Und Gott …

…ruhte am 7. Tage von allen seinen Werken, die er gemacht hatte. (1. Mose 1.2)

 Unter dem Thema koennte man die Probleme und deren Loesung der letzten Tage zusammenfassen. Nachdem N. von der 3-taegigen Wir-lernen-uns-alle-kennen-Klassenfahrt in den Sueden der Praefektur nach Hause kam, teilte sie uns kurz mit, dass sie dem Volleyballklub als Manager beitreten wolle.  Zugegebenerweise, ich war nicht besonders gluecklich ueber ihre Wahl eines Sportklubs, aber naja, es ist auch nicht so, dass ich nicht verstehen kann, warum sie ihn gewaehlt hat. Aber was mich echt hat sauer aufstossen lassen, war die Tatsache, dass sie nicht nur JEDEN Sonnabend, sondern auch JEDEN Sonntag beabsichtigt, in die Schule zu tigern. Das heisst nicht nur, dass Familienleben auf 2 Abendessen in der Woche (!!) begrenzt ist, sondern es bedeutet auch, dass wir nicht mal einen Tag in der Woche haben, wo wir mal einen ruhigen Morgen haben, wo nicht einer panisch durch die Wohnung rennt, weil er oder besser sie den naechsten Zug nicht bekommt. Und das weit vor 8 Uhr morgens.
Jedenfalls erwaehnte ich am Sonnabend, dass ich nicht besonders gluecklich ueber ihre Klubwahl bin, beschloss aber doch mal zu sehen, wie das am Sonntag laeuft. Und dann der Hammer war, dass sie das wohl sofort als Verbot ausgelegt hatte und eine Panikkonsultation mit ihrer Betreuerin in Thailand abhielt. Und die nahm wohl selbst gleich das Wort „Familienwechsel“ in den Mund.  
Ich dachte bald, ich hoere nicht richtig, als ich mich nach einem leider meine boesen Erwartungen voll entsprechenden hektischen Sonntagmorgen doch zu einem Gespraech mit Naii entschloss und sie mir das erzaehlte, dass ihre Betreuerin ihr das wohl gesagt haette. Da macht echt jemand aus einer Fliege einen Elephanten. Oder Wal wuerde es bald besser treffen. Naja, jedenfalls interpretierte sie in das Gespraech noch mehr rein als noetig. Und dann passierte noch etwas, was mich in Bezug auf Goettergatten echt zum Explodieren brachte und sie bloederweise auch auf sich bezog.
 
Jedenfalls verlies sie Montag frueh dann fluchtartig die Wohnung, auch wenn Goettergatte meinte, sie waere nurmit dem Aufschliessen der Trainingsraeume dran, so besteht trotzdem kein Grund, in so einem Fall 35 min vor Abfahrt des Zuges das Haus zu verlassen. Soo weit ist es nun auch nicht bis zum Bahnhof.
Ich schrieb ihr eine Mail und versuchte es ihr zu erklaeren, aber stellte bloederweise 2h spaeter fest, dass ich sie an  Goettergatten geschickt hatte. An dem Tag sollten zufaelligerweise auch die Betreuer nach Oita kommen, also beschlossen wir doch, auch darueber zu sprechen. Ich war ja auch bereit, mit weniger abzufinden, als ich gerne gehabt haette, aber einen Tag in der Woche brauche ich einfach auch etwas Auszeit und will man die Ruhe finden, mich mit N. zu unterhalten oder zu fuenft was zu unternehmen. Und sei’s auch nur mal so Triviales wie was zusammen backen oder Hochzeitsfotos anschauen und Yukataanziehen ueben. Aber irgendwie wusste ich auch nicht mehr, wie ich das rueberbringen konnte, wenn das sooft ueberinterpretiert wird.
 
