Sommerferien und ein neues Schwesterchen

Dieses Jahr verging der August schneller, als ich gedacht hatte. Da unser lieber Opa ploetzlich im Dezember verstorben war, fand dieses Jahr zum japanischen Totenfest Obon auch das Hatsubon (wortwoertlich: das erste Obonfest nach dem Tod eines Angehoerigen) statt. Wir hatten daher eine atemberaubend laaaaaaange Woche Sommerferien. Undenkbar in Japan!

Wir mussten auch unsere 2 Ratten mitnehmen, und mit mindestens 1600 km duerften sie jetzt zum Kreis der weitgereisten Ratten gehoeren. Sie hatten gluecklicherweise die Fahrt im Schiff gut ueberstanden dank des Eis, das wir im und um den Kaefig platzierten. So sehr viel komfortabler die Faehren auch in den letzten 15 Jahren geworden sind, so sind sie nicht auf die Mitreise von Haustieren eingerichtet.

Nach unserer Rueckkehr blieb nur noch wenig Zeit fuer die restlichen Hausaufgaben und *hust* das Aufraeumen des Maedchenzimmers, weil Toechterle natuerlich wieder geschafft, das von mir aufgeraeumte Zimmer erfolgreich in den urspruenglichen Zustand zurueckzuversetzen.

Toechterle sollte am Sonnabend frueh wieder in den Zug in Richtung ihrer Lieblingsinsel zu setzen, aber je dichter der Tag rueckte, um so bedrueckter wirkte sie. Da heiterte sie auch ein Karaokebesuch und Spielen mit der Tochter einer Freundin nicht wirklich auf. Nach dem Grund befragt erzaehlte sie, dass mit ihrem Bruder zusammen Geburtstag feiern wollte. Und es bedrueckte sie auch, dass unsere neue ATS nicht treffen sollte.

Wir fragten sie also, was ihr wichtiger war: das Camp oder der Geburtstag und etwas Zeit mit ihrer neuen grossen Schwester. Sie waehlte ohne gross nachzudenken das letztere. Also sagten wir zu ihrer grossen Freude das Camp ab.

Am naechsten Morgen hiess es dann, um 11.40 Uhr eine kleine Daenin abzuholen. Sie war etwas ueberrascht, weil ich ihr gesagt hatte, dass unsere Kleine leider nicht da sein wuerde. Um so groesser war die Freude, sie doch zu treffen.

Die Maedchen schienen sich gut zu verstehen. Anne versuchte, ihre Englischkenntnisse zu benutzen. Beachtlich, wenn man bedenkt, dass sie noch kein Englisch gelernt hat. Aber ab und zu baute sie Deutsch mit ein wie „Das… my brother’s bike.“ Eine kleine Daenin fand das sehr witzig.

Nach dem Mittagessen im nahegelegenen Familienrestaurant richtete sich eine kleine Daenin in ihrem neuen Zimmer ein. Da wir noch einmal einkaufen fahren mussten, nahmen wir sie auch gleich mit. Unser Kleiner wollte unbedingt auch ein Spiel machen, so dass wir 10 min totschlagen mussten. Als wir uns den Kimonoladen in der Naehe anschauten, wurde sie eingeladen, doch mal eine Furisode ihrer Wahl anzuprobieren. Sie waehlte etwas zu meiner Ueberraschung eine relativ unscheinbare Furisode in Schwarz mit gruenem und goldfarbenen Mustern. Juunin-toiro 十人十色. Geschmaecker sind wirklich verschieden! Aber das ist auch gut so.

Am naechsten Tag hiess es dann, am Vormittag den administrativen Teil zu machen. Wir fuhren also zur Stadtverwaltung und machten die Anmeldung fuer sie. Ich hatte erst ueberlegt, wie wir am Nachmittag zur Schule fahren sollten. Theoretisch hatte ich das Auto, aber so konnte ich ihr auch die beiden Moeglichkeiten bis zur Schule zeigen. Wir liefen also zum Bahnhof und nahmen den Zug. Da konnte ich sie auch gleich einer Freundin vorstellen, die dort am Bahnhof arbeitet.

In der Schule wartete auch gleich noch Frau N. auf uns, die sich nicht wie gedacht als Klassenleiterin, sondern als Koordinatorin fuer die Austauschschuelerinnen herausstellte. Sie erzaehlte uns so einiges, was wir ueber die Schule wissen muessen. Die Schule hatte unserer Daenin auch die Uniform herausgesucht, die auch sehr gut passte. Ich schenkte der Schule auch die Schuhe, die unsere Finnin hinterlassen hatte. Sie sind relativ teuer, und dort duerfte sich schneller mal jemand finden, der ueber etwas Geldsparen dankbar sein sollte. Wir kauften auch noch Sachen wie Struempfe und Schulschuhe, so dass sie dann am Freitag ohne Probleme mit ihren Klassenkameradinnen die Schulbank druecken kann.

