3 Wochen Schule sind vorueber

Seit der Einschulung sind 3 Wochen vergangen, und Toechterle geniesst sichtlich ihre Schule. Die Atmosphaere und Kultur der Schule scheint wirklich zu passen.

Erstaunlicherweise scheint nicht nur zwischen Maennlein und Weiblein ein entspanntes Verhaeltnis zu existieren, etwas, dass fuer Japan nicht die Regel ist. Auch die Sempai – Kouhai-Beziehungen, also die zwischen aelteren Jahrgaengen und juengeren Jahrgaengen, scheinen fuer unsere absolut traditionell denkende und Status / Rank ueber alles wichtig zu haltende Gegend hier in Japan absolut entspannt zu sein. Fruehere ATS waren erstaunt bis schockiert, in wie weit sie die Sempai fast wie Halbgoetter anbeten sollten. Ein Grund mehr zu hoffen, dass die neue Franzoesin dort auf die Schule gehen kann. Die letzte Franzoesin, die die Freundschaft zu Jungen vermisst hatte, haette es dort sicher auch gefallen.

Die letzten 2.5 Wochen hat Toechterle angefangen, die verschiedenen Schulklubs zu besichtigen, um dann einen fuer sich auszuwaehlen. Immer wieder zieht es sie zum Blasorchester hin. Also wuerde ich mal darauf wetten, dass sie ihn doch am Ende auswaehlt. Ich freue mich, wenn sie etwas findet, dass ihr Spass macht und Erfuellung gibt, aber einen ueblen Nachgeschmack laesst es trotzdem. Diese Klubs tendieren, sich jeden Tag, das Wochenende mit eingeschlossen, zu treffen. Proben an Schultagen und Anfeuern der verschiedenen Teams am Wochenende. Gluecklicherweise hat Covid-19 die Wochenendwettkaempfe gewaltig eingeschraenkt. Und da viele Schueler mit den Schulbussen anreisen, diese aber i.d.R. nicht am Wochenende fahren, halten sich wohl auch Schulklubaktivitaeten am Wochenende in Grenzen im Gegensatz zu hier in der Stadt. Und die Teilnahme hier wird wohl auch nicht so extrem gesehen, wie das schnell mal an anderen Schulen passiert, wo das „Schwaenzen“ des Schulklubs schnell wie eine Straftat geahndet werden kann.

Bei Toechterles Schule haelt sich auch mein „geliebtes“ KAGAI 課外 – ausserordentlicher Unterricht – in Grenzen. Meine Freundin hier aus dem Haus erzaehlte auch, dass ihr Soehnle, dass hier in der Stadt auf eine Schule geht, zur gleichen Zeit wie Toechterle los muesse, weil er wie fast alle Schulen hier „freiwillige“ nullte Pflichtstunden hat, wo die Schueler Pruefungsaufgaben loesen muessen. Zu Toechterles Erleichterung gibt es das an ihrer Schule nur montags nach dem Unterricht anstelle von Schulklubs.

Das ist ja schon mal ein schoener Anfang. Dann wollen wir mal hoffen, wenn die Schule so richtig nach der Goldenen Woche und dem Sportfest losgeht, dass es ihr dann immer noch gefaellt.

Eine Schraube und eine neue Mitbewohnerin

In der Kueche gab es so einige Dinge, die mich schon laenger gestoert hatten. Das Wetter war so wieso alles andere als sonnig, also aenderte ich meine Plaene fuer den Tag und fing an, die Kueche um- und aufzuraeumen. Dabei stellte ich fest, dass der Lueftungsventilator absolut „peechig“ war, wie das bei uns in der Gegend heisst. Ich baute ihn aus, und da fiel mir eine Schraube so ungluecklich in eine Ritze, dass dort im Guten kein Ranzukommen war. Ich gab nach mehreren Versuchen auf und entschloss mich, am Folgetag zum Baumarkt zu fahren und eine Ersatzschraube zu kaufen.

Toechterle hoerte von meinem Einkaufsziel und bettelte, dass ich sie doch mitnehmen solle. Dieser Baumarkt hat naemlich auch eine Kleintierverkaufsecke, und fuer meine Kinder war es schon seit 11 Jahren so eine Art kleiner Tierpark, auf den sie sich immer wieder freuten.

