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Dejavue Sportklub und ATS schwaechelt

J. hat sich dem Karateklub angeschlossen, einem Sportklub, DEM Albtraum fuer mich schlechthin. Alle boese Erinnerungen von der Zeit mit der Thai kamen wieder hoch, und saemtliche Alarmglocken klingelten in mir. Allerdings war es dank J.s Einstellung gar nicht so schlimm, wie ich befuerchtet hatte, weil sie mit ihrem Klub geregelt hat, dass sie nur 2 Mal pro Woche, sprich montags und mittwochs hingeht. Und ihr Klub hatte auch keine Probleme damit. Wenn sie also 2 Mal die Woche erst kurz vor 8 Uhr zuhause auf der Matte steht, dann duerfte selbst ich damit leben koennen.

Am Montag wollte sie gerne zu einem Feiertagstraining hin, aber selbst das war auch “nur” 2,5 Stunden lang, so dass sie puenktlich zu Mittagessen gluecklich und erschoepft wieder zuhause war. Mittwoch waere das letzte Mal Training vor der goldenen Woche gewesen, aber das waere der letzte Abend vor unserer kleinen Tour nach Oita und Miyazaki gewesen. Daher bat ich sie, doch dann bitte schon am Dienstag zu gehen, denn wenn sie schon so weit auf uns Ruecksicht nimmt, dann kann man ihr gerne auch mal Zugestaendnisse machen.

Goettergatte und ich machten uns Sorgen, ob sie nicht voellig nass nach Hause kommen wird, weil ploetzlich das HARE bis => KUMORI (sonnig bzw. wolkig) ploetzlich auf AME (Regen) wechselte. Und kaum hatten wir diese Sorgen ausgesprochen, da rasselte ein Schluessel im Schloss, und J. war zuhause. Aeh? (O_O) Was ist mit dem Klub heute? Da teilte uns J. mit, dass sie wegen Magenschmerzen und Schwindelgefuehlen auf den Klub verzichtet hatte. Ach du gruene Sch…ande!!! Wenn das das Gleiche ist, was die Kinder vor 2 Wochen oder so hatten, dann kommt auf beiden Seiten Freude auf und eine aufregende Nach auf uns alle zu. Und was passiert, wenn es ihr am Donnerstag nicht besser geht… ? Ich ging innerlich schon Vorschlaege fuer Plan B durch.

Dann klingelte das Telefon, und ihre absolut liebe Klassenleiterin war dran. Ich dachte erst, sie wollte sich wegen J. s Zustand erkundigen. Als ich aber dann ihr Anliegen hoerte, dachte ich, ich hoere nicht richtig … im wahrsten Sinne des Wortes.

Ueber eine Freundin von mir hatten wir an einer anderen Oberschule anfragen lassen, ob es denn nicht moeglich sei, am fuer J. schulfreien 14.5. mit der Tochter dieser Freundin zusammen zu deren Oberschule zu gehen. Diese ist im Gegensatz zu J.s Grossstadtschule eine Landoberschule, von der viele Schueler “nur” eine Arbeit nach dem Abi anstreben und somit die ganze Schulathmosphaere nicht so stark auf nur Pauken, Pauken und nochmals Pauken ausgerichtet ist.

Im Rahmen der stillen Post muss aber irgendwo ein grosses Missverstaendnis aufgetreten sein, weil der Direktor der Schule es so verstand, dass J. ein bis zwei Mal pro Woche auf die Schule gehen moechte. Und ueber diese Anfrage war, gelinde gesagt, sowohl der Direktor an der Land- als auch der an J. Schule arg erstaunt und wollten wissen, was das jetzt bedeuten solle.

Ich erklaerte der Klassenleiterin die Sache, die dann auch sichtlich erleichtert wirkte. Und sie fand es auch richtig gut, wenn man schulfreie Tage fuer Aktionen verwendet, die den eigenen Horizont erweitern, und nicht fuer schulregelnbrechende Aktionen wie Karaoke oder Purikura, die “schlecht fuer Koerper und Geist sind”. Von J.s Schule aus duerfte dem Besuch nichts entgegen stehen, jetzt muss nur noch die Landoberschule ihr O.k. geben, dass sie fuer einen Tag eine Schuelern mehr haben.

An unser kraenkeldes Austauschschuelerlein denkend warnte ich die Klassenleiterin auch vor, dass J. eventuell am Folgetag nicht in die Schule kann. J. schien ueber die Aussicht weniger als gluecklich zu sein, also machte ich ihr fuer alle Faelle ein Bento und schickte sie mit Medizin ins Bett.

Heute morgen begruesste mich allerdings ein immer noch nicht besonders gesund aussehendes kleines Maedchen, das immer noch ueber Unwohlsein klagte. J. wieder ins Bett geschickt, rief ich also die Klassenleiterin noch einmal an, um ihr die Situation mitzuteilen. Gluecklicherweise verlief das unproblematisch, obwohl ich wahrscheinlich nach der Goldenen Woche noch irgendwelche Papiere ausfuellen muss.

Plan B wurde immer akuter, bis dann aber am spaeten Vormittag ein besser aussehendes Maedchen aufstand, das sogar von Hunger sprach. Na, dann kann es ja doch nur noch bergauf gehen. Also stuerzte ich mich doch auf die Vorbereitungen fuer den Ausflug… .

