Obon, Love Hotels und Dazaifu

Die allgemeine vorgeschriebene (?) Urlaubssaison hat begonnen, und ganz Japan muss oder darf 3-4 Tage freinehmen. Maennle hatte auch 2 Tage frei, die sogar mal auf meine eigenen Freitage fielen, so dass wir beschlossen, waehrend der Tage nach Fukuoka zu fahren und Dazaifu und Fukuoka Stadt unsicher zu machen. Nun bleibt die Frage,  wie man einigermassen guenstig doch noch irgendwie an ein Bett fuer die Nacht kommt. Die Wahl fiel auf ein oertliches Love Hotel.

Auch wenn das im Allgemeinen mit Stundenhotel uebersetzt wird, so hatten wir schon vorher mal gehoert, dass es sich dabei i.d.R. um saubere regulare Hotelzimmer mit Zimmerpreisen (!!!) anstelle von Personenpreisen handelt, die nur neben dem Kondom im Nachtschraenkchen und ein paar Pornokanaelen neben den regulaeren TV-programmen manchmal auch noch Themenzimmer und/oder besondere „Spielzeuge“ anboten.

Fuer uns war es beide das erste Mal, so dass zumindest bei mir etwas Nervoesitaet da war, was sich aber als voellig unnoetig herausstellte. Um die Privatssphaere der Kunden zu schuetzen, wurde allerhand Aufwand getrieben, den es in regulaeren Hotels in Japan so nicht gibt. Dazu gehoerte, dass jeder Parkplatz halb von Vorhaengen verdeckt ist, damit man die dort drinnen sitzenden Personen nicht sieht. Weiterhin gab es keinen „FURONTO“, einen Eincheckschalter, sondern man musste sich ein Zimmer auswaehlen, den entsprechenden Knopf auf einer Schalttafel druecken und dann wurden eventuell noch vom Personal notwendige Sachen abgeklaert. Wer seine Privatsphaere schuetzen will und aufs laestige Ausfuellen von zig Papieren verzichten will, dem kann ich so ein Hotel nur empfehlen.

Die Zimmertueren dort im Hotel waren aus Metall und hatten eine Klappe in der Mitte, die mich etwas an Knasttueren denken liessen. Mir war der Sinn dieser Oeffnungen nicht ganz klar, bis es an die Bezahlung ging, die vorneweg ueber diese Oeffnung erledigt wurde.

Unser Zimmer oder ueberhaupt das ganze Hotel wirkte vom Stil her etwas altmodisch, auch wenn ich nicht sagen kann, dass es heruntergekommen war. Das Zimmer selber hatte ein 2×2 m Doppelbett, vielleicht das erste, das ich je in Japan gesehen habe, da alle bisherigen „Doppelbettzimmer“ nur welcher von 1,4 m x 2 m hatten. Weiterhin bot es zu unserer Freude einen Massagesessel, den Maennle auch gut arbeiten liess und Schultern, Ruecken und Huefte durchmassiert bekam.

Das Hotel selber bietet kein Fruehstueck, verstaendlicherweise, aber im Gegensatz zum Gros der anderen Hotels, die wir bis jetzt mal ausprobiert hatten, konnten wir uns mit dem Auschecken bis 11 Uhr morgens Zeit lassen. Wer mal laenger schlafen will, dem kann ich so ein Hotel echt nur empfehlen.

Eigentlich hatten wir vor, an dem Tag den grossen Schrein in Dazaifu und das Nationale Museum in Kyushu anzuschauen, um dann am Abend nach Fukuoka Stadt reinzufahren, aber der Sonntag war sooo unertraeglich heiss und schwuel und das Shopping Center wirkte soo angenehm kuehl, dass wir kurzfristig unsere Plaene aenderten, das Shopping Center unsicher machten und am Abend die Verfilmung von Himitsu – The top secret anschauten. „Dank“ der Kinopreise hier sind Kinobesuche so wieso eher Luxus, und nach den Erdbeben ist das Gros der Kinos noch bis auf Weiteres geschlossen, so dass wir beide den ersten Kinobesuch seit Jahren richtig genossen.