Bevor wir nach Hause fuhren, kaufte ich noch schnell ein Geschenk fuer Soehnle, das wir fuer ihn ausgesucht hatten. Ich zeigte ihr dann, wie man hier Bus faehrt. Auch wenn der Bus so einige Vorteile hat, so entschied sich M. doch dafuer, mit dem Zug zu fahren. So kann sie auch mehr Gleichaltrige auch von anderen Schulen kennenlernen. Und Geld spart sie auch. Und darueber hinaus kann sie die Monatstickets auch an jedem Bahnhof kaufen und muss nicht jedes Mal zur Busfirma hin.

Am Abend nahm ich sie schnell noch zu meiner Kimonolehrerin mit, wo sie sich fuer das Volksfest am 16. September anmelden konnte. Sie bekommt auch die Sachen geborgt, die L. letztes Jahr benutzt hatte. Leider erfuhr ich, dass meine Sensei auch dieses Jahr keine Kimonoshow machen wird, weil leider ihre Mutter ploetzlich verstorben sind. 2 traurige Nachrichten auf einen Schlag. Gluecklicherweise war das letzte Jahr erfreulicher. Ihr Enkelkind war 3 Monate im Krankenhaus, der Grund fuer die Absage der Show im letzten Jahr. Gluecklicherweise ist der kleine Knuffel geheilt entlassen worden. Aber wir werden unsere Daenin doch mindestens einmal schoen anziehen, damit sie ein paar schoene Fotos mit nach Hause nehmen kann.

Heute veranstaltet Soehnles Musikklub ein kleineres Schulfest fuer die Mitglieder und ihrer Geschwister. Und Toechterle schleppte ihre neue grosse Schwester gleich dort mit hin. Ich hoffe, sie, meine Kinder und die anderen Grundschueler werden eine schoene Zeit beim Essen von Eiscreme und Kakigoori haben.

 

 

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Kindermund

Auch wenn Soehnle auf das zweistellige Lebensalter zugeht, so sagt er doch ab und zu die witzigsten Sachen.

500円玉を分裂をしてもらう。“500-en-dama wo BUNRETSU shite morau.“

Wir lagen vor Lachen bald am Boden. Sagen wollte er „Ich moechte mir 500 Yen klein machen lassen.“ Nur leider bedeutet BUNRETSU wortwoertlich klein machen, sprich man nehme eine Axt und spalte die 500 Yen in mindestens 2 Teile.

Fuer die, die das richtige Wort lernen wollen, 両替 ryou-ga-e waere Wechseln in z.B. 5 100-Yen-Stuecke gewesen.

Kinderlose Zeit und Austauschkinder

Am 27. war schon die Zeit mit Toechterle bei uns zuhause zuende. Die viel zu kurzen 5 Tage waren eine Freude, unsere Kleine Grosse bei uns zu haben. Sie spielte mit ihrem Bruder, machte Hausaufgaben mit ihm. Und beide verrichteten meistens zumindest ihre von uns aufgetragenen Aufgaben im Haushalt. Dann kam schon der Freitag, an dem Maennle sie sie zu seiner Familie bringen sollte, damit sie auch den dieses Jahr extraheissen Sommer hier in der Stadt nicht zu erleben brauchen. Wir haben bis 38℃, und das bei 60 bis 80% Luftfeuchtigkeit. Und die Temperaturen nehmen auch nachts nicht wirklich ab, 33℃ ist trotzdem viel zu heiss ohne Klimaanlage. Dazu kommt dann noch die Sonne, die fuer einen schoenen Sonnenbrand oben auf meinem Kopf gesorgt hatte. Das war mir eine Lehre: Egal, ob deutsche Leser das komisch finden moegen, aber ohne Sonnenschirm gehe ich keinen Schritt mehr vor die Tuer.

Mit unserem neuen Gastkind aus Daenemark hatte ich mich einige Male geschrieben, meistens auf Englisch, aber manchmal auch auf Daenisch. Sie ist relativ selten online, aber ehrlich gesagt kann das nur gut sein. Bis jetzt hatten die ATS, die vor dem Jahr fast sofort auf Emails oder Nachrichten geantwortet hatten, auch waehrend ihres Jahres diese Gewohnheit kaum geaendert und hingen hier dann viel zu oft im Netz rum.