Mit zwei Erklaerungsmails war zumindest die Sache mit Goettergatten richtiggestellt und wurde richtig von ihr verstanden. Und sie sah auch ein, dass das Kommen der Betreuer doch wichtiger war, als sie es anscheinend aufgefasst hat. Jedenfalls wollte sie um 5 Uhr nach Hause kommen. Aber erstens weil nicht die echte Notwendigkeit bestand, beim Gespraech der Betreuer mit uns rumzusitzen und zu warten und zweitens, weil ich auch zeigen wollte, dass ich schon ihre Gefuehle fuer den Klub verstehe, schrieb ich ihr, sie solle ruhig ne Stunde gehen und dann bloss den 6 Uhr Bus nach Hause nehmen. Worueber sie wohl absolut gluecklich und dankbar war. Dann kam gegen 6.30 Uhr eine ziemlich muede N. nach Hause, die dann mit den Betreuern in ihrem Zimmer verschwand und ne knappe Stunde miteinander redeten. Mit dem fuer mich etwas schockierenden Ergebnis, dass sich nichts aendern wuerde. Aber als Goettergatte dann mit genau dem Kompromiss, ueber den ich so wieso schon die ganze  Zeit nachdachte, kam, sie koenne doch 6 Tage voll gehen und uns einen Tag am Wochenende, sprich den Sonntag, lassen, da war dann
gluecklicherweise auch sie einverstanden. Und wenn ein Spiel ist und sie zum Anfeuern hinwill, dann habe ich ehrlich gesagt auch keine Probleme damit. Na gut, dann ist jeder gluecklich und kann mit dem leben. Und nachdem die Betreuer weg waren, verbrachten wie einen restlichen sehr schoenen Abend miteinander, bevor die Kinder dann ins Bett mussten.
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2 Kommentare zu “Und Gott …

  1. Nun,ja,mal sehen,wie das mit dem Kompromiß läuft.
    Ist denn zu erwarten,dass Ihr eure Kinder,erst mal im Schulalter,auch nur noch an 2 Abenden in der Woche seht?

  2. Hallo Carmen,

    ich habe schon eher das Gefuehl, dass es gut geht, denn N. scheint ja auch unsere Seite zu sehen, auch wenn sie Familienleben als langweilig betrachtet. Gestern wollte sie auch den 19.10 Bus nach Hause nehmen, auch wenn die Willkommensfeier fuer die neuen Klubmitglieder noch lange nicht zuende war.

    ***
    Solange wie ich was in der Sache zu sagen habe, werde ich bestimmt NICHT die Erlaubnis zum Eintritt in einen solchen Klub gestatten, wenn es keine wirklich ganz besonderen Gruende gibt. Nicht mit mir!

    Aber ansonsten ist das in der jetzigen Zeit eher die Regel als die Ausnahme. In Orten, wo es mehrere Schulen gibt, muessen die Schulen um neue Schueler kaempfen, wo jetzt die Kinderzahlen so abgesunken sind und eher weiter sinken. Und wer nicht ueber die Schiene „Bei uns sind Plaetze auf den Topunis garantiert.“ geht, der macht es entweder ueber besondere Zweige wie z.B. den Designzweig von N. und/oder ueber Garantien, dass die Klubs zu den Landesbesten oder zumindest Praefekturbesten gehoeren. Berufssportler zu werden, besonders im Baseball, ist naemlich DER Traum vieler Jugendlichen und Berufswunsch Nr. 1 der Jungen. Und du muesstest mal sehen, wie Medaillen von Oberschulen und Unis zur Schau gestellt werden. Da war das ja zu DDR-Zeiten noch harmlos mit ihrem „hoeher, weiter, schneller“-Spitzensport ist alles-Motto. Und bei solchen Zustaenden waeren natuerlich nur 2 bis 3 Trainingstage undenkbar. Ja, und fuer den beaufsichtigenden Lehrer bedeutet das zig unbezahlte Ueberstunden ohne jegliches Familienleben, das ja bei Pflichtumzuegen alle 5 Jahre oder gar noch kuerzer noch weniger geht. Ein Freund von mir musste, da ja unverheiratet und Zeit habend, den Bogenschiessenklub uebernehmen und hatte 3 Jahre lang nicht wirklich ein Wochenende frei. Das ist echt so krank! Kein Wunder, dass es vor ein paar Jahren passierte, dass ein Lehrer wegen Ueberarbeit gestorben war und der alles andere als ein Einzelfall nur so bekannt wurde, weil seine Witwe den KAROUSHI – Tod durch Ueberarbeitung- gerichtlich anerkannt bekommen hatte. 120 Stunden Arbeit die Woche, meine ich , war die Zahl, von der in den Medien gesprochen wurde. Die Schule wollte „nur“ 80 anerkennen, was dann wohl nicht in die Definition „KAROUSHI“ gefallen waere.

