Ich haette da ein kleineres Problem…

Am Donnerstag bekam ich einen Anruf von einem Kollegen, der mich fragte, ob ich etwas Zeit haette, weil er unbedingt mal was mit mir besprechen muesse. Klar doch, ich muss zwar noch was fertigmachen, aber am fruehen Nachmittag koennte ich etwas Zeit fuer ihn freimachen.

Ich erwartete zugegebenerweise nichts weiter Tragisches, bis jener Kollege mir mitteilte, dass er ein kleineres Problem mit ESTA haette. ESTA  was? Innerhalb von Minuten durfte ich lernen, wie ignorant ich ueber die Jahre hinweg gewesen bin, dass mir die Formalitaeten fuer eine Einreise in die Staaten nicht bekannt gewesen waren. Nach dem Crashkurs wurde ich ueber das “kleinere” Problem von ihm aufgeklaert: Es wurde abgelehnt, weil er die Frage nach einen Aufenhalt nach Ablauf des Visums falsch verstanden und mit Ja beantwortet hatte. Und da seine Passnummer jetzt als “unerwuenscht” gespeichert wurde, konnte auch eine erneute Beantragung nichts an der Sache aendern.

Ja, gut, ich soll in den Staaten anrufen? Bis wann denn? Heute abend, denn der Flug geht morgen los. *umkipp* Und das ist ein “kleineres” Problem? Naja, gut, lass es uns versuchen. Um mir die Sache etwas zu erleichtern, immerhin haette ich da 2 Kinder, auf die ich aufpassen muss, bot er mir an, zu mir zu kommen, so dass wir von hier aus anrufen koennten. Wir versuchten es mehrere Male, aber immer wieder war besetzt. Dann fing auch noch sein Telefon an zu piepsen, dass die Batterie bedenklich leer sei. Gluecklicherweise sah er ein Kabel, womit er es ueber unseren Computer wieder aufladen konnte. Irgendwann kamen wir dann in die automatische Voransprache, welche Taste wir wofuer zu druecken haetten. Und nachdem wir uns 3 min oder gar laenger die Vorlesung angehoert hatten, kam ein freundlich-bestimmtes “Good-bye”, und das Gespraech war beendet. Ich gab nicht auf, und als ich glaubte, dass wir gar nicht mehr durchkommen wuerden, kam ploetzlich eine Stimme: “Hello, I’m Julie. How can I help you?”

Oh my gosh, wir sind endlich durchgekommen?!!! Ich schilderte der Damen das Problem, worauf sie meinte, dass wir eine andere Nummer anrufen sollten. Etwas entgeistert, wenn auch dankbar schrieb ich sie auf, bis sie ploetzlich ihr Gespraech mit einem “Ich verbinde Sie!” beendete. Wie jetzt, wir muessen nicht noch einmal anrufen?! Es kam dann auch gleich die  Stimme eines Mannes, dem ich noch einmal das Ganze schilderte. Er wollte die Passnummer wissen und meinte dann nur “einen Augenblick, bitte!”. Und dann wirkte das Telefon wie tot, nur der Zeitzaehler zeigte uns, dass wir immer noch mit den Staaten verbunden waren. Die Minuten zogen sich hin, und langsam bekam ich doch Zweifel, ob da nicht irgendwas schiefgegangen sei, bis ploetzlich der Mann wieder sprach, uns erklaerte, dass er die Anmeldung geloescht haette, uns einen schoenen Tag wuenschte und auflegte, bevor wir uns im Klaren waren, was er eigentlich meinte.

Ich wollte keine weiteren Risiken eingehen, also begannen wir, ueber meinen Computer das ESTA noch einmal neu zu beantragen. Nach einigen Korrekturen klickte mein Kollege unter unser beider Herzklopfen auf Enter und … bekam ein “保留” (unter Bearbeitung / aufgeschoben). Wir fielen uns nach den 2 Stunden Kampf echt in die Arme, auch wenn mein Kollege wegen dem “aufgeschoben” noch etwas Sorgen hatte. Ich wusste natuerlich auch nicht, wie schnell die Teile bearbeitet werden wuerden, aber mehr konnte ich auch nicht fuer ihn machen als es fuer ihn auszudrucken, damit  er wenigstens etwas zum Vorlegen bei der Einreise haette. Aber die Sorgen waren unbegruendet, am naechsten Morgen fand ich eine Kopie des O.k. auf meinem Schreibtisch zusammen mit etwas Dankesschokolade. Der Tag war wegen des Schlafmangels von nicht nur der Kampfnacht echt hart, aber die Freude, dass er sicher in die Staaten fliegen konnte, hatte einen doch aufgemuntert. Jetzt hoffe ich nur, dass wenn wieder mal jemand solche Sorgen hat, nicht erst wieder am Vortag des Abfluges zu mir kommt.