Unsere Wahl des Bettes fiel wieder auf das Love Hotel vom Vortag: sauber, dichtbei, einigermassen preiswert und … wir hatten ja da noch den Rabattschein vom Vortag. Der verwirrte die Bedienstete leicht, wieso wir denn einen vom gleichen Tag haben, bis sie begriff, dass wir ihn am Vortag bekommen hatten. Leider war das Zimmer mit dem Massagestuhl belegt, unser neues bot neben der Mikrowelle und einem grossen Schminkspiegel im Schlafzimmer exklusives Schwarzlicht fuers Badezimmer. Das mag ja bei Spielchen zu zweit aufregend sein, aber leider hatte sich da wohl jemand voellig in den Dimensionen das Bades verrechnet, was man bei aller „Liebe“ nicht zu zweit benutzen koennte. Dumm jelaufen!

Am 2. Morgen ging es dann frueher los, weil der Besuch des grossen Schreins in Dazaifu und das Nationale Museum auf dem Plan stand. Der Schrein ist ueber dem Grab von Sugawara no Michizane gebaut wurden, der spaeter dort als Gott des Lernens verehrt wurde. Wir schauten uns auch die Ausstellung ueber sein Leben an, und irgendwie kamen bei mir Gefuehle wie beim Denken an den glorreichen General von Nordkorea hoch: Michizane mag ja viel Gutes gemacht haben und ein relativ gelehrter Kopf seiner Zeit gewesen sein, aber diese Hyperglorifizierung liess mich echt sauer aufstossen.

Danach ging es zum nationalen Museum. Es war schoen gemacht, auch wenn ich, ehrlich gesagt, hoehere Erwartungen an das Museum hatte nach dem Tratra, der um das Museum und seine Eroeffnung gemacht wurde. Aber fuer nur 430 Yen fuer die Hauptausstellung ist es wirklich bezahlbar und hat ein gutes Preis-Leistungs-Verhaeltnis. Es hat auch eine sehr schoene kostenlose Ausstellung ueber Spielzeuge und Kunst und Kunst anderer Laender, wo Kinder sehr viel ausprobieren koennen, so dass wir uns als Plan auf den Kalender geschrieben haben, unsere 2 eigenen Kinder und unser neues Gastkind doch mal dort mit hinzunehmen. Hoffentlich klappt es, wenn im Herbst die Sonderausstellung ueber Manga stattfindet.

 

Kindermund

Als persönliches Mitbringsel aus Deutschland nahm ich mir diverse Teesorten mit, da hier selbst die 3-4 Standardsorten schnell doppelt so teuer sind wie vergleichbare Packungen in Deutschland. Von besonderen Mal ganz zu schweigen, für diese muss man schnell mal 7-10 Euro hinlegen.

Unter den Teesorten befand sich auch die folgende:

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Ich bot Töchterle einen an und bekam die empörte Antwort: Kaeru-iri ocha nomitaikunai. (Ich will keinen Tee trinken, wo man Froesche mit reingemacht hat.)

*Mama umkipp*

 

Stempelkarten

Japaner lieben Stempelkarten. Man bekommt eine Karte, entweder traditionel mit Stempel oder modern mit Chipkarte, und jedes Mal, wenn man im gleichen Laden wieder einkauft, bekommt man einen Stempel, und meistens, wenn man 10 zusammen hat, bekommt man irgendeine Belohnung.

Am 15. machte ich mit Soehnle einen Vertrag, dass er 100 Yen Taschengeld verdienen koenne, wenn er 10 Tage lang Mama und Papa helfen wuerde. Ich hatte ehrlich gesagt nicht wirklich daran geglaubt, aber Soehnle hatte mich in dieser Woche echt ueberrascht. Er ist alleine 2 Mal am Morgen vor der Schule zum Muellplatz gegangen und hat den entsprechenden Tagesmuell weggebracht, der sich in dem Monat seit dem Erdbeben angesammelt hatte. Er hatte das von Toechterle als „nicht aufraeumbar“ erklaerte Kinderzimmer in 30 min alleine aufgeraeumt. Und selbst beim Tischdecken sprang er auch sofort auf, wenn ich nur kurz den Stempel ansprach. Mit dem von heute hat er 7. Sollte sich an seinem Eifer nichts aendern, sollte ich wohl bis Dienstagabend das Geld vorbereiten.

Leider wirkt die Methode nicht bei allen Kindern. Toechterle ist wenig beeindruckt davon, so dass wir da eher nicht auf irgendwelche positiven Aenderungen hoffen sollte. Allerdings muss ich auch sagen, dass es immer haeufiger vorkommt, dass sie doch frueh die Spuelmaschine anwirft, so dass wir am Abend uns nicht erst noch durch kiloweises dreckiges Geschirr kaempfen muessen, bevor wir uns ans Abendessen kochen machen.