicht echt was, was man da machen kann.

In dem Sinne einen schoenen Tag noch

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3 Kommentare zu “Menschenrechte

  1. Ich kann da nur mit dem Kopf schütteln. Ehrlich! Das gibt es doch wohl wirklich nicht! Wie kann man nur so sein? Das tut mir auch sehr für den Kleinen leid. Ich hoffe er stößt nicht überall auf so viel Intoleranz!

  2. Ich habe gestern und heute morgen doch noch ne Weile drueber nachdenken muessen. Und ich frage mich, ob die Verantwortliche unter „Kindern Toleranz beibringen“ nicht einfach nur verstanden hat, dass ich ihnen einen Monolog ueber das Woertchen halten will, fuer das es naemlich im Japanischen keine gute Uebersetzung gibt. Die dafuer im Woerterbuch aufgefuehrten Woerter habe ich zumindest noch nie im taeglichen Leben gehoert oder gelesen. Und „beibringen“ ist hier immer automatisch mit „am Pult stehen und auf die Zuhoerer einreden“ verstanden. Das „beigebracht bekommen“ einfach auch nur „machen und Spass haben“ heissen kann, ist selbst fuer viele Lehrer absolut unvorstellbar. Aber trotzdem entschuldigt das diese Ignoranz und Engstirnigkeit dieser Frau nicht.

    Ich weiss leider nicht, wie das in Deutschland mit Blindenschulen und der Integration von Blinden ins alltaegliche Leben ist, aber hier werden die Kinder und Erwachsenen mehr oder weniger voellig in ihre eigene Welt abgeschoben. Mein kleiner Freund war wohl bis zum Schulbeginn normal in einer normalen Kindertagesstaette, aber danach musste er in die Blindenschule, die wohl fuer die Klassen 1 bis 9 nur 20 Schueler aufweist. Die Oberschule hat wohl 30 Schueler, weil da auch Aeltere wohl bis 50-Jaehrige teilnehmen, die durch Diabetes etc. spaeter ihr Augenlicht verloren haben und irgendwelche blindentauglichen Lizenzen machen wollen. Und mein kleiner Freund hat ausser den anderen 19 Leuten und den Lehrern im taeglichen Leben kaum die Chance, mal gleichaltrige Kinder zu treffen. Und das finde ich absolut schrecklich. Und seine Eltern haben einen Laden und er 2 kleinere Geschwister (0 und 2 Jahre), so dass sie leider nicht sooo viel Zeit fuer ihn haben, wie sie gerne wollten. Naja, ich werde ihn moeglichst oft mal in den katholischen Hort mitnehmen, da hatten er und die anderen Kinder am Sonnabend viel Spass miteinander und vor allem war er herzlich willkommen, und im naechsten Monat veranstaltet eine Freundin eine Kinderparty, zu der er auch sehr herzlich eingeladen wurde.

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