    Einen anderen Grund sehe ich auch bei den Klubs. Es gibt viele Eltern, die sich wohl nicht trauen, ihren Kindern irgend etwas zu verbieten. Ein Schueler von mir musste den Unterricht einstellen, weil er wegen des Mittelschulklubs keine Zeit mehr hatte. Er waehlte naemlich den Baseballklub, der mo-fr bis abends 20 Uhr und am Wochenende und in den Ferien wohl von 9 bis 18.00 Uhr trainiert. Was bedeutete, dass der Siebentklaessler jeden Schultag gegen 20.30 Uhr nach Hause kam, badete, ins Bett ging und dann am naechsten Morgen um 5 Uhr aufstand, um die Hausaufgaben zu machen. Seine Mutter auf jeden Fall und ich meine auch sein Vater waren extremst dagegen, aber weil er selber nicht aufhoeren wollte, haben sie die fuer sie auch unangenehme Sache geschluckt. Und so wie ich andere Eltern kennen gelernt habe, scheint das eher kein Einzelfall zu sein. Daher ist mir endlich klar geworden, warum die Frau von meinem Frauenarzt in Zirkeln immer so betont, das Ausschimpfen und Verbieten (in Ma-ssen natuerlich) auch ein Ausdruck von Liebe ist.

    Und einen anderen Grund sehe ich auch. Wenn die bei weitem staerker als Kinder gehaltenen Mittel- und Oberschueler in der Schule an Klubs teilnehmen, sind sie beaufsichtigt und beschuetzt. Daher sind wohl auch ein Teil der Eltern, deren Kinder nicht bis abends zu Paukschulen gehen, direkt erleichtert, wenn sie so beaufsichtigt werden. Und bei dem Gedanken „Teenager sind Kinder, die so wieso nichts selber koennen.“ ist es absolut realitaetsfremd zu erwarten, Mittel- und Oberschueler koennten alleine was organisieren oder so etwas wie Radtouren mit Freunden unternehmen. Ihr (einziger) Umgangskreis sind die Teilnehmer des Schulklubs, und was anderes machen wuerde ja bedeuten, dass man genau nichts mit ihnen unternimmt.

    Unter dem Aspekt verwundert mich auch nicht mehr, dass die wenigsten Japaner unfaehig sind, mit Leuten, die aelter oder manchmal auch juenger sind, zu reden. Es bestehen gar keine Moeglichkeiten, bei der jetzigen Schulrealitaet mal andere Leute zu treffen und Kommunikation zu ueben. Klubs ausserhalb der Schule: eher selten Reisen und Ausfluege ausserhalb von Schul- und Familienkreisen: sehr selten bis nicht vorhanden. Juku: so wieso die gleichen Schueler, die man aus der Schule kennt. Und wenn man dem, was N. von Thailand erzaehlt hat, glauben kann, dann scheint es da noch schlimmer zu sein (Klub von 7 bis 24 Uhr). Kein Wunder, dass Asiaten in Deutschland mit Familienleben und Selbstorganisation absolut voellig ueberfordert sind und gar nicht nachvollziehen koennen, wenn europaeische Eltern von ihnen Teilnahme an etwas Sinnlosem und Langweiligem verlangen und ihnen z.B. die fuer Japan sooooo beruehmten tollen Schulklubs verbieten wollen. (Ich glaube naemlich nicht, dass sich unsere Probleme so sehr unterscheiden, nur dass Japan nicht als Reiseland, sondern als Wir-haben-Fun-in Schulklubs verkauft wird.)

    Liebe Gruesse

    Higanbana

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