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Bald nun ist Weihnachtszeit

Ja, ich habe mich doch mal wieder dazu entschlossen, meinem Blog wieder etwas Leben einzuhauchen und geistige Erguesse von mir zu geben.

Nachdem ich diese Woche mal etwas genauer auf den Kalender schaute, stellte ich zu meinem grossen Erstaunen fest, dass

- ersten meinen Freundin Ines schon wieder ein Jahr aelter wird (Alter bleibt Betriebsgeheimnis, schliesslich ist man ueber 20. (^_~)
-das heisst, dass schon wieder diese nervige Jahresend-liest-doch-so-wieso-kein-Schwein-aber-wird-gesellschaftlich-gefordert-weil-man-sonst-als-undankbar-gilt-NENGAJOU-Karten-Saison angefaengt und die Anzahl der zu beantwortenden Karten jedes Jahr in die Hoehe steckt
-ich mich langsam mal um Weihnachtsgeschenke kuemmern muss und sehen muss, dass ich Weihnachtskarten fuer meine Familie in Deutschland erstehe
-dass ich sehe, dass ich endlich mal dieses Jahr meinen Weihnachtsschmuck raussuche, wenn hier schon sonst nichts ein Gefuehl fuer Weihnachten vermittelt.

Hier ist es einfach zu warm (o.k. 2-8 Grad ohne Heizung ist kaelter, als man so denkt), zu gruen, zu blauer Himmel mit Sonnenschein, als dass hier wirklich Weihnachtsstimmung aufkommt. Und die typischen Weihnachtsgerueche gibt es natuerlich auch nicht. Da koennen sich die pseudoamerikanischen Plasteweihnachtsbaeume und mit knirsch-kratz-autsch-die-Ohren-24/7-mit-Christmas-carols-volldudelnden Plastesantaclaeuse an jeder Strassenecke in der Innenstadt noch so anstrengen, die koennen einfach keinen Ersatz dafuer bieten.

In den letzten Jahren war entweder die Faulheit staerker (es interessiert meinen Mann nicht und die Kleine versteht’s so wieso nicht) oder ich hatte einfach zu viel zu tun (ein weinenden Baby gewinnt halt immer gegen irgendwelche Nostalgieanfaelle), jedenfalls wenn ich mir dann wirklich die Zeit nehmen wollte, war der Advent schon vorbei. Darum – selbst mal auf die Schultern geklopft – habe ich mir heute endlich mal die Zeit dafuer genommen und alles rausgestellt. Jetzt stehen daenische Kerzen friedlich neben Lichterbogen und Engeln aus dem Erzgebirge, wogegen gleich daneben japanische SANTA-saenner made in China stehen. Das ist doch Internationalisierung wie sie leibt und lebt.

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Was YFU und unsere ATS betrifft, so haben wir uns Mitte August voneinander getrennt. Ihr Stand zu unserer Familie war “ich brauche ein Bett und Essen” und “Ich kann nun mal nicht mit kleinen Kindern, dafuer brauche ich Klubleben bis 21.00 Uhr”, und das aenderte sich auch nicht im Geringsten. Dann kam die Ankuendigung vom Projektwechsel meines Mann, was entweder einen Umzug unsererseits oder ich-schmeisse-den-Haushalt-zu-99%-alleine geheissen haette, wodurch ich noch weniger eingesehen habe, warum ich mir dann die Arbeit in Bezug auf eine ATS aufbuerden soll, wenn da ueberhaupts NICHTS zurueckkommt. Also haben wir uns ohne die grosse Explosion getrennt, und unser Leben ist ruhiger geworden, auch wenn mir die Sache immer noch zu schaffen macht, und ich mich frage, wo ich einen Fehler gemacht habe oder einfach strenger haette durchgreifen muessen. Ich weiss nicht mehr, wer es war, aber jemand meinte, dass es halt doch nur Teenager sind. Und selbst liebe Teenager haben auch ihre Zicken und wollen ihre Grenzen ausreizen.