Schulfreier Tag

Durch die geplatzte Geburtstagsfeier hatten Gasttochter und ich mal wieder einen Tag zuhause. J. nutzte den Vormittag, um ihr Zimmer aufzuraeumen und ein Paeckchen an ihre Eltern fertigzumachen. Ich hatte ihr versprochen, dass ich ihr helfen wuerde, es abzuschicken. Um Mittag herum fuhren wir zur Post, wo ich feststellen musste, dass sie die Formulare etwas geaendert hatten und man fuer die bis 2-kg Paeckchen nicht mehr selbst hausgemachte Aufkleber anfertigen musste. Das Paket wurde erfolgreich abgeschickt, und ich denke, wenn sie noch ein bisschen ihre japanische Adresse schreiben uebt, dann kann sie das auch das naechste Mal ganz alleine machen. Toll!

In Kyuushuu gibt es eine Kette namens STAMINA TAROU, bei der man fuer einen festgelegten Betrag 90 min so viel und alles essen kann, was in einen reinpasst: Yakiniku (gebratenes Fleisch), Salatbar, Sushi, japanische Gerichte, Nudelgerichte, Curryreis, Kuchen, Desserts, Eis, Obst etc. . Und mittags an Werktagen kostet das unter 1200 Yen, so dass wir uns vorgenommen hatten, sie unbedingt mal an einem solchen Tag dort mithin zu nehmen. Eigentlich war es als Geburtstagsessen zu 5 geplant, aber naja… . Auf jeden Fall war J. genau so begeistert wie unser Gast im August, und “OISHII” (lecker) war jedes 2. Wort von ihr.

Sie hatte mich auch gefragt, wie und wann sie mal zum Frisoer gehen koenne, und da einer gleich neben dem Restaurant war, gingen wir dorthin. Ich hatte jetzt eher damit gerechnet, dass ich jetzt doch helfend eingreifen muesse, aber meine Sorge war absolut unbegruendet. Die beiden schafften es ohne groessere Probleme, miteinander zu kommunizieren, und 15 min spaeter zeigte mir ein freudig-strahlendes kleines Maedchen ihre neue Frisur.

Nachdem sie schon am Sonntag mit ihren Freundinnen Schulregeln gebrochen hatte und es wagte, in einem Spielzentrum PUKIKURA zu machen, schlug ich also vor, dass wir ja jetzt auch noch die restliche Zeit nutzen koennten und auch mal Schulregeln brechen und das erste Mal zu Karaoke gehen. Und wieder war ein kleines Maedchen voellig ueberrascht, wieviel Spass das macht, so dass wir letzten Endes auch an dem Tag auf eine 2. Stunde verlaengerten. Ich hoffe mal, dass wir wieder einmal zusammen gehen koennen, denn auch ich hatte viel Spass. Und so verging ein schoener Tag wie im Flug…

Emails mit dem ATS

Ich hatte, da WYS unseren Franzosen sofort ueber die Platzierung in Kenntnis setzen wollte, mir mal die Freiheit herausgenommen, ihn vor unserem Urlaub mal per Mail anzuschreiben. Auf diese kam eine kurze Antwort, dass wir doch bitte seine private Mailadresse benutzen sollten und einige Fragen, die ich in den folgenden Mails beantwortete. Jedoch bis auf eine voellig identische Reaktion auf ein suesses Bild von den Kindern kam keinerlei Antwort, was mir doch etwas Sorgen machte.

Es stellte sich heraus, dass sein Mailsystem vorsorglich alle Mails von mir in den SPAM-Ordner gepackt hatte und es eine Weile dauerte, bis ihm das auffiel. Er scheint kein Problem mit unseren beiden Kleinen zu haben und wolle gerne ein
guter grosser Bruder sein, auch wenn er etwas besorgt schien, dass ich erwartete, er muesse immer und nur zuhause sein. Auch damit, dass seine Gastmutter keine geborene Japanerin war, schien ihn nicht sonderlich zu stoeren.

Vorschlaegen, dass es z.B. besser sei, sich hier ein Fahrrad zuzulegen und zumindest zu einer Schule in Kumamoto mit dem Rad zu fahren, schien er sehr positiv gegenueber zu stehen, auch wenn er sich natuerlich berechtigt Sorgen machte, ob sich das auch im Winter machen liesse.

Das Einzige, was mir etwas Sorgen macht, scheint seine totale und absolute Ablehnung von Religion, besonders der Kirche zu haben. Er las nur etwas von “Kirchgaengen am Sonntag”, als sofort die dringende Bitte kam, dass er doch bitte, bitte zuhause bleiben darf. Nicht dass irgendeiner von uns erwartet, dass er konvertiert, aber unsere Kirche sollte eher Gemeindezentrum als alles andere heissen und ist weit mehr als nur ein Ort zum Beten. Und eine der Schulen ist auch eine lutheranische koedukative Schule, die gerne auch ATS aufnimmt und meines Wissens auch schon welche von WYS hatte. Aber allein wegen der Glaubenszugehoerigkeit ist er einem Besuch auf dieses Schule nicht wirklich positiv eingestellt.

Ich habe ihm in Emails erklaert, dass er sowohl die Kirche als auch Missionsschulen nicht mit dem vergleichen darf, was er vielleicht von Frankreich her kennt. Ich hoffe jetzt, dass er das so akzeptiert und sich auf Neues einlaesst. Sonst kann es u.U. doch sehr anstrengend werden, wenn das staendig nur in Frage gestellt oder negiert wird.

Ich habe ueber die Tage bei meiner Schwiegerfamilie auch meine alten Lehrbuecher fuer Japanisch herausgesucht und sie ihm hier in den Schrank gestellt. Ich hoffe, er findet sich brauchbar. Auf alle Faelle hat er sich erst einmal sehr dafuer bedankt und seine Freude ausgedrueckt. Naja, mal sehen!