Einschulung in Japan

Ich hatte leider eine Vorbesprechung fuer einen Job auf 11.00 Uhr morgens gelegt bekommen, daher hatte ich lange mit mir gerungen, was ich nun mache. Ich haette schon gerne gesehen, wie die Einschulung vor sich geht, aber zuspaetkommen durfte ich nun leider auch nicht. Aber die Neugier siegte, also entschloss ich mich, mit Goettergatten und Austauschkind in die Schule zu fahren und dort bis 10.30 Uhr teilzunehmen und dann eben zwischendurch die Zelte abzubrechen und gen Besprechungsort zu fahren.

Nach der offiziellen Einschulungszeremonie fanden dann Besprechungen im jeweiligen Klassenzimmer statt, wo dann auch so wichtige Dinge, wie natuerliche Locken und vom Japanerschwarz abweichende Haarfarben notiert wurden. Und nach der ausgiebigen Schulbesichtigung konnten dann die Schueler in der Turnhalle ihre vorbestellten Zugmonatsfahrkarten oder Sportschuhe etc. kaufen. Und in dem Zusammenhang lernte ich dann auch einige Mitschuelerinnen und einige Sempai von N. kennen, die von unserem Kleinen voellig begeistert waren. „Der weint ja gar nicht.“ „Boah, ist der suess!“ Und das im heftigsten Ortsdialekt. Da denn, N., viel Spass beim Dialektlernen. *lach* 

Und was mich noch etwas zum Lachen brachte, war die Tatsache, dass einige echt glaubten, Soehnle waere N.s echter kleiner Bruder. O.k., es soll ja auch 13-Jaehrige geben, die Vater werden, aber Grundschulvaeter doch eher wohl nicht, oder? Und dann noch ich als eindeutig Weisse soll eine Thai als Tochter haben? Naja, jedenfalls hatte es ne Weile gedauert, bis sie das mit dem „HOMUSUTEI“ verstanden hatten. Aber zu ihrer Ehrenrettung muss auch gesagt werden, dass hier vor Ort Austausch wirklich noch echt was Besonderes ist. An Mittelschulen gibt’s das so gut wie nie, und wenn nicht alle im YFU-Sinne moegliche Univorbereitungsschulen in der Umgebung dieses Jahr nicht gekonnt haetten, dann haetten sie NIEEE im Leben selber N.s technische Oberschule gefragt. Man schickt halt eben nur ATS auf das Beste, was die Stadt oder gar die Praefektur zu bieten hat, naemlich die Kaderschmieden Eliteschulen und wuerde nie im Leben daran denken, nichtjapanischsprechenden ATS auf Schulen mittleren Niveaus mit relativ grossem praktischem Teil zu schicken. ^^

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2 Kommentare zu “Einschulung in Japan

  1. Eigentlich sollte Austausch doch Kulturaustausch sein. Wie kommt YFU denn dann darauf, die Schüler im Zweifelsfall mit einer zu schwierigen Schule zu überfordern?
    Ich dachte, die Auswahl der Schule richtet sich nach Vorkenntnissen, Fähigkeiten und Sprachniveau?

    Eine Frage hätt ich dann doch noch:
    Warum wird denn die Haarfarbe notiert?

  2. Hallo Hostmam,

    herzlich Willkommen in meinem kleinen Blog!! 🙂

    In den allermeisten Schulen ist laut den Schulregeln Haarefaerben und Dauerwelle etc. verboten. Einer der offiziellen Hauptgruende: Schaedigung des jugendlichen Haars. Wenn nun ein Schueler natuerliche Locken hat oder, was weiss ich, durch ein ewig rezessiv gewesenes, ploetzlich aktiv gewordenes Gen mittelbraune Haare bekommen hat (es gab z.B. ein Volljapanerin an L.s Schule, die nicht schwarzes oder schwarzbraunes Haar hatte), dann will das die Schule gerne wissen, damit sie ihm oder ihr das nicht als „Verstoss gegen die Schulordnung“ auslegen.

    Was die Schulart betrifft, so ist das kein YFU-, sondern ein Japanproblem. ATS sind Gaeste hier im Land, und Gaesten tut man natuerlich das Beste an, was man so hat. Und das Beste an Schulen, was man nach dem japanischen Verstaendnis hat, sind nun mal die Eliteschulen. Das mag fuer japanische Schueler vielleicht ja auch zutreffen, nur dass das fuer ATS nicht unbedingt der Fall ist, ist fuer die allermeisten Japaner ohne jegliche Austausch- oder gar nur Auslandserfahrung voellig ausserhalb der Vorstellungskraft. Daher sind eben Spezialoberschulen fuer sie nur „Mittelmass“, weil eben die meisten Abgaenger einer solchen Schule nicht eine Unilaufbahn anstreben, sondern „nur“ zu arbeiten anfangen oder auf eine Berufsschule gehen. Und sowas Gaesten anzubieten, daran wuerde kein normaler Japaner je denken.

    Die Eliteschulen loesen das Sprachproblem oft damit, dass sie den ATS entweder „internationale Kurse“ mit 9-15 Stunden Englisch auf Zweitjahrniveau in Deutschland antun. Oder sie wahlweise aus Naturwissenschaften oder Sozialkunde etc. voellig rausnehmen, die dann die Schueler entweder durch Einzeljapanischunterricht, durch Absitzen in der Bibliothek oder durchs Belegen von Musik/Kunst/Kalligraphie in anderen Klassen oder Klassenstufen absolvieren. Eine mir bekannte ATS hat zum Beispiel 6 Stunden Englisch, 8 Stunden Japanischeinzelunterricht und 6 Stunden Absitzen bei so um 33 Wochenstunden. Und an Physik und Bio darf sie nicht teilnehmen, weil sich das mit Kunstfaechern ueberschneidet. Ich will uebrigens nicht gesagt haben, dass Kalligraphie etc. nicht interessant sein kann, aber leider ist es nun mal so, dass in solchen Faechern aehnlich wie Sport eher selten geredet wird, so dass man Japanisch eher nur wenig hoert.

    Ich persoenlich stimme da voellig mit dir ueberein, wenn das der normale Zustand ist, dann waere auch meines Erachtens eine Oberschule geringeren Niveaus besser. Vor allem, weil die Klassenkameraden dann eher nicht jeden Tag nach der Schule zu Paukschulen tigern, sondern mehr Zeit fuers Schulklubleben oder zum etwas mit der ATS Unternehmen haben.

    Liebe Gruesse

    Higanbana

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