Weiter hatte ich mich mit unserer M. zum einem Skypetreffen am 31. verabredet, und wir redeten dann echt fast 4 Stunden miteinander. Gut, es war das erste Gespraech seit ueber einem Jahr. Und weiterhin ging es fuer sie am Donnerstag zu ihrem 2. Japanabenteuer los, und dafuer wollte sie auch noch so einiges wissen. Sie wird eine gute Woche bei einer Freundin in Tokyo bleiben, bis sie dann nach Wakayama reisen wird (die suedliche Nachbarpraefektur von Osaka), um dort an einem 6-woechigen Praktikum teilzunehmen. Aber, ach, war das schoen, wieder einmal von ihr zu hoeren! Am 1. Oktober kommt sie uns dann fuer ca. 10 Tage besuchen, bevor es fuer sie wieder nach Hause geht.

Ich habe auch sehr ueberraschende Nachrichten von unserer letzten ATS und ihrem Gepaeck gehoert. Wir hatten es ja nach Tokyo zu WYS‘ Buero geschickt, weil die 5000 Yen, die wir fuer das Verschicken ihres Gepaecks hinten und vorne nicht reichte. Fuer das Geld kann man nicht einmal 7 kg per Seeweg verschicken. Und es waren mindestens 16 kg. Und da wir die Unmengen an Sachen nicht einmal in eine Kiste bekamen, sondern auf 3 Kisten aufteilen mussten, wuerde das Ganze noch teurer werden.

Das Gepaeck kam auch heil in Tokyo an und wurde mangels Platz unter den Stuehlen im Meeting Room gelagert und die Familie informiert. Aber bis zum heutigen Tage gab es keinerlei Reaktion. Da das Gepaeck dort wirklich stoert, kann WYS nicht mehr lange aufbewahren, sondern muss es, wenn absolut keinerlei Reaktion kommt, in naeherer Zukunft entsorgen.

Ich hatte noch ueberlegt, ob ich ihr trotz allem noch einmal eine Nachricht diesbezueglich schreibe, aber da sie mich anscheinend als Personifizierung allen Boesens aus ihrer Liste geloescht hat, hat sich das wohl erledigt. Dann wandern wohl ihre Slytherintasche oder auch der teure Hakama in den Muell. Ich gab Frau N. von WYS, als sie am Donnerstag in der Stadt war, noch die 5000 Yen. Und wenn jetzt wirklich nichts mehr kommt, dann koennen sie zumindest einen Teil der Transportgebuehren nach Tokyo und die Muellentsorgungskosten damit bezahlen.

Wo wir von Frau N. und ihrem Besuch hier sprechen, anscheinend gibt es dieses Jahr wohl 2 Schueler hier auf Kyushu. Die Schule der Daenin freut sich wohl anscheinend nicht nur auf sie, sondern auch darauf, mich kennen zu lernen. (0_0) Sie will auch von jetzt an aufnahmebereiter fuer Austauschschuelerinnen (ist ja eine Maedchenschule) werden und sich eventuell sogar ab dem naechsten Jahr direct einen ATS bei WYS bestellen. Das mag jetzt komisch klingen, aber in Japan ist das ziemlich verbreitet, dass Schulen sich fuer eine Aufnahme bereit erklaeren und dann innerhalb der Schule nach einer Familie gesucht wird. Allerdings wird dann aber ein „bestellter“ Schueler damit rechnen muessen, regulaer 2 bis 3 Familien zu haben. Bei der anderen Schule auf Kyushu ist es auch so, der ATS dort wird wohl je 5 Monate bei einer Familie wohnen. Nun gut, dann kann er oder sie 2 zweite Familien im Gastland haben.

Und ich hatte Frau N. nach der Moeglichkeit gefragt, ob unsere Daenin mit uns zum Sportfest auf die Insel fahren kann. Sie fand die Idee ganz toll und will fuer uns bei der Schule einen freien Tag beantragen. Gut, dann steht im Ganzen ja hoechstens noch ein Taifun und/oder ein aufgewuehltes Meer im Weg, die beide zur Streichung der Faehre fuehren wuerden.

Leider habe ich auch eine traurige Nachricht fuer unsere Daenin. Nicht nur, dass sie leider nicht das Kulturfest ihrer Schule erleben kann, sie darf anscheinend auch nicht an der Schulreise mit teilnehmen, weil diese in Klasse 11 stattfindet und sie aber in Klasse 10 kommt. Und es gibt wohl anscheinend auch keine Sonderregelung fuer ATS. Naja, dann kann sie wenigstens 100.000 Yen (ca. 900 Euro) fuer andere Sachen ausgeben. Und die Reise zur Insel ist ja nun auch nicht gerade billig, da die Faehre und die Uebernachtungen auch ungefaehr auf 22.000 Yen kommen.