Kindermund

Unser Kleiner mag jetzt 6 sein, aber das haelt ihn trotzdem nicht davon ab, wieder die Sprachblueten in diese Welt zu setzen.

Mama: Mache mal bitte das fuer mich!
Soehnle: Ich werde darueber nachdenken. Vielleicht tue ich dir ja den Gefallen und mache es.

Mama (etwas leicht sauer): Was redest du so ERASOU (vorgeben, als ob man eine wichtige Person ist / hochnaesig sein/ sich besser als andere fuehlen) mit mir?!!!
Soehnle: DATTE ERAI MON. (Ich fuehle mich nicht besser, ich BIN besser als alle anderen.)

*Mama umkipp*

***
Mama ist beim abendlichen Zaehneputzen und Soehnle kaemmt sich daneben die Haare und legt sie sorgfaeltigst in Form.
Soehnle: Mama, sehe ich jetzt KAKKOI (cool, maennlich) aus?
Mama (laechelt): Ja, mein Schatz. Das machst du.
Soehnle (strahlt Mama stolz an): Nicht wahr, genau wie Pretty Cure!

Der Spiegel bedurfte danach einer Grossreinigung… .

***

Mama (zu Soehnle, als er gerade mit einem Kumpel weg wollte.): Raeume mal bitte noch die anderen Schuhe in den Schuhschrank!
Soehnles Kumpel (auf Japanisch): Was hat sie gesagt?
Soehnle: Ich soll die Schuhe aufraeumen. (Dann ganz stolz.) Ich verstehe naemlich Mamas Englisch!

*Mama umkipp*

Soehnles erster Schultag

Wir verabredeten uns mit den anderen 4 Kindern aus der Nachbarschaft, dass Toechterle und eine der Mamas die Kinder zur Schule bringen wuerde. Das Bento war auch fertig mit Zutaten, die sich Soehnle extra gewuenscht hatte, so dass einem erfolgreichen ersten Regelschultag nichts mehr im Weg stellen sollte. Nach der Schule sollte es dann in den Hort gehen, wo dann Soehnle mit grossem Schwesterchen zusammen um 17 Uhr nach Hause gehen wuerde.

Dachten wir zumindest! Ich erhielt einen Anruf von Goettergatten, dass es einen Mordversuch gegeben habe und die Schule darauf besteht, dass wir die Kinder schnellstens abholen und sicher nach Hause bringen. Da GG der von uns war, der schneller an der Schule sein konnte, holte er die Kinder ab und brachte sie in Sicherheit nach Hause.

Ich konnte es kaum erwarten, endlich von Maennle mehr Details zu hoeren, und dann musste ich doch etwas mit den Kopf schuetteln. Wenn mich jemand fragt, ist das eine voellige Ueberreaktion der Schulen hier in der Stadt gewesen. Ich frage mich, ob es in Deutschland vorstellbar waere, dass wenn es eine Messerstecherei im Sueden von Frankfurt gegeben haette, ob dann saemtliche Schulen bis in den Norden in den Ausnahmezustand versetzt werden. Bei Massenerschiessungen wie in Erfurt, Norwegen oder den viel zu vielen in den USA haette ich es ja noch verstanden, selbst wenn der Killer sich dann selbst erschossen haette. Aber so? Mein Gott, 2 Maenner, die wahrscheinlich auch noch Yakuza (Mafia) gewesen sein koennten, da die hier in der Stadt ziemlich aktiv ist, sind mit einem Messer aufeinander losgegangen. Und das nicht einmal in der unmittelbaren Umgebung der Schule, wie ich befuerchtet hatte, sondern 8-10 km weg.

Naja, man muss das Positive in der Sache sehen. Ich konnte meine Sachen um 17 Uhr packen, obwohl ich am Tag davor die Frechheit hatte, einen Tag freizunehmen. Und GG sollte an dem Tag planmaessig festgelegte Ueberstunden machen, die ihm so erspart worden. So hatte der Schreck doch etwas Postives.