Auf der anderen Seite ist es auch so, dass YFU, genauer gesagt unsere Betreuer nicht echt sehen, wo das Problem ist bzw. war, weil es eben NORMAL ist, wenn Kinder ab der 7. Klasse wegen irgendeiner Sportart nicht einmal mehr zum Lernen oder gar Schlafen kommen und durch wirklich jeden Test fallen (vielleicht waere die Einfuehrung von Sitzenbleiben doch mal eine Ueberlegung wert) und dann ein halbes Jahr vor der naechsten Aufnahmepruefung fuer die naechste Schule oder Uni/Fachschule in Panik verfallen und Hauslehrer anstellen bzw. ein moerderisches Wir-pauken-bis-zum-Umfallen-Paukschulprogramm durchziehen, um den Lehrstoff der letzten 2,5 bis 5,5 Jahre nachzuholen. Und wenn man so ein Sportschulklubleben als GF akzeptieren muss, dann fange ich wirklich echt an meiner Eignung als Gastmutter in Japan zu zweifeln. Naja, einen letzten Versuch kann man dem Ganzen noch mal geben, wenn es klappt, dann kann es sein, dass ein Maedchen aus Deutschland zu uns kommt. Vielleicht muss man bei unserer Konstellation ja wirklich nur Leute aus Laendern aufnehmen, wo die Bedeutung von Familie zumindest gesellschaftlich allgemein anerkannt ist und verbreitet wird, selbst wenn es jetzt der Einzelne von sich aus nicht so kennen sollte. Zumindest in Korea und Thailand scheint es bei den besser gestellten Schichten, d.h. die Schichten, aus denen letztlich oft nur rekrutiert wird oder werden kann, NORMAL zu sein, Ausbildung der Kinder weit vor Familie zu stellen und Kinder fruehzeitig in die Obhut von Schulen zu geben (oder abzuschieben, wie man will), damit Eltern die Zeit haben, fuer die hohen Schulgebuehren zu arbeiten. Ich denke da nur an den Kommentar der Thailaenderin: “Sie wuesste nicht, worueber ich mich aufrege. In Thailand sei sie JEDEN TAG von 7 bis 24 Uhr im Schulklub bzw. Schule gewesen.” Und spaeter ist mir auch die Bedeutung des Satzes ihrer Lehrerin, dass “die ATS manchmal im Unterricht schlafe, wahrscheinlich wegen des Schulklubs” richtig klar geworden. Wenn fuer Essen, Waschen und Schlafen nur 7 Stunden bleiben, dann haengt man einfach auch durch. Es kann ja nicht jeder wie Napoleon sein. Ich hoffe mal, dass die naechste ATS das doch versteht, sonst wird sie, glaube ich, unsere letzte.

Liebe Gruesse

Higanbana

Unter wieder mal ein Sonntag

Sonntag morgen es wieder mal das erste gemeinsame Fruehstueck seit laengerer Zeit, zu dem sich auch N. ohne Diskussionen von <grossem Maedchen> wecken liess. Allerdings war sie trotzdem noch mehr im schlafenden als wachen Zustand, da ihr Nachmittagsschlaf zugunsten des Bowlings am Vortage ausfallen musste. Daher verdrueckte sie sich doch wieder ins Bett, was aber auch nicht soo schlimm war, weil Goettergatte und ich zum Ehemaligentreffen unserer alten Schule wollten. Die Kinder ins Auto eingepackt und zu unserem Babysitter gefahren und dann sind wir los zum Treffen, wo wir u.a. auch ein sehr interessantes Gespraech mit dem Vorsitzenden der Ehemaligenvereinigung fuehren konnten. Als wir gegen 2 Uhr wieder zuhause waren, war N. auch gerade erst seit 20 min wach und dabei, Mittagessen zu essen. Gegen 4 Uhr nahm ich mir doch mal selbst etwas Auszeit, und N. und ich gingen zusammen Shoppen, wie das ja heutzutage heisst. Jeder fand auch was Nettes, und auf dem Rueckweg schauten wir noch mal in einem Supermarkt vorbei, wo N. ihre geliebten kalten Nudeln zu einem wirklich unwiderstehlichen Preis fand und fragte, ob wir das nicht heute abend essen koennten. Ja, warum nicht, ich persoenlich mag die Nudeln auch nur zu gern. Und da Goettergatte fuer ne bestimmte Sache etwas Ruhe haben wollte und N. mindestens genau so wie ich ONSEN mag, beschlossen wir, die Kinder mitzunehmen und eben an dem Abend mal ausserhalb des Hauses die Kinder bettfertig zu machen.

Wir ueberlegten uns, dass wir ja mal ein anderes ONSEN als sonst ausprobieren koennten und fuhren zu einem in der Naehe von N.s Schule. Und dort gab es nicht nur ein grosses Becken und eines ausserhalb im Garten, sondern zu N.s grosser Freude auch 2 Saunen und diverse andere Becken. Mit ihrer Hilfe und der von netten “Eingeborenen” wurden dann auch die Kleinen an- und ausgezogen und saubergeschrubbt. Und… ja, ja, die Welt ist klein … da traf ich doch prompt wieder jemanden, der mich kannte.  Wir sind wohl vor 3 bis 4 Jahren mal zusammen Zug gefahren… *drop* “pretend to know people” – meine australische Freundin hatte ja so recht damit.

