Unverständliches Englisch

Ich weiss gar nicht mehr, wie EkF und ich auf das Thema kamen, aber kurz vor Neujahr unterhielten wir uns ueber Badezimmer.
EkF: “Our bathroom is too big, so we don’t have a bathtub.”

Ich zweifelte erst an meinem Englischverstaendnissen, aber nein, es war, wie es klang: Unser Badezimmer ist zu gross, darum haben wir keine Badewanne.

Voellig irritiert fragte ich nach, weil diese Aussage absolut gegen meine bisherigen Erfahrungen ging. Es scheint, dass selbst in modernen finnischen Baedern der Standard so ist wie der in dem Bad meiner daenischen Gasteltern, die ihr Bad vor ca. 40 Jahren gebaut hatten: in einer Ecke gibt es eine Duschecke (mit oder ohne Duschvorhang), wo der Boden leicht um 3-4 cm nach unten verlegt wird, so dass das Gros des Wasser in dieses Becken fliesst und das Gros des Bades einigermassen trocken bleibt.

Durch die Saunakultur wird wohl relativ wenig wert auf Wannenbaeder gelegt, so dass Badewannen (mit Duschvorhaengen) nichts weiter als finnische Versionen von Duschzellen sind, so dass man nicht konstant durch Wasserlachen waten muss, wenn jemand mal eine Koerperreinigung durchfuehren musste.

Das zeigt mal wieder, dass man Sprache und die dahinterliegende Kultur nicht voneinander trennen kann.

Wo ich davon spreche, so erinnert mich das an eine Frage im Hoerunterricht, wo wir einen Wetterbericht hoeren mussten, dass ein Taifun mit Regen und Wind zu rechnen ist. Ungelogen waehlten wir alle “Regen- und windfeste Kleidung mitnehmen” als Antwort. Dann stellte sich aber heraus, dass die Aufgabe als Antwort “Die Trip absagen und spaeter mal fliegen” hoeren wollte. Das fuehrte zu wuesten Protesten, die unsere japanische Lehrerin absolut nicht nachvollziehen konnte. Das Problem der Frage war, dass die Aufgabe keine reinen Hoerverstaendniskenntnisse, sondern kulturelles Verstaendnis abfragte. Aber wer noch nie einen echten Taifuntreffer erlebt hat, der kann bei aller Liebe nicht nachvollziehen, dass “regen- und windfeste Kleidung” eine Chance gegen einen Taifun hat. Bzw. dass man nicht einmal dorthin kommen wuerde, weil die Flugzeuge nicht fliegen koennen und Faehren aus Sicherheitsgruenden eingestellt werden.

Die Zeit vergeht viel zu schnell

Hallo,

seit meinem letzten Eintrag sind schon wieder ueber 2 Monate vergangen. Ich hoffe, meine Leser haben einen guten Rutsch ins neue Jahr gehabt.

Uns geht es gut! Wir sind immer noch gluecklich zu fuenft. EkF geniesst auch ihre Zeit in Japan, auch wenn mich doch ab und zu mal braucht, um ihren Frust ueber z.B. den Englischunterricht in Japan loszubekommen. In vielem, wenn auch nicht nicht allem, kann ich ihr zustimmen, auch wenn ich persoenlich auch merke, an wie viel ich mich gewoehnt habe bzw. bei wie vielem ich einfach nur resigniert habe, weil es sich doch nicht aendert bzw. es ueberhaupt nichts bringt, sich aufzuregen, weil es nichts als Nerven kostet. Der Englischunterricht ist da eine Sache. Die Stellung der Frau eine zweite.

Das Jahr 2016 wird grosse Aenderungen fuer uns bringen. Oder am meisten noch fuer mich. Ich hatte das Gros von 2015 ueberlegt, ob ich mir wirklich noch meine jetzige Arbeit antun moechte, und als der sprichwoertliche Tropfen das Fass zum Ueberlaufen gebracht hat, hatte ich mich doch entschieden, meinen naechsten Vertrag abzulehnen. Ich hatte so Momente, wo ich Zweifel an der Entscheidung hatte, weil ich meine Kollegen wirklich mag, aber dann gab es immer wieder Ereignisse, die bestaetigten, dass das die richtige Entscheidung war.

Ich habe ueber Hello Work eine Arbeit vorgestellt bekommen, die fuer Japan unmoeglich hohe Vorbedingungen erwartete: fliessend Japanisch, TOEIC 800 Punkte oder mehr, mindestens 3 Jahre Auslandserfahrung. Die Bedingungen hatte ich erfuellt, so dass ich zu den 2 Pruefungen eingeladen wurde: eine jp-eng. Uebersetzungen eines Businesstexts, Erstellung eines Budgets nach japanischen Anweisungen, ein japanisches Interview, das dann anstelle von 15 min 45 min lang wurde, und fuer die 2. Pruefung Schreiben eines kleinen Aufsatzes auf Japanisch zu einem vorgegebenen Thema und Halten einer Praesentation auf Englisch, worauf ich dann noch ein groesstenteils englisch gehaltenes Interview ueber mich ergehen lassen durfte. Und dann wurde ich am 20. noch einmal gerufen und … mir wurde mitgeteilt, dass sie mich wollen. *umkipp*

Es ist zwar erst einmal nur ein Vertrag fuer ein halbes Jahr, weil sie sehen wollen, wie gut ich arbeiten kann und was ich drauf habe, aber sie sind sehr interessiert, mich weiterhin zu behalten. Auch wenn ich auch erst einmal nur auf Teilzeit dort arbeiten werde, so bin ich aber auch nicht wirklich ungluecklich darueber, weil ich nicht nur 30 min anfangen und dadurch auch eine Stunde frueher zuhause sein kann. Nein, selbst finanziell werde ich selbst unter den Anfangsbedingungen noch 20% mehr in der Tasche haben als bis jetzt. Das Beste ist noch, dass mein neuer Chef absolut nichts dagegen hat, wenn ich mit den Kindern z.B. 14 Tage nach Deutschland fliegen will, so ich nur genuegend Urlaubstage habe und rechtzeitig Bescheid gebe, so dass meine Arbeit auf meine neuen Kollegen verteilt werden kann. Es sind dort so viele Auslaender, so dass die Leute dort daran gewoehnt sind, dass die Nichtjapaner ab und zu zu ihren Familien und Freunden nach Hause fliegen koennten. *umkipp* Was fuer ein Unterschied zu meiner jetzigen Arbeitsstelle!

Toechterle hat gleich auch die neue Aussicht auf Mamas Anschlussarbeit genutzt, sich zu wuenschen, doch dann wieder ab September eine neue grosse Schwester zu bekommen. Naja, mal sehen.

Weiterhin werde ich den Arbeitswechsel nutzen, um mit meinen Kindern fuer 2 Wochen nach Deutschland zu fliegen und dort mein erstes Enkelkind und seine Mama und Papa, meine Hortnerin und meine Familie zu besuchen (Reihenfolge ist rein temporaer und nicht nach Wichtigkeit).

Alles in allem hat das Affenjahr so einiges interessantes in petto, ich hoffe mal, dass es bis Silvester so bleibt.