Kinderlose Zeit und Austauschkinder

Am 27. war schon die Zeit mit Toechterle bei uns zuhause zuende. Die viel zu kurzen 5 Tage waren eine Freude, unsere Kleine Grosse bei uns zu haben. Sie spielte mit ihrem Bruder, machte Hausaufgaben mit ihm. Und beide verrichteten meistens zumindest ihre von uns aufgetragenen Aufgaben im Haushalt. Dann kam schon der Freitag, an dem Maennle sie sie zu seiner Familie bringen sollte, damit sie auch den dieses Jahr extraheissen Sommer hier in der Stadt nicht zu erleben brauchen. Wir haben bis 38℃, und das bei 60 bis 80% Luftfeuchtigkeit. Und die Temperaturen nehmen auch nachts nicht wirklich ab, 33℃ ist trotzdem viel zu heiss ohne Klimaanlage. Dazu kommt dann noch die Sonne, die fuer einen schoenen Sonnenbrand oben auf meinem Kopf gesorgt hatte. Das war mir eine Lehre: Egal, ob deutsche Leser das komisch finden moegen, aber ohne Sonnenschirm gehe ich keinen Schritt mehr vor die Tuer.

Mit unserem neuen Gastkind aus Daenemark hatte ich mich einige Male geschrieben, meistens auf Englisch, aber manchmal auch auf Daenisch. Sie ist relativ selten online, aber ehrlich gesagt kann das nur gut sein. Bis jetzt hatten die ATS, die vor dem Jahr fast sofort auf Emails oder Nachrichten geantwortet hatten, auch waehrend ihres Jahres diese Gewohnheit kaum geaendert und hingen hier dann viel zu oft im Netz rum.

Weiter hatte ich mich mit unserer M. zum einem Skypetreffen am 31. verabredet, und wir redeten dann echt fast 4 Stunden miteinander. Gut, es war das erste Gespraech seit ueber einem Jahr. Und weiterhin ging es fuer sie am Donnerstag zu ihrem 2. Japanabenteuer los, und dafuer wollte sie auch noch so einiges wissen. Sie wird eine gute Woche bei einer Freundin in Tokyo bleiben, bis sie dann nach Wakayama reisen wird (die suedliche Nachbarpraefektur von Osaka), um dort an einem 6-woechigen Praktikum teilzunehmen. Aber, ach, war das schoen, wieder einmal von ihr zu hoeren! Am 1. Oktober kommt sie uns dann fuer ca. 10 Tage besuchen, bevor es fuer sie wieder nach Hause geht.

Ich habe auch sehr ueberraschende Nachrichten von unserer letzten ATS und ihrem Gepaeck gehoert. Wir hatten es ja nach Tokyo zu WYS‘ Buero geschickt, weil die 5000 Yen, die wir fuer das Verschicken ihres Gepaecks hinten und vorne nicht reichte. Fuer das Geld kann man nicht einmal 7 kg per Seeweg verschicken. Und es waren mindestens 16 kg. Und da wir die Unmengen an Sachen nicht einmal in eine Kiste bekamen, sondern auf 3 Kisten aufteilen mussten, wuerde das Ganze noch teurer werden.

Das Gepaeck kam auch heil in Tokyo an und wurde mangels Platz unter den Stuehlen im Meeting Room gelagert und die Familie informiert. Aber bis zum heutigen Tage gab es keinerlei Reaktion. Da das Gepaeck dort wirklich stoert, kann WYS nicht mehr lange aufbewahren, sondern muss es, wenn absolut keinerlei Reaktion kommt, in naeherer Zukunft entsorgen.

Ich hatte noch ueberlegt, ob ich ihr trotz allem noch einmal eine Nachricht diesbezueglich schreibe, aber da sie mich anscheinend als Personifizierung allen Boesens aus ihrer Liste geloescht hat, hat sich das wohl erledigt. Dann wandern wohl ihre Slytherintasche oder auch der teure Hakama in den Muell. Ich gab Frau N. von WYS, als sie am Donnerstag in der Stadt war, noch die 5000 Yen. Und wenn jetzt wirklich nichts mehr kommt, dann koennen sie zumindest einen Teil der Transportgebuehren nach Tokyo und die Muellentsorgungskosten damit bezahlen.