Toechterle lief freudig die Kaesten und Kaefige ab, bis sie vor den Dsungarischen Zwerghamstern stellen blieb und mich bat, ihr doch zu erlauben, sich einen halten zu duerfen. Nun ja, groessere Investitionen sind ja nicht noetig, weil wir ja immer noch die Kaefige der letzten Hamster und Ratten hatten. Und sie hat sich in dem Monat auch so angestrengt, dass ich das doch wuerdigen wollte. So suche sie sich ein kleines perlmuttfarbenes Hamstermaedchen aus, das nach laengeren Beratungsgespraechen mit Freunden auf den Namen Aoi (mit Kanji 葵苺 Malve(ngewaechse)+Erdbeere) getauft wurde. Warum auch immer!

Also doch noch einmal

Ich hatte WYS im Januar gesagt, dass ich generell der Aufnahme der Franzoesin, die ihr Jahr um ein Jahr nach hinten verschoben hatte, positiv gegenueber stehe, allerdings die letzte Entscheidung noch etwas herauszoegern will, weil ich sehen will, wie das mit Toechterle laeuft. Ihr pubertaeres Ausflippen im letzten Jahr und die Probleme, die sie uns dadurch erzeugt hatte, haben mich schon ziemlich erschreckt. Und mit Maennle nicht da hatte ich durchaus die Moeglichkeit in Betracht gezogen, dass die naechsten 3 Jahre oder so durchaus Kriegszustand werden koennten. Und unter den Umstaenden muss ich keine ATS haben, die dann vielleicht unschuldigerweise zwischen die Fronten geraet.

Heute musste ich extrem kurzfristig in der Schule an einer Zeremonie teilnehmen. Nach der Zeremonie hatte ich kurz die Moeglichkeit, mit der Klassenleiterin und dem leitenden Lehrer zu reden. Und beide schwaermten nur davon, wie sehr sich Toechterle in der Schule anstrengt und wieviel Spass sie zu haben scheint.

Auch zuhause lief und laeuft es zufriedenstellend. Klar, sicher ist es nicht so, dass sie immer sofort das macht, worum man sie bittet. Aber sie ist ja trotzdem noch ein Teenager und hat noch ein paar Teenagerjahre vor sich. Aber unter den Umstaenden kann man die Aufnahme schon riskieren.

Allerdings zeigte mir die ploetzliche Zeremonie auch, dass es schwierig wird, alleine zwei Schulen zu balanzieren. Ausserdem war ich ehe nie der grosse Fan der Maedchenschule, sondern habe mich eher mit ihr abgefunden, weil nichts anderes in Aussicht war. Ich finde Schulen, die sich bis vor kurzem noch stolz die Ausbildung von „guten Ehefrauen und weisen Muettern“ auf die Fahnen, ehm Homepage, schrieben und deren Schuelerinnen den Wechsel zur gemischten Schule ablehnen, weil Jungen schlampig sind und sich nicht an Regeln halten, einfach nicht mehr zeitgerecht. Und auch wenn ich Toechterle in dieser Richtung nichts von meiner Meinung sagte, so war ich auch innerlich froh, dass sie sich nicht fuer diese Schule interessierte, auch wenn ich nichts gesagt haette, wenn sie sie gewaehlt haette. Auch wenn es erst 2 Wochen sind, aber ich glaube mittlerweile, dass die jetzige Schule doch die richtige Wahl fuer sie war. Die Schule passt von Charakter her zu ihr.

Ich fragte also einmal unverbindlich die beiden Lehrer, wie Toechterles Schule an sich zur Aufnahme von Schuelern steht. Und auch wenn natuerlich das letzte Okay noch nicht gefallen ist, so waren die Reaktionen absolut positiv.

Daher rief ich WYS an, teilte ihnen meinen Entschluss zur Aufnahme mit und bat sie um einen Schulwechsel. Verstaendlicherweise war unsere Betreuerin darueber nicht wirklich gluecklich, aber sie versprach mir, das mal mit der Leiterin von WYS zu besprechen. Dann hoffe ich mal aufs Beste.