Ein kleiner Freund kommt zu Besuch

Am Donnerstag hatte ich mir endlich mal die Zeit genommen, wieder zum Haareschneiden zu gehen und fragte auch gleich mal nach dem Sohn des Friseurs, den ich vor 2 Jahren bei meinem ersten Besuch kennenlernte. Er ist ein aufgeschlossener, froehlicher 6t-Klaessler, den nur eine kleine Tatsache von seinen Altersgenossen unterscheidet: Er ist blind. Er war so froh, dass ich ihn nicht vergessen hatte, so dass ich ihn kurzentschlossen fragte, ob er nicht am Sonnabend mal zum deutsche Suessigkeitenessen vorbei kommen will. Und als ich sein Strahlen auf dem Gesicht sah, dachte ich mir nur, dass ich es echt mal frueher haette machen sollen.

Ich war doch etwas nervoes, ob er jetzt wirklich kommen wuerde, um so erleichtert war ich dann, als der Anruf seiner Mutter kam, dass sie jetzt losgehen wuerden. Ich hatte mir vorher doch schon einige Gedanken gemacht, womit ich ihm eine Freude machen koennte. Fotos ansehen bringt ja nicht viel, und selbst wenn ich beschreiben wuerde, dass z.B. meine Heimatstadt rot durch die vielen roten Daecher wirkt, bringt das ja nicht viel, wenn man das Konzept Rot nicht kennt. Aber man koennte ihn ja mal Muttis selbstgemachten Kraeutertee und Suessigkeiten probieren lassen. Und dann fiel mein Blick auch auf das Such-das-Kind-Haus von Toechterle, dass nur durch Tasten bestimmt eine tolle Herausforderung sein koennte. Und richtig mein kleiner Freund war von dem Haeusele extremst begeistert. Und zu meiner weiteren grossen Freude fand er den Kraeutertee und die Gummihasen auch sehr lecker. Ich legte ihm auch einige Smarties hin, die er dann sichtlich hocherfreut dicht an sein rechtes Auge fuehrte und fragte, ob sie eine bestimmte Farbe haben. Ich war etwas erstaunt und auch erleichtert zu hoeren, dass er auf dem Auge ganz kleine Sehreste habe und Licht und Farben wohl erkennen wuerde. Das macht natuerlich vieles einfacher. Auf jeden Fall verbrachten wir zu dritt zwei nette Stunden zusammen, bis ich ihn dann nach Hause brachte. Wenn er sich ueber so wenig so gluecklich und dankbar zeigt, dann werde ich ihn doch mal oefters zu irgend etwas mitnehmen, weil naemlich seine Eltern einen Laden haben und daher auch am Wochenende eher wenig Zeit haben, mit ihrem Sohn etwas zu unternehmen.

Was unsere ATS betrifft, so habe ich, glaube ich, ein bisschen resigniert, was ihre Einstellung zur Zeitverteilung auf Schulklub und Familie betrifft. Ich heisse es immer noch nicht gut, dass man mit einer schoenen Regelmaessigkeit nach 20 Uhr oder gar noch spaeter nach Hause kommt und selbst am Sonnabend wegen Klub bis 14 Uhr und dann Mittagsschlaf wegen der anstrengenden Woche auch an dem Tag auch kaum ansprechbar ist. Aber was will ich gross dagegen sagen? Sie bricht ja keine Regeln oder reist staendig oder ist staendig nur mit Thailaendern zusammen. Dann koennte man sich wirklich beschweren. Aber so, sie nimmt die Schule und den darin eingeschlossenen Schulklub wichtig, lernt Japanisch und macht auch i.d.R. puenktlich ihre Hausaufgaben. Und Goettergatte hat wohl auch seinen Spass mit unserer ATS, und auch Toechterle scheint eher positiv eingestellt zu sein und vergisst sie beim Eis- und Geleeverteilen nicht. Und zugegebenermassen ist sie ja auch nett. Naja, ich muss wohl akzeptieren, dass sie nicht annaehernd so sehr GastTOCHTER wird wie unsere ATS im letzten Jahr.

Heute ist sie mit ihrem Volleyballteam bowlen gegangen, und es scheint wohl das erste Mal zu sein, dass sie so etwas macht. Aber das sie die starke Tendenz hat, sich an unbekannte Dinge eher nicht ranzutrauen, duerfte der erste Versuch heute eine gute Erfahrung fuer sie sein.