Wo wir von Frau N. und ihrem Besuch hier sprechen, anscheinend gibt es dieses Jahr wohl 2 Schueler hier auf Kyushu. Die Schule der Daenin freut sich wohl anscheinend nicht nur auf sie, sondern auch darauf, mich kennen zu lernen. (0_0) Sie will auch von jetzt an aufnahmebereiter fuer Austauschschuelerinnen (ist ja eine Maedchenschule) werden und sich eventuell sogar ab dem naechsten Jahr direct einen ATS bei WYS bestellen. Das mag jetzt komisch klingen, aber in Japan ist das ziemlich verbreitet, dass Schulen sich fuer eine Aufnahme bereit erklaeren und dann innerhalb der Schule nach einer Familie gesucht wird. Allerdings wird dann aber ein „bestellter“ Schueler damit rechnen muessen, regulaer 2 bis 3 Familien zu haben. Bei der anderen Schule auf Kyushu ist es auch so, der ATS dort wird wohl je 5 Monate bei einer Familie wohnen. Nun gut, dann kann er oder sie 2 zweite Familien im Gastland haben.

Und ich hatte Frau N. nach der Moeglichkeit gefragt, ob unsere Daenin mit uns zum Sportfest auf die Insel fahren kann. Sie fand die Idee ganz toll und will fuer uns bei der Schule einen freien Tag beantragen. Gut, dann steht im Ganzen ja hoechstens noch ein Taifun und/oder ein aufgewuehltes Meer im Weg, die beide zur Streichung der Faehre fuehren wuerden.

Leider habe ich auch eine traurige Nachricht fuer unsere Daenin. Nicht nur, dass sie leider nicht das Kulturfest ihrer Schule erleben kann, sie darf anscheinend auch nicht an der Schulreise mit teilnehmen, weil diese in Klasse 11 stattfindet und sie aber in Klasse 10 kommt. Und es gibt wohl anscheinend auch keine Sonderregelung fuer ATS. Naja, dann kann sie wenigstens 100.000 Yen (ca. 900 Euro) fuer andere Sachen ausgeben. Und die Reise zur Insel ist ja nun auch nicht gerade billig, da die Faehre und die Uebernachtungen auch ungefaehr auf 22.000 Yen kommen.

 

Advertisements

Töchterle ist wieder zuhause

Die Sommerferien haben angefangen, und für Töchterle bedeutete das, für 5 Wochen Abschied von ihrer Insel zu nehmen. Die Austauschschüler und anscheinend auch einige Lehrer nahmen die Tagestripfähre, und fuhren knapp 8 Stunden ueber das Sommermeer, bis sie dann sicher in Kagoshima ankamen. Da es mittlerweile schon für die meisten Schüler zu spät war, um doch noch am gleichen Tag nach Hause zu fahren oder zu fliegen, übernachteten sie im Rathaus des Dorfes und verstreuten sich dann am nächsten Morgen in alle 4 Himmelsrichtungen.

Söhnle war schon die ganze Zeit völlig aufgeregt, dass sein geliebtes Schwesterle wieder nach Hause kommen sollte. Und so fuhren wir dann zum Hauptbahnhof, um sie dort vom Shinkansen abzuholen.

Und ich bin begeistert von den Veränderungen. Körperlich ist unsere Grosse jetzt schon ganz schön junge Dame geworden. Und hübsch dazu. Aber am besten ist ihr konstantes Lächeln auf dem Gesicht, das der beste Beweis ist, wie sehr sie auf dem besten Weg ist, mit sich ins Reine zu kommen. Ich weiss gar nicht, wann ich sie das letzte Mal so glücklich gesehen hatte. Sie ist jetzt auch viel mehr verantwortungsbewusst als vorher. Ich erlitt ja fast einen Herzinfarkt, als sie mich fragte, ob sie mir mit irgend etwas helfen soll.

Der Inselaustausch ist wirklich das Beste, was ihr hätte passieren können. Ich freue mich wirklich zu sehen, wie sie sich weiterentwickelt.

Das einzige Traurige ist, dass sie die Fähre am 25. August zurücknehmen muss, weil sie in der letzten Ferienwoche ein Camp mit den anderen 3 Inselschulen. Unsere neue ATS kommt am 26., und im schlimmsten Fall werden sich die beiden Maedchen nicht vor Weihnachten kennen lernen.

Endlich vorbei

In der Regel bietet das Ende eines Jahres immer doch Anlass zu Traenen, auch wenn bei manchen Schuelern dann noch einfach nur Muedigkeit da ist und man sich freut, dass es (erst einmal) vorbei ist. Aber im Fall unserer kleinen Finnin waren wir doch sehr begeistert zu hoeren, dass sie uns wieder besuchen kommt. Die deutsche ATS ist vor ueber 2 Wochen abgefahren, und nicht nur, dass ihre Abwesenheit keinen Verlust bedeutet, sie hat sogar die Lebensqualitaet verbessert.

Sie ist die erste ATS, die Maennle und ich fuer einen Austausch fuer voellig ungeeignet halten. Und anscheinend waren wir da nicht die einzigen: 4 deutsche Orgs., darunter auch 2 kommerzielle hatten das gleiche Gefuehl. Sie sah es aber als etwas an, auf das man stolz sein muss, weil sie nach 4 Misserfolgen endlich jemanden gefunden hatte, der sie nach Japan liess.

