Stempelkarten

Japaner lieben Stempelkarten. Man bekommt eine Karte, entweder traditionel mit Stempel oder modern mit Chipkarte, und jedes Mal, wenn man im gleichen Laden wieder einkauft, bekommt man einen Stempel, und meistens, wenn man 10 zusammen hat, bekommt man irgendeine Belohnung.

Am 15. machte ich mit Soehnle einen Vertrag, dass er 100 Yen Taschengeld verdienen koenne, wenn er 10 Tage lang Mama und Papa helfen wuerde. Ich hatte ehrlich gesagt nicht wirklich daran geglaubt, aber Soehnle hatte mich in dieser Woche echt ueberrascht. Er ist alleine 2 Mal am Morgen vor der Schule zum Muellplatz gegangen und hat den entsprechenden Tagesmuell weggebracht, der sich in dem Monat seit dem Erdbeben angesammelt hatte. Er hatte das von Toechterle als „nicht aufraeumbar“ erklaerte Kinderzimmer in 30 min alleine aufgeraeumt. Und selbst beim Tischdecken sprang er auch sofort auf, wenn ich nur kurz den Stempel ansprach. Mit dem von heute hat er 7. Sollte sich an seinem Eifer nichts aendern, sollte ich wohl bis Dienstagabend das Geld vorbereiten.

Leider wirkt die Methode nicht bei allen Kindern. Toechterle ist wenig beeindruckt davon, so dass wir da eher nicht auf irgendwelche positiven Aenderungen hoffen sollte. Allerdings muss ich auch sagen, dass es immer haeufiger vorkommt, dass sie doch frueh die Spuelmaschine anwirft, so dass wir am Abend uns nicht erst noch durch kiloweises dreckiges Geschirr kaempfen muessen, bevor wir uns ans Abendessen kochen machen.

Deutschland oder Frankreich?

Bis alles in der Stadt wieder so ist, wie vorher einmal war, werden Jahre vergehen, auf der anderen Seite ist vieles wieder zu einem Alltag zurueckgekehrt. Wir leben in unserer Wohnung, die Kinder der Stadt gehen (fast) alle wieder in ihre vorhergehenden Schulen und nehmen wieder an ihren Schulklubs teil, ab 13. Juni geht fuer meine Kinder wieder ihre Schwimmschule weiter. Die Shopping Center, die die Erdbeben ueberlebt haben, so auch das grosse mit einem Kino und vielen interessanten Laedchen in unserer Naehe, haben wieder aufgemacht. Leider hat das, was J. vor 4 Jahren so gerne mochte, es nicht ueberlebt und kann wohl nur noch abgerissen werden. Aber naja, von unserer jetzigen Wohnung kommt man dort so wieso nicht sooo leicht hin.

Wie auch immer, bis die neuen Austauschschueler nach Japan kommen, duerfte sich fuer das Gros der Oberschueler hier das Leben in der Stadt vor und nach den Erdbeben kaum unterscheiden, von den teilweise spektakulaer zerstoerten Gebaeuden mal abgesehen. Wir haben uns daher auf den ausdruecklichen Wunsch unserer Kinder hin entschlossen, doch wieder einmal jemanden einzuladen. WYS hat uns wieder 2 Profile von sehr lieb und interessant wirkenden ATS geschickt:

H. (16), eine ATS aus Frankreich mit australischem Papa                                                            und
M.(16), eine Bosnierin, die mit ihrer Familie in Deutschland lebt.

Die Kinder befragt, kamen folgende Meinungen:

Soehnle: H. . Der Name ist suess.
Toechterle: H. . Sie kann schon etwas Japanisch. (*hust* Nur nach der Lernzeit zu gehen, duerfte M.’s Japanisch besser sein. Oder zumindest Kana kann M. schon 100% schreiben und lesen. H. dagegen noch nicht, auch wenn der japanische Brief von H. beachtlich war.)
EkF: H. . Sie ist knuffig.

Mhm, die Gruende sind nicht wirklich ueberzeugend, aber wenn auch niedlich, so dass Maennle und ich noch mal ne Nacht darueber schlafen muessen. Persoenlich sind meine Gefuehle jetzt 4:6 fuer H. Aber ich will mal sehen, wie Maennles letzte Entscheidung lauten wird.

Geburtstag nachfeiern

Toechterle hatte etwas Pech mit ihrem Geburtstag, so dass wir aus verstaendlichen Gruenden die Durchfuehrung auf die Zukunft verschoben. Toechterle war auch soo erwachsen, dass sie selbst sagte, dass sie kein Problem damit haette.

Alte und neue Freunde hatten mir angeboten, mir Sachen zuzuschicken, wenn wir irgend etwas nach dem Erdbeben noetig haetten. Essen und Trinken hatten wir genug, auch Dinge wie Kosmetikartikel oder Babysachen hatten wir entweder ausreichend oder brauchten sie gluecklicherweise nicht mehr. So bat ich sie, dass, wenn sie doch etwas machen wollen, doch fuer Toechterle ein kleines Geburtstagsgeschenk zu kaufen. Und nach und nach kamen kleine Paeckchen an, auch von WYS.

Und da auch der Grossteil der Baeckereien wieder aufgemacht hatten, beschlossen wir dann am Sonnabend, den Geburtstag nachzuholen. Toechterle hatte sich Mont Blanc Kuchen gewuenscht, den wir ihr natuerlich gerne besorgten. Und nach dem Kuchenessen gab es dann Geschenke, die bei Toechterle grosse Freudeschreie ausloesten. Der Geburtstag dieses Jahr wird wohl einer sein, den Toechterle wohl nie vergessen wird.