Shouwa no Hi

Gestern war der erste freie Tag in der sogenannten Goldenen Woche, in der mehrere freie Tage aufeinander folgen und die viele Japaner dazu nutzen, in ihre Heimatstaedte zurueckzukehren. Um die Wirtschaft anzuregen, hat die jetzige Regierung den Kostenpflichtige Langsamstrassen- Autobahnmaut auf einen Hoechstbetrag von 1000 Yen gesenkt, was laut Nachrichten von 2mal mehr als sonst Japanern zu Ausfluegen genutzt wurde, ohne dass es zu den erwarteten Horrorstaus kam.

Goettergatte und <grosses Maedchen> verabschiedeten sich fuer 5 Tage und machten es den anderen Japanern nach und fuhren zu Oma und Opa. Da ja die Schulen nicht etwa die 2 freien Tage auch freigeben oder wenigstens mit 2 Sonnabenden tauschen, musste natuerlich einer zuhause bleiben und auf unsere Oberschuelerin aufpassen.

Sicher haette man den Tag ja auch mal zu einem Tagesausflug nutzen koennen, aber japanische Sportklubs ignorieren ja auch Feier- und Ferientage und trainieren oft 365 Tage im Jahr. So auch der Volleyballklub, aber gluecklicherweise war dann irgendwann gegen 14.00 Uhr Schluss, und N. kam nach Hause. Ich hatte erst ueberlegt, ob ich vielleicht doch schon vorher essen sollte, aber da ich ja eine kleinkindersturmfreie Bude hatte und Mausepieps auf anderes als Milch noch keinen Wert zu legen scheint, assen wir dann doch zusammen ein etwas spaetes Mittagessen und probierten die von ihrer Mutti geschickten Nudeln aus. Lecker! Zwar ist Zitronengras immer noch eine Geschmacksrichtung, an die ich noch nicht so gewoehnt bin, aber es ist auch nichts, was ich nicht mag.

Nach dem Essen machte sie sich an ihre taegliche LETTERING-Lizenz-Uebung, was im Essentiellen die zweifach groessere exakte Kopie eines vorgegebenen Schriftzeichens oder Buchstabens zu malen ist. Da N.s Tomaten, die sie sich neben diversen anderen Poetten auf unserem Balkon haelt, langsam doch umgetopft werden wollen und es ein absolut unwiderstehliches Angebot fuer Erde gab, fuhren wir dann schnell einkaufen. Im Auto kam dann wieder das Standard-SAMUIIIII (Boah, wie kalt es ist.) von ihr und ein Stossseufzer, wie schoen denn jetzt ein Onsen waere. N. angeschaut meinte ich nur, da spraeche doch nichts dagegen. <Grosses Maedchen> ist nicht da, und da wir so wieso erst so spaet gegessen haben, macht es doch auch gar nichts, wenn wir auch spaeter als sonst zu abend essen. Bei Heimwerker die Erde gekauft, und dann begutachtete N. die diversen Saetzlinge und Samentueten, wo dann mit grossen Freuden Feldsalat und Erdbeeren gekauft wurden. Das, wofuer sie sich aber am meisten interessierte, waren die Blaubeerbaeume (also die amerikanischen kirschgrossen Blaubeeren, nicht die kleinen aus Europa). Aber nach vielem Hin und Her entschloss sie sich doch, erst noch einmal ihren Vater zu Pflege- und Bestaeubungsmethoden zu befragen, bevor sie die fast 1000 Yen dafuer ausgibt.

Da die Zeit dann doch schon ganz schoen vorangeschritten war, fuhren wir dann schnell nach Hause. Ich lief zurueck in die Wohnung und holte Handtuecher und die Sachen fuer den Kleinen und dann ging es in Richtung des kleinen, knuffigen Nachbarschaftsonsen. Dort wurde <kleiner Sohn> wieder mal damit kommentiert, wie suess und charmant er sei. (Was ich ja auch unterschreiben wuerde…) Nur ging’s an dem Tag ueber die Maedchenschiene: Was fuer ein suesses Maedchen! Oder: Wenn man das mit dem Geschlecht nicht wuesste, koennte man ihn wegen seines Gesichts fuer ein Maedchen halten. *drop* An anderen Tagen darf ich mir die genau gleichen Kommentare fuers andere Geschlecht anhoeren. Och, wie suess! Er hat ein richtig huebsches Jungengesicht.

Als wir wieder zuhause waren, waren es Dreiviertel Acht. Schnell die Fische im Ofen gebraten und gegessen, und dann lagen wir wieder im normalen Zeitplan, so dass der etwas nach hinten verschobene Tag doch keine weiteren Auswirkungen auf <Kleiner Sohn> hatte. *puh*

Uebrigens erzaehlte mir N. gestern, wie das mit ihrer Bewerbung fuer YFU gelaufen sei. Thailaender koennen sich wohl fuer 19 Laender bewerben, neben den USA und Deutschland auch fuer viele europaeische Laender, China, Japan, Suedkorea und in Lateinamerika auch fuer mindestens Chile und Brasilien. N. hatte sich wohl ueberlegt, auch fuer Norwegen oder Schweden oder Estland zu bewerben, aber die Laender wie auch Brasilien wurden wohl von ihrer Mutti als „zu weit weg“ eingestuft. Nach moeglichen Laendern gefragt kam… tätärötääää…Daenemark als Vorschlag. Auf die Naehe zu den „zu weit entfernten Laendern“ verweisend fragte N. nach dem Grund. „Die Milch sei da lecker!“ – so die Antwort, die bei uns beiden etwas sehr grosse Verwirrung und Ueberraschung ausloeste. Nach einem Jahr in dem Land kann ich mich voller Ueberzeugung sagen, dass Daenemark toll ist. Aber eigentlich fand ich die Milch auch nicht soooo wesentlich besser als die in den Niederlanden oder in Deutschland oder anderen Laendern. Jedenfalls entsprach N. dem Wunsch ihrer Mutter und gab Daenemark als Zweitwunsch an, war dann aber auch sehr froh, dass sie die hohen Testanforderungen fuer das sehr, sehr populaere Japan doch bestand.

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2 Kommentare zu “Shouwa no Hi

  1. Hi!
    Ich verfolge schon etwas länger deinen Blog und finde deine Geschichten aus dem Alltag sehr interessant! 🙂
    Wie viele Sprachen sprichst du? Wenn du in DK und NL warst und nun in Japan lebst…da kommt ja einiges zusammen =)

    Liebe Grüße und schreib immer schön weiter!

    Marina

  2. Hallo Marina,

    schoen, dass dir mein winziger Blog gefaellt und viel Spass beim Weiterlesen.

    Keine Ahnung, ehrlich gesagt. Ich weiss nicht, wie gut es meinen Sprachen geht. Und einige habe ich auch von vornherein nie mitgezaehlt. Vielleicht ja so 5.

    Viele Gruesse

    Higanbana

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