Ja, natuerlich gibt es immer ATS, die arrogant, egoistisch, manipulativ oder sonst wie unangenehm sind (ich denke da nur an die Thai von vor 9 Jahren.) Aber bei ihr sind wir uns uns beide einig, dass es eine unangenehme Mischung zwischen fehlender Intelligenz und mangelnder sozialer Grundkompetenzen war.

Man kann ihr Sachen 5 Mal erklaeren, und man konnte Geld darauf wetten, dass sie es beim 6. Mal wieder falsch macht. Sie hatte null Gefuehl dafuer, was jetzt wichtig ist. Alle fangen an zu arbeiten, sie nimmt die Ratten aus dem Kaefig und faengt an, damit zu spielen. Der Grund, warum sie sich schnell wieder in ihr Zimmer zurueckzog, war wohl nicht Ungluecklichsein, sondern die Tatsache, dass das Japanisch ihr dann Kopfschmerzen bereitet. Und das Schlimmste war dann, dann sie dann sinnlose deutsche und englische Clips auf YouTube anschaute, was fuer ihr Japanisch auch nicht gerade foerderlich war. Kein Wunder also, dass sie selbst am Ende ihres Jahres nicht einmal normales Alltagsjapanisch verstand. Und das gesprochene Japanisch hatte das Niveau, was normale ATS nach ein bis zwei Monaten hatten, und im Grossen und Ganzen aus auswendig gelernten Phrasen bestand.

Sie fragte nichts, sie verstand ungeschriebene japanische Regeln nicht, selbst wenn man sie auf Deutsch erklaerte. Sie trug nichts zum Familienleben bei. An manchen Tagen hatte ich sie nicht einmal getroffen, weil ich frueh los musste und sie dann abends schon in ihrem Zimmer war. Sie scheint wohl eher ein Nachtmensch zu sein, was dann dazu fuehrte, dass sie an Nichtschultagen bis Mittag schlief. Sie lernte wohl auch Japanisch, aber sie konnte sich einfach nicht die Vokabeln merken. Von Kanjis ganz zu schweigen, so dass sie nach dem Jahr weder das Kanjiexamen fuer die Erstklaessler (Kanken Niveau 10) oder den JLPT Niveau 4 bestanden haette. Selbst bei Niveau 5 waere ich mir da nicht sicher, einen Grosteil der wirklich elementaeren Grammatik davon beherrschte sie zumindest nicht nach all der Zeit. Und wenn sie uns mal japanische Nachrichten schickte, dann waren es definitiv wortwoertliche Uebersetzungen aus dem Deutschen.

Aber die Sachen, die sie sich die letzten Tage noch geleistet hatte, liessen einen bloss die Haende vors Gesicht schlagen. Ich hatte ihr schon 10 Tage vorher gesagt, wie sie das mit ihrem Gepaeck machen muss und wann sie spaetestens was abschicken muss, damit sie es dann auch in Tokyo hat. Das wurde natuerlich voellig ignoriert oder alles nur auf die letzte Minute gemacht. 20.30 Uhr am letzten Abend sah ihr Zimmer immer noch aus wie ein Saustall. Nicht, dass sie mir geglaubt haette, dass man durchaus einen Tag braucht, Sachen zu packen und sich abreisefertig zu machen. Nein, sie musste doch noch mal zu ihrem Schulklub tigern und dort den letzten Tag verbringen. Dann fiel ihr ploetzlich ein, dass sie ja gar kein Geld fuer ein Reisbaellchen frueh im Bus haette und verlangte von meinem Mann, dass er sie doch zum naechstgelegenen offenen fahre. Der bei uns um die Ecke hatte ja nur bis 18 Uhr auf, und bis dahin war ihr nicht aufgefallen, dass sie kein Geld hatte.

Am naechsten Morgen forderte sie dann von meinem Mann, ich bin ja so wieso nur boese und unterstuetze sie nicht, dass er ein Paket fuer sie abschicken solle. Das Geld dafuer solle er durch den Verkauf ihres Fahrrads bekommen und duerfe auch den Rest des Geldes behalten. Sie erwartete allen Ernstes, dass man dafuer 30.000 Yen bekommen wuerde, wo sie es nur fuer etwas ueber 20.000 Yen gekauft hatte und es mittlerweile 10 Monate alt war. Gluecklicherweise streikte da selbst mein viel zu gutmuetiger Mann, so dass sie ihm zaehneknirschend 5000 Yen (45 Euro) gab.

Mir war das hinterbliebene Chaos, sie hatte nicht einmal ihr Bett abgezogen, doch zu viel, um es gleich anzugehen, so dass ich es auf spaeter verschob. Dann bekam ich ploetzlich eine Nachricht von einem Maedchen, das zwar auf die gleiche Schule geht, aber weder Klassenkameradin noch irgendwie eine gute Freundin war. Die ATS hatte ihr wohl aufgetragen, die Geschenke, die sie fuer ihre Klasse angefertigt hatte, mit dem FAHRRAD mit zur Schule zu nehmen. Leider war sie auch zu gutmuetig, um das abzulehnen. (Nur fuer die Akten, wir bekamen nicht das geringste Dankeschoen fuer die 10 Monate, nicht einmal einen billigen Blumenstrauss fuer 500 Yen.)

Da Toechterle in etwas ueber 2 Wochen nach Hause kommen sollte, sie geht ja auf eine Inselschule in Japan und wohnt dort bei einer Gastfamilie, machte ich Bestands- oder besser Schadensaufnahme im ATS-Zimmer. Und da sah ich zu meiner grossen Ueberraschung einen riesigen Berg mit Zeugs liegen. Erst dachte ich, dass das nicht weggeworfener Muell sei, bis ich ihre geliebte Harry Potter-Tasche, fuer die sie toeten wuerde, sah und das Schlimmste vermutete. Und ja, anscheinend hatte sie es nicht einmal fuer notwendig gehalten, die Sachen einzupacken. Klar macht das irgend jemand fuer sie! Ganz zu schweigen davon, dass sie mal geistig durchgeht, ob so viel Zeugs ueberhaupt in eine Kiste geht und, kurz mal gemessen mindestens 16 kg Gepaeck, wirklich fuer 5000 Yen (45 Euro) nach Deutschland geschickt werden kann. Und das, obwohl sie erst 6 Tage vor ihrer Abreise eine grosse Kiste abgeschickt hatte, die meines Wissens auch nicht voll war, und sie wissen muesste, was sie dort bezahlt hatte.

Ich kontaktierte WYS, und sie waren echt entsetzt ueber so viel Ignoranz und Idiotie. Sie baten mich also, den Kram fuer sie zu packen und nach Tokyo zu schicken, wo sie sich dann um den Rest kuemmern wuerden. Die 2 grossen Kisten, die im Zimmer rumstanden, reichten nicht einmal fuer alles, so dass wir letzten Endes noch eine 3. Kiste nehmen mussten, um das Zeugs zu verpacken. (Das hatte uebrigens nur 15 min gedauert, also an Zeitmangel kann es nicht gelegen haben.) Selbst wenn sie das langsame Schiff (bis zu 8 Wochen) gewaehlt haette, wuerden die 3 Kisten an die 200 Euro kosten. Da die WYS-Leute Japaner sind, nehme ich mal stark an, das sie das Zeugs mit EMS verschicken, so dass es ihre Eltern letzten Endes schnell 400 Euro kosten wird. Und ich bin mir nicht sicher, ob der Wert der Sachen ueberhaupt so hoch war. Da war so viel Zeugs mit dabei, dass von dem man sich als ATS haette trennen muessen, weil auch das ein wichtiger Teil eines Austauschjahres ist. Man kann einfach nicht jedes Stueck Papier aufheben, nur weil es der geliebte Sempai mal beruehrt hat.

Danach raeumte ich das sogenannte aufgeraeumte Zimmer auf und putzte es durch, und es kostete mich trotzdem noch 4.5 h meines Lebens. Aber dieses Maedchen, das jetzt immerhin schon volljaehrig ist, hatte das Gefuehl, dass sie nichts falschgemacht hatte. Ich kann voll verstehen, dass sie von 4 Organisationen abgelehnt wurden, darunter auch 2 kommerziellen. Wenn dem so ist, wie tief muss da das Niveau der Org. sein, die sie fuer geeignet hielt. Leider wusste keiner davon, bis sie mal nach ihrer Ankunft in Japan ganz stolz davon erzaehlte, dass sie es dann nach so vielen Anlaeufen dann doch geschafft hatte.

Uebrigens hatte WYS genau solche Probleme bei der Betreuung gehabt. Man konnte zu ihr nicht durchdringen, ihr Japanisch war so gut wie non-existent. Und wenn ihr Englishniveau wirklich das durchschnittliche von einer deutschen Realschule ist, dann verstehe ich langsam, warum Deutschland in PISA so relativ schlechte Ergebnisse bekommt. Und selbst ihr Deutsch war oft konfus, dass ich selbst geschriebene Sachen nicht verstand. Und sie machte grobe Grammatikfehler wie Les das mal! Oder Esst du das? Und wenn ich Sachen auf Deutsch erklaerte, konnte sie auch nicht wirklich folgen.

Ich werde am 2. August die Leiterin treffen, die dann die offizielle Begruessung bei der Oberschule der naechsten ATS macht. Und dann gebe ich ihr die 5000 Yen, und dann hat sich das Thema endlich erledigt.